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Sankt Petersburg #2

Die Zarin und der Philosoph

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Katharina die Große und die Blütezeit von Sankt Petersburg

Die junge Katharina krönt sich nach einem Putsch selbst zur Zarin. Sie sieht sich als Nachfolgerin von Peter dem Großen und will Russland nach Westen öffnen. Doch die Welt hält den Atem an, kann man der Deutschen auf dem Zarenthron trauen? Preußens König Friedrich II. schickt einen Philosophen nach Petersburg, um die Pläne der neuen Herrscherin auszuspähen. Stephan Mervier ist beeindruckt von Katharina, von ihrer Klugheit, ihrem Charisma, aber Russlands Rückständigkeit und das Elend der Leibeigenen machen ihn wütend. Dabei wächst der Widerstand im Winterpalast längst heran. Eine enge Vertraute Katharinas kämpft auf Seiten der Unterdrückten. Stephan verliebt sich in die mutige Rebellin, die in großer Gefahr schwebt. Denn die Zarin fördert zwar Fortschritt, Bildung und die Wissenschaften, aber ihre Herrschaft ist absolut, und sie setzt ihre Macht mit äußerster Härte durch.

528 pages, Hardcover

Published May 2, 2019

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Martina Sahler

73 books10 followers

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Displaying 1 - 16 of 16 reviews
Profile Image for Carmen Vicari.
217 reviews5 followers
June 15, 2019
Der Philosoph Stephan Mervier wird zusammen mit seiner frisch angetrauten Frau Johanna Caselius nach St. Petersburg an den Zarenhof geschickt. Dort hat nach dem Tod von Zar Peter III seine Frau Katharina II. die Regentschaft übernommen. Stephan soll für den preußischen König Friedrich die Lage und die Einstellung der neuen Regentin überprüfen und regelmäßig Meldung machen. Zwar gefällt Stephan seine ihm zugedachte Rolle als philosophischer Spion nicht, doch ihm bleibt keine andere Wahl.

Auch bei Katharina gibt es einige Veränderungen. Nicht nur, dass sie plötzlich Witwe ist und ein Land regieren muss, auch wird ihr ein Kind anvertraut. Und während Katharina ihr Land auf den Weg in eine moderne Zukunft führen will, gewinnt sie das kleine Mädchen immer lieber. Doch im Land brodelt es und Katharina muss mehr als einmal beweisen, dass sie stärker ist, als viele es glauben …

Der zweite Teil der Sankt Petersburg – Reihe schließt an den ersten Teil an, kann aber auch unabhängig von diesem gelesen werden. Der Roman umfasst die Jahre 1762 bis 1775. Nach einem Staatsstreich stirbt Zar Peter III. und Katharina II. erklärt sich zur Kaiserin. An dieser Stelle der Geschichte fängt der Roman von Martina Sahler an.

Ich habe schon einige Bücher von der Autorin gelesen gehabt, nicht zuletzt die Auswanderer-Trilogie, in der auch Katharina die Große eine Nebenrolle einnahm. In diesem Buch steht Katharina eindeutig im Fokus der Geschichte und ich konnte ihren Aufstieg mitverfolgen. Verrat, Intrigen, aber auch Leidenschaft umgeben die neue Zarin von Russland und man wird Teil ihres vertrauten Kreises. Zwar steht die Politik bei Katharina im Vordergrund, jedoch bekommt man auch einige philosophische Gedankenspiele und auch ein wenig Romanze mit.

Martina Sahler versteht es, die Geschichte Katharinas lebendig werden zu lassen und ihre Politik dem Leser zugänglich zu machen. Ich hatte mich schnell festgelesen und verfolgte nicht nur Katharina, sondern auch Stephan, der schon bald mit rebellischen Reihen in Kontakt kommt, Boris, der als unglücklicher Student nur seinen Traum vom Schriftstellerleben verwirklichen möchte und Sonja, die zwar bei der Zarin ein neues Zuhause gefunden hat, jedoch immer noch auf der Suche nach ihren Wurzeln und ihrem Stand im Zarenreich ist.

Sehr plastisch und facettenreich werden nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Umgebung beschrieben. Das Kopfkino wird stark gefordert und bildet einen farbenprächtigen Film, in den man eintauchen und mitfiebern kann. Zwar ist ein wenig Romantik im Roman enthalten, der Fokus liegt aber eindeutig auf der Regentschaft Katharinas und den Unruhen im Land.

Neben Karten im Bucheinband, findet man auch eine Zeittafel, eine Auflistung der Personen inkl. Kenntlichmachung der historischen Persönlichkeiten sowie ein erklärendes Nachwort.

Fazit:
Ein sehr gut recherchierter Roman, der mich nicht mehr losließ, mir die Zeit von Katharina II. näherbrachte und bei dem ich Teil der Geschichte werden durfte. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Buch von Martina Sahler.
22 reviews1 follower
November 17, 2022
3,5/5!

Een zeer mooie roman die nog beter wordt door de geschiedenis die in de fictie verweven zit.

Je volgt verschillende levens doorheen het verhaal, wat ervoor zorgt dat dit best lijvige boek toch vlot te lezen is.

