"In einer Familie gibt es keine Wahrheit, es gibt nur Geschichten." Wie ist es, wenn man keine Erinnerungen hat an den eigenen Vater? Und keine an das Land namens DDR, in dem man geboren wurde? Wenn man auf das Gedächtnis anderer angewiesen ist, um die eigene Geschichte zu verstehen? Schon als Kind hatte Johanna eine Vorliebe für Landkarten, die die Welt überschaubar machten. Nach dem Abitur ist sie aus der Uckermark nach Berlin gezogen, wo sie zum Ärger ihrer Mutter eine Ausbildung zur Straßenbahnfahrerin macht. Mit Reiner, ihrem Ausbilder, bewegt sie sich durch das wohlgeordnete Linien-netz der Großstadt und lacht über alte DDR-Witze, ohne sie zu verstehen. Mit Karl, dem elternlosen Weltenbummler, beginnt sie eine Affäre. Ihr Vater Jens hat die Familie kurz vor dem Mauerfall verlassen, da war Johanna zwei. Außer einer Postkarte an der Wand erinnert nichts an ihn. Doch dann ruft Jens an, und Johannas Lebenskonstrukt gerät ins Wanken. Plötzlich gibt es zahlreiche widersprüchliche Versionen seines Verschwindens. Ist er geflohen? Wurde er verhaftet? Hatte Johannas Mutter etwas damit zu tun oder gar Honeckers Krankengymnastin? Paula Fürstenberg erzählt zart, lakonisch und voller feinem Humor von einer berührenden Vatersuche, von blinden Flecken, biografischen Brüchen und von der Notwendigkeit, eine Geschichte zu haben, in der man sich einrichten kann.
Übrigens solltet ihr wissen: Fürstenbergs "Die Familie der geflügelten Tiger" ist ein ganz wunderbares Buch, das einen feinen Sinn für Sprache und ambivalente Figuren offenbart. Dieser Roman war auf jeden Fall ein überraschender Glücksfund.
"In einer Familie gibt es keine Wahrheit, es gibt nur Geschichten."
Elle qui veut connaître pourquoi son père n'est jamais revenu dans sa vie alors qu'elle était toute jeune et qu'elle retrouve maintenant, alors qu'il en est à ses derniers instants de vie.....
4 octobre 1989, Jens, le père de Johanna alors âgée de 2 ans, disparait quelques semaines avant la chute du Mur de Berlin. Elle grandit à Löcknitz, sans nouvelles de lui, avec sa mère, Astrid, collectionnant les vieilles cartes du monde incomplètes représentant des contrées alors encore inconnues: un clin d’œil à la scission des deux Allemagnes et à cet Ouest pourtant désormais accessible mais abritant, pense-t-elle, le mystère de la fuite de son père, ancien musicien en rébellion contre la Stasi. Quand il lui fait enfin signe, elle vit depuis 4 mois à Berlin où elle apprend à conduire des tramways. Il est à l'hôpital, mourant et privé de langage. Elle y rencontre Antonia, sa demi-soeur et Hilde, sa grand-mère qu'elle ne savait pas vivante, qui ne l'aident malheureusement pas à éclaircir la fuite de Jens. L'originalité du roman se trouve dans les rapports et procès-verbaux entourant l'arrestation de son père en 89, rédigés par un certain Séléné, qui s'avère être en fait elle-même. Pour se guérir, se consoler de l'absence paternelle, elle s'invente ainsi le récit de sa fuite. L'auteure fait ainsi la part belle à l'écriture et à son pouvoir thérapeutique.
Tolle Sprache, leichte und tiefgehende Sätze beziehungsweise ganze Abschnitte. Als Leser:in blieb ich ein wenig distanziert zur Protagonistin - möglicherweise ähnlich wie sie zu den anderen Figuren im Text. Mochte den enthaltenen Blickwinkel auf die DDR sehr gerne.
Eine spannende Sichtweise zur DDR. Es gibt einen guten Einblick in die Erinnerungen der Kinder der DDR. Johanna lebte selbst nur zwei Jahre in der DDR, dann öffneten sich die Grenzen. Sie wuchs nach der Wende ohne ihren Vater auf. Ihre Mutter konnte mit der Wende nicht zurecht. Sie ist selbst nicht fähig einfach weiterzumachen. Ihr Vater tauch nicht mehr auf. Die Mutter behauptet er sei noch vor der Wende über die Grenze. Als Antonia anfangs zwanzig einen Anruf von ihm bekommt, versucht sie ihn kennen zu lernen und seine Vergangenheit aufzuklären. Das Buch ist sehr melancholisch aber spannen. Ich konnte die Handlungen der Protagonistin nicht immer nachvollziehen. Sie blieb unnahbar, was aber vermutlich von der Autorin beabsichtigt war. Ich kann das Buch weiterempfehlen.
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