Meine Ausgabe ist die "Taschen Bibliotheca Universalis" von 2016 (etwas hochtrabender Titel für die gesamte Reihe an Büchern in diesem Verlag, aber bei dieser genialen Monet Biographie passt einfach alles). Wenn ich ehrlich bin, sprechen zwei der drei Gründe, warum ich dieses Buch gekauft habe, gegen mich. Aber wenigstens ist ein guter Grund auf meiner Seite.
1.) Im Gegensatz zur Mehrheit aller Kunstbücher da draußen war dieses Buch erstens preislich erschwinglich und ist zweitens mit ca. 15 cm x 23 cm (das ist der Umschlag; Seiten sind an sich dann bei 14 cm x 19,5 cm Höhe, wobei der Text an sich in Blocksatz gehalten ist und es einen äußeren Rand von ca. 4,5 cm gibt) perfekt für normalsterbliche Menschen zum Anfassen und Anschauen geeignet. Die Gemälde sind je nach Wichtigkeit oder Format mal auf einer halben, drittel oder ganzen Seite abgebildet. Manches erscheint auch nur klein am Rand, oder sogar, in seltenen Fällen mal über zwei Seiten im Querformat. Klar, die Kritiker werden sagen, ich solle gefälligst in ein Museum gehen oder mir die Bilder irgendwo mit Kamera und Leinwand an die Wand werfen. Ich ziehe es jedoch vor, mir ganz praktisch im Bett liegend stundenlang die Bilder anzuschauen. In mancher Woche häufiger, in mancher Woche seltener.
2.) Fast alles, was man wissen möchte, findet man heutzutage nach zehn Minuten Suchwörter durchklöppeln in den Suchmaschinen. Das Internet ist da ein magischer Ort. Und viele Biographien sind entweder unnötig schwer verständlich geschrieben, so als wolle ein Autor, dass Leser auf gar keinen Fall weiter lesen möchten oder aber die Infos im Internet sind umfangreicher als im Buch. Ich bezweifle aber, ob irgendetwas da draußen in der Welt an Daniel Wildenstein und seine über 600 Seiten herankommt. Wenn ein Nerd mit viel Herzblut seine Passion zusammenträgt und dir jedes Mini-Detail erschöpfend nahebringt, ist mein inneres Pessimismus-Grummeln besänftigt. Und ja, Menschen, die nicht so gute Augen haben wie ich, oder die Gemälde grundsätzlich nur an Wänden verstehen, weil Farben bei kleinerer Größe bekanntlich aufhören zu existieren – sollten das Buch besser meiden. Bin mir sogar unsicher, ob das Schriftgröße 10 ist oder eher doch 9. Ihr solltet dann für ein paar Goldbarren und Frondienst eins der Bücher direkt aus einem Museums-Shop kaufen. [Das war jetzt der eine gute Grund. Ich schätze harte, gute, tiefschürfende Schreibarbeit sehr. Ganz viel Liebe für Wildenstein an der Stelle. Möge seine Seele für immer da ruhen, wo die Regenbogen-Einhörner nicht allzu laut wiehern.]
3.) Das ist jetzt sehr subjektiv. Aber es ist ja auch mein goodreads Profil und mein Review. Daher: Viele Menschen da draußen interessieren mich einfach nicht. Selbst dann, wenn es sich um Künstler handelt. Gerade beim Thema Malerei bin ich vielleicht maximal an Da Vinci, an japanischen Holzschnitten und ein wenig an Dali interessiert. Aber meistens sind das dann eine Handvoll Bilder, die man auch über die google Bildersuche schnell erhält. Doch Claude Monet ist ein Unikat. Der Mann hat nichts Hässliches gemalt. Alles ist so interessant, faszinierend, voller emotionaler und subjektiver Zwischentöne. Man merkt richtig, warum die später mal "Impressionisten" genannt wurden. Man sieht es den Bildern immer wieder an, dass da jemand einfach die Staffelei an die frische Luft gestellt hat und eher daran interessiert war, die Stimmung oder Atmosphäre eines Motivs bei einer bestimmten Lichtstimmung einzufangen. Solche Gemälde wie "Die Felsnadel durch das Felsentor von Aval gesehen" (1885-86), die sämtlichen Studien mit der Frau und dem Sonnenschirm, die Seerosen-Gemälde, die verschiedenen Lichtstimmungen beim Porträtieren der Kathedrale von Rouen, beziehungsweise das Spiel mit verschiedenen Kontrasten, Farbübergängen, Verwaschungen, Unschärfen – alles, um die Emotion im Moment einzufangen, ist göttlich. Ironischerweise sind Monets eher präzise Werke mit festen Strichen, klaren Farben und Kontrasten eher die schwächeren Gemälde, obwohl sie technisch vermutlich sehr viel anspruchsvoller sind. (Bin kein Maler, kann daher nur logisch schlussfolgern, dass bei mehr Klarheit und steigenden Details, also einer Tendenz hin zum eher dokumentarischen Foto-Realismus das Malen sehr viel schwieriger ist).
Irgendwann muss ich mir mal ein paar Gemälde zumindest in klein selbst ausdrucken und an die Wand hängen. Allerdings ist es auch ganz nett, sich nicht zu sehr mit Kunst 'vollzufressen'. Wenn man das Buch ab und zu mal in die Hand nimmt und sich an den Gemälden erfreut und diese mindestens je zehn Minuten auf sich wirken lässt – so wie beispielsweise "Das Haus des Fischers in Varengeville" (1882) – wäre bestimmt auch Monet ganz zufrieden damit.