22 Autoren haben sich zusammengeschlossen, um eine queere Anthologie der besonderen Art herauszubringen. Ganz im Sinne von ›beschenkt werden und beschenken‹ ist dieses Projekt ins Leben gerufen worden. Mit viel Eifer und Elan haben wir alle unser Bestes gegeben und vielfältige, bunte Kurzgeschichten geschrieben. Zudem haben wir das Buch mit einigen persönlichen Elementen wie Steckbriefen, Interviews und Rezepten gefüllt. Der Erlös dieses Werkes wird vollständig an eine gemeinnützige LGBTQ* Organisation gespendet: ›All Out‹ ist eine globale Bewegung für Liebe und Gleichstellung. Sie mobilisieren Tausende Menschen, für eine Welt einzutreten, in der niemand Familie, Freiheit, Sicherheit oder Würde opfern muss, um sie/er selbst zu sein und die Person ihrer Wahl zu lieben. www(dot)allout(dot)org
Eure Autoren: Neschka Angel, Jay Bélier, Moritz Berg, Lena M. Brand, Chrissy Burg, Màili Cavanagh, Barbara Corsten, Ashan Delon, Marcel Duval, Kaiden Emerald, Svea Lundberg, Jobst Mahrenholz, Elian Mayes, Kay Monroe, Gabriele Oscuro, Lex Aron Rees, Jayden V. Reeves, Chris P. Rolls, Tristan Thomas, Marc Weiherhof, B.D. Winter & Maya Winter.
Aufgrund expliziter erotischer Szenen ist dieses Buch für Leser unter 18 Jahren nicht geeignet.
Reeves begann bereits als Kind mit dem Schreiben; seine ersten Dramen entstanden im Alter von siebzehn Jahren. Dem Perfektionismus geschuldet, wanderten diese frühen Werke jedoch ausschließlich in die Schreibtischschublade. Nach einer fünfzehn Jahre andauernden Schaffenspause, in der sich Reeves vielen anderen Projekten zuwandte, entdeckte er 2015 das Schreiben neu. Selbst homosexuell, haben auch seine Hauptcharaktere schwule Identitäten, wobei er hier nicht den Schwerpunkt seiner Geschichten legt.
In den 90-er Jahren verließ Reeves Deutschland, um in seiner Heimat England zu leben und zu arbeiten. Neben dem Studium begann er sich aktiv für die Rechte von gleichgeschlechtlichen Partnerschaften einzusetzen und arbeitete überdies mehrere Jahre für die AIDS-Hilfe in der Betreuung und Prävention. Bis heute plädiert der Autor für die soziale Akzeptanz eines polyamoren Beziehungsmodells, welches er auch selbst praktiziert.
Reeves hegt seit frühester Jugend eine große Leidenschaft für’s Skateboarding in der Disziplin Street und Vert. Ebenso lebt er seit seinem 19. Lebensjahr aus ethischen Gründen vegan und engagiert sich gegen die Ausbeutung von Tieren in unserer Gesellschaft.
›Der steinerne Garten‹ ist sein Debut-Roman und im Februar 2017 beim Rediroma-Verlag erschienen. Im Jahr 2018 wurde Reeves in den Sozialen Medien von Lesern und Leserinnen zum Newcomer 2017 gewählt. Zudem konnte sein Erstling den zweiten Platz der Monatsumfrage Februar 2017 im Bereich ›Spannung‹ erzielen. Im Dezember 2020 fand die Debut-Dilogie mit dem zweiten Band ›Die Scherben seiner Seele‹ ihren Abschluss.
Zurzeit erhält der erste Band eine vollständige Überarbeitung mit neuen Szenen und verbessertem Ausdruck.«
Lest auch das Autorenprofil auf ›Wir schreiben QUEER‹.
Puh … was soll ich sagen? Ich bin mir noch nicht sicher, wo ich hier anfangen soll. Vielleicht erst einmal mit dem Positiven. Die Geschichte von Svea Lundberg war für mich der absolute Favorit und blieb es auch bis zum Ende. So eine greifbare, gefühlvolle Geschichte auf so wenig Seiten? Das schafft man selten. Doch ihr ist es gelungen. Es war also ein Einstieg in die Anthologie, der mir Hoffnung auf noch mehr solche Perlen machte. Die Geschichten von Chris P. Rolls, Kaiden Emerald, Lena M. Brand, Maili Cavanaugh (auch wenn man keine Vorkenntnisse braucht, hätte ich die Story sicherlich besser genießen können, hätte ich die Vorgeschichte gekannt. Aber das ist mein eigenes Versäumnis 😉) und Gabriele Oscuro haben mir auch gut gefallen. Doch … die anderen Geschichten haben mich mehr als enttäuscht. Sie waren teilweise nichtssagend, vollgestopft mit Sex und da waren Dingen über die ich nicht hinwegsehen kann und will. Ich meine … ein 16-Jähriger mit Mordlust, der deshalb zum Profikiller beim CIA wird? Sorry, aber der gehört nicht zur CIA sondern in eine gute Klinik. Also das war echt … Oder die besten Freunde, bei denen mich das gegenseitig aufziehen eher schon an Mobbing erinnert. Ich meine, wer droht seinem besten Freund schon damit, beim Schwarm auszuplaudern, dass er verliebt ist? Und ihn damit zu erpressen, womit ich meinen „besten Freund“ in der Hand habe? Kleinwüchsige werden als Zwerg, Pumuckl (wegen der roten Haare), Standgebläse und Zwockel bezeichnet. Da war ich wirklich geschockt und dachte, ich fall vom Glauben ab. Das geht für mich gar nicht. Und … mal im Ernst. Ein Glory Hole auf der Toilette in einem Möbelhaus? Leute, in solchen Dingern verkehren Kinder! Also bitte … Was mich außerhalb dessen gestört hat? Die Interviews und Steckbriefe waren für mich ziemlich unnötig, uninteressant und ich habe sie nur überblättert. Die Rezepte waren meines Wissens schon auf der FB Seite der Anthologie zu finden, weswegen ich es erst recht überflüssig fand, sie mit in die Anthologie zu nehmen. Die zehn Begriffe, die vorgegeben waren und eingebaut werden mussten, fingen nach ein paar Geschichten an zu nerven, da es sich ständig wiederholte. Außerdem hat die Anthologie eine sehr düstere Grundstimmung, die mich doch schon sehr depressiv zurückließ. Weswegen ich mehrere Wochen Pause brauchte und insgesamt acht Wochen zum Lesen gebraucht habe. Dabei bin ich eigentlich ein Schnellleser. Ich habe mich durch die meisten Geschichten durchgequält, in der Hoffnung, noch die ein oder andere gute Story zu finden. Und ja, ich weiß, dass es sich „nur“ um eine Winteranthologie handelt. Aber sind wir mal ehrlich. Die meisten bringen den Winter mit der Besinnlichkeit von Weihnachten in Verbindung. Da will man was lockeres leichtes lesen. Hätte ich vorher gewusst, welche Grundstimmung mich bei dieser Anthologie erwartet, hätte ich einen großen Bogen um sie gemacht. Eine Empfehlung kann ich nicht wirklich aussprechen und würde es auch nur, wegen der paar guten Geschichten, die ich zu Anfang genannt habe. Deswegen erhält sie von mir auch zwei Sterne, statt nur einem. Wirklich sehr schade, denn ich bin mit größeren Erwartungen an diese Anthologie herangegangen und hatte mir mehr erhofft.
