Sie kreisen in Raumkapseln, wohnen in Hütten und erkunden fremde Welten. Es gibt viele Gründe, warum Menschen ins Exil geschickt werden oder sich freiwillig in die Einsamkeit begeben. Manche sind Opfer intergalaktischer Politik. Andere werden von ihren persönlichen Dämonen verfolgt. Künstliche Intelligenzen, wilde Tiere und das Mobiliar leisten Gesellschaft, sonst gibt es nur die Weiten des Weltraums. Und den grünen See, in dem sich die eigenen Ängste und Hoffnungen spiegeln.
Eine tolle Anthologie. Die Geschichten sind super aufeinander abgestimmt und zeigen immer wieder auf wie Lebewesen (denn es müssen nicht nur Menschen sein) in Einsamkeit reagieren. In jeder Geschichte habe ich eine überraschende Wendung gefunden. Nur die Schrift war mir ein bisschen zu klein. :)
Eigentlich möchte man meinen, dass es nichts idyllischeres gibt, als ein einsames Haus am grünen See. Die Autoren in dieser Anthologie schaffen es jedoch diese erst einmal positive Situation in düstere Endzeit- und Einsamkeitsszenarien zu verwandeln. Einsamkeit wird bedrückend, ist Strafe und der Zustand vor dem unausweichlichen Ende.
Die einzelnen Erzählungen haben mal mehr, mal weniger mit dem Titel der Anthologie zu tun. Auch wenn mehrmals das gleiche Ausgangssetting gewählt wurde, unterscheiden sich diese überraschend stark. Abwechslung ist also garantiert, der Humor kommt etwas zu kurz und es geht um wichtige Themen, die einen letztendlich beschäftigen.
Mir hat die Anthologie sehr gut gefallen. Sie ist nicht so leicht zu verdauen, wie ich es erwartet habe. Sie ist durchgehend bewegend, bietet interessante Charaktere, spannende Settings und überraschende Handlungen. Ich war überrascht, wie weit die Autoren vom Titel abweichen durften. Das zusammenhaltende Thema ist die Einsamkeit in futuristischem Setting. Eine Anthologie für alle, die Science Fiction Stories lieben, sich auch schon Gedanken über die Einsamkeit gemacht haben und sich nicht von den depressiven Weiten des Weltalls abschrecken lassen.
"Das einsame Haus am grünen See" ist vom Grundkonzept sowohl spannend als auch ... schwierig. Die versammelten Science Fiction-Storys sind von der Qualität natürlich nicht alle gleich, es gab welche, die mir besser gefallen und solche, die mir kaum zugesagt haben. Was es so schwierig machte, war, dass das vorgebene Grundthema hier sehr eng gefasst war, so dass sich die Geschichten alle stark ähneln. Das Gefühl von Einsamkeit und Verzweiflung haftet fast allen an, so dass ich sehr lange gebraucht habe, um die Anthologie zu lesen.
Besonders im Gedächtnis geblieben sind mir "Der Schnee war das Tote" von Robert von Cube und "Heimweh" von Katherina Ushachov. Beim Lesen ebenfalls als gut empfunden, auch wenn ich nach der verstrichenen Zeit nicht mehr weiß, worum es ging, sind "Raumhabitatgrün", "Tag #235" und "Die Frau im Mond". Insgesamt kommt aber auch hier zum Tragen: da alle Geschichten mit dem gleichen Grundthema teils so ähnlich geraten sind, verhaften sie nicht gut oder lange im Gedächtnis. So einige der Geschichten hätten in einer Sammlung mit unterschiedlichen Motiven und Stoffen vielleicht sehr viel besser hervorgestochen.
In einem Rutsch durchgelesen. Die 15 Kurzgeschichten weisen genug Gemeinsamkeiten auf, um ein harmonisches Gesamtbild zu erinnern und genug Unterschiede, um jede davon interessant zu machen. So ergibt sich eine nette kleine (wortwörtlich, wenn man das originelle kleine Format anschaut) Sci-Fi-Anthologie, bei denen die Protagonist*innen in einsame Situationen geworfen werden, wo sie um ihr Leben kämpfen oder einmal so richtigen Seelenstriptease machen müssen. Angenehm und vorbildhaft waren die vielen weiblich kodierten Protagonist*innen und die grossen Diversitäts-Aspekte, die sich vor allem in Fragen zu Diskriminierungen aufgrund von gewissen Abstammungen und erfreulich vielen queeren Figuren geäußert haben. Die einzige Frage, die sich mir gestellt hat, war, wieso die letzte Kurzgeschichte in dieser Anthologie eine Triggerwarnung aufweist und der Rest der Geschichten unabhängig von ihren Inhalten nicht. Das ist aber ein Detail, das im Großen und Ganzen zu vernachlässigen ist.