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Unter einem Dach

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Helene Hü Unter einem Dach Stuttgart, Gundert, 1897. Neuausgabe. Herausgegeben von Karl-Maria Guth. Berlin 2017. Umschlaggestaltung von Thomas Schultz-Overhage unter Verwendung des Edvard Munch, Drei Mädchen auf der Brücke, 1901. Gesetzt aus der Minion Pro, 11 pt.

210 pages, Paperback

First published January 1, 1897

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Helene Hübener

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Helene Hübener entstammt einem frommen mecklenburgischen Pfarrhaus. Sie war das zweite von sieben Kindern und wuchs in einfachen Verhältnissen auf. Als sie neun Jahre alt war, starb ihr Vater, und die Mutter zog mit den Kindern nach Rostock. In Rostock besuchte Helene Hübener eine Höhere Töchterschule. Anschließend lebte sie 26 Jahre als Stütze ihrer Tante in Sachsen, mit nur einer kurzen Unterbrechung, als sie als Erzieherin in einem adeligen Gutshaus in Mecklenburg arbeitete. Sie verließ ihre Tante und zog nach Rostock, um ihre Schwester Marie zu pflegen, die durch einen Unfall gelähmt war. So war Helene Hübener wieder in der Nähe ihrer Mutter, die kurz vor ihrem Tod zu ihr zog und von dieser bis zu ihrem Tode gepflegt wurde. Sie wohnte mit ihrer Schwester in Gehlsdorf in der Gehlsheimer Straße 3.

Helene Hübener heiratete nie und begann erst mit etwa 40 Jahren mit ihrer schriftstellerischen Arbeit. Sie schrieb ihre religiös geprägten Bücher in jeder freien Stunde, die ihr zur Verfügung stand und auch neben der anfallenden Hausarbeit. In den ersten Büchern wie Es muss doch Frühling werden und Drei Freundinnen verarbeitete sie ihre eigenen Erfahrungen als Gouvernante und als Stütze ihrer Tante. In ihren späteren Büchern griff sie oft auf die Erlebnisse und Erfahrungen ihrer Geschwister zurück, die Lehrer (Marie und Theodor) oder Pfarrer (Wilhelm und Friedrich) waren.

Helene Hübeners Bücher werden auch heute noch verlegt und waren seit ihrem ersten Erscheinen fast durchgehend erhältlich. Bis 1958 erschienen ihre Bücher im D. Gundert Verlag (Stuttgart), heute werden sie in leicht bearbeiteter Form im Verlag der Francke-Buchhandlung in Marburg im Rahmen der Reihe Heimatlicht veröffentlicht.

(Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Helene_H...)

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Profile Image for sabisteb aka callisto.
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March 25, 2011
Unter einem Dach wohnen 3 Familien, deren Schicksal und das deren Freunde dieses Buch erzählt.



Im Erdgeschoss lebt Frau Ehrlich mit ihren beiden Zwillingstöchtern Minchen und Jettchen. Um der Mutter eine Badereise zur Erholung ermöglichen zu können schneidern Minchen und Jettchen für Freunde und bekannte. Die beiden alten Jungfern (wohl ca. 28-35 Jahre alt) freunden sich bald mit Magda Binder an und stehen dieser immer mit Rat und Tat zur Seite.



Im ersten Stock lebt Familie Binder. Magda Binder lebte nach dem Tode ihrer Mutter für 12 Jahre bei ihrer Großmutter Frau Busch. Da diese Das Kind nicht wieder herausgeben will überlässt der Vater Magda die Entscheidung zu ihm, seiner neuen Frau und den 3 Halbgeschwistern zu ziehen. Magda entscheidet sich für die Eltern und zieht zu diesen. Das Leben ändert sich durch diese Entscheidung grundlegend. Während sie bei ihrer Großmutter in Luxus lebte und sich nur ihren Interessen und Vergnügungen widmete ist das Leben bei ihren Eltern durch Genügsamkeit und Pflichterfüllung geprägt, denn Frau Forstmeister Binder will, daß ihre Töchter einmal nicht als unnütze hilflose Wesen dastehen in der Welt; sie will sie zu tüchtigen Hausfrauen und praktischen Mädchen erziehen, die ihren Platz ausfüllen (S.132).