Inhalt: 22 gänzlich unterschiedliche Geschichten sind in dem Benefizprojekt von Jayden V. Reeves, Lena M. Brand und Gabriele Oscuro – meist um die Weihnachtszeit herum spielend, teils aber auch nur winterlich angehaucht. Mit dem zumeist düsteren Grundtenor und vielen nur am Rande besinnlichen Kurzgeschichten fällt die Anthologie aus dem Rahmen der klassischen Weihnachtsanthologien und -romane. Neben den geschriebenen Beiträgen enthält die Anthologie noch Steckbriefe und Interviews der teilnehmenden Autor*innen, hin und wieder auch Rezepte.
Eigene Meinung: Mit „24 Days of Queer@venthologie“ erschien passend zur Weihnachtszeit 2019 eine neue Anthologie, die jedoch die weihnachtliche Stimmung nur am Rande aufgreift und sich eher auf düstere Themen wie Trauer, Verlust, Tod und Einsamkeit konzentriert, kombiniert mit recht vielen expliziten Szenen. Der Erlös der Einnahmen geht an die gemeinnützige LGBTQ* Organisation „All Out“, die für Liebe und Gleichstellung eintritt.
Die Geschichten sind so verschieden, wie die Autor*innen, die man zu Beginn mit Hilfe einer Vorstellung, eines Steckbriefes und eines kurzen Interviews sehr gut kennenlernt. Das mag gefallen, oder nicht, denn von den knapp 470 Seiten nehmen die Geschichten lediglich 350 Seiten ein, der Rest wird für die Autor*innenvorstellungen aufgewendet. Hier wäre es wahrscheinlich schöner gewesen, die Vorstellungen im Rahmen der Veröffentlichung als Bonus zu zeigen, anstatt sie ins Buch zu packen, denn mehr Seiten bedeutet immer einen höheren Preis.
Leider können nur wenige Kurzgeschichten überhaupt überzeugen – „Eigenartigkeiten“ von Jobst Mahrenholz gehört dazu – die Geschichte ist poetisch, wunderschön geschrieben und lädt zum Träumen ein, ebenso „Open End“ von Jaden V. Reeves, in dem der Autor das Thema offene Beziehungen aufgreift und angenehm authentisch in Szene setzt und „Feuerseelen“ von Ashan Delon, der einzigen Fantasy-Geschichte über einen Eisdrachen, der seinen Seelenpartner sucht. Den meisten anderen Kurzgeschichten geling es nicht immer, den Nerv des Lesers zu treffen – im Gegenteil. Ein Geschichte, in der vielfach diskriminierend über Kleinwüchse gesprochen wird, disqualifiziert sich komplett selbst und hat in meinen Augen nichts in einem solchen Benefizprojekt zu suchen (von der Unsinnigkeit der baulichen Bedingungen eines Möbelhauses einmal abgesehen). Ebenso wenig kann der Beitrag über einen schwuler Teenager überzeugen, der von seinem besten Freund erpresst wird, sich als Weihnachtsengel für seine Cousinen zu betätigen (was daran Freundschaft sein soll, erschließt sich mir beim besten Willen nicht) oder eine modernde Version der Dickens-Weihnachtsgeschichte, in der ein 16-jähriger CIA-Killer die Hauptrolle spielt – an sich schon ein Ding der Unmöglichkeit.
Auch die restlichen Beiträge zielen nur teilweise darauf ab, den Leser in weihnachtliche Stimmung zu bringen, sondern sind zumeist düster und dramatisch. Bis auf wenige Ausnahmen wartet auch kein Happy End auf die Held*innen der Geschichten, aber es gibt bei den meisten einen positiven Ausklang, der zumindest ein wenig versöhnt. Wer zudem auf eine Vielzahl queerer Geschichten hofft, wird ebenfalls enttäuscht werden – die meisten Beiträge handeln von schwuler Liebe, nur eine Geschichte ist wirklich lesbisch: „Glaubst du an Liebe?“ von Neschka Angel. Das sollte man auf jeden Fall im Auge behalten, wenn man zu „24 Days of Queer@venthologie“ greift.
