Twenty-five years after the end of the Cold War, a new Cold War is being waged in our societies. During the Cold War a theoretical model of man was developed by economists and the military, an egotistical being interested only in his own benefit and in duping his opponents to achieve his ends: a modern homo oeconomicus. After his career in the Cold War ended, he was not scrapped but adapted to the needs of the twenty-first century. He became the ringmaster of a new era of information capitalism. He sought to read, control and influence thoughts; to predict, price and eliminate risks. Today stock-market trading is guided by him. He uses computer algorithms and Big Data to build up detailed pictures of our preferences and then suggest and sell goods to us. The model has become a self-fulfilling prophecy. We are no longer the masters of our own fate. The Game of Life runs without us.
Schirrmacher traces the progress of this extreme rationalization of social life from the Cold War games of the 1950s Rand Corporation to the stock-market trading techniques that brought about the financial crash of 2008, showing how these developments were interwoven with the rise of game theory, rational choice theory and neoliberal economics. The state and politics increasingly submitted themselves to the logic of computerized game theory and an economistic view of the world, evading real decision-making in the process. In this brave new world individuals, alone in front of their computers, may think they are constructing a reality of their own choosing, but in fact they are being manipulated all along by others who are setting the rules of the game.
This international bestseller by one of Germany's most distinguished journalists is a powerful indictment of a way of thinking that has become pervasive and threatens to undermine not only parliaments and constitutions but also the sovereignty of the individual to be the person he or she wants to be.
Interessantes Thema aber leider wenig Substanz und dann noch ziemlich wirr geschrieben.
Schirrmacher verliert sich, wie schon im ersten Kapitel angekündigt, in seiner zentralen These. Anstatt sie zu untermauern oder auf Gehalt abzuklopfen, wird in den folgenden 30 Kapiteln reinste Rhetorik betrieben, die aber leider nicht sonderlich gut gelungen ist. Anstregend.
Alles ist logisch, wenn man erkennt, dass die Welt mit einem Poker spielt und jeder gewinnen will.
Im Februar 2013, als das Buch erschien, in einer Zeit, als die Welt noch heil war, in einer Zeit vor Edward Snowden und Foschepoths Forschungsergebnissen, da konnte man die Theorien dieses Buches noch als spinnerte Aluhut Verschwörung abtun. Kombiniert man aber die Erkenntnisse dieses Buches, mit Foschepoths Forschungsergebnissen über die flächendeckende Überwachung und Snowdens Enthüllungen, erklärt dieses Buch, warum Politiker, Regierungen und Konzerne, ja viele Menschen um einen herum, so agieren, wie sie es tun. Egoistisch, misstrauisch und teils sehr, sehr hinterhältig. Welcher Rentner hätte vor 20 Jahren misstrauisch reagiert, wenn man ihm einfach nur über die Straße helfen will und gefragt, was man dafür möchte und wäre erstaunt, dass man einfach nur nett sein wollte? Welche Arbeitskollegen hätten erstaunt reagiert, dass man einfach so hilft und Informationen preisgibt oder weitergibt, die einem einen Vorteil verschaffen würden, wenn man sie nicht teilt? Heute, leider, aus eigener Erfahrung, der Normalzustand. Was ist passiert? Wie konnte der Informationskapitalismus sogar die Gesellschaft, die Seele, das Ich des Menschen erobern? Warum ist das passiert, vor dem Prognos 1985 bereits warnte: „Innerhalb der Machtkonkurrenz ist es für jeden Teilnehmer zweckrational, Macht zu akkumulieren, wen er nicht untergehen will. Für das Ganze aber kann die ungehemmte Machtkonkurrenz tödlich sein.“ (Carl Friedrich von Weizäcker)
