»Tanze nicht mit Feen und handle nie mit Hexen.« – Elegio kennt diese Warnung, seit er ein kleiner Junge ist.
Geboren in eine Familie von Assassinen wächst er im Oberitalien des 17. Jahrhunderts auf. Sein Vater Lysander setzt alles daran, ihn auszubilden. Doch dem sanften Elegio ist Töten zuwider.
Sein Leben ändert sich für immer, als er in den Besitz eines verzauberten Kleides gelangt. Es verwandelt ihn in Rapunzel – eine gefährliche Schönheit. In ihrer Gestalt ist er endlich der Todesengel, den Lysander in ihm sehen will.
Aber sein Vater hat ihn nicht grundlos vor Hexenwerk gewarnt. Mit Rapunzel erwachen Mächte im Land, die einen nie dagewesenen Krieg entfesseln. Und Elegio, der nie kämpfen wollte, gerät mitten zwischen die Fronten …
Eine dunkelfantastische Thriller-Adaption zur Zeit des 30-jährigen Krieges, angelehnt an das bekannte Märchen der Brüder Grimm: »Rapunzel«.
Die 1994 geborene Münchnerin wuchs in einer teils deutschen, teils marokkanischen Familie auf. Einmal begonnen, hat das Schreiben phantastischer Texte sie nicht mehr losgelassen.
Der Wunsch, Literatur zu einem festen Bestandteil ihres Lebens zu machen, brachte sie nach Wien, wo sie die Deutsche Philologie studiert. Neben dem Studium arbeitet sie als Lektorin.
Wenn sie sich nicht mit dem Schreiben beschäftigt, singt sie leidenschaftlich. Beide Passionen lebt sie in Metal-Bands wie »Nightmarcher« aus.
Das Buch begann richtig stark. Geschickt wurde die Geschichte um den Hauptcharakter Elegio gewebt und ich wurde immer neugieriger, wie sich denn alles entwickeln würde. Wie ein Strudel erfassten mich die Begegnungen mit Sagenfiguren und magischen Wesen. Vor allem Elegios Verwandlung zu Rapunzel und die Entdeckung seiner Kräfte brachten mich zum schmunzeln. Ich freute mich richtig, wie er endlich Freunde in den Geschwistern fand und die Geschichte wurde richtig spannend, als sich der Konflikt zwischen Katholiken und Protestanten zuspitzte. Toll, wie sehr auch geschichtlicher Hintergrund eingebunden wurde, das macht das Ganze fast schon greifbar und hat etwas Festigendes, finde ich.
Bis zur Seite 236 (von 472) war ich gefesselt, die Geschichte entwickelte sich toll, der Humor brachte mich immer wieder zum Lachen und alles in allem hätte ich dem Buch dort und jetzt sicher 4.25/5 Sterne verleihen können - ich war hellauf begeistert!
Dann, auf einmal ein Umschwung. Wie mit einem Schlag wurden innerhalb von 15 Seiten die drei einzigen Charaktere, die wir als Leser näher kennen gelernt haben, umgebracht. Es wirkte fast schon achtlos, wie schnell sie alle auf einmal verschwanden. Später kamen, so plötzlich wie die Anderen verschwunden waren, neue Charaktere hinzu. Allerdings muss ich sagen, dass es mir schwer fiel eine Verbindung zu ihnen aufzubauen. Irgendwie waren sie mir bis zum Schluss egal, ihre Interessen und Handlungen berührten mich nicht im geringsten. Eher wirkten sie wie ein schlechter Ersatz für die Verstorbenen.
Bis zur Seite 329 hatte ich noch das Gefühl, dass sich die Geschichte strukturierter weiter entwickeln könnte, aber ab da ging es leider langsam bergab. Die Handlung hüpfte ab da von Szenen der Nekromantie, zu Begegnungen mit geisterhaften Hexenerscheinungen, um dann zu Kriegsgeschehen und dem Kampf mit weiteren Feinden zu schwenken. Elegio fand heraus, wer seine Mutter war und schwupps - wird sie vom Blitz getroffen und stirbt genauso schnell wie die anderen Charaktere vor ihr.
Ab Seite 444 erinnerte mich die gesamte Geschichte an Gemälde von Pieter Bruegel oder Hieronymus Bosch. Es herrschte ein Chaos, gewoben aus den bisherigen Geschehnissen, den vielen Charakteren und auf einmal offenbart sich Giacomo auch noch als lüsterner Dämonenfürst. So, da war ich sprachlos.
Der Epilog versuchte einem glaubhaft machen, dass sich Elegio mit seinen erst neulich gefundenen Verwandten, die sich auf Seite 428 gegen ihn gewandt und als "Monster" bezeichnet hatten, auf Seite 471 wieder verträgt und hastig wird eine familiäre, versöhnliche Stimmung zum Abschluss verbreitet.
