Ich habe so das Gefühl, die Autorin ist so ca. im gleichen Alter wie ich. Zumindest in einem ähnlichen Bereich. Ansonsten ist es nicht zu erklären, dass sie tatsächlich Sachen aufschreibt, die ich denke. Vor allem in meinem momentanen Alter. Das war auch schon beim „Mondscheintarif“ so, aber das ist ja schon eine Weile her, deshalb meine Theorie. (Ich könnte googlen, aber eigentlich möchte ich es gar nicht so genau wissen.)
Das Buch ist… unterhaltsam. Mehr auch nicht.
Ich meine, ich wusste ja, worauf ich mich einlasse, bevor ich anfange zu lesen: Beziehungschaos, Gefühlshöhen und –tiefen, amüsante Schilderungen von tagtäglichen Ereignissen, die einem so zu Papier gebracht unwahrscheinlich albern vorkommen, die in der Realität, wenn man selber in der Situation IST, aber tatsächlich genau so passieren.
Eigentlich dachte ich, das ist kein Problem für mich. War es dann aber irgendwie doch, denn je länger ich dieses Buch gelesen habe, desto erleichterter war ich, dass ich mich die ganzen Jahre nur auf mich selbst verlassen und mich diesem Dating- und Heiratskram komplett verweigert habe. Das wäre mir einfach viel zuviel Aufregung.
Mir ist natürlich klar, dass nicht ALLE Beziehungen so ablaufen wie die von Vera Hagedorn, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es ein recht hoher Prozentsatz ist.
Wie dem auch sei. Einiges in dem Buch hat mich direkt angesprochen und ich dachte mir, „Boah! So geht’s mir auch!“ Anderes empfand ich als… naja, beinahe heuchlerisch. Wenn sie z.B. über andere Mütter lästert, die absolut keinen Humor aufweisen, wenn es um Kritik an ihrem total verzogenen, egoistischen Balg geht (was, wie ich finde, durchaus noch der Wahrheit entspricht), sie selbst aber den TOTALEN Kinderwunsch hat und wirklich meint, bei ihr liefe das später dann völlig anders. Als hätte sie, wenn sie selber ein Kind hat, die Zeit und den Willen, alle paar Meter ihre Klamotten zu wechseln oder ihre Haare zu waschen, weil ihr Kind sie angespuckt oder angepinkelt oder sonstwas hat. Das glaube ich nicht, Tim!
Überhaupt geht es in dem Buch unverhältnismäßig viel um Schwangerschaft und kleine Kinder. Über beides wird seitenweise referiert. Und während das zwar mir sehr viel Humor und Sarkasmus geschrieben ist, ist es für mich auf längere Sicht doch ziemlich langweilig geworden.
Nett ist allerdings, dass Ildikó von Kürthy auch eine andere, mehr meiner Sichtweise entsprechende, Möglichkeit erwähnt:
“Glaubst du, man kann ohne Kinder glücklich sein?“
„Ja. Glück ist eine Frage der Begabung. Wenn du kein Talent zum Glücklichsein hast, helfen dir Kinder auch nichts. Ich trainiere jeden Tag Frauen, die von sich behaupten, glückliche Mütter zu sein. Wenn ich mir ihre Gesichter anschaue, sehe ich schlechte Laune und mühsam unterdrückte Wut. Ihre Mienen sagen: Kinder können ein Nullsummenspiel sein. Das Glück, das sie dir geben, stehlen sie dir auch wieder. Du hast kaum noch Zeit für dich und deine Freunde, du vernachlässigst deinen Körper und deinen Mann und musst dir eingestehen, dass deine Kinder am angenehmsten sind, wenn sie schlafen oder neununddreißig Grad Fieber haben.“
Zitat: „Endlich!“, Ildikó von Kürthy, rororo, S. 305/306
Vielen Dank dafür!
Um es auf den Punkt zu bringen: Es ist unterhaltsamer Lesestoff, aber nicht lebenswichtig. In einigem stimme ich mit dem Hauptcharakter genau überein, in manchen Dingen vertrete ich aber auch genau den gegenteiligen Standpunkt und mir geht das Verhalten der Hauptfigur extrem auf den Geist. Allerdings nicht bis zu dem Punkt, dass ich die Hauptperson hasse wie die Pest, sonst hätte ich das Buch nicht zu Ende lesen können.