Martina kümmert sich um Martha. Martha ist Mitte achtzig und in einer »poetischen Verfassung«. So nannte das Heinrich, der Mann, mit dem Martha fast vierzig Jahre lang zusammenlebte. Aber jetzt ist Heinrich tot, und Martina beschließt, sich der alten Dame anzunehmen, ohne mit ihr verwandt zu sein oder sie auch nur gut zu kennen. Oder ist es vielmehr Martha, die sich Martina ausgesucht hat? So genau ist das nicht mehr auszumachen, aber es ist auch nicht wichtig, weil sie nämlich beide glücklich sind, so wie es ist.
Martina Bergmann tritt in ihrem ebenso klaren wie empathischen Bericht den Gegenbeweis dafür an, dass die Betreuung eines dementen Menschen eine Bürde sein muss. Sie schildert, wie es sich anfühlt, mit jemandem zusammenzuleben, der trotz seiner Einschränkungen klug und humorvoll, ja geradezu hellsichtig ist. Ein glänzend geschriebenes Plädoyer für das würdevolle Zusammenleben der Generationen. Und ein bewegendes Portrait zweier unkonventioneller Frauen.
Martina's a 30-something bookstore owner, happily unattached to all but her business. But she's personable enough to attract the attention and sympathy of one her elderly customers: Heinrich. As their friendship deepens, Martina also meets Heinrich's companion Martha, a woman with a so-called "poetic disposition".
After Heinrich's death, Martina decides to take on the role of Martha's caregiver, but the law and the neighbours are not all that keen on this endeavour. Still, Martina's determined to fight tooth and nail for her family.
A sort of heart-breaking, but also occasionally funny story of a found family that no one really wanted, but wouldn't ever dream of giving up by the end. It is written very well, making liberal use of some rather fetching metaphors... which kind of worked. And that's coming from someone who really despises of figures of speech.
That being said, I'm not sure if it's the kind of book I'd necessarily want to recommend. First of all, this is very much a character-driven story, with almost no storyline to speak of. Sure, there are a few key events that get referenced over and over again, but mostly it's just a collection of scattered anecdotes meant to highlight the sweet relationship in the found-family of Martha, Heinrich and Martina.
As such, the first 40% of the book, very much read like an overly long prologue foreshadowing Heinrich's death, but while also highlighting the happy times when all three of them lived together. As I'm a terribly impatient person, it took me an insanely long time to get through this part, as I kept waiting for the actual events to start.
Second of all, reading about elderly care of a patient suffering of dementia is hard. Yes, the author does her best to explain the joy she found in it all, because Martha truly wasn't one of those textbook vegetable cases. And yes, that makes for some form of bitter sweet and adorable... but I can't really make it sound anything less than depressing.
That being said, I can't deny that this all makes for a throughly fascinating look at a different kind of family. We are all used to people forming a family based on some sort of romantic feelings. At least for adults. In here, you get to see how a perfectly legit family can be formed based on friendship... and maybe a bit of reverse parent-child love. As an exercise of imagination it's quite a feat. As an autobiographic novel it makes the reader think how badly a thoughtless good intention can affect the lives of the vulnerable.
Score: 3.3/5 stars
I feel like I'm being unnecessarily harsh with my scoring, for such a bitter-sweet and beautifully written story. Truly, by the end of it I almost started questioning my deep-seated hatred for figures of speech. Unfortunately, the episodic nature of the content didn't really work for me. For all that I like character-driven stories, I still need some sort of event chronology where things happen, while Martina Bergman chose more of a stream of consciousness approach.
----------------------------------------- ARC received from Eisele Verlag via NetGalley in exchange for an honest and fair review.
Hat mir sehr gut gefallen! Das mag damit zusammenhängen, dass ich mit der Autorin gleich mehrere Gemeinsamkeiten habe: Erstens bin ich auch gelernte Buchhändlerin und zweitens bin ich ebenfalls in Ostwestfalen aufgewachsen, wenn auch nicht in Borgholzhausen.
Damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon. Zwar haben meine beiden Großeltern mit uns in einem Haushalt gewohnt, als ich Kind war, aber die waren nicht dement, nur irgendwann mal körperlich gebrechlich.
Umso mehr Hochachtung habe ich vor Frau Bergmann, dass sie die alten Leute, mit denen sie nicht verwandt ist, betreut. Das Buch ist aber definitiv nicht traurig oder trostlos, denn obwohl sie nicht verschweigt, dass das Zusammenleben mit Martha nicht immer einfach ist, so gibt es doch immer wieder schöne Momente.