Enige minpunt voor mij dat toch ook een beetje een pluspunt is? Alles wordt heel gedetailleerd beschreven.
Profile Image for Scarlet.
393 reviews10 followers
July 26, 2019
Meine Meinung:
Ich habe vorher nicht gewusst, dass dies ein zweiter Band ist. Jedoch hat mich das beim Lesen nicht gestört und man kann diesen Teil getrost unabhängig lesen. Außerdem möchte ich noch ein kurzes Lob an den Verlag aussprechen, dass er das Buch ohne Plastikverpackung verschickt hat.

Das Cover zeigt wohl einen Ausschnitt der wunderschönen Stadt Sankt Petersburg und den Fluss Newa. Wie ich finde ein schönes Cover, das zu einem historischen Roman passt. Wenn man das Buch aufschlägt findet man im vorderen Teil der Einbandinnenseiten einen Kartenausschnitt von St. Petersburg um 1765 und im hinteren Teil einen Kartenausschnitt von Russland im Jahre 1762. So etwas gefällt mir immer besonders gut und ich finde das zeigt, dass sich jemand wirklich Mühe mit dem Buch gegeben hat und sich etwas dabei gedacht hat.

Historische Romane lese ich eigentlich eher nicht. Jedoch bin ich froh über den Gewinn und muss sagen, dass mir dieses Buch wirklich gut gefallen hat. Die Autorin erklärt am Ende auch noch einmal, dass sie sich in diesem Buch auf Katharinas Rolle zur Zeit der Aufklärung konzentriert hat und die historischen Fakten mit Fiktion verwoben hat. Da ich in der russischen Geschichte nicht allzu gut bewandert bin, hätte ich mir diese Erklärung gerne am Anfang des Buches gewünscht. Jedoch lässt sich die Geschichte auch gut ohne diese Erklärung verfolgen.

Die Handlung spielt über mehrere Jahre hinweg. Ich musste ab und zu noch einmal zum vorherigen Kapitel blättern um mir die genaue Zeitspanne noch einmal ins Gedächtnis zu rufen. Besonders die Entwicklung der verschiedenen Charaktere fand ich interessant und ganz besonders die von Katharinas Ziehkind Sonja. Sie war eine meiner liebsten Figuren. Sie ist intelligent, eigensinnig und nicht auf den Mund gefallen. Ich habe ihre Stärke wirklich bewundert und konnte ihre Taten nachvollziehen.

Katharina stand ich immer etwas zwiegespalten gegenüber. Sie selbst möchte, dass es in ihrem Land fortschrittlicher und gerechter zugeht. Sie weiß, dass es den Leibeigenen nicht besonders gut ergeht, möchte die Leibeigenschaft jedoch nicht abschaffen. Ich war mir einfach manchmal nicht sicher, was ich von ihr halten soll. Es wurde hier immer nur viel geredet. Sie hat sich mit so vielen klugen Köpfen umgeben und bis in die Nacht Gespräche geführt, aber von Taten habe ich eher weniger mitbekommen. Wie viel hier den historischen Fakten entspricht, weiß ich nicht. Mit der russischen Geschichte kenne ich mich leider gar nicht aus. Jedoch hat der Roman mein Interesse geweckt.

Jedenfalls hat mir die Geschichte gut gefallen. Der Schreibstil der Autorin war sehr angenehm und hat mich richtig in die Geschichte gesogen. Vor allem die Beschreibung der Stadt Sankt Petersburg war wundervoll. Während des Lesens habe ich richtig Lust bekommen mir diese Stadt einmal anzusehen und mir generell einmal selbst ein Bild von der beschriebenen Schönheit Russlands zu machen.


Fazit:
Ein interessanter historischer Roman, der einen Einblick in Russlands Geschichte gibt. Das Buch hat mich gut unterhalten und mich für weitere historische Geschichten, auch gerne wieder aus dem schönen Russland, begeistert hat.
Profile Image for Moni2506.
394 reviews
May 18, 2019
„Die Zarin und der Philosoph“ von Martina Sahler ist ein Roman über Katharina die Große und die Blütezeit von St. Petersburg, das zu diesem Zeitpunkt erst 60 Jahre existiert. Dieser ist Anfang Mai im List-Verlag erschienen und der zweite Teil aus der St. Petersburg Reihe.

St. Petersburg, 1762: Nach dem Tod Zar Peter III. krönt sich Katharina selber zur Zarin. Sie hat eine Vision und möchte Russland in ein neues Zeitalter überführen und Europa zeigen wie fortschrittlich ihre Heimat ist. Die Förderung der Bildung und Kunst ist ihr dabei wichtig, doch von ihrer Macht möchte sie nichts abgeben und auch an der Grundordnung Russlands aus Reichen und Leibeigenen rüttelt sie nicht.
Stephan Mervier ist ein Philosoph, der von Friedrich II als Spion an den Zarenhof entsendet wird. Er ist beeindruckt von der Zarin und geblendet von der Moderne St. Petersburg. Dennoch bekommt er auch die Missstände im Land mit und schließt sich letztendlich einem philosophischen Zirkel an, der die Unterdrückung im Land beenden will.