Zusammenfassend: Nora Bendzko schreibt eigentlich richtig toll. Ich war begeistert, bis die Charaktere anfingen, wie von einer Seuche dahingerafft zu werden und ein Schrecken den nächsten jagte, das war irgendwie zu viel. Elegios Trauer wirkt nicht dauerhaft und daher nicht überzeugend. Nur als er sich von seinem Pony Bambino verabschiedete, kamen mir die Tränen, aber selbst darüber war mir Elegio zu schnell hinweg.
Ich würde in Zukunft gerne weitere Werke der Autorin lesen, da ich finde, dass sie durchaus viel Potential hat und mir ihr Schreibstil grundsätzlich gut gefällt.
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Nichts auf dieser Welt ist unveränderlich in Stein gemeißelt.
Ich habe ein Rezensionsexemplar von der Autorin erhalten (danke!), im Tausch gegen eine ehrliche Rezension. Ehrlich gesagt... ich bin hin- und hergerissen. Einerseits hatte mich diese Galgenmärchenversion von Rapunzel sofort mit einem sehr düsteren, gruseligen Einstieg gepackt, andererseits ließ dieses Gruseln schnell wieder nach. Nicht, dass das Buch schlecht gewesen wäre. Es wurde nur... anders? Ich bin ein paar Mal über den Schreibstil gestolpert, aber das ist wohl der Sprache der Epoche geschuldet, in der das Buch spielt. Insgesamt ist das Buch eine interessante Mischung aus sehr facettenreichen Charakteren, tollen, magischen Ideen (ich mag vor allem den Aspekt mit Artus und den anderen wie ihm), Assassinen und verschiedenen Arten von Magie. Was teilweise ein bisschen viel auf einmal sein kann, gleichzeitig aber auch einen Großteil der Faszination mit diesem Buch ausmacht. Weswegen ich so zerrissen bin. Insgesamt ist dieses Buch etwas für alle, die etwas für ungewöhnliche und düstere Märchenneuerzählungen übrig haben.
Märchen, Assassinen und Dark Fantasy? Ja, ich bin sowas von dabei! Wie das alles zusammen passt, verrät der Roman »Hexensold« von Nora Bendzko. Der Roman steht in der Reihe der Galgenmärchen, ist aber ein eigenständiger Stand Alone Roman und kann unabhängig von den anderen Galgenmärchen gelesen werden. Ihnen allen gemeinsam ist, dass sie Elemente bekannter Märchen aufgreifen und daraus eine düstere Geschichte stricken.
Was mir als erstes ins Auge fiel, ist, dass die Autorin es hervorragend vermag, mit Worten Bilder zu erzeugen. Auf Twitter schrieb ich dazu, dass gute Bücher weggeatmet werden müssen, und das trifft es eigentlich ganz gut. Die Worte haben eine Sogwirkung, die die Bilder in meinem Kopf so unheimlich echt erscheinen lassen, dass ich das Gefühl habe, mitten dabei zu sein.
Das führt auch dazu, dass die Atmosphäre sehr gut zum Leser transportiert wird. Teils lief es mir wirklich kalt den Rücken hinab. Düster ist der Roman fürwahr mit seinen Hexen, den Teufeln und religiösen Fanatikern.
Packen kann auch die Charakterdarstellung vor allem von Elegio und dem Blick in seine Gedankenwelt. Das hat auf jeden Fall überzeugt. Er zweifelt, er hat Angst, er kämpft und bildet sich seine eigene Meinung von der Welt um ihn herum. Die mag nicht immer der Wirklichkeit entsprechen (wann tut sie das schon?) oder gar frei von fremden Einflüssen sein. Vor allem zu Beginn ist er sehr naiv von seinem Vater beeinflusst und folgt dessen Lehren eigentlich ohne sie groß zu hinterfragen. Das kommt erst im Laufe der Zeit, als er älter wird und selbst so einige Dinge herausfindet.
Die Plottwists hatten etwas für sich, weil eigentlich keine der Seiten wirklich gut oder böse war. Jeder hatte seine Beweggründe, die Dinge zu tun, die er tat. Vor allem Lysander, Elegios Vater, auch wenn das zu einigen nicht unbedingt als positiv einzustufenden Taten führte. Einen der Plotwists sah ich ehrlich gesagt schon ab der Hälfte des Romans kommen, das tut dem jedoch keinen Abbruch. Gerade das Ende haut so einige dicke Dinger raus und auch sonst wird es nicht langweilig.
Im Übrigen gefällt mir Elegios Namenswahl, weil sie sehr gut zu seinem Charakter passt.
