Schlettstadt im Elsass 1484: Margaretha, die Mutter der jungen Krämertochter Susanna, liegt tot in der Stube aufgebahrt. Bruder Heinrich, päpstlicher Inquisitor und Prior des hiesigen Predigerklosters, erscheint, um Trost zu spenden. Fast väterlich sorgt er sich um die junge Susanna. Doch bald schlägt die Fürsorge in Wahn um. Er lässt Susanna nicht mehr aus den Augen. Was sie nicht weiß: Seit einiger Zeit verfolgt Bruder Heinrich als Inquisitor die Vernichtung der «brandgefährlichen Sekte der Hexen». Viel zu spät erkennt Susanna, dass auch sie sich vor Heinrich in Acht nehmen muss.
Geboren und aufgewachsen bin ich im nordbadischen Pforzheim, zusammen mit zwei älteren Geschwistern, einem Hund, zwei Meerschweinchen und einer Goldhamsterzucht.
Nach dem Abitur folgte eine eher unruhige, wenngleich spannende Zeit: Nach einem dreimonatigen Praktikum auf einem Biobauernhof im idyllischen Emmental studierte ich zunächst Tiermedizin, dann Theaterwissenschaft, Literatur und Romanistik in München, Avignon und Freiburg. Danach brachte mich meine erste Arbeitsstelle als Fachzeitschriften-Redakteurin nach Darmstadt, später ging es wieder zurück nach Freiburg, wo ich insgesamt die meisten Jahre verbracht habe.
In diese Zeit Ende der Achtziger fielen auch mehrere Monate der Arbeitslosigkeit, in denen ich mich mit Literaturbesprechungen und Korrekturarbeiten für einen Verlag sozusagen geistig über Wasser hielt. Und es entstand das erste Buch: Mein Studienfreund Bernhard Thill und ich verfassten einen Stadtführer der etwas anderen Art, der sich unter dem Titel „Unbekanntes Freiburg“ bis heute verkauft.
Bei der Recherche hierzu bin ich auf die Lebensgeschichte der Catharina Stadellmenin gestoßen, die 1599 als vermeintliche Hexe verbrannt wurde. Sie sollte später zur Protagonistin meines ersten historischen Romans „Die Hexe von Freiburg“ werden.
Nach einer zweijährigen Ausbildung zur EDV-Kauffrau arbeitete ich mehrere Jahre in einem Freiburger Softwarehaus als Schulungsreferentin und technische Redakteurin – bis es dann 1994, zusammen mit meiner Familie, für drei spannende Jahre nach Santiago de Chile ging. Neben der Kindererziehung, der freien Mitarbeit für eine deutsch-chilenische Wochenzeitung und den ersten inhaltlichen Entwürfen zu meiner „Hexe“ erkundete ich Land und Leute. Dabei wunderte ich mich immer mehr über die zahlreichen deutschen Spuren in Chile. Ich begann über die Einwandererströme hundertfünfzig Jahre zuvor zu recherchieren, woraus die Idee zu meinem Roman „Der Ruf des Kondors“ entstand.
Zurück in Deutschland, ging es über die Stationen Worpswede, Ravensburg und abermals Freiburg ins Schwäbische, in die Nähe von Stuttgart. Meine nicht gerade bahnbrechende Karriere als Texterin für Web und Werbung beendete sich von selbst, als im November 2003 bei Rowohlt meine „Hexe von Freiburg“ erschien. Seither lebe ich als freiberufliche Autorin vom Schreiben historischer Romane.
Susanna ist todtraurig. Ihre geliebte Mutter ist verstorben und die Umstände ihres Todes sind nicht ganz klar. Ist sie als Schlafwandlerin vom Dach gestürzt oder hat sie sich in ihrer Melancholie selbst gerichtet. Im Jahr 1484 würde letzteres dazu führen, dass die gute Margarethe kein christliches Begräbnis bekäme. Der Prior des anliegenden Klosters Bruder Heinrich, der ein Kindheitsgefährte der Mutter war, überzeugt sich, dass ein Begräbnis gerechtfertigt ist. Doch bald schon bekommt er Zweifel, kann Margarethe nicht doch dem Hexenwahn verfallen gewesen sein. Und wenn es der Mutter so ging, wie kann es dann der Tochter anders gehen.