Ich war sehr gespannt auf diesen Roman, denn „Weiße Nächte, weites Land“, in dem es um die deutschen Auswanderer nach Russland geht, hat mir sehr gut gefallen und schon damals hätte ich gerne mehr über Katharina die Große erfahren.
Diesem Anspruch wird die Autorin gerecht, denn in diesem Roman nimmt Katharina die Große eine zentrale Rolle ein und wir sind hautnah dabei wie sie vom Peterhof und vom Winterpalast aus Russland regiert. Es wird ein opulentes Bild der Gesellschaften und der Personen erschaffen, die die Zarin um sich scharrt, um ihre Vision eines modernen Russlands lebendig werden und nach außen transportieren zu lassen.
St. Petersburg als moderne, europäische Stadt nimmt hierbei eine besondere Rolle ein. Martina Sahler hat diese Stadt mit ihren Beschreibungen lebendig werden lassen und ich habe Lust darauf bekommen, diese Stadt einmal zu den weißen Nächten im Sommer, in denen es nie ganz dunkel wird, zu besuchen.
Der Roman ist sehr von Politik bestimmt, was für meinen Geschmack leider schon zu viel war. Es ist spannend zu sehen, wie Katharina von St. Petersburg aus mit viel Verstand und Geschick das Bild von ihr und Russland in Europa beeinflusst und auch ihre Motive für Russland und ihr Volk sind durchaus gute, wäre da nicht der Kontrast, dass sie dennoch absolut herrschen möchte. Dieser Widerspruch ist ein ganz zentraler Punkt des Romanes und hieraus ergibt sich der Widerstand, der sich gegen sie bildet.
Ich hätte gerne mehr vom Russland außerhalb St. Petersburgs gesehen. Der Fokus liegt mir zu sehr auf dieser Stadt, was einerseits natürlich nur folgerichtig ist, denn es ist ein Roman über ebenjene Stadt. Die Perspektive der Leibeigenen ist vorhanden, aber ich hätte mir diese ausführlicher und intensiver gewünscht. Die Armut und die Verzweiflung dieser Menschen war für mich nicht greifbar.
Das Leben der Personen in diesem Buch habe ich gerne verfolgt, aber wirklich für sich einnehmen konnte mich keine Person. Es gibt den Künstler, der sich von seiner Familie lossagt und zuerst unter einem Pseudonym seine Werke veröffentlicht. Es gibt das Paar, das nach St. Petersburg aufbricht und sich dort in unterschiedliche Richtungen entwickelt oder auch die Philosophen, die mit Katharina der Großen debattieren. Ein durchaus interessanter Mix, aber ich bin dennoch eher eine unbeteiligte Beobachterin geblieben. Gerade die Liebesgeschichten, die sich im Laufe entwickeln, waren für mich kaum greifbar und konnten mich nicht für sich einnehmen.
Die historischen Fakten hat die Autorin allerdings gut mit der Fiktion verwebt, was diese in einem ausführlichen Nachwort erläutert. Insofern habe ich auf jeden Fall das Gefühl, dass hier ein authentisches Bild erschaffen wurde. Jeder Zeile des Buches merkt man an, dass die Autorin eine besondere Verbindung zur Stadt St. Petersburg hat. Ausgestattet ist der Roman zusätzlich noch mit einem Personenverzeichnis und Kartenmaterial.

Fazit: Ein authentischer historischer Roman über St. Petersburg und Katharina die Große, der gut recherchiert ist, allerdings nicht auf ganzer Linie überzeugen kann. Für mich persönlich war dieser zu politisch und ich hätte gerne mehr über die ganz armen Menschen in der russischen Bevölkerung erfahren. Wer genau dies mag und darüber hinaus, an der Geschichte der Zarin interessiert ist, für den ist dieser Roman genau richtig.
Profile Image for Barbara.
209 reviews6 followers
June 3, 2019
Sankt Petersburg ist der Schauplatz großer Veränderungen. Noch nicht lange ist es her, dass Katharina sich zur Zarin über ganz Russland krönen ließ, nachdem ihr Mann Peter verstorben ist – wobei gemunkelt wird, dass sein Dahinscheiden nicht ganz ohne Hilfe vonstattenging.
Im fortschrittlichen Europa ist sie bekannt als Männerfresserin, die zwischen Russland und dem europäischen Fortschritt steht. Doch sie ist eine intelligente Frau und möchte sich – auch ihrer Eitelkeit zuliebe – den Respekt und die Freundschaft Preußens, Österreichs und der anderen wichtigen Länder Europas sichern.
Da weithin bekannt ist, dass Katharina die Gesellschaft intelligenter Männer sehr schätzt, nutzt der König von Preußen die Gelegenheit und sendet einen seiner jungen Philosophen – Stephan Mervier – zusammen mit seiner Frau nach Sankt Petersburg, um dort Ohr und Auge am Hof zu sein.
Doch Stephan und einige weitere Aristokraten in Sankt Petersburg sind wenig überzeugt von der monarchischen Herrschaft Katharinas und drängen darauf, dass Russland die Leibeigenschaft abschafft und Gesetze einführt, die für alle Menschen gleich denken.
Ein ketzerischer Gedanke im strengen Russland, doch ein Funke reicht, um eine Revolution zu starten …