Im Roman gibt es Elemente lesbischer Beziehungen bei Nebencharakteren und vor allem Elegio wirkt sehr androgyn dadurch, dass er so leicht in die Rolle der Rapunzel schlüpfen kann. Seine Genderfluidität fühlt sich sehr natürlich an und ist, denke ich, eine gute Repräsentation sowie dabei behilflich, das Konzept der Genderfluidität zu illustrieren.
»Hexensold« ist in jedem Fall eine Empfehlung und ein packender Roman vor historischen Kulissen. Vor allem sein Hauptprotagonist ist seine Stärke, aber auch die Sprache und die packende Atmosphäre. Außerdem ist er in sich geschlossen und das ist in Zeiten von Wheel of Time und dem Schwert der Wahrheit doch eine angenehme Abwechslung.
Ich durfte den Roman vor dem offiziellen Erscheinungstermin lesen. Vielen Dank dafür an die Autorin!
Die Stärke des Romans liegt meiner Meinung nach vor allem in der ersten Hälfte. Besonders etwa in der Mitte herum finden sich tolle, unvorhergesehene Plot Twists, die mich richtig begeistert haben, weil sie etwas sehr Ungewöhnliches und strukturtechnisch auch ein wenig Gewagtes darstellen. Das Ganze verlief sich meiner Meinung nach dann leider gegen Ende hin etwas und es werden Plotpunkte behandelt und aufgegriffen, die vielleicht nicht unbedingt hätten behandelt und aufgegriffen werden müssen. Dennoch liest sich der Roman schön flüssig und die Charaktere - vor allem Elegio und die Zwillinge - sind sehr dreidimensional und interessant. Bonuspunkte gibt es natürlich auch für die queeren Elemente des Buches. Obwohl ich generell fand, dass die romantischen Subplots nicht unbedingt hätten sein müssen, fand ich es schön, dass eine lesbische Romanze mit einbezogen wurde, ein Crossdresser die Hauptfigur ist und auch ein schwuler Charakter ganz selbstverständlich und ohne viel Skandal schwul ist. (Er macht dann auf andere Weise Skandal, aber das sei dahingestellt.) Generell hat mir das Worldbuilding bis auf einige Kleinigkeiten sehr gefallen und die gut gesetzten intertextuellen Bezüge haben - besonders natürlich jene zu den Märchenstoffen - viel Spaß gemacht.
This book started not entirely to my taste. It was very young-adult novelish at the beginning. With the protagonist being a teenager and an obvious love interest etc., it almost made me roll my eyes a little, but that changed towards the middle of the book where it went, to my pleasure, against my expectations. I was played like a fiddle. I was shocked, and delighted, that this book wouldn't be so predictable. This was when the story reached its apex for me, when it drew me in the most. I was a little more to my taste from then onwards, I got the feeling across that no character is safe, which is something I really enjoy. Unfortunately, towards the end, things were happening at an extraordinary pace and it almost seemed a little rushed. Some threads came together a little too... how should I say it... conveniently. The end is also where magic becomes very apparent and important. Lots of different kinds of magic, I mean LOTS of it and I'm not entirely sure if this story really needed that much of it. I could have done with a more realistic approach in the last quarter of the book, that focused less on magic and more on characters and personalities, but I guess that comes with the genre. However, over all I enjoyed it a lot. I got through it rather effortlessly, because of the way it was written, which is absolutely a compliment. It's a very nice read.
Inhalt/Meinung Ich bin ja eigentlich immer der Meinung, dass man ein Buch nicht nach seinem Cover beurteilen sollte, aber mal ehrlich, kann man bei dem Cover von „Hexensold“ auch nur daran denken, dass Buch nicht in die Hand zu nehmen? Auch wenn mich der Klappentext nicht neugierig gemacht hätte, allein wegen diesem hammermäßig genialen Cover, hätte ich die Geschichte lesen müssen!
Aber nun mal langsam und fangen wir am Anfang an. Ein Galgenmärchen nach Art des Rapunzelhauses. Eine Geschichte im Turm, mit Magie und Vertrauen. Mit Verrat und Intrigen. Mit Liebe und Hass. Und vor allem mit ganz viel Freundschaft, die durch Höhen und Tiefen gehen muss, bevor sie fest werden kann.
Die Geschichte dreht sich um Elegio, der als Junge mit den Eigenheiten seines Vaters zu kämpfen hat. Er weiß nicht genau, was der Vater eigentlich macht und wie seine Rolle in dem Ganzen aussieht, weil er sich einfach nicht vorstellen kann, so zu sein wie sein Vater. Elegio ist ganz anders. Er ist sanft und liebenswürdig. Er hinterfragt die Dinge und hat Mitgefühl mit anderen. Außerdem hätte er gerne Freunde und würde vielleicht auch gerne dazugehören. Zu jemandem gehören. Das ist schwer, denn seine Welt ist oftmals geprägt von Gewalt, Tod und mysteriösen Dingen, die er langsam aber sicher versteht. Und zu denen er sich mehr hingezogen fühlt, als er sollte.