Stilistisch sind die Geschichten so unterschiedlich und bunt, wie die Autor*innen – einige Beiträge sind wunderschön und sehr stimmungsvoll verfasst, andere können nicht ganz überzeugen. Auch die Tatsache, dass die Autor*innen 10 Begriffe einbauen mussten, die erst am Ende er Anthologie enthüllt werden, irritiert ein wenig, da man über einen Teil der Begriffe beim Lesen stolpert und sie viele Grundelemente des Inhaltes und der Figuren schon vorab festlegen. Das ist schade, da man den Eindruck hat, dass viele Geschichten eine ähnliche Basis haben und die Autor*innen nicht gänzlich frei schreiben konnten.
Fazit: Die Anthologie „24 Days of Queer@venthologie“ wartet mit einer Vielzahl an verschiedenen Kurzgeschichten auf, die den Leser jedoch nicht immer überzeugen können, gerade wenn man auf der Suche nach lockerleichten, weihnachtlichen Geschichten ist. Dafür ist der Grundtenor der Anthologie zu düster und dramatisch, zu oft spielen Tod, Trauer und Verlust eine Rolle, um eine positiv besinnliche Stimmung zu entfachen. Sicherlich ist eine bunte Mischung nicht verkehrt und auch dramatische, traurige Geschichten sind wichtig, aber in „24 Days of Queer@venthologie“ findet man leider nur wenige Beiträge, die wirklich für ein gutes Feeling sorgen.
Wer romantische, besinnliche Geschichten mag, sollte um diese Anthologie einen Bogen machen, wer es düster mag, sollte sich auf teils harte Kost einstellen. Aufgrund einiger Geschichten, die meiner Meinung nach nichts in solch einer Anthologie zu suchen haben, vergebe ich 2,5 Sterne, mit gutem Willen aufgerundet auf 3. Schade…
Da es sich hierbei um eine Sammlung an Kurzgeschichten handelt, möchte ich zu jeder einzelnen etwas sagen, damit ihr euch ein kleines Bild davon machen könnt. Die Sammlung besteht aus 22 unterschiedlichen Geschichten von 22 unterschiedlichen Autoren und das fand ich wirklich spannend, weil sich jede Geschichte von den anderen unterscheidet. Es ist quasi für jeden was dabei.
1. “Rabenwinter” – Svea Lundberg
Eine wirklich schöne Geschichte über einen Neuanfang. Die erste Geschichte dieser Anthalogie geht einem wortwörtlich unter die Haut. Wir erleben die Geschichte aus der Sicht eines jungen Mannes, der seiner Vergangenheit entkommen ist und nun endgültig einen Schlussstrich ziehen will, wofür er sich ein Tattoo stechen lassen möchte. Durch einen einnehmenden Schreibstil vermittelt die Autorin unglaublich viel Gefühl des Portagonisten, sodass man selbst erleichtert ist und selbst weint, als der Protagonist endlich das erlösende Tattoo hat, das seine Pein überdeckt. Man fragt sich, was er erlebt haben könnte, doch als er auf der Liege liegt und sich mit dem Tattowierer unterhält, rückt das immer mehr in dem Hintergrund, da man von dem Moment an sich sehr gefangen genommen wird. Eine rührende Geschichte über Neuanfang und Freiheit.
2. “Ein Tag zum Sterben” – Chris P. Rolls
Eine Geschichte über verlorene und wiedergewonnene Hoffnung. Ein junger Mann, der nach einer misslungenen Beziehung keinen Sinn mehr im Leben sieht, die Entscheidung im eiskalten Schnee aus zu harren, ein kleines Kätzchen, dessen Leben gerettet werden muss und ein Tierarzt, der sich zwei verlorenen Seelen annimmt. Eine wirklich schöne Geschichte, die Autorin bringt die depressiven Gefühle und Gedanken von Niklas sehr authentisch rüber und zeigt auf, in was für eine nach unten führende Spirale man geraten kann, wenn man den Sinn im Lebens verliert. Doch gleichzeitig kann altes negatives auch etwas positives bewirken, so wie in diesem Fall, wo Niklas in der Hütte, in der er mit seinem Exfreund gelebt hatte, seine neue Hoffnung findet, nicht nur in den kullergroßen, schwarzen Katzenaugen.
3. “Winterlied” – Elian Mayes
Elian Mayes erzählt eine Geschichte über einen jungen Mann, der seine Schwester besucht um ihr ein neues Lied auf seinem Cello vor zu spielen. Im Laufe der Geschichte erfährt man immer mehr über die Geschwister und es wird ein Gehemnis gelüftet, das die ganze Sicht auf die Geschichte verändert. Es geht um die Folgen, wenn Eltern ihre Kinder nicht so akzeptieren, wie sie sind. Der Schreibstil lässt einen gänzlich in die Geschichte abtauchen. Er ist so einfühlsam und geht einem unter die Haut. Allein auch, weil die Geschichte aus der Ich – Perspektive geschrieben ist. Es bringt die Trauer und die Wut noch mehr rüber. Die Geschichte ging einem echt nahe und im Nachhinein denk ich noch immer drüber nach.
4. “Shahabi – Der gefallene Stern” – Lena M. Brand
Eine rührende Geschichte über zwei Seelen die wieder zu einander finden. Hamid und Naseem stammen aus einem Land, in dem ihre Liebe nicht akzeptiert wird und müssen fliehen, fliehen um ihr Leben zu retten. Wir erleben die Geschichte aus Hamids Sicht, der Jahre darauf wartet, wieder ein Lebenszeichen von seinem Geliebten zu bekommen und eines Tages ist dies endlich der Fall. Wir erleben die Geschichte eines jungen Mannes, der in ein ihm völlig unbekanntes Land fliehen musste, der sich dort zurecht finden musste und gleichzeitig darauf hofft seine große Liebe wiederzusehen. Die Autorin lässt einen tief in Hamids Gefühlswelt hinab tauchen und man bangt mit ihm mit und spürt selbst große Erleichterung als er in die Augen der Liebe seines Lebens wieder blicken darf.
