Ein schwacher Versuch eines großen Projekts.
Jeder Versuch, die Frage nach einem Gott zu beantworten, ist mutig. Aber es gelingt halt manchen besser als anderen.
Dieses Buch erschien 2007, also nach „God Delusion“ von Richard Dawkins, „The End of Faith“ und „Letter to a Christian Nation“ von Sam Harris und um die Zeit einiger anderer Werke des sog. „New Atheism“. Während diese Werke nicht uneingeschränkt auf die Goldwaage zu legen sind, frage ich mich schon, ob der Autor sich mit den Argumenten in diesen Büchern beschäftigt hat. Viele der „Argumente“ hier sind nicht stichhaltig und inhaltlich flach. Es gibt wirklich bessere Literatur, die z. B. philosophische Argumente für Gott liefert. Jedes der oben genannten Bücher entkräftet auf Anhieb mindestens 50 % der Argumente in diesem Buch. Und was übrig bleibt, ist nicht mager.
Man hat das Gefühl, der Autor möchte dem Leser lose Assoziationsketten und Reihen an Suggestivfragen als Argumente verkaufen. Einige „Argumente“ funktionieren also nach dem Prinzip: Ich schildere die Schönheit des Kosmos und des Lebens und frage dich dann: „… oder kann das alles nur Zufall sein?“. Wen das überzeugen soll, ist mir schleierhaft. An anderer Stelle (S. 36) wird ein, insbesondere für einen Mediziner, skurriler Vergleich bemüht, bei dem der Autor argumentiert, dass betende Menschen länger leben und deshalb Gebete genauso als gesundheitsfördernde Maßnahmen gefördert werden sollten wie Dehnübungen … Bitte was? Solche vermeintlichen „Kausalketten“ begegnen einem immer wieder im Laufe des Buches.
Außerdem bemerkenswert finde ich, wie viel Wert der Autor darauf legt zu verdeutlichen, dass Wissenschaft keine gesicherten Erkenntnisse liefert, sondern nur falsifizierbare Vorhersagen, und deshalb auch Gott nicht widerlegen könne. Dabei erwähnt er immer wieder, dass die Quantenphysik quasi das argumentative Ende für den Atheismus sei. Auch Dinge wie die Auferstehung Jesu seien dadurch nicht mehr auszuschließen. Mir ist nicht erklärlich, wie das irgendjemanden überzeugen soll. Es ist einfach in keinster Weise so, dass die Quantenphysik die angebliche „Auferstehung“ oder irgendeinen anderen der zentralen christlichen Mythen auch nur ansatzweise unterstützt. Ja, Wissenschaft kann nichts endgültig widerlegen, aber das bedeutet rein gar nichts und unterschlägt, wie unfassbar unwahrscheinlich ein Event wie die „Auferstehung“ wäre. Wie soll das bitte argumentativ helfen?
Zudem scheint der Autor trotz seiner Betonung der erkenntnistheoretischen Grenzen der Naturwissenschaften sehr großzügig mit dem Begriff der Wahrheit umzugehen, insbesondere gegen Ende des Buches. Dort verfällt der Autor in den klassischen Ton moderner Prediger und ihre Darstellung des Glaubens, der Liebe Gottes etc.
Allgemeiner Tipp: Wer mal jemanden hören möchte, der auf Biegen und Brechen versucht, etwas völlig Unplausibles irgendwie sinnvoll erscheinen zu lassen, braucht nur einem Theologen zuzuhören, der über Dreifaltigkeit spricht. Liefert jedes Mal.
Stilistisch ist das Buch absichtlich verständlich geschrieben. Das ist dem Autor wirklich gut gelungen! Für informierte Leser könnte es zeitweise etwas dünn/ langsam sein.
Zusammenfassend ist das ein „easy read“, der wahrscheinlich niemanden überzeugt, der nicht eh schon glaubt. Zwei Sterne für den Versuch und den verständlichen Stil.