Magda findet sich in dieser neuen Situation nur schwer zurecht und sieht auf alle herab. Staubwischen und Aufräumen findet sie unter ihrer Würde, denn dafür hatte sie bei ihrer Großmutter Hauspersonal. Magda kann den häuslichen Tätigkeiten keine Freude abgewinnen (Die Ausübung ihrer Pflichten ist ihr Zwang und keine Freude, S.128) und kommt diesen nur unter Murren nach bis ihre Stiefmutter eines Tages nach einem heftigen Streit mit Magda, die sich weigert die Bügelwäsche zu erledigen, an einem typhösen Fieber erkrankt.

Magda macht sich schwere Vorwürfe und beginnt sich, zunächst wohl als eine art Buße, in die häuslichen Pflichten zu fügen. Durch die Krankheit von Frau Forstmeister geht deren sehnlichster Wunsch in Erfüllung „Magda sollte allmählich selbst zu der Überzeugung kommen, daß ein Leben treuer Pflichterfüllung dauerndere Befriedigung bringe als die Vergnügungen (S.120).

Das größte Opfer bringt Magda als sie Irene und Fritz Wendt ein gemeinsames Weihnachtsfest ermöglicht, obwohl sie Fritz selbst liebt und es sie sehr schmerzt das frisch verlobte Paar zu sehen aber nun „empfand (Magda) weit mehr Befriedigung, seit sie angefangen hatte, sich selbst nicht mehr zum Mittelpunkt zu machen (S.216).



Im zweiten Stock lebt Adolf Busch, Magdas Onkel, nur weiß zunächst keiner, dass es sich um ihn handelt. In seiner Jugend hat er aus Versehen einen Freund erschossen und flüchtete aus Deutschland um die Familienehre nicht zu beflecken. Er lebte 20 Jahre in der Ferne, heiratete und bekam eine Tochter. Als er auf einer Geschäftsreise ist brechen Unruhen in Kuba aus und seine Frau und Tochter müssen fliehen. Auf der Flucht stirbt seine Frau und das Schicksal seiner Tochter ist ihm unbekannt. Adolf Busch hält sich von den übrigen Hausbewohnern fern, da er sich noch immer wegen Mordes Verfolgt glaubt bis Magda seinen Freund bei Katherine Mattis, einer Jugendfreundin von Minchen und Jettchen lebend antrifft und diesen mit ihrem Onkel aussöhnt.

In der Tannenstraße lebt Frau Berner, eine Jugendfreundin der Forstmeiterin mit ihrer Pflegetochter Irene. Irene wurde von Ehemann von Frau Benders Tochter auf einer Geschäftsreise verwaist gefunden und als Kind angenommen. Nach dem Tode des Schwiegersohnes und ihrer Tochter hat Frau Bender Irene im Alter von 3 Jahre zu sich genommen und ist ihr seitdem eine gute Mutter gewesen. Irene uns ihre Mutter leben in großer Armut und vermieten daher eines ihrer Zimmer an Magdas Jugendfreund Dr. Fritz Wendt, der sich in Irene verliebt und sich mit dieser verlobt.

Nach dem Tode ihrer Mutter wird Irene von Binders aufgenommen, wo sich herausstellt, dass sie Adolf Buschs verschollene Tochter ist.



Die sehr unwahrscheinlichen Fügungen und Wendungen des Schicksals, die in jedem anderen Buch unglaubwürdig anmuten würden werden durch die tiefe Religiösität dieser Bücher durchaus treffend mit den Worten von Adolf Busch „Wie wunderbar sind Gottes Fügungen (S.203)“ erklärt, denn Gott kann natürlich auch solch unwahrscheinliche Dinge geschehen lassen, wenn man nur fest in seinem Glauben ist und Sein Wort lebt.