5. “Open End” – Jayden V. Reeves
Zwei Männer die eine offene Beziehung führen und ein Fehler, der alles aus den Fugen reißt und alles durcheinander bringt. Für viele ist es nicht möglich sich eine offene Beziehung vor zu stellen, geschweige denn ein zu gehen. Hier wird uns erzählt, dass dies sehr wohl funktionieren kann mit Regeln, an die sich beide halten und durch tiefes Vetrauen und dass man sich immer alles erzählt. Uns wird die Geschichte aus Joeys Sicht erzählt, der einen folgeschweren Fehler begeht, den er bereut, da er sein Leben und seine Beziehung völlig durcheinander bringt. Auf einfühlsame Weise erzählt uns der Autor die Geschichte von Frank und Joey, obwohl die Geschichte aus Joeys Sicht geschrieben ist, kommt Frank nicht zu blass rüber. Er beweist, dass eine offene Beziehung durchaus funktionieren kann, doch genau wie eine monogame seine Schwierigkeiten mit sich bringt. Ein Herz schlägt nicht immer nur für eine Person und man muss sich entscheiden, ob man nur bei dem einen bleibt oder noch mehr zulässt. Außerdem zeigt er uns, dass man eine Entscheidung mal bereuen kann und dennoch eine zweite Chance bekommen kann. Und der aufmerksame Leser wird eine Verknüpfung zu Lena M. Brands Geschichte feststellen, was mir persönlich sehr gut gefallen hat.
6. “Eigenartigkeiten” – Jobst Mahrenholz
Eine eigenartige Geschichte und doch hat sie einen verzaubert. Ich mochte diesen ruhigen dahin plätschernden Schreibstil. Ein wundervolles Märchen. Es hat einen regelrecht verzaubert, auch weil es einfach so mysteriös und auch ein bisschen geheimnisvoll erzählt wurde. Der Protagonist führt eine Tradition weiter, die er sonst immer mit seinem Großvater begangen hat, doch dieser hat ihn vor kurzem verlassen. Er lernt an dem zugefrorenen See dort einen seltsamen jungen Mann kennen, der so außergewöhnlich ist, dass er ihm verfällt. Mir hat sehr gut gefallen, dass man zum Ende hin nicht weiß, wie genau sich nun das Ganze entwickeln wird. Der Autor nimmt uns mit in eine eiskalte Landschaft und verzaubert uns mit der Geschichte von dem Wächter und seinem Schützling.
7. “Danse Funébre” – B.D. Winter
Eine wundervolle rührende Geschichte mit ihrem ganz eigenen unerwarteten Happy End, das für den Protagonsten erlösend sein muss. Claude lebt ein Leben voller Hoffnungslosigkeit, er übt ein neues Stück um es seinem Liebsten vor zu spielen. Zum Ende hin ist er mit seinem Liebsten vereint und entkommt gierigen Fingern. Der Schreibstil bewegt einen tief und geht einem regelrecht unter die Haut. Der Tod ist aus Claudes Sicht sehr ja malerisch geschrieben, er entgleitet, er entfliegt dem Leben und er spürt die Kälte nicht, denn sein Liebster hat ihn gewärmt. Die Situation in der Kutsche ist trotz der innewohnenden Härte so bildhaft umschrieben, dass sie nicht ganz so hart rüber kommt, wie sie doch eigentlich ist und das macht sie beinahe noch ja krasser. Eine rührende und traurige Geschichte.
8. “Ensomhet” – Moritz Berg
Wenn zwei Menschen noch immer sehr viel füreinander empfinden, auch wenn man denkt, es sei vorbei. Die aus der Ich – Perspektive erzählte Geschichtenimmt einen gefangen, da sie einen unglaublich tief in die Gefühle des Charakters blicken lässt, der als er nach Hause kommt, eine für ihn alles verändernde Nachricht entdeckt, die ihm klar macht, dass er seinen Partner noch immer liebt. Beim Lesen dachte man wie der Protagonist, es sei endgültig vorbei und am Ende taucht der Hoffnungsschimmer auf.
9. “Fingerzeig ins Glück” – Kaiden Emerald
Megan kommt von einem langen Einsatz im Ausland wieder nach Hause, 3 Jahre war sie fort, 3 Jahre in denen sie nicht mit ihrer Freundin Claire sprechen konnte. Als sie nach Hause kommt erwartete sie eine unerwartete Überraschung, die ihr Leben auf den Kopf stellt. Ein winziger Augenblick, ein Fingerzeig verändert das Schicksal zweier Frauen. Diese Geschichte zeigt, dass auch Kleinigkeiten großes bewirken können. Der Autor bringt mithilfe seines Schreibstils viel Gefühl rüber, was einen mit der Protagonistin mitleiden lässt.
10. “Alle Jahre wieder” – Kay Monroe
Eine lustige und zuckersüße Geschichte mit ein bisschen Kitsch für Zwischendurch. Sie bringt einen zum Schmunzeln und lachen. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, da er locker und voll Humor ist. Zwei junge Männer, die schon ein Weilchen zusammen sind und sich beschließen, den Rest ihres Lebens miteinander zu verbringen. Eine Kiste voller Weihnachtsdeko, die verzweifelt gesucht wird und beim Entdecken ein glückbringendes Kleinod zum Vorschein bringt. Eine humorvolle und lusige Geschichte über das Glück und die Liebe.
11. “Merry Christmas, Darling” – Barbara Corsten
Kurz nach dem ich diese kleine Geschichte gelesen habe, habe ich die dazu gehörige Kurzgeschichte gelesen. Das hat für mich die Geschichte noch bewegender und sentimentaler gemacht. Es geht um zwei Männer, die auf einer Raumstation Weihnachten feiern und durch ein Hologram ein weißes Weihnachten feiern. Es wird ein bisschen erotischer, doch es passt gut in die Geschichte und macht die Gefühle und die Beziehung intensiver. Nach dem lesen der dazu gehörigen Kurzgeschichte, ist mir diese hier noch mehr unter die Haut gegangen. Der Scifi Anteil war nicht zu ausgeschweift und war logisch nachvollziehbar, es ging elementar um die Beziehung und die Reise ins Winterwunderland.