Es begann im Kalten Krieg. „[…], als sie erfunden wurde, gab man [RAND] ihr Namen wie »rational choice theory«, die Theorie des rationalen Handelns und den harmlosen Namen »Spieltheorie«.“ „Die »Spiele« der Spieltheorie waren reine Mathematik, und sie galten seit 1953 als militärische Geheimnisse, die abends von Forschern, die über hohe Unbedenklichkeitsbescheinigungen verfügten, in Panzerschränke eingeschlossen wurden.“ Einer der bekanntesten Mitentwickler dieser Spielertheorie war John Nash, der darüber wahnsinnig wurde. Warum? „Er war es, der mit anscheinend unumstößlicher Logik bewies, dass das Spiel des Lebens nur dann rational gespielt werden konnte, wenn jeder Spieler vom absoluten Eigennutz und einem abgrundtiefen Misstrauen gegenüber der anderen Seite getrieben war.“ Im Mai 1959 wurde bei ihm eine paranoide Schizophrenie diagnostiziert. „Das […] berühmte Nash-Equilibrium, […] ist nichts anderes als die mathematische Weltformel für konsequenten und erfolgreichen Egoismus.[…] Sie findet sich heute in Börsenalgorithmen von Hedgefonds, in Auktionsplattformen, in den mächtigsten Werbealgorithmen der Welt und vermutlich auch in sozialen Netzwerken.“ „Diese Vision, wonach jeder auf seinen eigenen Einfallsreichtum angewiesen ist, zynisch andere Menschen manipuliert bei gleichzeitiger Abwesenheit von auch nur einer Spur sozialer Intelligenz …, ist ziemlich genau das Bild des Agenten im Neoliberalismus. In einem Wort: Jeder Mensch wird auf den Status eines Unternehmers seines eigenen Ichs reduziert.“ Das ist genau das Blabla das man sich dann anhören muss in Bücher wie „Secret“ und „Bestellung beim Universum“. Du bist deines Glückes Schmied, „Wer Erfolg hat, hat ihn, weil er, wie »The Secret« postuliert, diesen Erfolg angezogen hat.“ Wer Misserfolg hat oder scheitert ist somit selber schuld. Damit wird soziale Niederlage von der Gesellschaft auf den Einzelnen zurückgeworfen. Wenn man selber schuld ist, gibt es keinen Grund, gegen das System aufzubegehren. Die nächste Bestellung beim Universum klappt vielleicht doch und wenn nicht, ist man selbst dran schuld, nicht etwa die spinnerte Idee, oder das neoliberalistische System, das einen mit Hartz IV dazu zwingt als Leiharbeiter für einen Lohn zu arbeiten, bei dem man noch beim Amt aufstocken muss.
Wie schwappte dieses ursprünglich geheime Wissen in unsere normale Welt?! Nach Ende des kalten Krieges brauchten die arbeitslosen Mathematiker und Physiker neue Jobs. Sie fanden sie an der Wall-Street unter anderem bei Goldmann Sachs. Wie wurden zu den sogenannten „ »Quants«, […] Mathematikern und Physikern, die in den Investmentbanken die finanztechnischen Killer-Produkte berechneten.“
„Die Informationsökonomie atmet die Luft einer Pokerrunde. Ihre Welt ist eine Welt, in der niemand wirklich sagt und tut, was er denkt, aber jeder und jede durchsichtig werden, wenn man ihnen egoistische Absichten unterstellt. Deshalb dieser gewaltige Bedarf an Informationen.“ Und deshalb die flächendeckende Überwachung der Bevölkerung durch die Geheimdienste! Je mehr Informationen sie haben, umso exakter könnten die Mächtigen des Systems vorhersagen, wie homo oeconomicus reagieren wird und wie man ihn (also uns alle) am besten manipuliert. Daher sagen die Politdarsteller und Mächtigen auch nie, was wirklich Sache ist, daher tun sie Dinge, die entgegen jedes gesunden Menschenverstandes sind. Sie spielen spieletheoretische Spiele mit der Bevölkerung zur kurzfristigen Gewinnmaximierung Einzelner und zum Schaden ganzer Völker, und was ist Merkel von Haus aus? Physikerin?! „Die in der gegenwärtigen Eurokrise amputierten Souveränitätsrechte europäischer Staaten und Parlamente sind kein Kunstfehler, sondern Teil seiner operativen Logik.“ „So fordern Bobbitt und andere ein digitales Paralleluniversum für die Geheimdienste und Sicherheitsbehörden des neuen Staats. […] So sollen die Informationen aller Geheimdienste der »freien« Welt zu einer einzigen Plattform zusammengebaut werden und nur für die zugänglich sein, die die Sicherheitsvoraussetzungen erfüllen. Zu den Forderungen der amerikanischen National Security Agency zählt ein »Google für Nachrichtendienste« und ein Open-Source-Direktorium, das Informationen im Netz sammelt, die nur kurz zugänglich sind, sowie vor allem eine einheitliche Jurisdiktion.“ Seit einigen Tagen kennen wir dank Snowden auch die Namen dieser Programme, die Schirrmacher hier schon 2012 nur postuliert: Prism, XKeyscore und sicherlich gibt es da noch ein paar mehr.