Wenn sie darüber erzählt, führt sie "Martha" nie vor oder macht Witze auf ihre Kosten, sondern sie lässt sie immer ihre Würde behalten. Schön finde ich auch, wie wertschätzend sie von den anderen Menschen berichtet, die ihr bei der Betreuung zur Seite stehen: Die Pflegedienste, der Vermögensbetreuer, Anwälte, Sozialarbeiter, Nachbarn und Weggefährten. Ein wirklich lesenswertes Buch!
Heinrich war eine Art Lieblingsmensch im Leben der Buchhändlerin Martina Bergmann. Als Heinrich in hohem Alter schwer erkrankt, kümmert sich Bergmann zunächst um ihn und seine Lebensgefährtin Martha, nach Heinrichs Tod um die demente Martha. Sie befinde sich „in poetischer Verfassung“ beschrieb Heinrich Marthas Demenz taktvoll. Martha sei nicht dumm, nur verschaltet, betonte er. Heinrich konnte offensichtlich erst sterben, als er Martha versorgt wusste.
Martina Bergmann ist offenbar eine Persönlichkeit, die von anderen Menschen sofort als „Chef“ angesprochen wird. Martha, die mit 40 ein Studium aufgenommen und mit 50 promoviert hat, ist dagegen überzeugt, dass sie älter und erfahrener ist als Bergmann. Schließlich hat sie junge Frauen bisher für den Feminismus sensibilisiert, daran erinnert sie sich noch lebhaft. Martha ist zwar extrem vergesslich, aber sie kann andere Menschen einschätzen, sich durchsetzen und weiß genau, was ihr guttut. Sich nicht darüber aufregen, dass manche Menschen ihre Wertgegenstände und ihre Rosenschere im Kühlschrank aufheben, das kann und muss man als betroffener Angehöriger oder Betreuer hier von Martha und Martina lernen. Wer das nicht schafft, wird an der Aufgabe scheitern.
Wie soll eine junge Geschäftsfrau ihren Beruf und die Versorgung einer dementen Patientin miteinander vereinbaren, die darüber hinaus keine Angehörige ist? Das Arrangement funktioniert vielleicht gerade deshalb, weil Bergmann nicht Marthas Familienangehörige ist. Sie verschwendet keine Zeit damit, Marthas Vergesslichkeit zu beklagen, sondern organisiert ihren Alltag als Berufstätige mit „kleiner Oma“. Das bedeutet zunächst eine Behörden-Odyssee zwischen Vormundschaftsgericht, sozialpsychiatrischem Dienst und Berufsbetreuer. Für Angehörige kann es die Hölle sein, wenn Dienste und Helfer sich eifersüchtig belauern und gegenseitig lähmen. Zum Glück haben Bergmanns Mitspieler im Team Martha Erfahrung mit Demenz und gehen mit dem Problem ebenso souverän um, als hätte Martha nur Probleme mit dem Knie. Wie leicht die Zusammenarbeit in einem Betreuungs-Team aus dem Gleichgewicht zu bringen sein kann, wurde mir hier deutlich – und ich kann die beteiligten Experten nicht genug anerkennen für ihre bodenständige Haltung gegenüber Marthas Erkrankung.
Martina Bergmann schreibt in einzigartig respektvollem, liebenswürdigem und dabei trockenem Ton den biografischen Roman einer Frauen-WG, von dem jeder Leser profitieren kann – bevor man selbst betroffen ist und auch noch nachher.
Ist das nicht unfassbar? Da wird eine Mitte 80-jährige so langsam dement und eine fast Fremde nimmt sich ihrer an. Das klingt märchenhaft und unrealistisch. Aber nach der Lektüre dieses feinfühlig, taktvoll und zart geschriebenen Romans, der mit genau der richtigen Dosis Humor und trockenem Witz geschrieben ist, erscheint es nicht mehr unmöglich.
Würdevolles Altern? Das geht!
Die über 80-jährige zunehmend demente Martha und die fast 40-jährige Buchhändlerin Martina sind zwei außergewöhnliche Frauen, die zeigen, dass es möglich und sogar bereichernd für beide Seiten sein kann, eine Wohngemeinschaft zwischen Alt und Jung sowie zunehmend dement und geistig fit einzugehen.
Obwohl Martha sehr vergesslich ist und oft rational nicht nachvollziehbare Dinge tut, hat sie eine gute Portion Durchsetzungsfähigkeit und eine sehr sympathische Seite. Und obwohl Martina viel um die Ohren hat, gelingt es ihr, ein Zusammenleben mit Martha möglich zu machen.
Ich empfehle diesen berührenden aber zu keinem Zeitpunkt kitschigen Roman, dessen roter Faden Menschlichkeit, Solidarität, Toleranz, Lebensfreude und Zuneigung ist, gerne weiter!