„Hexensold“ ist kein typisches Prinzessinnen-Märchen und wer hier eine ängstliche, blonde, verwöhnte junge Frau erwartet, sollte sich von diesen Erwartungen mal schnell verabschieden. Die Figuren in diesem Galgenmärchen sind allesamt stark und kräftig und treten für das ein, was sie wollen. Sie leisten mehr, als sie eigentlich können und gehen stets über ihre Grenzen hinaus. Sie wachsen an den Dingen, denen sie sich stellen müssen und ziehen nicht einmal den Kopf ein. Es muss eben getan werden, was getan werden muss.
Ich war mir lange nicht sicher, wohin die Geschichte geht oder was mich erwartet, deswegen bin ich offen auf alle Situationen zugegangen, die Elegio und mich erwarteten und sah gespannt bei allem zu, was er erlebte. Es dauert, bis er lernt, sein Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu dem zu stehen, was er ist. Man kein sein wahres Selbst nicht lange leugnen, egal wie sehr man sich anstrengt.
Für mich war dieses Märchen ein Abenteuer und zeitgleich eine Reise zu sich selbst. Elegio und seine Freunde lernen so viel und müssen noch mehr erleiden. Die Autorin schafft es, immer wieder dafür zu sorgen, dass man als Leser sich in Sicherheit wiegt nur um dann den nächsten Twist aufzuwerfen. Sie fesselte mich an die Seiten und es fiel mir unglaublich schwer, dass Buch zur Seite zu legen. Die Atmosphäre ist so dicht und gleicht einem Sog, der den Leser dazu bringt, die Wörter quasi wegzuatmen.
Fazit „Hexensold“ ist ein Märchen der anderen Art – ein Galgenmärchen, bei dem man sich in die Seiten ziehen lassen kann und nicht wieder rauskommen will. Verschiedene Figuren, die alle auf ihre Art besonders sind, sorgen dafür, dass die Geschichte eine Tiefe bekommt, die bei regulären Märchen nicht vorhanden ist.
Ein neues Galgenmärchen aus der Feder von Nora Bendzko hat das Licht der Welt erblickt. Und ihr wisst ja, ich liebe ihre Galgenmärchen. Daher war ich auch super gespannt auf Elegios Geschichte. In Hexensold, welches 482 Seiten hat, wird das Märchen von Rapunzel adaptiert, aber auch andere Märchen und Sagengestalten lassen sich entdecken. Ich habe das Buch schon länger beendet, aber mir fällt es sehr schwer, meine Gefühle für dieses Buch auszudrücken. Ich bin mit dieser Rezension immer noch unzufrieden, aber ich will jetzt auch nicht noch zwei weitere Wochen lang versuchen, eine zu schreiben, die mir selbst gefällt. Hexensold bekommt von mir aber auf jeden Fall seine verdienten 5 Lilien.
Hexensold ist düster und brutal. Hass und Angst treibt die Handlung voran, aber trotzdem schwingt immer ein Hauch von Hoffnung mit. Ich war wieder mal komplett überwältigt von Noras Schreibstil. Sie schreibt sehr bildhaft ohne dass es dabei ausartet. Emotionen kamen sehr gut bei mir an.
Elegios Geschichte beinhaltet Zeitsprünge. Wir lernen ihn als Kind kennen und zum Ende des Buches ist er ein erwachsener Mann. Er ist nicht wie Grimms Rapunzel im Turm gefangen, sondern er kann ihn verlassen. Aber trotzdem ist Elegio nicht frei. Ihn halten keine Mauern fest, sondern seine Vergangenheit, seine Erziehung, seine eigenen Ängste, die Vorurteile der anderen. Rapunzel muss hier nicht auf einen Prinzen warten, der sie rettet. Hier muss Rapunzel selbst erkennen, wie sie sich befreien kann.
Elegios Weg zur Selbsterkenntnis wird durch eine düstere Rahmenhandlung begleitet. Wir befinden uns im 30jährigen Krieg. Er sieht Freunde sterben, arbeitet selbst als Assassine und die Hexenjäger haben auch bald Rapunzel im Blick. Ich habe die Handlung so empfunden, dass wir mehrere abgeschlossene Episoden haben, die Elegios Charakterentwicklung immer weiter vorantreiben. Durch wiederkehrende Personen und neue Erkenntnisse zu den Personen sind diese Handlungsepisoden aber gut miteinander verknüpft, sodass sie nicht einzeln stehen, sondern ein roter Faden die Abschnitte miteinander verbinden.
