Dieses Review enthält Spoiler für die gesamte Handlung!
1. Lob
-Keine einzige Harry Potter Reference
- wenige zu oft wiederholte Wörter
-Die "Kalle" Kapitel waren nicht schlecht, auch wenn Kalle Urban sich verdächtig nach Karl Urban, dem neuseeländischen Schauspieler anhört.
2. Die Handlung / Setting
Zu Anfang war ich positiv überrascht, da ich ein großer Fan von Scifi Literatur bin und das wirklich gerne lese. hab mich sogar ein bisschen gefreut auf den Schauplatzwechsel (das letzte Setting im dystopischen Berlin hatte mir nicht sooo gut gefallen. Es war in Ordnung, aber nichts sonderlich Aufregendes.) Dann wurde mir aber langsam klar, dass die Autorin keine Ahnung von Scifi hat...sobald das Schiff gelandet ist, und die Crew aufgewacht ist wurde es ziemlich langweilig.
Hier muss ich auf das generelle Konzept eingehen: insgesamt fand ich das Konzept des ersten Teils etwas besser. Es war zwar vorhersehbar, aber dadurch hatte es auch eine Richtung. Hier wusste Eva offensichtlich nicht so ganz wo sie hinwollte und hat sich vor allem mal wieder großzügig aus der mottigen Klischeekiste bedient. die Geschichte, dass Menschen die Erde verlassen um auf einen anderen Planeten zu siedeln gibt es schon sehr oft, auch wenn das Konzept immer wieder spannend ist und viel Potential hat. Das wurde in diesem Buch leider gar nicht genutzt.
Mein größter Kritikpunkt zum Setting aber ist, dass es völlig, KOMPLETT unterbenutzt war. es hatte Potential, wie das ganze Konzept, wurde aber vollkommen ignoriert. Die Mission, eine kleine Menschengruppe als Hoffnungsträger der Menschheit, die jahrelang durchs All fliegt und dann als erste Menschen überhaupt einen anderen Planeten in einem fremden Sonnensystem betreten, auf dem es auch noch hochentwickelte komplexe Ökosysteme gibt? ein absolutes Wunder! ein Meilenstein!
Leider waren alle Charaktere und v.a die Protagonisten aber zu beschäftigt mit ihrem Teenager Drama, um irgendetwas davon mitzubekommen (mehr dazu in Punkt 4).
Das Setting selbst war nur sehr vage ausgearbeitet hatte ich das Gefühl. Alles wurde nur oberflächlich beschrieben. Bäume und Pflanzen sind fast identisch mit denen auf der Erde, das kreative Design der Tiere ist wirklich nicht gut, (bunte Krokodile, seltsame Einhörner (?) und normale Schlangen).
Dass noch Menschen von der ersten Mission übrig waren war erst mal interessant, aber viel getan oder viele Informationen mitzuteilen hatten die alle nicht.
Die Handlung insgesamt war eigentlich in Ordnung. Vieles davon wurde aber durch unnötiges Drama, das eigentlich immer von Zoë ausging vorangetrieben und das war extrem ermüdend. Einen zusätzlichen Treiber, das PIPER Gerät einzubauen, das die Handlung vorwärts zwingt indem es Aufgaben erteilt ist zum einen sehr bequem, und zum anderen recht einfallslos. es kommt mir vor, als hätte ich diese Art von Handlungskatalysator schon 100 mal gesehen und gelesen.
Nun zu meinem größten Kritikpunkt: das Buch lässt einen nicht selber denken. Es füttert einen immer mit jeder Information und wiederholt sogar oft Dinge die schon mal ausführlich beschrieben wurden. Es gibt kompletter Erklärungen zwei mal wieder, als hätte es Angst, dass der Leser das auf den letzten 200 Seiten vergessen hätte.
Außerdem sagen -wie schon im ersten Buch - alle Charaktere immer laut was sie fühlen, und weshalb sie es fühlen. das Buch lässt keinen Raum für Interpretation, und das macht die ganze Sache sehr uninteressant, oberflächlich und farblos. Die Regel „Show, don’t tell“ war der Autorin wohl leider unbekannt. Ich wurde die ganze Zeit das Gefühl nicht los, dass Eva glaubt ihre Leserschaft wäre etwas dämlich.