Wir folgen in der Geschichte mehreren Perspektiven, von denen die meisten jedoch die gebildeten Herrschaften Sankt Petersburg betrifft und – leider – nur sehr wenig davon Katharina und ihrem Hofstaat. Stephan Mervier und seine Frau, die in Europa bekannte Malerin Johanna, finden Anschluss bei Juristen und Reportern – allesamt gebildet und aus der höheren Gesellschaftsschicht, die, davon überzeugt, dass Katharinas Führung nicht zukunftsfördernd ist, sich in einem Zirkel zusammenschließen, der auf eine vorsichtige Änderung der politischen Führung abzielt. Während Stephan nur noch wenig Zeit zwischen den Debatten mit der Zarin und seinen Männertreffen für seine Frau bleibt, versucht diese als Frau in der künstlerischen Szene Sankt Petersburg Fuß zu fassen. Ein schwieriges Unternehmen, das ihr in Frankreich bereits viel abverlangt hat. Einen guten Freund – und vielleicht ein wenig mehr als das – findet sie in dem Dichter Boris, der mit seiner Familie brechen muss, um seinen künstlerischen Ambitionen folgen zu können.
Im Palast selbst verbringen wir nur sehr wenig Zeit und dort meist mit der Ziehtochter der Zarin Sonja, die als kleines Mädchen von einem Einsiedler bei der Zarin abgegeben wurde und sich zusehend zu einer intelligenten Frau entwickelt. Entgegen ihrer Stiefmutter sieht sie viele Probleme in Russland und ist nicht mit der Führung Katharinas einverstanden. Die Leibeigenschaft und die fehlende Gleichheit der Menschen sind ihr ein Dorn im Auge und sie tut alles dafür, um diesen Dorn zu ziehen.
Das alles spitzt sich zu, so dass eine Revolution unausweichlich scheint.

Ich muss zugeben: ich ging mit falschen Erwartungen an den Roman heran. Ich erhoffte mir Palastintrigen, Streitereien zwischen den Liebhabern der Zarin (die Orlow-Bürder und Potemkin sind die bekanntesten) und politische Debatten – doch leider verbringen wir den meisten Teil der Geschichte bei den romantischen Beziehungen Stephans, Johannas, Boris‘ und Sonjas oder bei den Aufständen der Aristokratie – und das war leider nicht wirklich etwas für mich. Es fiel mir schwer, das Buch zu beenden und ich musste mich regelrecht zwingen, dazu zu greifen.
Zudem war ich davon überzeugt, dass wir die meiste Zeit bei der Zarin selbst verbringen und auch Potemkin gut kennen lernen. Doch Katharina kommt nur selten zu Wort und wenn, wirkt sie leider dabei immer etwas tölpelhaft und blauäugig, während Sonja und einige der anderen sehr herablassend mit ihrer unabänderlichen Meinung wirken. Potemkin selbst wird kaum erwähnt und tritt nur ab und an auf. Für mich sehr enttäuschend.
Der Schreibstil selbst ist sehr flüssig und eingängig, doch fehlte mir der Sprengstoff in der Geschichte, weshalb der Roman auf einem gleich hohen Niveau dahintreibt und dabei weder hoch hinauf steigt, noch tief hinabstürzt.