Die Geschichte war spannend, traurig, wunderbar und ich habe einfach so gehofft, dass Elegio ein gutes Ende finden wird. Etwas was bei den Galgenmärchen nicht selbstverständlich ist. Sie tragen ja nicht umsonst das Wörtchen "Galgen" im Reihentitel.
“Hexensold” ist das erste Buch und somit auch das erste Galgenmärchen, was ich von der Autorin gelesen habe.
Ich war mir anfangs nicht sicher, was mich erwartet aber umso mehr ich gelesen habe umso mehr bin ich in die Geschichte abgetaucht. Gleich vorweg wenn man schwache Nerven hat, sollte man dieses Buch nicht in die Hand nehmen, wer allerdings düstere Geschichten mag, die einen gehörigen Fantasyanteil haben und die Märchen mal aus einer ganz anderen Sicht zeigen, ist hier genau richtig.
Man lernt Elegios Geschichte kennen, der mit seinen 15 Jahren zu einem vollwertigen Assassinen werden soll, doch er schafft es nicht, erst als er eine Perücke anlegt und ein Kleid anzieht und er zu Rapunzel wird, schafft er es. Ist er Rapunzel, ändert sich sein ganzes Wesen, nicht nur seine Magie nimmt, er wird zu Rapunzel. Rapunzel wird als eigenständige Person dargestellt, sodass man sogar als Leser vergisst, dass Elegio und Rapunzel ein und dieselbe Person sind.
Der Schreibstil ist genau passend zur Zeit gewählt, auch wenn es doch einen modernen Anklang hat und dennoch ist es sehr stimmig. Mir hat es gut gefallen, gerade das Düstere und Dunkle in der Geschichte bereitet einem Gänsehaut. Hin und wieder war ich verwirrt weil ich nicht wusste, sind nun einige Gegebenheiten Einbildungen gewesen oder nicht aber wenn man weiter liest, versteht man es.
Wir werden auf ein besonderes Abenteuer mitgenommen, mit sehr unerwarteten Ereignissen, ich möchte nicht spoilern aber ein Erlebnis hab ich zweimal gelesen um zu verstehen, was da gerade passiert ist, nicht weil es kompliziert geschrieben war, sondern weil ich es einfach nicht glauben konnte. Trotz düsteren Inhalt hat das Buch ein Happy End, nur vielleicht nicht so wie jeder denkt.
Was mich positiv überrascht hat, ist, dass einige Nebencharaktere sogar homosexuell sind. Es ist mal was anderes in so einer düsteren Geschichte und gerade zu der Zeit wo es spielt, finde ich es einen interessanten Aspekt. Allgemein spielen hier Nebencharaktere hier große und wichtige Rollen über die man auch einiges erfährt aber hauptsächlich ist es Elegios Geschichte.
Die Geschehnisse wurden sehr bildlich beschrieben, was einem alles näher bringt. Gerade die düsteren Stellen hat die Autorin so authentisch und gefühlsnah geschrieben, dass sie einem noch lange im Gedächtnis geblieben sind und es noch eine Weile tun werden.
»Tanze nicht mit Feen und handle nie mit Hexen.« – Elegio kennt diese Warnung, seit er ein kleiner Junge ist. Geboren in eine Familie von Assassinen wächst er im Oberitalien des 17. Jahrhunderts auf. Sein Vater Lysander setzt alles daran, ihn auszubilden. Doch dem sanften Elegio ist Töten zuwider. Sein Leben ändert sich für immer, als er in den Besitz eines verzauberten Kleides gelangt. Es verwandelt ihn in Rapunzel – eine gefährliche Schönheit. In ihrer Gestalt ist er endlich der Todesengel, den Lysander in ihm sehen will. Aber sein Vater hat ihn nicht grundlos vor Hexenwerk gewarnt. Mit Rapunzel erwachen Mächte im Land, die einen nie dagewesenen Krieg entfesseln. Und Elegio, der nie kämpfen wollte, gerät mitten zwischen die Fronten … Eine dunkelfantastische Thriller-Adaption zur Zeit des 30-jährigen Krieges, angelehnt an das bekannte Märchen der Brüder Grimm: »Rapunzel« ... (Klappentext)
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„Verlasse den Turm nur, wenn du es musst, und betrete nie seinen obersten Raum. Tanze nicht mit Feen und handle nie mit Hexen. Böses kann nur in unseren Turm gelangen, wenn du es einlädst.“ (S. 26)