Diese Geschichte hätte ich gerne noch weiter gelesen. Eine unglaublich amüsante Geschichte über zwei beste Freunde. Der eine weiß das Geheimnis des Anderen und zwingt ihn, sich als Engelchen zu verkleiden um seine Cousinen zu bespaßen. Doch ein Kuss stellt die gewünschte Rache dar und scheint einiges durcheinander zu bringen. Ein Mistelzweig, der alles verändert. Die Geschichte überzeugt durch einen lockeren, humorvollen Schreibstil und zwei gute beste Freunde, die sich gerne gegenseitig aufziehen und doch jederzeit zueinander stehen würde.
13. “Mein Gott, Herbert” – Tristan Thomas
Ein Möbelhaus, ein roter Kühlschrank, ein Kleinwüchsiger und eine Männertoilette. Eine perfekte Kombination um eine köstlich amüsante Geschichte daraus zu kreieren. Mich hat die Geschichte so sehr überzeugt, dass ich definitiv noch mehr Geschichten des Autors lesen möchte. Der Schreibstil war angenehm flüssig und erfrischend locker. Ich werde das Bild bei dem Wort “Standgebläse” nie wieder los.
Wir werden in den modernen Wilden Westen entführt, auf eine Ranch, die von Heath geführt wird. Er wartet auf John, ein Barbesitzer, der über Weihnachten zu ihm kommen möchte. Doch der plötzliche viele Schnee erschwert den Weg zur Ranch. Als John zur verabredeten Zeit noch immer nicht da ist, macht sich Heath auf den Weg um ein besonderes Weihnachtsgeschenk zu erhalten. Die Geschichte vermittelt die Aussage, dass es wichtigere Dinge gibt als Materielles, dass Wunder ein großes Geschenk sein können. Mich hat der kleine Einblick in das Leben von John und Heath so überzeugt, dass ich auch ihre eigentliche Geschichte noch lesen möchte. Man muss den Roman aber nicht kennen um ihre Geschichte zu verstehen. Mich hat die Aussage der Geschichte sehr überzeugt und die Autorin schafft es mit ihrem einfühlsamen Schreibstil die Gefühle der beiden nahe zu bringen.
15. “Feuerseelen” – Ashan Delon
Gegensätze ziehen sich an, dieser Spruch passt wie die Faust aufs Auge zu dieser Geschichte über den Eisdrachen Lukrezian und die Feuerseele Aiden, sie beide verbindet ein tiefes Schicksal. Eis und Feuer sind eigentlich zwei Elemente, die sich nicht vertragen, doch Lukrezian und Aiden zeigen, dass auch angebliche Gegensätze miteinander harmonieren können. Sie stellen sich gegen alte Ansichten und stehen füreinander ein. Ich kannte schon ein paar Fantasygayromane der Autorin und wurde auch hier nicht enttäuscht. Ich mochte den verständlichen, flüssigen Schreibstil mit dem uns die Autorin Lukrezians Gedankenwelt gezeigt und nahe gelegt hat. Eine Geschichte über eine besondere Verbindung, zwischen zwei Seelen, die sich perfekt ergänzen. Das Konfliktpotenzial ist zwar in der Geschichte vorhanden, wird aber nicht unnötig ausgeschöpft. Ich mochte die Szenen wo Lukrezian mit einem Lufthauch die Flammen hat kleiner werden lassen, ich weiß gar nicht mal warum aber ich fand das Bild schön. Eis und Feuer, zwei so große Gegensätze aber die beiden harmonieren perfekt miteinander und ergänzen sich.
16. “Glaubst du an Liebe?” – Neschka Angel
Mir hat diese Geschichte deutlich gemacht, dass explizite Geschichte mit zwei Frauen nichts für mich sind. Ich finde es schön, dass diese Geschichte hier ihren Platz gefunden hat und die Autorin hat einen einfühlsamen und gefühlvollen Schreibstil, der mir die Liebe der beiden Frauen sehr nahe gebracht hat, doch bei explizitieren Stellen hab ich gemerkt, dass es einfach nicht meins ist. Mich hat leider auch ein bisschen die Tatsache gestört, dass wir ein und diesselbe Situation zweimal erleben, da die Autorin im Laufe der Geschichte, die Perspektive wechselt, an sich stört mich sowas nicht, nur eine Stelle nochmal zu lesen, erzeugte Langatmigkeit. Ansonsten eine schöne Geschichte über das Finden und die Liebe.
17. ” Noir – Weihnachtsgeschichte des Todes” – Jay Bélier
Eine neue Auffassung der Weihnachtsgeschichte. Noir ein Auftragsmörder erlebt bei einem Auftrag einen schweren Unfall, der ihn in die Bewusstlosgkeit treibt. Er begegnet einem in Eisenketten gelegten Geist, der ihm seine vergangene und seine zukünftige Weihnachten zeigt. Eine wunderschöne, gefühlvolle Abwandlung, die Noris Leben völlig auf den Kopf stellt und ihm deutlich macht, dass er das Weihnachtsfest wieder genießen sollte. Der Begleiter von Noir hat mir auch sehr gut gefallen, auch wenn er nur eine Nebenrolle hat, doch durch ihn und den angenehmen Schreibstil der Autorin habe ich Lust bekommen, das dazugehörige Buch zu lesen, obwohl man diese Weihnachtsgeschichte auch ohne Vorkenntnisse lesen kann.