Zwischenfazit: YAF dystopian novel Autoren sollten keine Scifi Bücher schreiben, und ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, warum Eva Siegmund dachte, dass das eine gute Idee wäre.
aber wie könnte ich vollendet über die Handlung dieses Buches sprechen, wenn ich nicht...
... 3 das "überraschende" Ende
erwähnen würde!
Oh das Ende....ich könnte stundenlang nur darüber reden, denn das ist ein Thema, das mich schon lange beschäftigt. Aber ich versuch es kurz zu machen:
ein Buch-, Serien- oder Filmende ist nicht gut, nur weil es unvorhersehbar ist. Es muss zu einem gewissen Grad vom Leser erahnt werden, und in den Kontext der Geschichte eingefügt werden können. Nur weil etwas random passiert womit man nicht gerechnet hätte, ist es nicht gut. Wenn man versucht, den "mindblow" Effekt zu erzielen, muss man den Leser auch auf den Weg dorthin mitnehmen. ein Plot Twist ohne Grundlagen ist kein Plot Twist, sondern einfach nur sinnlos.
Aber zu diesem Ende:
Ich habe es schon vorhersehen können trotz seiner Sinnlosigkeit (dafür reichte das Grundthema der Geschichte, das ja Computer Simulationen und virtuelle Realitäten war und sich - wenn auch arg einfach - mit der Frage beschäftigt hat, ob etwas das in deinem Kopf passiert trotzdem real sein kann; UND ein paar spoilerfreie Aussagen anderer Leser die das Ende als "zu überraschend" und "unvorhersehbar" beschrieben haben. Ironischerweise hat es das vorhersehbar gemacht.
Diese "Es war alles nur ein Traum"- Trope kann sehr enttäuschend fürs Publikum sein, wenn sie nicht richtig eingefädelt wird. Gut gemacht kann sie einen super Überraschungseffekt haben und einen lange beschäftigen, und wenn man die Geschichte dann noch mal liest oder ansieht, kann man die eingebauten Hinweise finden und noch mal Spaß daran haben. mit H.O.M.E geht das aber ganz sicher nicht, und zwar, weil Eva einfach vergessen hat, die Hinweise einzubauen! (Außer wenn man all die Kontinuitäts-, Logik- und physikalischen Fehler, und das seltsame Verhalten der Charaktere als Hinweise nimmt.)
Stattdessen wählt die Autorin die Schleichtaktik, sie lässt den Leser überhaupt nicht ahnen, dass nichts in der Geschichte echt ist, und knüppelt ihm dann im letzten Kapitel die "Wahrheit" über den Kopf. Ist auch weniger Aufwand als sich Nuancen auszudenken.
Damit ist das Ende weder originell, noch intelligent, noch notwendig, und vor allem ist es einfach nicht gut.
4. die Charaktere
Die Charaktere sind - wie schon im letzten Buch - überhaupt nicht mein Fall. ich war eigentlich dauergenervt von fast allen. Die einzigen beiden, die ich in Ordnung fand waren Jonah und Nox.
Ein weiterer guter Punkt ist eigentlich, dass die Charaktere aus dem letzten Band recht gleich sind, sie wurden gut in diesem Buch weitergeführt...gleich nervig.
- Zoe: furchtbar. Tut mir leid. Vielleicht die unsympathischste Protagonistin die ich je gelesen habe.
Sie ist irrational, völlig inkompetent als Kapitänin trotz angeblichem jahrelangen Training, völlig gefühlgesteuert und leider schlichtweg etwas dumm.
(Lieblingszene: Zoë sieht Keto, einen Planeten mit einem komplexen Ökosystem, Megafauna und Flora und allem drum und dran und denkt sich "Dieser Planet musste hunderte von Jahren alt sein. Vielleicht sogar tausende" Mädchen, WAS????) hier stellt sich die Frage hinsichtlich des Endes: ist Betatesterin Zoe vielleicht tatsächlich so blöd? Und wenn ja, warum weiß sie dann so viele andere Sachen, die sie ja nicht wissen dürfte eigentlich? Hat die Computersimulation ihr denn einen ganzen Wissensspeicher temporär ins Hirn runtergeladen? Fragen über Fragen. Aber da die Autorin sich darüber anscheinend keine Gedanken gemacht hat, werde ich das jetzt auch einfach nicht tun.
