Else von der Tanne ist eine historische Novelle von Wilhelm Raabe, die im Winter 1863/1864 entstand und 1865 in der Zeitschrift „Freya. Illustrirte Blätter für die gebildete Welt“ bei Moritz Hartmann in Stuttgart erschien. Die Buchausgabe brachte Hallberger in Stuttgart innerhalb der Sammlung „Der Regenbogen“ 1869 heraus.
In Deutschland kann keiner dem Dreißigjährigen Krieg entfliehen, selbst wenn er sich jahrelang tief im wilden Harz verbirgt.
Diese kleine Geschichte hat mich sehr berührt. In diesem Jahr gedenken wir des 400jährigen Beginns des 30jährigen Krieges, dessen Grausamkeiten und Umwälzungen prägend für die deutsche Geschichte waren. "Das Unglück maß damals mit einem gewaltigen Maß, und kein Schrecken und Schmerz, welche den Menschen treffen mochten, waren so groß, daß sie nicht noch durch gräßlicheres Unheil überboten werden konnten." So beschreibt es Wilhelm Raabe.
Was für mich diese Geschichte so erschreckend aktuell macht ist der Vergleich zu Menschen in den Krisenregionen unserer Zeit, Syrien, Afghanistan, Jemen, die ebenfalls seit Jahren oder Jahrzehnten nur Krieg und Verwüstung erleben. Was haben diese Erlebnisse in Ihren Köpfen angerichtet und wie können wir ihnen helfen, insbesondere denen, die zu uns geflüchtet sind? Und müssen wir uns nicht selbst davor hüten, wie die Dörfler einer wahnhaften Angst anheim zu fallen, die uns dazu bringt Dinge zu tun, die wir später bereuen?
Eine kleine Novelle über ein Dorf im Dreißigjährigen Krieg, seinem Pfarrer und einem alleinerziehenden Vater mit Tochter als Einsiedler im Wald. Pfarrer liebt Tochter. Dorf liebt Tochter nicht, da Verdacht auf Hexe. Dorf dreht durch. Am Ende gibts Tote fertig. Fertig.
Mich wunderte die Sprache dieser kleinen Erzählung. Von Wilhelm Raabe hatte ich noch nichts gelesen. Er schrieb dies 1863, also einer Zeit des aufkommenden Realismus, wozu er stilistisch auch zugeordnet wird. Diese Novelle klingt in ihrem romantischen, theatralischen Ton, wie wenn sie 100 Jahre zuvor geschrieben worden wäre. Vielleicht wählte er ja bewusst die Sprache des Dreißigjährigen Kriegs. Es war mir etwas zu schnell herunter erzählt.
A minister looks back on 30 years of war. It’s Christmas Eve 1648, and the war has left its marks on the village. The visible ones like the burned out church or the bloody-red stripes on the minister's wrists, but also, more importantly, the invisible ones on the souls of the villagers.
My God, what misery!
Wars should finally be forbidden. They only strike the meek anyway. Blessed are the peacemakers.
"[...] es gibt keine Rettung in der Welt vor der Welt." Ein fiktives Harzdorf zur Zeit des Dreißigjährigen Kriegs: Pfarrer Friedemann Leutenbacher hat seit einem Überfall schwedischer Truppen auf die Gemeinde sein humanistisches Welt- und Menschenbild eingebüßt. Kurzzeitige Hoffnung kann ihm nur die Ankunft der unschuldigen Else geben, der, wie durch ein Wunder, die gemeinsame Flucht mit ihrem gelehrten Vater aus dem verwüsteten Magdeburg gelungen ist. Während die sich im Wald ansiedelnden Fremden für den Pfarrer Chancen momentaner Weltflucht eröffnen, ist seine Gemeinde zutiefst verunsichert und wittert in dem Vater-Tochter-Duo einen Hexenmeister mit seiner Brut. Es kommt zu einer Tragödie.
Raabes historische Novelle gewinnt ihre Kraft aus ihrem zwischen extremem Pessimismus und hoffnungsvollem Kitsch changierenden Ton. Neben kriegsbedingtem Massenwahn thematisiert sie auf ungewöhnliche Weise auch den Umgang mit dem Fremden und stellt im diesem Kontext die Frage nach der Verantwortung der intellektuellen Schicht.
"Heulend drang der Sturm in das Gemach und trieb den Schnee bis auf den Tisch. Die Lampe erlosch, die Blätter der Predigt wurden durcheinandergeworfen und in die Ecken gewirbelt; mit einem entsetzten Satz verkroch sich die Katze unter dem Ofen. »Wer ist da? Was will man zu solcher Stund'?« rief der Pastor; zwei dürre Hände klammerten sich an das Fensterkreuz und eine alte, alte, keuchende Stimme kreischte: »Gebet mir ein Stück Brot für meine Nachricht: Else von der Tanne muß sterben in dieser Nacht.«"
"Er stand schaudernd in dem pfeifenden, eisigen Winde und legte lauschend die Hand an das Ohr wie jemand, der erwartet, daß man seinen Namen rufen wird. Nachdem er lange Zeit so gestanden hatte, schüttelte er das Haupt und sank langsam in sich zusammen."