18. “Der Weihnachtsbote” – Lex Aaron Rees
Nicht immer geht der erste Annäherungsversuch gut. Adam erwartet Pakete, die er sich später von seiner Nachbarin holen muss. Als er sich bei dem Postboten rächen will, muss er feststellen, dass dieser ihm nicht nur die Pakete bringt, sondern auch Gefühle in ihm weckt. Der erste Kuss geht leider nach hinten los und Adam denkt er hat nun alles vermasselt. Eine wunderschöne Geschichte über Unsicherheit, Enttäuschungen und wieder Hoffnung schöpfen. Danilo der Postbote ist mit der Erfahrung aufgewachsen, seine Gefühle lieber nicht zu zu lassen, da auch er aus einem Land kommt, in dem seine Liebe nicht anerkannt wird, doch durch Adam und der Nachbarin Frau Thomson nimmt er allen Mut zusammen und lässt seine Gefühle zu. Die Geschichte verlief teils Holterdipolter, dennoch schafft es der Autor Adams und Danilos Geschichte authentisch und emotional zu erzählen.
19. “Der verliefde Sinta Claas” – Chrissy Burg
Der niederländische Sinta Class fährt seit Jahrzenten nach einer alten Tradition mit drei Pietgehilfen auf einem Schiff den Rhein entlang. Genau das ist Renes Aufgabe, der den Sinta Claas darstellt, der neue Pietgehilfe Arian hat es ihm angetan und die beiden sind ein Paar. Doch sie müssen es verheimlichen, weil ihre Liebe nicht wirklich akzeptiert wird. Die Autorin erzählt uns ihr schmerzhaftes Kennelernen und ihre Zeit während der Schiffsfahrt. Es ist eine schöne, in sich gelungene, abgeschlossene Geschichte. Sie verbreitet mit der Geschichte eine gemütlich, traditionelle Stimmung und bringt uns die Liebe der beiden sehr nahe und hin und wieder bringt eine kleine Situation einen sehr zum schmunzeln.
20. “Sling-eling” – Marcel Duval
Eine Weihnachtsgeschichte der anderen Art. Durch seinen Job als Elektriker trifft Ian auf den charismatischen Evan, der ihn auf eine aufregende Reise mitnimmt. Eine heiße, prickelnde Geschichte mit ein wenig Humor und einer großen Portion BDSM. Ich persönlich bin bei Geschichten, die sich mit dem Thema BDSM befassen immer recht skeptisch, doch der Autor hat mich positiv überrascht, er bringt die nötige Spannung und das Knistern rüber. Die erotischen Szenen sind schön und elektrisierend verpackt und es wird die nötige Stimmung aufgebaut. Hin und wieder hatte ich mit dem Inhalt meine Schwierigkeiten, doch im Großen und Ganzen hat mich die Geschichte überzeugt und ich möchte definitiv noch mehr von dem Autor lesen.
21. “Herz aus Eis” – Marc Weiherhof
Dies ist eine meiner absoluten Lieblingsgeschichte in dieser Anthalogie. Ein junger Mann, gesegnt mit Schönheit und einer wundervollen Stimme nutzt seinen Charme aus, um jeden Mann zu verführen und dann links liegen zu lassen. Als er an einen Zauberer gerät, der ihn verflucht, ändert sich schlagartig sein Leben. Er lebt nun als daumengroße Eiselfe im dichten Wald und muss sich innerhalb von 10 Jahren in jemanden verlieben, der ihn zurück liebt. Am Anfang der Geschichte war ich durch den Schreibstil ein kleines bisschen abgeschreckt aber man sollte unbedingt weiter lesen. Es wird eine rührende und herzergreifende Geschichte von zwei Männern erzählt, die in ihrer Teenagerzeit getrennte Wege gehen mussten, da ihre Eltern hinter ihr Geheimnis gekommen sind. Jahre später treffen sie sich in dem Wald wieder und noch immer lieben sie sich. Mich hat der Autor ab der ersten Zeile (trotz anfänglich seltsamen Schreibstil 😉 ) regelrecht gefesselt. Bis zum Ende ist man sich nicht sicher, wie es ausgeht und man spürt die Sehnsucht zwischen den beiden, das Glück als sie sich nach so langer Zeit wieder sehen. Eine wirklich schöne Geschichte, die ein bisschen an die Eiskönigin erinnert.
22. “Heiligabend” – Gabriele Oscuro
Eine wunderschöne Geschichte über einen alten Mann, der einsam sein Leben verbringt, seit sein Freund gestorben ist. Doch eines Nachts entdeckt er eine vertraute Gestalt vor dem Fenster, die ihn von dannen geleitet. Eine rührende Geschichte über das Loslassen des Lebens und das erlösende Wiedersehen mit geliebten Menschen. Zum Abschluss dieser Anthalogie eine rührend geschriebene Geschichte über eine Liebe, die zu einer Zeit begann, als es noch schwer für zwei Männer war, zu ihrer Liebe zu stehen. Sie mussten beide ein anderes Leben führen um sich nicht zu verraten. Mich hat die Geschichte sehr bewegt und ich finde sie ist zum Schluss perfekt gesetzt.
Neben 22 Geschichten haben die Autoren sich Interviews gestellt, Steckbriefe ausgefüllt und Rezepte dagelassen um die Weihnachtszeit zu verköstigen. Mir hat das Gesamtwerk gut gefallen, da für jeden was dabei sein dürfte und mich konnte jede Geschichte auf ihre Art überzeugen.
Mit der „24 Days of Queer@venthologie“ haben die Initiatoren Jayden V. Reeves, Lena M. Brand und Gabriele Oscuro nicht nur Geschichten zusammen getragen, sondern auch Steckbriefe und ein kurzes Interview von allen teilnehmenden Autoren, sowie Rezepte die zur Weihnachtszeit passen, mit in diese Sammlung aufgenommen. Als Leser finde ich diese Idee großartig, da man so auch den Menschen, der hinter der jeweiligen Story steht, ein wenig kennen lernt. Ebenso großartig ist, dass der Erlös der Organisation ALL OUT zugutekommt und ich mit dem Kauf der Anthologie meinen Teil dazu beitragen kann.