Für mich leider ein Buch, das mir nur wenig geben konnte, aber Lesern, die gerne mehr über die Personen und Sankt Petersburg erfahren möchten, vielleicht gefallen könnten – sofern sie nicht Wert auf das Zarenhaus selbst legen.
Profile Image for Elisabeth Bulitta.
134 reviews3 followers
May 19, 2019
Die Philosophin auf dem Zarenthron
Dieser zweite St. Petersburg-Roman, „Die Zarin und der Philosoph“, von Martina Sahler beinhaltet 496 Seiten und ist im Mai 2019 bei List erschienen.
Friedrich II schickt den jungen Philosophen Stephan Mervier an den Hof der russischen Zarin Katharina, um diese auszuspionieren. Doch bald schon zeigt ihm ein Blick hinter die Kulissen die Schattenseiten der Romanow-Dynastie. Als er dann noch in Kontakt zu kritischen Denkern tritt, nimmt sein Leben eine neue Wendung – und nicht nur seins.
Dieser historische Roman umfasst die Jahre 1761 bis 1775, also einen Teil der Regentschaft Katharinas der Großen. Die poetische, detaillierte Beschreibung St. Petersburgs und seiner Umgebung zur Zeit dieser Regentin, der lebendige, nicht anspruchslose Schreibstil der Autorin sowie die Liebesgeschichte und Einzelschicksale vor dem Hintergrund dieser Epoche lassen den Roman anfangs zu einem Pageturner werden. Auch sind sie in der Regel ein Garant für den Erfolg eines Buches.
In der Tat lässt Martina Sahler das zaristische Russland hier wieder aufleben. Die realistische, widersprüchliche Darstellung der Zarin, auf der einen Seite der Aufklärung zugewandt, auf der anderen Seite aber fest in der Autokratie verankert, der greifbar nahe Gegensatz zwischen Reich und Arm, der wohl in keiner europäischen Metropole so allgegenwärtig war wie in St. Petersburg, sowie ausgewählte Szenen aus dem Pugatschow-Aufstand zeugen von einer guten Recherche. Auch andere geschichtliche Ereignisse werden aufgegriffen und geschickt lässt die Autorin fiktive und historische Persönlichkeiten miteinander interagieren, wobei das Fiktive eindeutig dominiert.
So gelungen die historische Darstellung an sich ist, so sehr fehlt es ihr und der Geschichte jedoch an Tiefe. Gedanken über Autokratie (kannte Russland je etwas anderes?) oder der Sinn und Unsinn von blutigen Revolten sowie die Frage nach Alternativen werden zwar angerissen, z.B. wenn Andrej während der Pugatschow-Revolte in einen „Blutrausch“ gerät, jedoch leider nicht zu Ende geführt. Hier hätte etwas mehr Weitsicht gut getan, die die Gedanken auf geschichtliche Entwicklungen allgemein hätte führen können.
Auch die Liebes- und Lebensgeschichten an sich bleiben eher an der Oberfläche, was wohl auch dem Umfang des Buches geschuldet ist: Um so viele Einzelschicksale vor historischer Kulisse umfassend und mitreißend darzustellen, reichen fast 500 Seiten einfach nicht aus. So fiel es mir beim Lesen eher schwer, mich wirklich in die Charaktere hineinzuversetzen, mit ihnen mitzuleiden und mitzufühlen. An einigen Stellen, z.B. Lorenz‘ Annäherungsversuch an Boris, der die Handlung in keiner Weise beeinflusst hat, habe ich das Gefühl, die Autorin wolle einfach nur den Geschmack einer möglichst breiten Leserschaft abdecken. Auch das Ende, das zwar spannend und überraschend, gerade aber auch deswegen wenig glaubhaft ist, weckt in mir diesen Eindruck.
Die Ausstattung des Buches indes lässt kaum Wünsche offen: Die Karten in der Buchklappe, die Personenliste, in der historische und Hauptpersonen extra gekennzeichnet sind, die Zeittafel sowie das Nachwort mit Angaben zur Recherche der Verfasserin helfen bei der Orientierung. Das Cover zeigt ein Gemälde mit Blick auf St. Petersburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts und komplettiert den guten äußeren Eindruck.
Insgesamt legt hier Martina Sahler einen soliden, publikumsgerechten historischen Roman vor, den zu lesen sich absolut lohnt, der aber eben doch eher an der Oberfläche kratzt. Von mir gibt es dennoch eine klare Leseempfehlung für alle Liebhaber/innen historischer Romane, da ich nicht verhehlen will und kann, dass ich wohl einfach mit größeren Ansprüchen an das Werk herangegangen bin.
Profile Image for Lexa.
413 reviews
May 28, 2019
Klappentext:
Sankt Petersburg, 1762: Die Welt hält den Atem an, als sich die junge Katharina nach einem Putsch selbst zur Zarin krönt. Bewunderung und Misstrauen schlagen ihr entgegen. Der Preußenkönig Friedrich der Große schickt einen jungen Philosophen als Spion in den Winterpalast. Er soll über Katharinas Pläne berichten. Stephan verfällt der Schönheit der aufblühenden Stadt. Und einer Frau, die einen gefährlichen Plan gegen die Zarin verfolgt. Als eine Rebellion Russland erschüttert, muss Stephan sich entscheiden.

Meine Meinung:
Das Cover und die Aufmachung des Buches haben mich direkt angesprochen. Der Schreibstil der Autorin mich direkt in den Bann gezogen.
Man taucht ein in die Welt des russischen St.Petersburg im 18 Jahrhundert. Und diese Zeit bietet mit Zarin Katharina der Großen wahrlich eine herrliche Grundlage und Kulisse für einen spannenden und fesselnden, historischen Roman. Martina Sahler hat mich vor allem durch die authentische Zeichnung ihrer Charaktere und die Kunst, die Geschichte auf jeder Seite spannender werden zu lassen, überzeugt. Es braucht ein bisschen bis das Buch Fahrt auf nimmt, ist aber an keiner Stelle auch nur annähernd langweilig. Die Charaktere entfalten sich wunderbar facettenreich und es ist überaus spannend die Richtung der Charakterentwicklungen zu beobachten. Geschickt führt sich verschiedene Standpunkte zu einem schlüssigen Ganzen zusammen. Gerade dass man verschiedene Sichtweisen aus verschiedenen Schichten der damaligen Zeit bekommt, macht es noch interessanter. Die Beziehungen die zwischen den vielseitigen Protagonisten entstehen, haben mich teilweise zu tiefst berühren können, andererseits wirkten manche für mich ein wenig zu weit hergeholt. Diverse Handlungen kamen für mich deshalb sehr überstürzt und nicht ganz glaubwürdig vor und mir fehlte ein wenig die Hinführung dazu. Vor allem Philosoph Stephan konnte mich nicht von sich überzeugen. Nach einem wirklich packenden Roman, empfand ich auch das Ende leider eher als etwas unbefriedigend und nicht ganz dem Rest des Buches würdig.
Dennoch hat Martina Sahler einen großartigen Roman über eine gütige und zugleich grausame Frau wie Katharina die Große geschaffen, der mich sehr beeindruckt hat und den ich mit großer Neugierde gelesen habe. Das Buch hat in mir das Interesse geweckt, noch mehr über die faszinierende Welt von St.Petersburg und seiner Zaren zu erfahren.
Profile Image for Aki .
798 reviews14 followers
June 2, 2019