Man befindet sich im Norditalien des 17. Jahrhunderts, genauer gesagt im Tal Veltlin, zur Zeit als der Dreißigjährige Krieg gerade begonnen hat und die Reformation beginnt ihr hässliches Gesicht zu zeigen. Am Rande des Dörfchens Teglio, abseits im Wald, steht ein alter Wehrturm, der von Lysander und seinem Sohn Elegio bewohnt wird. Elegio wächst in diesem Turm auf, von der Außenwelt abgeschnitten, um von seinem Vater zum Assassinen ausgebildet zu werden, denn dies ist Familientradition. Doch Elegio will nicht töten. Er ist ein sensibler Junge, der Geschichten von Rittern und Königen liebt. Er ist ein Tagträumer, tanzt und näht gerne und liebt seidene Stoffe. Er versucht dagegen anzukämpfen, um seinen Vater nicht zu enttäuschen, doch er beginnt sich langsam Fragen zu stellen, z.B.: Wieso ihm sein Vater auf manche Fragen die Antworten schuldig bleibt? Wieso der Vater mit Gevatter Tod paktiert? Und vor allem, wieso es ihm verboten ist das oberste Turmzimmer zu betreten, welches verschlossen ist und aus dem manchmal unheimliche Schreie erklingen? Eines Tages schenkt ihm ein Mädchen ein wunderschönes Kleid und die gesamte Aufmachung als Frau macht noch etwas mit Elegio. Magie durchströmt ihn, seine Sinne sind geschärft und er ist endlich zum Töten bereit. Signora Rapunzel wurde geboren und sie kann nun endlich das sein, was Lysander von Elegio erwartet – eine Assassine. Doch damit scheint noch etwas anderes erweckt worden zu sein und dieses Etwas befindet sich ganz in der Nähe, nämlich im obersten Turmzimmer.
Trotzdem möchte Elegio keinen Pakt mit dem Tod eingehen, um ihm wie sein Vater zu dienen. Trotzdem möchte der Junge auf der richtigen Seite stehen und die Menschen schützen, denn auch in Veltlin selbst scheinen sich dunkle Mächte zu erheben. Diese gieren nach dem Tod und brechen gemeinsam mit dem Krieg in das Tal herein Doch was, wenn es sein Schicksal ist als todbringende Schönheit durch das Tal zu ziehen und welche Seite ist die Richtige?
„Mit dem dunkelblauen arabischen Samt, der sich an ihrem langen Körper wellte und eng über den Hüften schnürte, sah sie wie eine menschgewordene Nymphe aus. Daran erinnerte auch der Rüschenrock, der vorne nur bis unter die bestrumpften Knie ging, doch hinten wie ein Wasserfall hinabfiel. Ihre Ausstrahlung, die vornehme Haltung, wie die Kleider ihr ganzes einnehmendes Wesen komplimentierten, alles an diesem Mädchen war magisch. >>Das bist du<<, sagte Ottilia. Erst da begriff Elegio, wen er in dem großen Wandspiegel sah.“ (S. 121)
Ich liebe die Galgenmärchen-Reihe dieser Autorin und diesmal wurde das Märchen „Rapunzel“ auf herrlich düstere Weise adaptiert.
Man begibt sich hier auf eine spannende Reise in eine historisch-düstere Fantasywelt voller Magie und dunkler Mächte. Man begegnet hier unterschiedlichen Figuren, welche vielschichtig gezeichnet sind und trifft, unter anderem, auf eine Hexe, einem Pestgeist, einer jungen Ritterin und auch Hänsel und Gretel haben ihren Auftritt. Begleitet wird man hier von einer düsteren Atmosphäre, welche einen einlullt und nicht mehr loslässt und taucht zusätzlich mitten in die Kriegswirren des Dreißigjährigen Krieges ein.
„Rapunzel wehrte alle Schläge und Schwerthiebe ab, die ihren tödlichen Tanz unterbrechen wollten. Piroutte um Piroutte drehte sie sich und ließ ihre Waffen singen. Als sie ihren letzten Schritt tat, stand keiner der Männer mehr. Alle fünf Körper lagen gefällt um sie, ihr Blut tränkte die Wurzeln der Bäume.“ (S. 284)
Die Autorin schafft es mit ihrem Schreibstil Atmosphäre zu erschaffen, was vor allem daran liegt, dass sie diesen an die damalige Zeit anpasst. Zudem enthält der Stil ebenso nahezu poetische Züge, und trotzdem könnte so manche Szene nichts für schwache Mägen sein. Es kommt zu vielen Wendungen und somit ist die Spannung von Anfang bis Ende vorhanden. Die Autorin schreckt auch davor nicht zurück liebgewonnene Figuren über die Klinge springen zu lassen.