Vertreten sind 22 Autoren, 22 Geschichten unter denen rein statistisch gesehen sicherlich mehrere dabei sein müssten, die mir, aus welchen Gründen auch immer, nicht zusagen würden. Tatsächlich ist es aber so, dass gerade einmal bei zwei der Short-Storys der Funke nicht übergesprungen ist, trotzdem möchte ich auch diese nicht missen. Jede der 22 Erzählungen ist auf ihre ganze eigene Art besonders, egal ob die jeweils domminierende Stimmung erheiternd oder bedrückend ist. Und gerade unter den melancholischen, emotional sehr intensiven Geschichten waren für mich die Highlights dieser Sammlung zu finden.
Um der Anthologie gerecht zu werden und potentiellen zukünftigen Lesern zu zeigen, was sie erwartet, habe ich zu jeder Geschichte eine kurze Anmerkung verfasst.
Rabenwinter / Svea Lundberg: Eine Geschichte über Erinnerungen, tiefe Narben und Tinte, die zwar dunkel, aber dennoch ein Lichtblick ist. Für mich ein emotionaler und berührender Einstieg in die Anthologie.
Ein Tag zum Sterben / Chris P. Rolls: Was hält einen, wenn das eigene Leben nichts mehr bedeutet, wenn alles aussichtslos erscheint? Die Antwort darauf, der Auslöser des Umdenkens schlich sich geradewegs in mein Herz und so reicht die Gefühlspalette dieser Geschichte von „zu Tode betrübt“ bis hin zu einer klitzekleinen Ahnung „Himmelhoch jauchzend“, bzw. der Hoffnung darauf.
Winterlied / Elian Mayes: Diese Erzählung ist angefüllt mit einer geradezu greifbaren Melancholie - traurig und schön zugleich. Diese Stimmung in Worte zu packen finde ich oft nicht leicht, hier ist es aber, wie ich finde, unglaublich gut gelungen – für mich ein Highlight.
Shahabi – Der gefallene Stern / Lena M. Brand: Auch diese Geschichte ist von ihrer Thematik her nicht in der „heilen Welt“ angesiedelt und nach wie vor im realen Leben hochaktuell. Es macht mich betroffen und trotzdem hatte ich gegen Ende ein Lächeln im Gesicht. Hoffnung ist manchmal alles was bleibt und doch kann daraus wieder etwas wirklich Großes wachsen.
Open End / Jayden V. Reeves: Es knistert, es ist heiß – im wahrsten Sinne des Wortes. Abgesehen von der Beziehungskonstellation in der Story, die für mich allein schon einen starken Reiz ausübt, hat die ausdrucksstarke und bildhafte Sprache ihr übriges getan um mich abzuholen.
Eigenartigkeiten / Jobst Mahrenholz: Vor meinem inneren Auge tat sich hier eine wundervolle Symbiose aus der Weite der skandinavischen Landschaft und den Legenden um die Naturgeister Islands auf. Unerwartet mystisch, einnehmend und verzaubernd – ebenfalls ein Highlight.
Danse funébre / B.D. Winter: Ein historisches Setting, eine Erzählung voller Schwermut über ein Leben am Boden und doch übertrug sich, trotz der Tragik, gegen Ende das wunderbare Gefühl angekommen zu sein.
Ensomhet / Moritz Berg: Manchmal braucht es Zeit um mit sich und seinen Gedanken ins Reine zu kommen. Eine Geschichte, die ohne Schnickschnack oder ausufernder Dramatik auskommt, sondern sprachlich grandios und feinfühlig erzählt wird. Gerade deswegen kam sie wahrscheinlich wahnsinnig intensiv bei mir an, was auch diese Erzählung für mich zu einem Highlight macht.
Fingerzeig ins Glück / Kaiden Emerald: Was geschieht, wenn man aufgrund unkalkulierbarer Ereignisse nicht mehr nach Hause kann und eine Kontaktaufnahme über lange Zeit unmöglich ist? Hat die Welt sich unaufhaltsam weitergedreht und ist man dadurch fremd geworden, wo man eigentlich freudig erwartet werden sollte? Der innere Kampf zwischen Zweifel und Hoffnung, die Angst, was einen erwarten wird, wurde toll umgesetzt.
Alle Jahre wieder / Kay Monroe: Eine absolut witzige und süße Geschichte über die Fragen aller Fragen, bei der nur ein „Ja“ als Antwort die Glocken läuten lässt. Leider liegt die Tücke meist im Detail, was auch den genialsten Plan zunichtemacht.
Merry Christmas, Darling / Barbara Corsten: Nach den ersten Zeilen dachte ich mir “Yes, Science-Fiction”. Leider nimmt dieser Aspekt nicht den von mir erhofften Raum in der Erzählung ein. Auch die Message, die hinter der Geschichte steht, kam nicht wirklich bei mir an. Schade – da ich Science-Fiction ansonsten sehr gerne lese.
Der teuflische Weihnachtsengel / Maya Winter: Dem Hauptprotagonisten dieser Geschichte bin ich bereits in einem anderen Buch, in einer kleinen „Nebenrolle“, begegnet. Sein Auftritt hier, in dieser Anthologie, war überaus amüsant und ich hoffe, dass die Storys der Autorin in naher Zukunft nicht nur auf fanfiction zu lesen sind.
Mein Gott, Herbert / Tristan Thomas: Wortspielereien, die Story eigentlich immer ein bisschen drüber und ein garantiertes Grinsen im Gesicht – das sind die Dinge, die ich an den Geschichten von Tristan Thomas genial finde. Auch bei dieser bin ich wieder voll auf meine Kosten gekommen.
Ein besonderes Weihnachtsgeschenk / Màili Cavanagh: Die winterliche Stimmung, aber auch die Gefahr, die von der weißen Pracht ausgehen kann, hat die Autorin wundervoll eingefangen. Eine berührende Erzählung aus der Weite Montanas.
Feuerseelen / Ashan Delon: Interessante Idee - Drachen mit der Fähigkeit sich zu wandeln, ein Mensch mit der Gabe des Feuers – mit großem Potential für alle Fantasy-Liebhaber, leider für mein Empfinden zu oberflächlich und in der Umsetzung nicht ganz rund.
