Autismus ist eine unsichtbare Behinderung, über die bis heute zahlreiche Vorurteile bestehen und großes Unwissen herrscht. Besonders in den Medien wird der Begriff oftmals als plattes Stilmittel für negatives Verhalten fehlverwendet, jedoch nicht hinterfragt oder gar verstanden.
Autisten nehmen ihre Umwelt anders wahr: Kommunikation ist ein Minenfeld, soziale Interaktionen sind oft unlogisch, und Sinneseindrücke wirken wie ungefiltert auf das Gehirn einprasselnde Geschosse. Besonders bei Mädchen und Frauen wird die korrekte Diagnose erst spät gestellt, weil die Symptome mit Schüchternheit, Verschlossenheit und ähnlichen Charakterzügen verwechselt werden.
Elisabeth lebt in ihrer eigenen Welt, sagen die anderen. Elisabeth lebt in einer komplizierten Welt, sagt sie selbst. Als zunächst noch nicht diagnostizierte Autistin wird sie mit einem Alltag konfrontiert, den sie nicht versteht, mit Menschen, deren Art zu kommunizieren verwirrend und missverständlich ist.
Das Memoir beginnt mit dem Verlassen des Elternhauses und Elisabeths ersten Schritten in die Selbstständigkeit. In dem für sie so fremden Universum kommt sie nur schwer zurecht. Doch auch die 'normalen' Menschen in ihrem Umfeld sind mit ihrem Verhalten vollkommen überfordert.
Nur langsam findet sich Elisabeth mit ihrem Anderssein ab. Zahlreiche gescheiterte Jobs und Beziehungen sind notwendig, um sie erkennen zu lassen, wer sie wirklich ist. Erst die Autismusdiagnose hilft ihr, einen Platz in dieser Welt zu finden.
Für den Anfang des Buches hätte ich gern eine content notification gehabt. Cn sexual abuse hätte diese geheißen. Ungeachtet dessen nimmt das Buch nach einem für mich holprigen Start deutlich an Fahrt auf. Es fühlt sich an als würde nicht nur die Figur ihren Autismus kennenlernen, sondern auch ihren Schreibstil finden. Ein gelungenes Buch in dem man sich wieder erkennen kann, als nicht neurotypische.
Musste am Ende ein paar Tränchen verdrücken, weil ich mich in diesem Buch so unglaublich wohl und verstanden gefühlt habe und traurig war, als es vorbei war.
Ich hätte nie gedacht, dass dieses Buch mich so aufwühlen wurden, an einigen Stellen zum weinen bringt, auch aus positiven Gründen, und mich so berührt.
Elisabeth ist Autistin – sie weiß es nur noch nicht. Und der Weg den sie bis zur Diagnose zu gehen hat ist langwierig und holprig, denn die Probleme mit denen Autisten zu kämpfen haben hat sie ja dennoch. Reizüberflutung, Kommunikationsprobleme und daraus resultierende Ängste, die Übergriffigkeit durch ihr Umfeld und das Unverständnis Neurotypischer und daraus entstehende Konflikte begleiten sie schon seit ihrer Kindheit. Die Schuld an alledem sucht sie bei sich selbst.
Ich habe das Buch in einem Stück gelesen und konnte es nicht weglegen. Marlies Hübner ist selbst Autistin, vermutlich ist es ihr daher so gut gelungen Elizsabeth so gut zu zeichnen. Ich bin keine Autistin, sondern einfach introvertiert, dennoch gingen mir einige der unangenehmen Situationen die durch Reizüberflutung und Kommunikationsschwierigkeiten verursacht wurden ziemlich nah. Und gerade das finde ich an dem Buch großartig: Es stellt Elizabeth nicht auf das Klischee-Podest auf dem man andere autistische Protagonisten so oft stehen sieht, die oft nur ein (wie es mir vorkommt) immer gleicher, faul gescripteter Mix aus unnachvollziehbaren Merkwürdigkeiten und begabtem Genie sind und grenzt sie damit vollkommen ab. Nein, es zeichnet uns ihr Innenleben auf: Ein Mensch, der mit sehr nachvollziehbaren Gefühlen wie Trauer, Unsicherheit und Angst umgehen muss wie jeder von uns – das nur eben mit einem Gehirn, welches das “Spiel Leben” auf einem höheren Schwierigkeitsgrad ablaufen hat, als alle anderen. Dann gibt es da noch die Anforderungen und Übergriffe der Männerwelt an und auf Elisabeth, die sicher auch neurotypische Frauen im Takt mit den Köpfen nicken lassen.
Gegen Ende räumt es dann noch einmal mit einer Art FAQ der ständig gestellten, blöden Fragen an Autisten auf, was ich persönlich ebenfalls sehr interessant fand. Zumindest kannte ich bisher den Unterschied zwischen Savants und Autisten nicht. Dass Autisten mit so vielen anderen haarsträubenden Fragen geplagt werden war mir bisher ebenfalls nicht klar. Jedenfalls möchte ich, eine klare Leseempfehlung geben. An manchen Stellen ist es allerdings ziemlich hart zu lesen, da die Lebenssituationen in die Elisabeth gerät teilweise alles andere als einfach sind: Diese gehen von Mobbingsituationen über Vergewaltigung bis hin zu Suizidgedanken. Da ich einige Leute kenne die so etwas nicht gut vertragen, wollte ich das noch einmal erwähnen.
Hier noch einmal der ebenfalls sehr Interessante Blog zum Thema Autismus von Marlies Hübner: www.robotinabox.de