Als Autorin war mir Martina Sahler bis dato tatsächlich komplett unbekannt, obwohl sie bereits einen Band aus der Reihe rundum Katharina und St. Petersburg veröffentlicht hat.
Ihr Schreibstil ist wirklich wahnsinnig toll.
Ich, als Leserin, habe ich mich direkt darin verloren.
Martina Sahler weiß, wovon sie schreibt. Man merkt von der ersten Seite an, dass sie sich Gedanken um das gemacht hat, was sie schreibt.
Sie haucht einer der mächstigsten Frauen der Geschichte neues Leben ein und lässt den Leser an deren Leben teilhaben.
Für andere, die sich nicht unbedingt für diese Thematik interessieren, mag das Buch etwas langatmig erscheinen, aber nicht konnte es wirklich begeistern.
Oft hatte ich Bilder und Geschehnisse aus St. Petersburg vor Augen, die Martina Sahler mit ihrem Schreibstil in meinem Kopf geschaffen hat.

Ich kann natürlich nicht leugnen, dass dieser Roman auch sehr politisch angehaucht ist. In einem St. Petersburg, dass zu dieser Zeit gerade einmal 60 Jahre existiert, ernennt sich eine Frau zur Zarin. Katharina, auf deren Hauptaugenmerk dieses Buches liegt, ist eine starke, unabhängige Frau, die weiß was sie will.
Und auch weiß, wie sie es bekommt.
Ich muss auch ehrlich gestehen, dass mich besonders Katharinas Ziehtochter Sonja sehr überraschen konnte. Anfangs habe ich sie als ein schüchternes, jungen Mädchen kennengelernt, dass im Laufe des Buches eine Veränderung erlebt, die ich selbst gar nicht so auf dem Schirm hatte.
Aber diese Veränderung hatte - bis auf das Handeln selbst - nichts negatives an sich. Es hat einfach in den Schreibverlauf gepasst, in die Geschichte, die Martina Sahler erzählt hat.

Dieses Buch war für mich ein echtes Lesehighlight und hat mir die Geschichte um Katharina die Große nochmal ein wenig näher gebracht.
Ich kann dieses Buch jedem empfehlen, der sich mit der Thematik auseinander setzen möchte und der sich gleichzeit in dem Schreibstil der Autorin verlieren möchte.
Insofern der große politische Aspekt kein Problem darstellt.
Profile Image for Avila.
141 reviews6 followers
June 5, 2019
Zarin Katharina die Große will ihr Russland modernisieren - vordergründig. Im aufgeklärten Europa bricht ein neues Zeitalter an und da will die Zarin mithalten, doch wirkliche Reformen folgen diesem Willen nicht, was zu immer mehr Unruhen im Land führt. Dennoch umgibt sie sich mit aufgeklärten Philosophen, um darüber zu debattieren.


Ich habe mir von dem Buch wesentlich mehr erhofft. Die Missstände im Land werden zwar angesprochen und sind eigentlich auch zentrales Thema, aber es folgen leider gar keine wirklichen Beschreibungen davon. Es gibt keine Szene, in der beschrieben wird, wie die Gutsherrn mit ihren Leibeigenen umgehen etc. Das finde ich sehr schade. Viel mehr wird sich auf Katharina konzentriert, wie sie immer und immer wieder mal großzügig, mal debattierend, mal grausam mit den Personen aus ihrem engsten Kreis verfährt. Ganz nett, aber die Handlung bringt es nicht voran. Ähnliches gilt für den Philosophenzirkel. Auch hier entschließt man sich zwar zu aufrührerischen Handlungen, aber wirklich beschrieben werden diese auch nicht.


Womit werden dann die ganzen Seiten gefüllt? Mit wiederkehrenden Szenen und zwei Liebesgeschichten, die aber auch eher so dahin plätschern. Die anfänglichen Widerstände der Personen hören gefühlt plötzlich auf. So ganz konnte ich die Emotionen nicht nachvollziehen, die die Charaktere geleitet haben.


Die spannendste Person, das Ziehkind der Zarin Sonja, erleben wir auch selten aus ihrer Perspektive. Das Buch hätte einiges an Stärke gewonnen, wenn es komplett aus ihrer Sicht geschildert worden wäre. Stattdessen ist sie fast eher eine Randfigur, die immer mehr an Gewicht gewinnt. Wirklich schade, denn auch wenn Sonja keine historisch belegte Persönlichkeit ist, steckt in ihr doch viel Potenzial.