Was mich diesmal besonders begeistern konnte ist die Tiefe, welche diese Story bereithält. Es geht hier darum sich selbst zu akzeptieren, egal wie „anders“ man auch ist. Es handelt von Toleranz und Gleichheit und in der Story ist gleichgeschlechtliche Liebe ebenso Thema, wobei dies auf unaufdringliche Weise in die Geschichte eingewoben wurde. Keine Sorge, es wird hier keineswegs schnulzig oder kitschig, denn alles verläuft in leisen Schritten. Trotzdem sind diese Themen allgegenwärtig und eventuell gerade deshalb umso einprägsamer, da dies weder mit erhobenem Finger, gekünstelt, noch im Stile eines Vorschlaghammers an die LeserInnen gebracht wird. Diversity in ihrer schönsten Form. Leise Töne sind meistens doch die lautesten.
„Mit einer bösen Vorahnung drehte sich Rapunzel um. Nebel löste sich aus den toten Rabenkörpern. Der Dunst sammelte sich um einen besonders großen Kadaver. Ein hässliches Knatschen ertönte, als Bewegung in das gammelnde Fleisch kam. Es erhob sich. Auf wackeligen Beinen, Fell und Haut nur noch Fetzen, überall Maden am Körper.“ (S. 355)
Fazit:
„Hexensold“ ist mein absoluter Favorit der Galgenmärchen-Reihe. Das Buch enthält nämlich eine spannende Story in einem wunderbarem Schreibstil. Diese ist herrlich düster, atmosphärisch mit vielschichten Figuren, blutigen Szenen und zudem auch noch mit Tiefgang. Wenn man diese Buchreihe kennt, dann merkt man, wie die Autorin von Buch zu Buch wächst. Was mir jedoch ab dem ersten Band gefallen hat ist, dass Bendzko vor allem Tabuthemen thematisiert, bzw. diese auf ihre ganz spezielle Art und Weise nach außen trägt. Sie scheißt auf weichgespülte Storys und nennt das Kind beim Namen, gleichzeitig werden aktuelle Themen auf einfühlsame Weise behandelt – vor allem in „Hexensold“. Und somit möchte ich mit einem ganz besonderem Zitat enden….
„Er spürte schon so lange, dass er in die Welt wollte, die Rapunzel ihm geöffnet hatte. Eine Welt, in der jeder leuchten durfte, ganz gleich, als was geboren.“ (S. 373)
Ein großes Dankeschön geht an die Autorin Nora Bendzko für das Rezensionsexemplar von „Hexensold“
Meine Meinung:
Der Klappentext hat mich sehr neugierig gemacht, denn was hat es mit den Hexen und Feen auf sich? Dazu noch Assassinen, der 30-jährige-Krieg und das Märchen Rapunzel. Alles in allem hat es mich einfach total interessiert wie all diese Elemente in einem Buch zusammengefasst werden und zu einer Handlung verwoben werden können.
Cover:
Das Cover hat mich ebenfalls auf den ersten Blick angesprochen. Die dunklen Farben lassen eine eher düstere Handlung erahnen, was sich auch definitiv als passend herausstellt. Je länger und öfter man sich das Cover ansieht, desto mehr Details stechen einem als Leser ins Auge, wie zum Beispiel der Turm im Hintergrund. Das Cover passt auch sehr gut zur Geschichte und rundet das Buch sehr gut ab.
Der Schreibstil:
Hexensold war mein erstes Buch von Nora Bendzko und ich war sehr auf ihren Schreibstil gespannt. Bereits nach wenigen Seiten konnte ich der Geschichte sehr gut folgen, und war gespannt was es mit den Protagonisten auf sich hat. Orte, Personen und Handlungen werden so gut in der Geschichte beschrieben, dass einem die Beschreibungen gar nicht bewusst auffallen. Man hat einfach plötzlich ein Bild im Kopf und zwar ein sehr klares. Zwischendurch hatte ich einen kleinen Durchhänger beim Lesen, was wohl am sehr großen Zeitsprung lag. Aber einmal damit abgefunden konnte ich mich schnell wieder in die Geschichte einfühlen.
Die Charaktere:
Elegio ist ein sehr spezieller Charakter. Geboren, um ein Assassine zu sein, ist er eigentlich viel zu sanft, um zu töten oder überhaupt einer Fliege etwas zuleide zu tun. Sein Leben verändert sich schlagartig nach einem mysteriösen Fund und seine anschließende Charakterentwicklung ist wirklich sehr gut und glaubhaft beschrieben. Die ganze Geschichte über verändert er sich langsam, was durch viele Details sehr real wirkt. Seine Handlungen fand ich fast immer nachvollziehbar, vor allem im Nachhinein. Die restlichen Charaktere sind ebenfalls sehr gut beschrieben und teilweise auch sehr überraschend.