Glaubst du an die Liebe? / Neschka Angel: Ein unachtsamer Moment kann alles verändern und aus einem einsamen, frustrierenden Leben etwas Besonderes machen. Vor allem die Erzählung aus zwei Blickwinkeln hat mir hier gut gefallen.
Noir – Weihnachtsgeschichte des Todes / Jay Bélier: Charles Dickens’ Weihnachtsgeschichte etwas anders interpretiert – nicht alltäglich, frech und witzig.
Der Weihnachtsbote / Lex Aron Rees: Vom ersten aufeinandertreffen, über Schwärmereien und die Ungewissheit, ob das Ganze evtl. nur einseitig ist, bis hin zu dem großen „L-Wort“. Schön erzählte Love-Story, ruhig und dadurch für mich sehr authentisch.
De verliefde Sinta Claas / Chrissy Burg: Ich finde es immer wieder interessant, wie die Vorweihnachtszeit in anderen Ländern zelebriert wird. Dieser Beitrag der Anthologie nimmt mich mit in die Niederlande und hat zusätzlich noch eine süße Liebesgeschichte im Gepäck.
Sling-eling / Marcel Duval: BDSM, ein Thema, das ich eigentlich ganz gerne lese, aber mich oftmals mit der Art der Umsetzung enttäuscht. Diese Geschichte fand ich allerdings sehr ansprechend, nicht überzogen und vor allem kein 24/7 - somit prädestiniert um mein Kopfkino anzukurbeln.
Herz aus Eis / Marc Weiherhof: Ich habe keine Ahnung in welches Genre ich diese Geschichte einordnen soll. Urban-Fantasy? Märchenadaption? Fakt ist, dass sie witzig und teilweise wirklich strange daherkommt - für mich ein genialer Genre-Mix.
Heiligabend / Gabriele Oscuro: Die letzte Erzählung fand ich, mit ihrem Rückblick auf ein erfülltes Leben und dem Gedanken, dass alles was zusammengehört, am Ende wieder vereint wird, sehr emotional und einen würdigen Abschluss zu dieser Sammlung.
„24 days of Queer@venthologie“ ist eine Anthologie, die von Jayden V. Reeves, Lena M. Brand und Gabriele Oscuro herausgegeben wurde und die am 19.12.2018 erschienen ist. Es handelt sich hierbei um eine Benefizanthologie, deren gesamter Erlös an die gemeinnützige LGBTQ* Organisation „All Out“ gespendet wird. „All Out“ ist eine weltweite Bewegung für Liebe und Gleichstellung. Sie mobilisiert Tausende Menschen, für eine Welt einzutreten, in der niemand Familie, Freiheit, Sicherheit oder Würde opfern muss, um sie/er selbst zu sein und die Person ihrer Wahl zu lieben. Mehr Informationen dazu gibt es unter www.allout.org .
In dieser Anthologie gibt es neben Geschichten von 22 Autoren auch andere lesenswerte Kleinigkeiten wie Steckbriefe, Interviews oder Rezepte, dadurch ist es ein vielfältiges Buch, das viel Freude bereitet. Mir persönlich gefällt die Idee dahinter super, so lernt man die Autoren hinter den Geschichten noch viel besser kennen und das macht das ganze Buch ein wenig persönlicher. Und von den Rezepten werden definitiv mal ein paar ausprobiert. Die Interviews sind individuell und jedes Mal anders gestaltet, daher kommt auch da keine Routine auf und jedes Interview ist für den Leser wieder sehr interessant. Außerdem haben die Herausgeber eine witzige Aufgabe für die Autoren erschaffen, aber da ich nicht zu viel verraten möchte, empfehle ich Euch das Vorwort, dort findet Ihr die entsprechende Aufgabe, deren Hintergedanke mir super gefällt.
Ich lese ja unheimlich gerne Anthologien, da sie normalerweise sehr vielfältig sind, und mit eben dieser Erwartung bin ich auch an diese Anthologie herangegangen. Und was soll ich sagen, meine Erwartungen wurden übertroffen. Nicht nur, dass die Geschichten ausnahmslos wirklich gut ausgearbeitet und schön flüssig geschrieben sind, auch die Bandbreite der Stories hat mich begeistert. Es gibt Beiträge aus den verschiedenen queeren Bereichen und es gibt neben realitätsnahem auch eher Fantasy-haltiges, es gibt Freund und Leid, Glück und Trauer, einfach so viele verschiedene Eindrücke und Erlebnisse, die ich hier in diesem Buch verfolgen durfte, das war wirklich toll. Allen Geschichten gemein ist, dass sie um die Weihnachtszeit herum spielen, doch hier gleicht keine Story der anderen, und ich finde, die Mischung, die die Herausgeber hier zusammengestellt haben, die ist einfach super. Eine hervorragende Anthologie, die von mir 5 Sterne und eine absolute Leseempfehlung bekommt.
Was mir sehr gut gefällt, sind die Vorworte, Steckbriefe und Interviews der Autoren. Das macht die angeschlossenen Kurzgeschichten irgendwie besonders/persönlich.
Hier findet man alles von Drama, Romance, Märchen, Fantasy und mehr <3
Im Großen und Ganzen hat mir jede Geschichte auf ihre eigene Art sehr gut gefallen. Mal mehr, mal weniger. Einige sind schwer zu verdauen, andere eher leichte Kost ;) Es gibt viel Raum für die eigene Fantasie und viel Material für das ein oder andere Kopfkino der Extraklasse :)) Themen wie Vertauen, Gewalt, Homophobie und andere regen zum Nachdenken an.
Ein besonderes Highlight finde ich persönlich, dass jede Geschichte 10 gleiche Wörter enthält, die die Autoren und Autorinnen einbauen mussten. Das ist zum Teil auf sehr lustige Art und Weise geschehen.
Ich habe definitiv zwei absolute Lieblingsgeschichten. Und ich werde das Buch definitiv mal wieder lesen.