Zoes Verhalten ihrer Crew gegenüber ist von vorne bis hinten furchtbar und sehr frustrierend als Leser. Sie lügt unnötig und zerstört innerhalb weniger Tage ihre langjährige Beziehung komplett durch ihr Verhalten. Sie ist daran ganz alleine Schuld.
Se trifft fortlaufend so dumme Entscheidungen, dass man sich an den Kopf fassen möchte. Ich war des Öfteren versucht, das Buch aus dem Fenster zu werfen.
Sie jammert in einem fort und ist ständig von ihren Gefühlen überwältigt. Ich dachte ja, wenn sie jetzt in "ihrem Element" a.k.a der Mission und der Befehlsposition zurück ist, würde sich was ändern, aber wenn überhaupt, dann ist sie noch nerviger geworden als in Berlin.
Vielleicht können sich ganz junge Teenager ja mit ihr identifizieren, aber das kann ich mir eigentlich nicht richtig vorstellen, sie ist wirklich kein guter Mensch, und macht keine erkennbare Charakterentwicklung in diesem Buch durch.
- Kip: eigentlich in Ordnung. Ist eigentlich vor allem da um von Zoë angeschmachtet zu werden und im Zentrum ihrer egoistischen Entscheidungen zu stehen. Er ist immer noch nett und gibt gleichzeitig den klischeehaften "sadboy uwu"-vibe ab, aber nicht mehr so stark wie im ersten Buch. Absolut inoffensive.
- Johan: nett! Ein bisschen dumm (wie immer sagt uns das das Buch mehrmals ins Gesicht, damit wir es auch verstehen) aber mit ein paar gut ausgearbeiteten Stärken. Ob es so sinnvoll ist jemanden, der von sich selbst sagt, dass er ein schlechter Stratege ist als Spezialisten fürs Militär einzusetzen ist allerdings natürlich fraglich...
Mehr gibt es zu ihm auch nicht zu sagen. Das typische Vanilla-Loveinterest eben.
- Tom: war er überhaupt in diesem Buch?
Da er kein Teil des Liebesdreiecks war, war er wohl nicht mehr weiter erwähnenswert.
Sobald er sich mit Kip oder Jonah eine Szene teilt, verschwindet er mysteriöserweise und wird nicht mehr erwähnt.
Es gibt ca. 20 Charaktere in diesem Buch, aber diese 4 sind die, die noch am meisten ausgearbeitet sind.
6. Logikfehler, Kontinuitätsfehler, gravierende physikalische und astronomische Fehler, Nitpicks
Hier nur die größeren Sachen:
- Logikfehler:
Die Akademie. Was ein stümperhafter Haufen. Warum seine eigene Mission, die man für Milliarden fertiggestellt hat gefährden, indem man alles von einem kleinen Tablet abhängig macht, das Leute umbringt wenn eine Aufgabe nicht erfüllt wird? Wenn das Teil verloren geht oder kaputt, dann ist alles vorbei und es gibt nicht mal ein Ersatzgerät.
Warum ist das Mother Schiff so riesig und nur 14 Leute einer Gesamtcrew von über 30 wurden losgeschickt? Und zwei davon sind einfach mal unausgebildete Zivilpersonen??? Die Frage wurde gestellt, aber nie beantwortet.
Warum sind alle Insassen des Bunkers erstickt weil die Lüftung ausgefallen ist, aber Kalle kann dann MANUELL Lüftungsklappen öffnen und die Computer laufen auch noch mit Strom? Interessant.
-Kontinuitätsfehler: so viele.
Die wichtigsten:
Jonah ist auf ein mal Zoës Verlobter. Im ersten Teil hat sie das - meines Wissens - mit keiner Silbe erwähnt und immer nur von ihrem Freund gesprochen und auch so über ihn gedacht. In diesem Teil erfahren wir schon auf den ersten Seiten, dass sie anscheinend verlobt sind, und später dann auch, dass sie sich verlobt haben, BEVOR Zoë in Berlin aufgewacht ist. Wie kann so etwas passieren? Welcher Lektor hat das bitte so herausgegeben?