Er macht Mut, über den Tellerrand zu schauen, über eine Möglichkeit nachzudenken und sich vielleicht auf ein Abenteuer einzulassen, das trotz aller Schwierigkeiten und Herausforderungen eine Bereicherung sein kann. Natürlich nicht in jedem Fall, aber manchmal. Und natürlich nur, wenn man ein professionelles Netz aus Helfern an seiner Seite hat und auch nur bis zu einem bestimmten Stadium. Martha kommt ja tagsüber noch recht gut zurecht und zwischendurch schaut der Pflegedienst vorbei.
Martina Bergmann, die aus Erfahrung spricht, nimmt der Demenz die Bedrohlichkeit und regt mit ihrer durch und durch respektvoll und tendenziell nüchtern geschriebenen Geschichte dazu an, gründlich darüber nachzudenken, ob ein Zusammenleben der Generationen im ein oder anderen Fall vielleicht doch möglich ist.
Die Autorin verklärt diese alternative Möglichkeit, einen alten Menschen zu betreuen nicht. Sie zeigt die Tücken und Probleme und geht auch auf reale, bürokratische und organisatorische Schwierigkeiten ein. Sie erwähnt dabei auch die Einwände und Vorurteile aus dem Umfeld, was so ein Projekt nicht gerade erleichtert.
Der Roman ist auch ein unaufdringliches Plädoyer dafür, einen dementen Menschen nicht auf seine Krankheit zu reduzieren, sondern offen zu sein für all das, was ihn darüber hinaus ausmacht.
Die Autorin hat hier eigene reale Erlebnisse und Erfahrungen in Fiktion eingebettet. Herausgekommen ist ein unterhaltsames, kurzweiliges, lesenswertes und zum Nachdenken anregendes Buch. Es ist kein Roman im eigentlichen Sinn. Vielleicht eher ein lebendig geschriebener Bericht. Eine Lebensgeschichte, die sich zu lesen lohnt.
Alter und Krankheit gehören zum Leben dazu und machen es für einen nicht einfach, gerade auch für die Menschen in unserer Umgebung. Daher ist dieses Buch eine kleine Hommage an den liebevollen, fürsorglichen und respektvollen Umgang und zeigt dass Demenz kein Ausgrenzungspunkt sein muss. Der Autorin ist hier eine interessante und nette Geschichte über Ihr Zusammenleben mit der demente Martha gelungen, die sich stellenweise etwas zieht und etwas den Tiefgang vermissen lässt, aber trotzdem lesenswert ist. #Book
Ein schnelles und leichtfüssiges Buch über ein durchaus ernstes Thema. Wie gehen wir mit dem Alter um? Wie leben wir im Alter, wenn keine Familien mehr da sind? Martina entscheidet sich mit Martha zusammen zu leben, einer demenzkranken, über 80 jährigen Dame - und ihr einen guten, schönen, familiären und würdevollen Lebensabend zu bescheren. Das geht nicht ohne wachsame Nachbarn, Behörden - wir sind schliesslich in Deutschland - und verschiedene Betreuungsgerichte. Eine spannende Geschichte über eine gute Entscheidung und über zwei besondere Frauen!
Martina Bergmann beschreibt mit klarer liebevoller Stimme ihr Leben mit einer älteren Dame. Der Roman „Mein Leben mit Martha“ ist eine beeindruckende Geschichte, aus ihren Erfahrungen.
Martha ist 84 Jahre alt und leidet an Demenz. Ihr Lebensgefährte ist gestorben und Martina nimmt sich ihrer an, Martina ist im mittleren Alter, als Buchhändlerin voll berufstätig, Alle Achtung.
Ihre Kämpfe mit dem Pflegestatus und besonders mit missgünstigen Nachbarn sind schwer. Am Schlimmsten ist, das Martha verunsichert wird. Sonst ist deren Verfassung noch annehmbar, sie kann den Tag über alleine verbringen. Besonders schön ist Ausdruck ihrer Krankheit, ihrer Poetischen Verfassung.
Martina, das Portrait der beiden Frauen ist eindrucksvoll.
Ich bin in den Roman getaucht und konnte die jeweilige Stimmung nachvollziehen. Es ist doch Bewunderungswert, das Martina die Aufgabe übernommen hat, Martha ein würdiges Altern zu sichern.
Der Roman lässt sich gut lesen, man bekommt ein gutes Bild dieser Krankheit. Ich wünsche Martina und Martha noch viel Kraft. Ich möchte das Buch unbedingt weiter empfehlen.