Also, ein Buch, in dem historisch viel Potenzial steckt, das aber leider nicht genutzt wurde und so eine eher langweilige Liebesgeschichte heraus kommt mit einem kleinen historischen Kern rund um Katharina die Große. (Und die Liebesgeschichte dreht sich dabei nicht um die Zarin!)
733 reviews5 followers
May 19, 2019
Meine Meinung:
Dies ist der zweite Teil aus der Reihe rundum die Geschichte von Katharina der Goßen, aus der Feder der deutschsprachigen Autorin Martina Sahler.
Ich muss gestehen, dass ich den ersten Teil der Reihe nicht kenne, dies ist allerdings absolut kein Problem, da die Geschichte unabhängig von einander zu funktionieren scheint und einem als Leser, das Fehlen der Vorgeschichte nicht auffällt.

Der Einstieg in die Geschichte ist recht solide gestaltet, die Geschichte um Katharina die Große bietet natürlich auch, die großen und spannenden Szenen, wodurch bereits ein gewisses Maß an Erzähltempo entsteht, auch der Schreibstil, der Autorin, lässt sich sehr schnell und flüssig lesen und dennoch gab es für mich einige Kritikpunkte:

Zum einen war für mich die Ausarbeitung der Charaktere nicht wirklich gelungen, diese blieben blass und schafften es in meinen Augen nicht Geschehnisse und Gefühle, auf den Leser zu übertragen, wodurch mich die Geschichte an den meisten Stellen komplett kalt lies. Auch die Geschichte an sich, war mir zu oberflächlich und ging nie über die offensichtlichen Dinge hinaus, ich hätte mir mehr Tiefgang und Eigensinnigkeit in der Erzählstruktur gewünscht, damit man sich als Leser auch auf jeder Seite gefesselt fühlt.

Mein Fazit:
"Die Zarin und der Philosoph" ist in meinen Augen ein recht solider Historischer Roman,der über weite Strecken hinweg eher blass; eher oberflächlich und unnahbar wirkte, weshalb mich die Geschichte emotional nicht packen konnte. Der Schreibstil an sich, ist wirklich durchaus flüssig und solide lesbar, dennoch war mir dies zu wenig, 3 Sterne!
Profile Image for yellowdog.
850 reviews
July 22, 2019
St.Peterburg im 18.Jahrhundert

Die Zarin und der Philosoph ist ein beeindruckender historischer Roman, detailreich und unterhaltend. Er zeigt St. Petersburg im 18.Jahrhundert und Katharina die Große und ihre Bemühungen, Russland nach Westen hin zu öffnen.
Die Arbeit des Verlages ist auch zu loben, denn neben einem Personenverzeichnis und einer Zeittafel gleich am Anfang ist auch das Cover, das einen Blick auf St.Petersburg 1817 zeigt, geeignet, der historischen Atmosphäre beizutragen.

Obwohl auch Denis Diderot und Voltaire erwähnt werden, ist der im Titel erwähnte Philosoph anscheinend eine fiktive Figur mit dem Namen Stephan Mervier, der aus Potsdam nach Russland reist.
Eine weitere wichtige Figur ist die elternlose Sonja, die Ziehkind von Katharina wird.
Sonja kommt mir aber leicht überzeichnet vor, da ihr schon als Kleinkind solche Intelligenz zugesprochen wird. Für die Handlung aber funktioniert das.

Das informative Nachwort der Autorin ist noch erwähnenswert.

Martina Sahler schreibt seit Jahren historische Romane, die man als anspruchsvolle Unterhaltungsromane bezeichnen kann. Es freut mich sehr, dass sie so unverdrossen weiterschreibt.
Profile Image for Lauri van Oosterom.
620 reviews10 followers
November 9, 2022
Net als het eerste deel (De stad van de Tsaar) is dit boek een mooie combinatie van historische feiten en fictie. Wederom een overdaad aan personages, waardoor het soms lastig te volgen is wie wie is en waar deze mensen zich bevinden.