Bei der See-Szene: das Seil das Zoë und Cole aneinanderbindet verschwindet einfach und ward nie mehr gesehen.
Sabine befreit sich selbst aus ihrer Kabine und von ihren Klebeband fesseln und schießt Tisha an, doch in einer späteren Szene gibt sich Zoë für Tishas Verletzung die Schuld weil sie "Sabine die Fesseln abgenommen hat"....das hat sie aber nie getan. Oder hab ich da geschlafen?
Das Haustier-Einhorn heißt 2 mal Kali, und ein mal Loki. Mehrere solche kleinen Fehler sind in diesem Buch verteilt, und normalerweise würde mir sowas nicht auffallen, aber da mein Hirn sonst eher wenig zu tun hatte beim Lesen dieses Buchs, hat es mich extrem gestört.
- Die wissenschaftlichen Fehler haben mich besonders aufgeregt und machen ca. 40% meines Hasses auf das Buch aus. Ich möchte hier erwähnen, dass ich wirklich kein Experte für Astronomie, Physik oder ähnliches bin, aber SELBST ICH konnte erkennen, dass da was ganz gewaltig nicht stimmt in diesem Buch. Es liest sich, als hätte die Autorin nur eine Terra X Doku an einem gemütlichen Sonntagabend geschaut, und dann beschlossen, dass das jetzt genug Recherche sei, um ein Science Fiction Buch zu schreiben. Hier nur eine kleine Auswahl:
Sonnen, die keine Sonnensysteme haben und nicht leuchten (reflektieren das Licht des Raumschiffes??) , kurzzeitig zu Planeten werden und dann wieder zu Sonnen (siehe auch: Kontinuität).
Keto ist angeblich kleiner als die Erde. Wie viel kleiner? Halb so groß ? Ein drittel? Nein!! 100 mal kleiner!...Ein Himmelskörper mit einer so geringen Größe ist eher ein Asteroid, und kann sicher keine komplexen Ökosysteme entwickeln.
Die Tag-Nacht-Wechsel nicht nachvollziehbar und äußerst verwirrend.
Das ist nun bei Weitem nicht alles, aber zumindest das Gröbste. Hier ist mein letzter Punkt, passend bezogen auf das letzte Kapitel des Buchs.
7. Ach, Eva.
Sie missbraucht ihre eigenen Charaktere um sich selbst für ihre Leistungen als Autorin zu feiern und zu loben, auf eine Art und Weise die so offensichtlich ist, dass ich das Gefühl hatte, mir würden die Augen mit Zaunpfählen ausgestochen.
Sie hat das Ende so "geschickt" als Simulation konzipiert, dass man die Geschichte eigentlich nicht kritisieren kann, da das ja alles nur ein Spiel war, das noch nicht mal marktreif war und noch getestet wurde. Logik, Kontinuität u.ä werden somit in hohem Bogen aus dem Fenster geworfen. Aber guess what, Eva? Dein Buch IST auf dem Markt, und anscheinend hatte das gar keinen Betatester.
Tl;dr: Ich würde dieses Buch höchstens 8- bis 10-jährigen empfehlen. Es ist schnell durchgelesen, aber zu welchem Preis? Es ist wirklich kein gutes Buch, und man sollte seine Zeit nicht dafür hergeben, wenn man auch interessantere Lektüren lesen könnte (ich hab es für euch getan und kann sagen...das ist es nicht wert). Das Cover sah vielversprechend aus, und das Setting hat mein Interesse geweckt, doch leider hat sich meine positive Einstellung nach spätestens 10 Seiten gelegt, und ab da habe ich es eher gelesen, um zu sehen wie schlecht es noch werden kann...wie bereits hinreichend beschrieben: sehr sehr schlecht.
Ich gebe "H.O.M.E - Die Mission" 1 1/2 Sterne, der halbe Stern ist dafür, dass es nicht das schlechteste Buch war, das ich dieses Jahr gelesen habe (und dafür, dass es keine unpassenden Harry Potter Erwähnungen gab).