Ich lese nicht sehr oft Krimis, das muss ich sagen, bevor ich meine Meinung zu diesem Buch hier darlege. Zumindest habe ich in letzter Zeit wenige gelesen, früher mehr, aber diese "Phase" war irgendwann vorbei. Aber dieses Buch interessierte mich auf den ersten Blick, der Klappentext klang interessant und anders. Ohne zu wissen, dass der Roman der vierte Teil einer Reihe war, habe ich ihn mir zugelegt - erst später herausgefunden, dass es noch Bände vorher gibt, aber auch ohne sie gelesen zu haben, ist dieses Werk in sich geschlossen und stimmig. Ich denke, ich kann schon zu Anfang sagen, dass mir dieses Buch wieder richtig Lust auf das Genre gemacht hat. Und dass ich vorhabe, mir die ersten drei Teile gleich bei meinem nächsten Einkauf zuzulegen.
Aber der Reihe nach. Schon bei auf den ersten Seiten fiel mir auf: Dieses Buch ist außergewöhnlich. Anders. Knapp. Wenn ich ein Wort suchen müsste, um den Stil des Autoren zu beschreiben, dann würde ich "knapp" wählen, ich habe bisher kein Buch mit einem ähnlichen Stil gelesen - und ich muss gestehen, dass ich mir anfangs nicht sicher war, ob ich das gut finden sollte. Wenn ich das Buch nun aber nach dem Lesen beschreiben müsste, würde ich an "Knapp" noch "Genial" und "Poetisch" fügen. Und nachdenklich. Ruhig. Stimmig. Leise. Und fesselnd.
Ich habe "Das Licht in einem dunklen Haus" innerhalb von 3 Tagen durchgelesen. Wer jedoch einen spannungsgeladenen Thriller mit wilden Verfolgungsjagden erwartet, ist hier an der falschen Adresse. Viel mehr ist es gekennzeichnet durch eine tiefe Traurigkeit, einen kühlen Zustand der Nachdenklichkeit. Manchmal wirre Dialoge, die so nah am Leben sind, so seltsam verzerrt und echt, dass es sich surreal angefühlt hat, sie in dieser Form zu lesen. In positiver Art und Weise.
Es gab einen Vorfall. Einen Vorfall, der schon so lange zurück liegt, dass er schon fast vollkommen aus der Erinnerung des Ortes gewichen zu sein scheint - und doch alle Betroffenen und jene, die davon gehört haben, in Ohnmacht versetzt, der in all seiner bedrückenden Schrecklichkeit noch immer über den Seelen derer hängt, die mit ihm zu tun hatten. Hier spielt weniger die Jagd nach dem Mörder eine Rolle, als die Seele des Menschen, die Verletzlichkeit, die so lange andauern kann, dass man selbst Jahre später noch an Erinnerungen zerbrechen kann.
Ein Mörder, der intelligenter und sympathischer ist als seine skrupellosen Opfer. Und Kimmo Joentaa: ein Ermittler, der das einzige "Licht" in seinem Leben - seine Freundin Larissa - verloren zu haben scheint und nicht weiß, wo ihm der Kopf deswegen steht. Wie in Trance durchlebt er immer wieder Erinnerungen an seine eigene Vergangenheit, den Tod seiner geliebten Frau Sanna, an den ihn so vieles immer wieder erinnert und die zerrenden Sorgen um Larissa, die ihm keine Ruhe lassen.
Schritt für Schritt kommen er und seine Kollegen dabei nur den geheimnisvollen Morden auf die Spur, entdecken aufgrund eigenartigster Hinweise die richtigen Spuren, die alle an einem Tag im Sommer 1985 zusammenlaufen. Durchsetzt ist die Ermittlung, die aus verschiedenen Sichten erzählt wird, dabei immer wieder durch verschiedene Tagebucheinträge des Mörders, die zwischen dem Jetzt und dem Sommer von vor 25 Jahren wechseln. Eine berührende und traurige Geschichte - und bald muss man sich fragen: Wer ist der eigentliche Böse in dieser Geschichte? Denn eines steht fest: Erkennt man das Motiv des Mörders und auch die weiteren Opfer sehr viel schneller als die Ermittler, fiebert man - zumindest bei mir war es so - nicht mit den Polizisten, sondern mit dem Mörder mit, dessen Motiv man - verrückterweise - einfach so gut verstehen kann.
Und als sich die Spannung am Ende steigert und alle Spuren immer weiter führen, sich die Fäden verstricken und zu einem Punkt führen kommt der Wendepunkt der Geschichte - so überraschend, war man sich doch die ganze Zeit über sicher, alles genau zu wissen. Ein Ende mit dem ich nie gerechnet hätte und das ich gleichzeitig so erschreckend und berührend fand.
- F A Z I T -
Ein wundervolles, bedrückendes, berührendes und vor allem außergewöhnliches Buch über Liebe, Gewalt, Rache und die Suche nach einem Weg zurück ins Leben. Interessante und liebenswerte Charaktere, die man gern begleitet, mit ihnen forscht und leidet. "Das Licht in einem dunklen Haus" bekommt von mir 5 von 5 Sternen.
Ich tue mich immer schwer, 5 Sterne zu vergeben, aber dieses Buch hat sie mehr als verdient. Trotz anfänglicher Zweifel habe ich den Schreibstil zu lieben gelernt und ich bin restlos überzeugt. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der offen für einen etwas ruhigeren Kriminalroman ist - versetzt mit viel Menschlichkeit.