Die Geschichte:
Anfangs konnte ich nicht so ganz glauben, dass all diese verschiedenen Märchen- und Fantasyelemente gut in einer Geschichte harmonieren könnten. Doch ich habe mich auf alle Fälle getäuscht. Nora Bendzko hat eine ganz besondere Art und Weise eine Geschichte zu verweben und im Hintergrund ein richtig gutes Netz zu spinnen. Einige Male konnte ich nicht glauben was ich da lese, und trotzdem hatte ich immer das Gefühl direkt dabei zu sein. Was mir ein klein wenig gefehlt hat, war die Bindung zu den Protagonisten. Klar habe ich mitgefiebert aber eher der Geschichte wegen und nicht, weil ich irgendwie eine Verbindung zu den Charakteren hatte. Trotzdem war die Geschichte sehr spannend, interessant und genau die ganzen, zu Beginn genannten Elemente, machen diese Geschichte zu einem wirklich lesenswerten Abenteuer.
Empfehlung:
Meine Leseempfehlung geht an jugendliche/ erwachsene Fantasyleser die gerne etwas Dunkles, Mysteriöses und Neuartiges lesen wollen!
Dieses Buch lässt mich ein bisschen hin- und hergerissen. Ich mag den Schreibstil und die Art wie erzählt wird, genau die richtige Mischung aus erklärend und spannend, so dass man auf jeden Fall wissen will wie es weiter geht.
Ich kenne bereits das neue Werk der Autorin und man merkt im Vergleich schon, dass in der Zwischenzeit einiges an Charakterentwicklung und Handlungsaufbau gelernt und verbessert wurde. Gerade zum Ende hin war mir das dann doch ein bisschen zu "convenient" und sprunghaft.
Aber schönes Buch einer jungen Autorin, da kommt mit Sicherheit noch mehr.
Was für ein tolles Buch. Gradioser Spannungsbogen, unerwartete Wendungen (nicht alle, aber die meisten), faszinierende Charaktere und die ganze Zeit dieses Gefühl, alles hautnah mitzuerleben. Zudem tolles Worldbuilding, das an den richtigen Stellen mit historisch Belegbarem angereichert wurde. Mein bislang liebstes Buch von Nora Bendzko.
Wow. Ich liebe, wie die Autorin das Märchen Rapunzel umgesetzt hat. Man entdeckt viele Gemeinsamkeiten mit dem Märchen und trotzdem ist die Geschichte etwas komplett eigenes und nicht nur eine bloße Adaption in anderem Setting.
Wie schon in den vorangegangenen Bänden wurden die historischen Ereignisse wunderbar mit der erzählten Geschichte verknüpft. Wobei ich es diesmal noch besser fand, da ich die Hintergründe im Vorfeld kannte. Das ist das Schwierige, wenn man über eine Epoche (30-jähriger Krieg) schreibt, von der zwar viele schon gehört haben, die wenigsten aber genauere Details kennen. Dennoch ist auch hier der etwas andere Blickwinkel auf die Ereignisse faszinierend.
Die Autorin hat einen fesselnden Schreibstil, durch den ich mich gelegentlich zwingen musste aufzuhören, um noch etwas anderes am Tag zu schaffen außer lesen.
Die Dualität zwischen Elegio und Rapunzel, aber auch die zwischen Lysander und dessen Assassinen Persona Inferno war interessant dargestellt. Man sah die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten der beiden, ich nenne es mal, Persönlichkeiten. Doch nicht nur das auch die inneren Konflikte von Elegio, Marcella und auch Hannes waren greifbar und nachvollziehbar. Die Interaktion zwischen ihnen wirkte stimmig und der Situation angemessen.
Was an den Charakteren ebenfalls klasse ist, ist deren Diversität und Offenheit mit Sexualität. Elegio der sehr feminine und schüchterne Junge, der zur stolzen Assassine wird indem er sich Frauenkleider anlegt. Marcella, die mit ihrer Vorliebe für Frauen hadert und sie doch schon akzeptiert hat. Nebencharaktere, deren Interesse an Männern (leider zu einem Zeitpunkt auch an Jungen, eine sehr schauderige Szene) nicht vertuscht wird. Eine Frau, die sich ihre Liebhaber sucht, wie es ihr gefällt, usw.. Das Ganze gepaart mit Fähigkeiten (Wettermanipulation, Geistersicht, Erinnerungswahrnehmung) bietet eine interessante Mischung.
Hexensold ist ein weiteres gelungenes Galgenmärchen. Die Mischung aus interessanten Charakteren, märchenhaften Elementen und historischen Ereignissen ist faszinierend zu verfolgen.
Ab diesem Punkt sollte man vermutlich die vorhergehenden Bände gelesen haben, um die Andeutungen vollends zu verstehen, für die Handlung ist es jedoch nicht notwendig.