Auch in diesem Buch finden sich wieder die bekannten Hauptthemen Helene Hübeners Bücher.



1. Pflichterfüllung und treues dienen:

Auch in diesem Buch ist Pflichterfüllung und treues Dienen eines der Hauptthemen. Irene sorgt für ihre schwerkranke Mutter und arbeitet um dieser ein Dach über dem Kopf zu ermöglichen. Minchen und Jettchen dienen ebenfalls treu ihrer Mutter und helfen ihrer Schwester wo sie nur können.

Wer in liebe dient wird wieder geliebt werden oder „Wer liebe säet, erntet auch Liebe.“ (S.190). Das ist das Lebensmotto von Frau Forstmeister Bender. Sie versucht auch Magda diese Lebenseinstellung näher zu bringen und ihrer zu helfen einzusehen, dass es wichtigere Dinge im Leben gibt als seinen Vergnügungen nachzugehen: „es ist […] zu bedenken, daß junge Mädchen, die sich nur amüsieren, gar nicht lernen, an andere zu denken […] das nimmt die Gedanken so in Anspruch, daß sie gar keine Zeit haben, andere etwas zu liebe zu tun, und Liebe üben ist die Hauptsache unseres Lebens.“ (S.54)

Den größten Sieg, den Frau Forstmeister durch ihre selbstlose Liebe erringt ist das Herz von Frau Busch. Obwohl Frau Busch sie nie sehen wollte und sie verachtet pflegt die Forstmeisterin diese, als alle Freunde und Diener sie verlassen haben.

Ein besonderes Symbol für die absolute Aufgabe ihrer selbst um anderen in Liebe zu dienen ist, dass weder Name noch Herkunft der Forstmeisterin genannt werden. Sie ist immer nur durch ihre Tätigkeit definiert: Die Forstmeisterin, die Gattin, die Wohltäterin, die Stiefmutter oder Mutter. Sie selbst ist reicher Herkunft, jedoch verwendet sie das Geld meist nur um anderen zu helfen nicht um sich selbst das Leben zu erleichtern. Frau Forstmeister vertritt die Ansicht, „daß ein junges Mädchen nicht früh genug lernen kann, im Hause tätig zu sein und zu dienen.“ (S.41).

Auch Frau Ehlich vertritt die Ansicht, dass es keine unwürdige und erniedrigende Arbeit gibt als sie Magda fragt „Schändet uns denn irgendeine Arbeit?“ (S.58).



2. Reichtum macht nicht glücklich:

Genau wie Leberecht Witt in „Nur treu“ erfahren musste, dass Geld nicht glücklich macht, so ergeht es auch Frau Busch, der Großmutter von Magda. Als sie durch Misswirtschaft alles verloren hat muss auch sie einsehen: „Ich bin eine arme, unglückliche Frau, die sich auf ihr Geld verlassen hat und betrogen ist.“ (S.189) Jedoch bekommt sie, da sie ihren Fehler einsieht, eine zweite Chance in der Familie ihres Schwiegersohnes, der sie zu sich nimmt und ihr einen Platz inmitten einer liebenden Familie gibt. Diese Lektion hat Magda viel früher gelernt aber wohl genauso schmerzlich, denn an Luxus gewöhnt kann sie sich nur schwer in die Lebensphilosophie ihrer Stiefmutter fügen: „Ich möchte so gerne, daß Magda bei uns lernte, daß der Reichtum nicht glücklich macht, sondern daß das Glück von innen heraus kommen muß, daß diejenigen, welche wenige Bedürfnisse haben, bei weitem glücklicher sind als die, welche sich mit ihrem Gelde alles verschaffen können“(S.46). Jedoch [Magda] hatte einsehen lernen, daß ein Leben in treuer Pflichterfüllung, in Gottesfurcht und Einfachheit viel mehr Freuden in sich birgt als üppiges Wohlleben, Zeitvertändeln, Glanz und Luxus (S.147).