Wie konnte es passieren, dass wir zu homo oeconomicus wurden, entgegen aller Moral der christlichen Ethik? Entgegen des gesunden Menschenverstandes der Mitleid und Kooperation lehrt? „[…] das Problem ist, dass die Theorie nicht nur Handeln beschreibt, sondern Handeln erzwingt, sie ist nicht nur deskriptiv, sondern auch normativ. Sie postuliert nicht nur Egoisten, sie produziert sie.“ „Es hat sich herausgestellt, dass Menschen, die mit diesem Denken in Berührung kommen, ihr Verhalten verändern. Ein Weltbild, das hinter allem menschlichen Tun die unausweichliche Logik des Eigennutzes am Werk sieht, produziert Egoismus wie am Fließband.“ „beginnt eine Gesellschaft den Kalten Krieg mit sich selbst zu führen.“ In anderen Worten, wer von Egoisten mehrfach in die Pfanne gehauen wird, wird aus Selbstschutz auch zum Egoisten und somit zum aktiven Spieler in diesem spieletheoretischen Spiel. „Die Krise ist nur ein Symptom. Sie zeigt die Instabilität nicht nur von Märkten, sondern von Gesellschaften, in denen Gesellschaften wie Märkte und Menschen als »homo oeconomicus« organisiert werden. In meinen Augen: der erste Fall eines Systemversagens der Informationsökonomie.“ „Dieses Buch basiert auf einer einzigen These. Sie wird neuerdings wieder verstärkt von einigen Renegaten unter den Ökonomen mit dem Titel »ökonomischer Imperialismus« diskutiert. Damit ist gemeint, dass die Gedankenmodelle der Ökonomie praktisch alle anderen Sozialwissenschaften erobert haben und sie beherrschen (die imperialistischste ökonomische Theorie war bekanntlich der Marxismus).“
Was kann der Einzelne tun? Er hat zwei Möglichkeiten: Entweder mit dem Spiel oder gegen das Spiel spielen. Das System ist am Kippen, wie Weizäcker sagte: „Innerhalb der Machtkonkurrenz ist es für jeden Teilnehmer zweckrational, Macht zu akkumulieren, wen er nicht untergehen will. Für das Ganze aber kann die ungehemmte Machtkonkurrenz tödlich sein.“ Gegen Ende des Spieles kann es also aus Egoismus sinnvoll sein, gegen das Spiel zu spielen. Nett zu sein, zu helfen, altruistisch zu handeln, auch wenn man in die Pfanne gehauen wird, denn die Spieletheorie funktioniert nur in kurzfristig. Sie realisiert kurzzeitige Profite. Ethik, Freundlichkeit, Ehrlichkeit, Altruismus sind auf langfristige Profite ausgelegt, die eintreten können, aber nicht müssen. Wer sich entscheidet, gegen das Spiel zu spielen, wird am Anfang einige Verluste hinnehmen müssen, diese sind aber nur kurzfristig, langfristig wird es sich auszahlen die aktuellen Regeln der informationskapitalistischen Gesellschaft gebrochen zu haben. Wenn nicht monetär, dann doch zumindest persönlich, denn man hat seine Würde und Integrität bewahrt und sich nicht wegen bedruckten Papiers prosituiert.
Das Thema ist sehr komplex. Der Autor geht auch auf Sprachliche Aspekte ein, wie das Vokabular des kalten Krieges nun in wirtschaftlichen Zusammenhängen auftaucht. Es geht auch darum, dass Dracula, Frankenstein und Co noch eine weitere Bedeutungsebene haben, besonders für Liebhaber von Klassikern eine sehr faszinierende Theorie. Als Einstieg, bevor man das Buch liest, empfehle ich daher Alternativlos 29 auf fefes Blog und das Interview von Frank Schirrmacher und Ranga Yogeshwar im Gespräch bei der Philcologne auf WDR 5. Da werden die meisten Aspekte grundlegend erklärt, eine gute Vorbereitung, denn das Buch ist teils sehr philosophisch, da hilft eine solide Basis.
Eine sehr herausfordernde Lektüre, die einen ehrgeizigen Leser zum Nachrecherchieren bewegt. Wenn man bedenkt, dass er dieses Buch vor 8 Jahren, und somit noch vor dem Snowden Leak und den Social-Credit-System Konzepten der Chinesen, geschrieben hat, dann muss man schon den Hut vor diesem Herrn ziehen. Leider weilt Frank Schirrmacher schon seit 2014 nicht mehr unter uns :(
Something is rotten in the state of Denmark. In this case, Denmark is the digitalized world, the system of information capitalism, an economy dominated by "number 2", the rational choice economic agent replacing all of us in the worldwide digital economy. Indicators are the economic crises recurring in ever shorter cycles, digital and financial companies overtaking governments in importance, the advent of big data giving them access to all areas of life. Our digital alter ego, number 2, is becoming the true self, acting strictly due to game theory, maximizing utility as principle.
