What do you think?
Rate this book


235 pages, Paperback
First published January 1, 1767
Lieber Major, das Lachen erhält uns vernünftiger als der Verdruß. Der Beweis liegt vor uns. Ihre lachende Freundinn beurtheilet Ihre Umstände weit richtiger, als Sie selbst.
DAS FRÄULEIN. Denn ich besinne mich, daß Sie allerdings ein kleiner Kriepel sind. Doch alles wohl überlegt: so ist auch das so schlimm nicht. Um so viel sichrer bin ich vor Ihren Schlägen.
V. TELLHEIM. Fräulein!
DAS FRÄULEIN. Sie wollen sagen: Aber Sie um so viel weniger vor meinen. Nun, nun, lieber Tellheim, ich hoffe Sie werden es nicht dazu kommen lassen.
FRANCISKA. Man traue doch ja seinem Herzen nicht zu viel. Das Herz redet uns gewaltig gern nach dem Maule.
FRANCISKA. Es ist doch wohl hier zu Lande keine Sünde, aus Sachsen zu seyn?
FRANCISKA. Fix, Herr Wirth, hurtig, fort, fort! (stößt ihn heraus)
FRANCISKA. Hu! was sind das für Männer!
DAS FRÄULEIN. Er versicherte, daß er Ihr Freund sey.
V. TELLHEIM. Ich versichere, daß ich seiner nicht bin.
DER BEDIENTE. Sie sucht, glaube ich, hier ihren Bräutigam. – |
V. TELLHEIM. Den Namen Eurer Herrschaft wollte ich wissen; aber nicht ihre Geheimnisse
JUST. (kehrt sich um, und will gehen) Sein Diener!
DER WIRTH. (hält ihn) Nicht doch, Herr Just!
JUST. Nun gut; nicht Sein Diener!
DER WIRTH. Wer wird seinen Zorn über Nacht behalten?
JUST. Ich; und über alle folgende Nächte.
V. TELLHEIM. Bist du da?
JUST. (indem er sich die Augen wischt) ja!
V. TELLHEIM. Du hast geweint? |
JUST. Ich habe in der Küche meine Rechnung geschrieben, und die Küche ist voll Rauch.
V. TELLHEIM. Just, wir bleiben beysammen.
JUST. Ganz gewiß! Ich bin Ihnen unentbehrlich; und bin, -- ohne mich selbst zu rühmen, Herr Major – und bin ein Bedienter, der – wenn das Schlimmste zum Schlimmen kömmt,- für seinen Herrn betteln und stehlen kann.
V. TELLHEIM. Just, wir bleiben nicht beysammen.
JUST. Schon gut!
WERNER. Kennst du den großen Helden im Morgenlande nicht?
JUST. Die Weisen aus dem Morgenlande kenn ich wohl, die ums Neujahr mit dem Sterne herumlauffen. --
WERNER. Mensch, ich glaube, du liesest eben so wenig die Zeitungen, als die Bibel?
DAS FRÄULEIN. Wo ist Sein Herr?
JUST. Nicht hier.
DAS FRÄULEIN. Aber Er weiß ihn zu finden?
JUST. Ja.
DAS FRÄULEIN. Will Er ihn nicht geschwind herholen?
JUST. Nein.
DAS FRÄULEIN. Er erweiset mir damit einen Gefallen. -
JUST. aber er kann die allzu höflichen Damen eben so wenig leiden, als die allzu groben wirthe.
JUST. Kurz, der Major sahe, daß er mit aller Gewalt höher wollte: (das Hängen pantomimisch anzeigend) er brachte ihn also auf guten Weg.
WERNER. Ich merke wohl, daß eine schöne Disposition über deinen Verstand geht.
WERNER. Daß es doch immer Seines gleichen für Spaß erklären, wenn man ihnen die Wahrheit sagt.
DER WIRTH. O, das ist ein Freund von unserm Herrn Major! das ist ein Freund! der sich für ihn tod schlagen ließe! –
WERNER. Ja! und das ist ein Freund von meinem Major! das ist ein Freund! – den der Major sollte tod schlagen lassen.
DER WIRTH. Wie? was?
V. TELLHEIM. was wirst du denn sagen?
WERNER. Ich werde sagen, daß ich gelogen habe, und daß es eine hundsföttsche Sache ums Lügen ist, weil man drüber ertappt werden kann.
WERNER. (der sich die Augen wischt) Nu? –
FRANCISKA. Seh er mich einmal an, Herr Wachmeister. –
WERNER. Ich kann noch nicht; ich weiß nicht, was mir in die Augen gekommen.
RICCAUT. Wo für seh mik Ihro Gnad an? Für ein Einfalspinse? für ein dumme Teuff?
RICCAUT. Comment, Mademoiselle? Vous appellés betrügen? Corriger la fortune, das nenn die Deutsch betrügen? betrügen! O, was ist die deutsch Sprak für ein arm Sprak! für ein plump Sprak!
FRANCISKA. Unverschämter!
JUST. Muß man es nicht seyn, wenn einen die Leute sollen gehen lassen? (geht ab)
JUST. aber ich möchte auch nicht gern ins Zimmer hinein. – Das Frauenszeug fragt so viel; und ich antworte so ungern!
FRANCISKA. (indem sie Justen gewahr wird) da stieße mir ja gleich was auf. Aber mit dem Vieh ist nichts anzufangen.
JUST. Ihr Diener –
FRANCISKA. Ich wollte so einen Diener nicht –
JUST. Nu, nu; verzeih Sie mir die Redensart!
FRANCISKA. – und damit packe Er Sich nur!
JUST. Herzlich gern! (will fortgehen)
FRANCISKA. So viele gute, tüchtige Leute von sich zu lassen, und gerade den allerschlechtesten zu behalten! Ich möchte doch wissen, was Sein Herr an Ihm fände!
JUST. Vielleicht findet er, daß ich ein ehrlicher Kerl bin.
FRANCISKA. O, man ist auch verzweifelt wenig, wenn man weiter nichts ist, als ehrlich.
JUST. Wenn ich ihm doch eins auf den Katzenbuckel geben dürfte! –
JUST. Daß ich ihm nicht die Zähne austreten soll!
JUST. Ich sterbe vor Ihren Augen, wenn Sie nicht der Schutzengel dieses hämischen, unbarmherzigen Rackers sind! Trotz Galgen und Schwerd und Rad, hätte ich ihn – hätte ich ihn mit diesen Händen erdrosseln, mit diesen Zähnen zerreissen wollen. –