Heinrich Kramer, der später als Verfasser des Hexenhammers in die Geschichte eingeht, zeigt sich hier als in seiner Jugend verschmähter rachsüchtiger Priester, der mit seinem Amt und seinen Gelüsten hadert und dafür die Schuld bei den Frauen sucht. Nachdem er die verstorbene Margarethe nicht mehr erreichen kann, wird deren Tochter Susanna zum Objekt seiner Missgunst, seiner unterdrückten Wollust, seinen schmierigen Gedanken. Die Situation der hübschen Susanna ist keine besonders komfortable. Ihr Bruder soll sich eine Frau nehmen und dann ist für sie kein Platz mehr im Elternhaus. Doch soll sie deshalb irgendwen ehelichen, den ihr Vater bestimmt, der ihr selbst aber zuwider ist? Mit den zunehmenden Ekel auslösenden Avancen des Priesters wird es auch nicht besser.
Mit seinem Hexenhammer wollte der Heinrich Kramer eine erste Welle der Hexenverfolgungen auslösen. Doch erst nach seinem Tod kam es zu einer Vielzahl von grausamen Hexenjagden. Dennoch wird mit diesem Buch die Perfidität eindringlich beschrieben, mit der die Inquisitoren gegen die vermeintlichen Hexen vorgingen, wie unschuldigen Frauen das Wort im Mund herumgedreht wurde, wie sie unter Folter zu Geständnissen gezwungen wurden oder unmögliche Prüfungen bestehen sollten. In heutiger Zeit beinahe unvorstellbar mit welcher Gemeinheit und Grausamkeit gegen Schwächere vorgegangen wurde. Aber leider nur beinahe, denn auch heute noch ist die Phantasie mancher Verbrecher grenzenlos, wenn es darum geht andere zu schädigen und zu verunglimpfen. Zwar ist die Geschichte der schönen Susanna nur eine Geschichte, doch sie kann geeignet sein, die Überzeugung zu wecken oder zu stärken, dass Offenheit und Toleranz doch die bessere Lebensgrundlage bietet.
Die schrecklichen Anfänge der Hexenverfolgung, verpackt in ein tragisches Frauenschicksal und persönliche Rachegelüste. In meinen Augen ein gelungener historischer Roman, der den Aberglauben der damaligen Zeit glaubhaft schildert. Auch Astrid Fritz´s Interpretation der historischen Figur Heinrich Kramer fand ich überzeugend. Dass dieser Mann ein Frauenhasser war steht wohl außer Frage, dementsprechend fand ich die von ihr verfassten Hintergründe durchaus plausibel. Wer wie ich neugierig geworden ist und mehr zum Thema wissen möchte wird auf der Seite der Autorin fündig; dort hat sie ihre Rechercheergebnisse zusammengefasst.
"Der Hexenjäger" spielt 1484 im Elsass. Zu Beginn der Geschichte wird der Leser in die Welt von Protagonistin Susanna Mittnacht eingeführt, in ihr tägliches Leben. Nach dem Tod ihrer Mutter ist es als einzige Frau im Haushalt ihre Aufgabe diesen zu führen. Sie sucht Trost bei einem guten Freund der Familie: Bruder Heinrich Kramer, dem im Titel bereits genannten "Hexenjäger". Er ist fürsorglich, hilfsbereit und steht ihr in allen Fragen rund um Glauben / Aberglauben und ums Leben stets zur Seite. Wie seine eigene Tochter umsorgt er sie.
Susanna selbst weiß jedoch nicht, dass der so liebenswert erscheinende Bruder Heinrich als Inquisitor die sogenannte Sekte der Hexen verfolgt. Sie erkennt es zu spät, bis er ihr selbst den Prozess als Hexe machen will.