At least, that's what I made out of it. Rarely have I read a book where the author is beating around the bush so much without ever making his point. My summary above could be found a-dozen-a-dime on almost any blog with a critical view on today's society. What Schirrmacher wants to tell us, revolves around this mysterious number 2, game theory and a general mistrust toward all neoclassical and neoliberal beliefs. Schirrmacher's main inspiration is a rather esoteric economic work, Mirowski's Machine Dreams: Economics Becomes a Cyborg Science. In a crossover between various faculties, Schirrmacher collates an eclectic mix of sources and topics to prove... something, whatever.
Ego is close to unreadable mainly due to the feuilletonistic style, appropriate for Schirrmacher as editor of the FAZ but unbearable in book length. In efforts to add literary qualities, he's drawing comparisons to 19th century gothic literature (Frankenstein), alchemism and the first automatons. There's a true core to his concerns but I doubt that he figured it out himself. For a meaningful criticism of modern markets, big data etc. rather stay with experts on the subject. My hope to find something interesting on game theory and the consequences for the individual in today's society was severely disappointed. Occasional glimpses of worthwile insights suffer from not being thought out to conclusion.
abgesehen von den Verschwörungstheorien finde ich dieses Buch interessant, denn es zeigt deutlich die Herausforderungen, denen wir uns als Gesellschaft stellen müssen. Die digitale Gesellschaft bringt Aspekte mit sich, die für den Einzelnen kaum noch zu begreifen sind und dabei ist Big Data erst der Anfang. Diese Unsicherheit merkt man bei Schirrmacher selber und daher halte ich dieses Buch für lesenswert, auch wenn ich nicht seine Thesen vollumfänglich teile.
Frank Schirrmacher ist ein extrem relevanter Denker und ein starke, kritische Stimme.
Ob er aber hier zu seiner wahren schreibrischen Form gefunden hat, bezweifele ich.
Aus meiner Sicht kommt er nicht auf den Punkt, verführt und führt mich nicht in seine Gedankenwelt, kratzt nur schönschreibrisch an Ist- und War-Zuständen – und löst das Versprechen einer "Ego"-Gesellschafts-Analyse leider *nicht* ein.
Was der Autor uns sagen will, hat sich mir en gros nicht erschlossen.
der autor schafft es 2013 die zeit heuet perfekt vorrauszusehen. das buch ist definitiv sehr anspruchsvoll aber dennoch äußerst lesenswert. wenn man sich für die spieltheorie und den informationskapitalismus interessiert ein muss!
come la società sta/ha comprato le nostre anime... e le relazioni personali siano diventati rapporti di scambio. L'autore, consulente culturale della "Frankfurter allgemeine zeitung" può dare l'esempio di come si scrive un libro ai giornalisti nostrani: a metà strada tra piglio giornalistico e il rigore scientifico. Piccola e buona la casa editrice;ottima l'impaginazione. Al lettore che, dopo aver letto il libro, volesse toccare con mano, consiglio l'articolo (in rete) di Yuly Sannikov: "Moral Hazard and log run incentives", Princenton Un. press; un esempio di costruzione di un contratto di lavoro.
Für einen Konservativen bietet er sehr interessante Einsichten. Mich hat der Schreibstil genervt, der keinem roten Faden folgend (zumindest wurde der mir nicht ersichtlich) nicht in die Tiefe geht sondern sich ewig wiederholend oberflächlich bleibt. Was nicht heißen soll, es gäbe keine tiefen Einsichten, aber diese kommen eher zufällig als dass sie entwickelt werden. Dennoch: Lesenswert!
Wer es nach 150 Seiten immer noch nicht schafft, seiner These Fleisch auf die Knochen zu packen und eine klare Linie zu geben, für den habe ich auch bei den schönsten Anekdoten und Metaphern keine Geduld. So schreibt sich Schirmacher in die Paranoia, die er als der Grund allen Übels annimmt.
Ich habe es leider recht schnell abgebrochen. Aber es kam mir mindestens so manipulierend und auch verwirrend vor, wie die Zustände und Machenschaften, die das Buch anprangert. Mir scheinen die dargestellten Theorien sehr konstruiert und ich fand wenig neues darin.
Schon sehr reißerisch geschrieben. Aber die Verbindung aus Computertechnologie, Spieltheorie und Neoliberalismus fand ich höchst spannend. Es ist nur etwas lang geraten, dafür dass sich viele Dinge wiederholen.