Ook in dit boek was een kaartje van Rusland en een detailkaart van Sint-Petersburg geen overbodige luxe geweest.
Profile Image for Inge H..
444 reviews7 followers
May 3, 2019
Russische Tragödie
Romane von der Autorin Martina Sahler lese ich schon seit Jahren gerne.
Der neue Roman „Die Zarin und der Philosoph“ führt uns nach St. Petersburg.
Katharina, die Frau von Zar Peter krönt sich nach dessen Tod selber zur neuen Zarin. Sie versucht sich an die westliche Mächte an zu binden. Leider behält sie die Leibeigenschaft bei.
Dadurch gibt es Aufstände und Gibt dem Widerstand Nahrung.
In dem Roman spielen viele bekannte Persönlichkeiten mit. Die Autorin hat ein paar interessante Personen in die Geschichte geschrieben. Einmal ist da Sonja, ein Findelkind, das Katharina in ihrem Haushalt aufnimmt. Sie ist ein aufgewecktes kluges Mädchen, das alles was ihr nicht gut erscheint, aufschreibt.
Dann ist da der deutsche Philosoph Stephan Mervier, der vom Preußenkönig Friedrich II, nach Russland geschickt wird, um die Zarin auszuspähen.
Martina Sahler hat die russische Politik gut recherchiert und bringt sie stimmig in den Roman ein. Die russische Mentalität+t kommt gut rüber. Im Winterpalast in St Petersburg fühlte ich mich schnell heimisch, aber es kann gefährlich werden.
Die Zarin und der Philosoph ist ein interessanter Historischer Roman.
Profile Image for Julia L. Jordan.
Author 1 book6 followers
May 14, 2019
Martina Sahler weiß, wovon sie schreibt. In jeder Zeile ihrer gewaltigen Geschichte um Katharina die Große spürt man ihre Liebe für Russland und ihre Leidenschaft für die Geschichte. Obwohl hier viele historische Fakten präsentiert werden, liest sich der Roman doch reinste Fiktion: spannend, mitreißend, leidenschaftlich. Mit ihrem unaufgeregten Schreibstil gelingt es der Autorin, das kalte Russland in prächtigen Farben erleuchten zu lassen.



So viele eigensinnige Charaktere

Was ich der Autorin besonders hoch anrechne, ist ihr Umgang mit ihren Charakteren. Egal, ob sie diese selbst erdacht hat oder es sich um historische Persönlichkeiten handelt, sie vertraut dem Leser und verschwendet keine Zeit darauf, sie genau vorzustellen. Stattdessen werden wir direkt in die Gedanken, in die Handlung geworfen. Wir bekommen einen Namen und dann sehen wir der Person bereits zu, wie sie lebensverändernde Dinge entscheidet und über andere Personen urteilt.

Dabei bekommt jede Figur ihre eigene Färbung. Katharina denkt stets mit Liebe an ihr Volk, doch nie kommt sie auf die Idee, ihre eigenen Pläne und Handlungen in Frage zu stellen. Aus ihren Gedanken erfahren wir, dass sie nicht nur vorgibt, gütig und weise zu sein, sondern sich tatsächlich dafür hält. Auf der anderen Seite haben wir Stephan, den titelgebenden Philosophen, der anfangs schüchtern und steif wirkt, aber im Laufe der Geschichte zu immer mehr Selbstbewusstsein findet. An seiner Seite die schöne, künstlerisch begabte Johanna. Wie so oft in russischen Romanen zu lesen, greift sie zu oft zum Wein. Doch sie kann das ablegen, findet Kraft, baut sich ihr eigenes Leben auf als Deutsche in Russland. Aus ihren Augen erscheint Stephan ganz anders, als er sich selbst empfindet. Weder besser, noch schlechter, sondern einfach anders.

Auch die vielen anderen Charaktere wie Sofia, die Ziehtochter der Zarin, oder Boris, der junge Schreiberling, ebenso wie echte historische Figuren wie Diderot und Potemkin finden hier ihre eigene Sprache. Manchmal bekommen wir nur ein Kapitel über eine Randfigur, doch stets ist der Einblick so gelungen, dass man sich augenblicklich mit diesen Figuren zu Hause fühlt.



Viele Plot-Fäden ergeben ein berauschendes Muster

Je mehr Figuren eingeführt werden, umso komplizierter erscheint streckenweise das, was geschieht. Doch nie verliert Sahler den Leser, denn obwohl die Leben der Figuren sehr unterschiedlich sind und manche sich kaum begegnen, so gibt es doch einen roten Faden, der sich durch alles zieht: der Kampf um die Deutungshoheit der russischen Entwicklung. Katharina die Große auf der einen Seite, fast alle anderen Figuren auf der anderen Seite, so wird über weite Strecken ein verdeckter Kampf geführt, der schließlich an die Oberfläche dringt.

Und hier wandelt sich die Geschichte. Wie die Ruhe vor dem Sturm entwickelt sich alles langsam, Figuren entfernen sich voneinander, andere kommen sich näher, doch niemand wagt es, die Grenze zu überschreiten. Dann, plötzlich, gewinnt die revolutionäre Bewegung an Kraft, und mit ihr wird das Beziehungsgeflecht der Figuren gesprengt und neu geordnet. In einem fulminanten Abschluss der epischen Geschichte finden manche ihr Glück, manche ihren Untergang und alle eine große Veränderung.



Fazit

Der historische Roman „Die Zarin und der Philosoph“ von Martina Sahler verfolgt das Leben verschiedener Persönlichkeiten im Umkreis der Zarin Katharina. Vor der Kulisse von St. Petersburg erschafft die Autorin große Liebesgeschichten und den philosophischen Kampf um die Modernisierung Russlands. Über allem schwebt stets der Vorbote einer großen Tragödie, und doch ist jeder Charakter getrieben von der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Mal historisch akkurat, mal wundervoll erdacht nimmt uns Sahler mit auf eine Reise durch ein fremdes Land und verzaubert uns mit ihren authentischen Charakteren. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich gefesselt und konnte keine Schwachstelle entdecken.
Displaying 1 - 16 of 16 reviews

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