3. Ehlichkeit:

den Höhepunkt der Ehrlichkeit in Helen Hübeners Büchern findet man in Frau Ehrlichs, deren Name gleichzeitig eine treffende Beschreibung ihrer selbst ist. Sie sagt immer offen, was sie denkt „Du weißt, daß ich immer die Wahrheit frei herausrede; es ist besser ein Mensch weiß, wie er mit dem anderen dran ist (S.56).“ In der damaligen Zeit ist das eine sehr ungewöhnliche Einstellung, da man damals sehr bemüht war niemandem zu nahe zu treten oder zu verletzen. Diese höfliche Unehrlichkeit führte oft zu unnötigen Verwicklungen die durch eine gerade, ehrliche Art, wie jeder von Frau Ehlich vermieden hätten werden können. Sie ist es, die Magda ihre Standesdünkel durch eine einfache ehrliche Frage austreibt: „Sagen Sie einmal offen, Sie denken, Sie sind mehr als ich und haben deshalb nicht nötig, freundlich und herzlich zu sein. (S.57)“.

Frau Ehlich kann man als personifizierte Kritik an der Unehrlichkeit und höflichen Lüge der damaligen Zeit ansehen.



4. Gottesfurcht:

Wie in allen Büchern von Helene Hübener sind die Protagonisten sehr fromme Menschen, so auch Familie Bender: „Bevor die Kinder in die Schule gingen, las der Vater einen Abschnitt aus der Bibel, erklärte denselben und ermahnte die Kinder darnach zu tun.“ (S.78). Die Morgenandacht gehörte damals zum täglichen Ritual und fehlt auch in diesem Buch nicht.



5. Kindererziehung:

Auch in diesem Buch vertritt Helene Hübener die Ansicht, dass einem Kinde zum eigenen Besten der Wille gebrochen werden muss. Bei Magda, welche von ihrer Großmutter in kompletter Freiheit erzogen wurde ist der Eigensinn stark ausgeprägt. Magda neigt zu Wutanfällen und Trotzreaktionen, die meist einiges Unheil anrichten. Ihre Schwester Luise wurde anders erzogen „Das dankte sie [Luise Binder] ihren trefflichen Eltern, besonders der Mutter, welche durch die Erziehung schon früh den Eigenwillen bezwungen und das Kind schon früh gelehrt hatte, durch Gehorsam ihren eigenen Willen dem der Eltern unterzuordnen (S: 178)“.



6. Motto:

Auch dieses Buch steht wie die anderen unter einem Motto: „Wer liebe säet, erntet auch Liebe.“ (S.190)



7. Bildung der weiblichen Jugend:

Eine interessante Exkursion in diesem Buch ist der Besuch der Familie Bender bei Professor Müller. Diese Episode ist von der eigentlichen Geschichte unabhängig und muss daher mit einer bestimmten Absicht eingefügt worden sein.

Sophie Müller Möchte studieren, aber ihr Vater ist dagegen: „Seine Töchter sollten nicht die Grenze überschreiten, die den Frauen gesetzt ist, sie sollte nicht ihre Weiblichkeit verlieren […] aus seinem Hause sollten keine emanzipieren Frauen hervorgehen. Da wolle er lieber im Mittelalter gelebt haben, wo die Edelfrauen mit ihrem Mägden am Spinnrad gesessen und wo edle Weiblichkeit höher geschätzt worden als das Jagen nach Dingen, die sie Männer einmal besser verstehen als die Frauen (S.92)“.

Besonders der extreme und eigentlich überflüssige Vergleich des Vater mit dem Mittelalter, das allgemein als das „dunkle Mittelalter“ angesehen wird, zeigt deutlich, dass Helene Hübener, welche selber eine höhere Töchterschule besuchen durfte, diese Einstellung sehr missbilligt. Frauen sollte freuen Zugang zu Bildung haben und wenn sie studieren möchten, dann sollten sie das auch können, wie andere ihrer Hauptfiguren vorleben, die z. Bsp. den Beruf der Lehrerin ergreifen.
Die Seitenangaben beziehen sich auf die Ausgabe: 24.-28. Tsd von 1928
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