Meine Meinung: Als Leser findet man sich sehr gut in der Geschichte ein. Astrid Fritz erzählt ruhig, aber trotzdem fesselnd und mit historischer Genauigkeit das Leben des 15. Jahrhunderts. Die Unterdrückung der Frauen, die Hexenprozesse, die abscheulichen Foltermethoden.
Zwischen den einzelnen "Hauptkapiteln" erhält man außerdem Einblicke in das Leben des jungen Heinrichs. Seine Verhaltens- und Denkweisen erscheinen dadurch logischer und nachvollziehbarer, sowie peppt es die Geschichte natürlich etwas auf.
Fazit: Ein sehr gelungenes Buch. Nicht nur historsich akkurat, sondern auch noch spannend. Man möchte es gar nicht mehr aus der Hand legen.
Manches habe ich etwas oberflächlich und konstruiert empfunden, trotzdem empfehle ich das Buch gerne weiter, gerade auch an solche Leser, die noch nicht so viel im Genre „historischer Roman“ gelesen haben.
Der Titel „Der Hexenjäger“ lässt vermuten, dass tatsächlich Heinrich Kramer, bekannt auch als Autor des Hexenhammers, im Mittelpunkt der Geschichte steht – dem ist aber nicht so, auch wenn er eine wichtige Figur in der Geschichte ist und man viele Einblicke in seine Kindheit und Jugend erhält, die erklären sollen, warum er sich der Hexenverfolgung verschrieben hat. Hauptfigur ist aber die junge Susanna Mittnacht, die nach dem Tod der Mutter zunächst den Haushalt führt, dann aber verheiratet wird und nach Straßburg zieht. Hier führt sie eine ungewöhnliche, ruhige Ehe, bis der Inquisitor Heinrich sie als Hexe bezichtigt und ihr einen Prozess machen will.
Die Geschichte ist – sieht man mal vom letzten Viertel ab – eher eine ruhige, und so erfährt man viel Alltägliches aus der damaligen Zeit. Mir hat diese ruhige Erzählweise gefallen, wohl auch, weil sich die Geschichte langsam aufbaut und so in sich dann schlüssig ist. Ob Heinrich aber tatsächlich dieser unsympathische und nachher auch wahnhaft kranke Mensch ist, als der er hier dargestellt wird, ist meines Erachtens nicht sicher bewiesen – dennoch aber ist es ein durchaus nachvollziehbarer Erklärungsversuch der Handlungen des Inquisitors.
Susanna ist dagegen eine Figur, die ich sofort ins Herz geschlossen habe, auch wenn sie mir an manchen Stellen zu lieb gewesen ist – dafür hat sie ein großes Herz und ist einfach liebenswert. Dass sie sich nicht mehr auflehnt, ist sicherlich auch der Zeit geschuldet, in der die Geschichte spielt.
Während die ersten drei Viertel der Geschichte leise vor sich hin plätschern und nur ganz im Hintergrund eine subtile Spannung aufgebaut wird, ändert sich das im letzten Viertel. Hier war ich richtig gefesselt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Zwar schien mir hier einiges konstruiert, das hat aber der Spannung keinen Abbruch getan. Auch das Ende scheint mir nicht richtig glaubwürdig und hier hat die Autorin für mich zu tief in die Zauberkiste gegriffen. Trotzdem war ich gefesselt und hatte schöne Lesestunden. Daher gebe ich 4 von 5 Sternen.
Mein Fazit Ein eher ruhiger, unterhaltsamer Roman, in dem Heinrich Kramer, dem Autor des „Hexenhammers“ eine wichtige Rolle einnimmt. Letztlich aber steht eine junge Frau im Mittelpunkt, die aus ihrer Sicht die Ereignisse Ende des 15. Jahrhunderts im Elsass erzählt. Ich habe die sympathische Susanna gerne begleitet und hatte interessante Lesestunden – daher gebe ich 4 von 5 Sternen.