«Fünf Wörter für Glück» von Ella Dove hat mich sprachlos wie auch motiviert zurückgelassen. Ein wunderbarer Roman über die Überlebenskünstlerin Heidi, die bei einem tragischen und unglaublichen Unfall ihr rechtes Bein verliert.
Inhalt:
Zuvor waren ihre Schauspielziele groß, ihr Leben aufregend und voll von sambucagetränkten Partyabenden. Nun bleiben ihr ein Beinstumpf, ein Trauma und ein erschüttertes Umfeld. In der Rehaklinik soll sie neuen Mut und nicht zuletzt ihre Eigenständigkeit wiederfinden, was sich unter aufgekratzten Diabetiker-Rentnern und aufmüpfigen Teenagern als echte Herausforderung entpuppt. Verstört und fast allein tritt sie ihr neues Leben an ‒ mit nur einem Bein und ihrer neuen Ü-80 Zimmergenossin, Maud. Als dann noch Mauds kurioser Enkel, Jack, auf die Bildfläche tritt, nimmt das Gefühlschaos seinen Lauf.
Meine Meinung:
Heidi auf ihrem Weg der Genesung zu begleiten ist ein echtes Geschenk. Wir tauchen in den Neuanfang der Mitte-30-Jährigen ein, als säßen wir mit am Krankenbett. Ihr Leben hat sich von jetzt auf gleich für immer verändert, als sie im Krankenhaus aufwacht wird nichts wieder so sein, wie es einmal war. Für jemanden, der Gefühle mit sich selbst ausmacht, und sowieso lieber im Hier-und-jetzt lebt, eine waschechte Katastrophe. Gleich leiden wir mit Heidi mit, die die leere Stelle begutachtet, wo eins ihr Unterschenkel lag. Wir haben einen dicken Kloß im Hals, als ihre Nichte sich vor ihrer beinlosen Tante gruselt. Und als sie sich schließlich auf sich selbst gestellt in der Rehaklinik wiederfindet, fasst die Hilfslosigkeit der Protagonistin auch nach uns. Was soll Heidi jetzt tun, wie soll es als behinderte Rollstuhlfahrerin ohne großartiges Einkommen denn nun mit ihr weitergehen? Immer mehr lernen wir Heidi mit all ihren Niederschlägen und ihrem unverkennbaren Biss kennen und lieben. Als Mr. Superignorant, Jack, dann noch auf der Bildfläche erscheint, und die im Selbstbewusstsein erschütterte Heidi keines Blickes würdigt, würden wir dem vermeintlichen Ekelenkel am liebsten selbst den Hals umdrehen.
Umso mehr finden wir Gefallen an Jack, als er sich schlussendlich doch um Heidi erbarmt und seine zuerst kühle Seite fallen lässt. Er schlägt ihr einen neuen Blickwinkel auf die Zukunft vor: eine Fünf-Schritte-Liste zum Glück. Da Heidi selbst nichts mehr zu verlieren hat, willigt sie ein und schreibt prompt alles nieder, was sie in ihrer neuen Zukunft erreichen möchte. Ob sie diese teils weit her geholten Ziele wirklich meistern kann, steht in den Sternen. Doch jeden Versuch, aufzustehen, und jeden neuen Tiefschlag erleben wir pur und glaubwürdig. Heidi bei ihrer Genesung zu begleiten wirkt inspirierend und an manchen Stellen stimmungsaufwühlend. Die Reaktionen, die wir auf ihre körperliche Veränderung erfahren, sind teils niederschmetternd und halten uns deutlich vor Augen, mit welchen Problemen gehbehinderte Menschen zu kämpfen haben. Probleme, die wir nur erahnen können und den Betroffenen das Leben schon bei Rolltreppen und Einkaufsbummeln schwer machen. An diesen Stellen wirkt der Roman aufklärend und wichtig für das Verständnis füreinander und miteinander. Heidis Werdegang hat mich tief berührt und einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Nachdenklich und gestärkt gehe ich aus der Geschichte heraus und habe gleichwohl für mein eigenes Leben dazugelernt.
Um ehrlich zu sein hätte ich von mir aus niemals nach diesem Buch gegriffen. Ich bin kein besonderer Fan des Buchcovers, wobei ich mich an die Gelb-Orange-Blautöne gewöhnt habe und es mittlerweile nicht mehr allzu bunt und erschlagend auf mich wirkt. Trotzdem versprüht das Cover eine eigene Dynamik, die mit fortschreitender Leseerfahrung passend und lebendig wirkt. Insbesondere die einbeinige Tänzerin hat doch etwas für sich. Der Klappentext hat mich wie auch die Leseprobe sofort in seinen Bann gerissen, da ich Hoffnungsmacher und Ins-Leben-Zurückfinder einfach liebe. Allerdings wurde Zimmergenossin und Rentnerin Maud etwas zu stark in den Fokus gerückt, wobei sie im Buch weniger wichtig für den Werdegang von Heidi ist, als erwartet. Ein kleiner aber feiner Abzug in der B-Note!
Kommen wir aber nun zu den positiveren Aspekten des Romans, wobei mir zuerst der Schreibstil selbst in Auge fällt. Ella Dove schreibt so detailliert und auf den Punkt, dass es einen schier mitreißt. Ihre Feder ist klar und wortgewandt, an keiner Stelle werden wir aus dem Lesefluss geworfen oder mit Fragen zurückgelassen. Denn Ella Dove schreibt in «Fünf Wörter für Glück» ganz klar ihr Herz nieder. Die Autorin selbst verlor durch einen unscheinbar wirkenden Zwischenfall ihr Bein und wurde selbst bis aufs Mark erschüttert. Genau auf diese tiefen selbsterlebten Emotionen können wir uns in dem Buch freuen – so falsch das durch die Tragik der Situation klingen mag. Ihre Worte wirken ehrlich und die Parallelen zu der realen Welt machen die Geschichte noch unglaublicher und packender. Die Charaktere wirken real, wenngleich aus Heidis Ecke heraus nicht immer sympathisch. Ihr bester Freund Dougie ist übereifersüchtig und einengend. Die Mutter uns als Leser unnahbar und für sich selbst und die Schwester samt Mann sehr auf sich selbst bezogen. Zum Glück bleiben uns die liebenswerte Mitleidende Maud, ihr störrischer und ungemein unterhaltsamer Enkel mit den hässlichen Hemden und die aufsässige Neue in der Klinik, Skye. Alle anderen Klinikinsassen und Beteiligten sind gleichzeitig eigenartig wie auch auf ihre selbstbestimmte Art liebenswert. Durch die bunte Mischung der Reha-Truppe erleben wir den Heilungsprozess bildhaft und gar heimelig. All diese gewinnbringenden Faktoren lassen kleine Makel verblassen und mich dankbar dafür werden, dass ich das Buch als Rezensionsexemplar gewonnen habe. Ich will die Geschichte um Heidi nicht mehr missen.
Fazit:
Insgesamt betrachtet ist «Fünf Wörter für Glück» ein Steh-auf-Roman der Extraklasse! Ella Dove transportiert echte Gefühle und den unbändigen Drang, das Leben beim Schopf zu packen und nicht mehr loszulassen. Von Anfang bis Ende wirkt ihr Werk authentisch und tiefsinnig. Durch den Wahrheitsgehalt dieser Geschichte – die doch sehr nah an Ella Doves eigener Beinamputation spielt – wirken ihre Worte nur umso erstaunlicher. Trotz fiktivem Grad macht dieses Buch Mut zum Weiterleben – ein echter Schatz!
[Rezensionsexemplar]