Ich glaube nicht, dass irgendetwas von dem, was ich in meinem Leben gesagt habe, zitierwürdig ist«, hat David Bowie einmal behauptet. Zu Unrecht, wie dieses Buch zeigt, in dem Bowie die Stationen seines Lebens besichtigt, die vielen Rollen, die er in Vollendung verkörpert hat. Ob als Major Tom, als Ziggy Stardust oder im Frank-Sinatra-Look als Young American – von niemandem ließ Bowie sich vereinnahmen, den Mainstream mied er wie der Teufel das Weihwasser. Er erzählt von seiner Zeit in London, in New York und den Berliner Jahren, in denen er zu neuen musikalischen Ufern aufbrach und endlich seine Kokainsucht überwand, davon, was das Tragen eines Anzugs für das Selbstverständnis des Trägers bedeutet, und von seiner Leidenschaft für die bildende Kunst – er war ein besessener Sammler und selbst ein begabter Maler. Als er 2003 geadelt werden sollte, lehnte Bowie ab: »Ich sehe nicht, was das bringen soll. Dafür habe ich weiß Gott nicht mein Leben lang gearbeitet.« Mit David Bowies Tod 2016 ging eine Ära zu Ende, die in dieser Interviewsammlung noch einmal zum Leben erweckt wird.
David Bowie (born David Robert Jones) was an English singer, songwriter, actor, multi-instrumentalist, bandleader, producer, arranger, and audio engineer. Active in five decades of rock music and frequently reinventing his music and image, Bowie was widely regarded as an influential innovator, particularly for his work through the 1970s. Bowie has taken cues from a wide range of fine art, philosophy and literature. He was also a film and stage actor, music video director, and visual artist.
„Ich bin immer erstaunt, dass Menschen ernst nehmen, was ich sage. Ich nehme nicht einmal ernst, was ich bin."
Es heißt immer seine Idole oder Vorbilder zu treffen würde einem den Zauber rauben, dich erkennen lassen, dass der Mensch hinter dem Glanz und Glamour eigentlich auch ganz gewöhnlich ist. Das mag bestimmt auf viele Berühmtheiten zutreffen, aber wer wäre nicht gerne mit David Bowie durch die Straßen von New York oder Berlin geschlendert, um sich dabei mit ihm über Bücher, Musik und Kunst zu unterhalten.
Das Buch „Stardust Interviews“ bietet eine solche Schlenderei in Kleinformat. Natürlich kann ein abgedrucktes Gespräch nie die selbe Wirkung haben wie ein richtiges Treffen, aber die Interviews die für diesen Band herausgesucht wurden, kommen da schon recht nah ran. Die Gespräche sind aus den Jahren 1974 bis 2002, sodass sie einen guten Überblick über Bowie, die Zeit und die verschiedenen Jahre abdecken. Deutlich wird, dass Bowie als Gesprächspartner nicht nur sehr witzig ist, sondern auch eine subtile Intelligenz verströmte, die ihres Gleichen sucht. Ob Musik, Kunst oder Literatur, Bowie kann sich eloquent zu allem äußeren.
Ist das Buch jetzt aber nur etwas für Fans der Musik von Bowie?
Definitiv nein! Das Buch ist eigentlich für alle die an Kulturgeschichte interessiert sind interessant, weil über weit mehr gesprochen wird, als nur über Bowie. Als Anhang finden wir die berühmte Bowies 100-beste-Bücher-Liste, zu der es ja mittlerweile ein eigenes grandioses Buch von John O'Connell gibt und den berühmten Proust-Fragebogen: „Meine größte Leistung? Den frühen Morgen entdeckt zu haben.“
„Stardust Interviews“ ist ein kleines sehr bezauberndes Buch, das sich leider viel zu schnell liest.
"Ich dachte, dass ich immer allein bleiben würde. Aber als Ausgleich hätte ich die Fähigkeit zu schreiben."
Schon ein relativ spannendes Buch in der Form mehrerer Interviews, teilweise konnte ich persönlich mit einzelnen Dingen nicht soooo viel Anfangen, da es auch viel um andere Musiker zu der Zeit geht, welche man nur alle kennt, wenn man dann auch gelebt hat.
"Mir wurde gesagt, es sei cool, sich zu verlieben, aber die Zeit des Verliebtseins war alles andere als cool. Ich habe so viel Zeit und Energie in einen anderen Menschen gesteckt und der andere in mich, und wir haben uns nur gegenseitig verausgabt. Und dass soll also die Liebe sein."
Zwischendrin schon echt schöne Teile.
"Es gibt Länder, die brauchen keine Rockmusik, weil die Leute da so eng miteinander verbunden sind, wie eine Familie."
Persönlicher Favorite Interview war das, wo Bowie viel über "Bobby Dylan" gesprochen hat. Peak combo.
"Kritiker möchten nun mal gern kritisch sein, und die meisten wären am liebsten selber Rockstars. Aber wenn sie über Musik schreiben, schreiben sie in der Regel über Leute, nicht über Musik. Es ist eben alles eine Frage der inneren Haltung."
"Denn eine Kraft, die mich immer angetrieben hat, als Privatperson und als Künstler, war die Suche nach einem Grund, nach einem rational fassbaren Grund für meine Existenz." Teilweise echt sehr spannend, wie ein solcher inspirierender Künstler so gedacht hat. Teilweise fühlt man sich schon sehr verbunden zu ihm.
"Bücher haben mir den Impuls gegeben, meine eigenen Erfahrungen zu machen."
" 'Was fürchten Sie am meisten?' 'Kilometer in Meilen umrechnen zu müssen.'
'Mit welcher historischen Gestalt identifizieren Sie sich am meisten?' 'Santa Claus.'
[...] 'Welche Eigenschaft schätzen Sie bei einem Mann am meisten?' 'Die Fähigkeit, ausgeliehene Bücher zurückzubringen.'
'Welche Eigenschaft schätzen Sie bei einer Frau am meisten?' 'Die Fähigkeit, auf Kommando zu rülpsen.' "
Die Vorstellung, dass alles bis zum Ende unklar bleiben wird, ist eigentlich sehr, sehr schön.
Anfangs dachte ich, dass ich diesem Buch eindeutig fünf Sterne geben werde. David Bowie ist so eine Ikone der Musikszene, und ich habe es richtig genossen, ihn in Interview genauer kennenzulernen. Allerdings waren es mir irgendwann einfach viel zu viele Referenzen, mit denen ich nicht viel anfangen konnte. Irgendwann diskutiere er mit einem Interviewer eine Sendung über Roeg, die beide am Vorabend im TV sahen. Das, und andere Ausschnitte, waren mir persönlich einfach viel zu sehr ohne Kontext, und ich wusste öfter mal nicht, was hier seitenlang diskutiert wurde. Auch das Interview über Kunst und verschiedene Künstler fand ich zwar interessant, da ich nicht wusste, dass Bowie selber malte, aber ich konnte auch hier mit keinem dieser Namen irgendetwas anfangen. Dennoch ein hoch interessantes Buch für alle, die mehr über Bowie lernen wollen.
David Bowie, ein Rockstar, der nicht nur ein Gehör für die richtigen Klänge und Augen für unkonventionelle Ästhetik besaß, sondern auch ein Gehirn, das alles, was es aufnahm, zu großartiger Kunst synthetisierte. Deshalb ist diese Zusammenstellung von Interviews mit dem Ausnahmekünstler ein Feuerwerk an geistreichen Beobachtungen, Einschätzungen und Zeitdiagnosen - kurzum, ein Stück Popgeschichte vom Feinsten.