A.D. 1152: Als Zeidler streift Seyfried durch den Schwarzwald und erntet Honig und Wachs von wilden Bienenvölkern. Als seine Frau zum Tode verurteilt wird, bricht er auf der Suche nach Beistand zum Kloster Bingen auf. Er findet es in heller Aufregung vor, denn die gelehrte Äbtissin Hildegard hat sich mit ihrer direkten Art Feinde innerhalb und außerhalb der Klostermauern geschaffen. Sie knüpft ihre Hilfe an schier unerfüllbare Bedingungen, die Seyfried bis vor den frisch gekrönten König Friedrich I. führen.
Als Zeidler zieht Seyfried durch die Wälder und erntet den Honig der Bienen. Doch als ein Doktor ein schwer verletztes Mädchen bei ihnen ablädt und in den Händen seiner Frau Elsbeth, einer Heilerin, zurücklässt, gerät seine Frau, seine Kinder und er in große Gefahr. Denn seine Frau wird zum Tode verurteilt. Ihm bleiben nur wenige Tage, um bei Hildegard von Bingen um ein Gnadenersuch zu bitten. Und die Zeit rennt …
Der vorliegende historische Roman konnte mich nicht zuletzt durch seine detailverliebte Recherche fesseln. Die Zeidlerei war ein Feld des Mittelalters, über das ich noch sehr wenig wusste. Ich hatte mich mehr dem Schwertkampf oder den Illuminationen von Büchern zugewandt. Der süße Honig war eben einfach „da“. Durch Ralf Dorweiler habe ich vieles zum einen über dieses Handwerk erfahren und wie angesehen und schwierig der Beruf war. Toll recherchiert und toll in einem spannenden Roman wiedergegeben. Vom Hintergrund war ich also schon einmal sehr angetan.
Auch die Darstellung der Charakter hat mich gefesselt. Der mutige Zeidler Seyfried, der nach Bingen reißt um in einer für ihn völlig neuen Welt Hilfe zu erflehen. Er musste sich beweisen, und seine Weltoffenheit hat mich begeistert. Auch war er um kein Wort verlegen, als er mit der wohl wichtigsten historischen Person in diesem Buch sprach. Hildegard von Bingen – Mir war sie nur flüchtig bekannt. Dieses Buch hat sie mir als Persönlichkeit näher gebracht und ich habe sie schätzen gelernt. Ihren Weitblick ebenso wie ihre resolute Art, die in der damaligen Zeit sicher für eine Frau dringend notwendig war. So gab es einen ganzen Strauß an Persönlichkeiten, die der Autor alle liebevoll und farbenprächtig gezeichnet hat und mit denen ich wirklich mitfiebern konnte. Der Bösewicht war wirklich mit scharfer Spitze und hassenswert skizziert. Bei ihm hätte ich mir vielleicht noch etwas mehr Hintergrund gewünscht.
Die Handlung an sich fesselte mich gleich. Da sie sich bald in unterschiedliche Stränge aufspaltete, wusste ich gar nicht, mit welchem -Protagonisten ich nun mehr mitfiebern sollte. Dorweilers Schreibstil tat sein Übriges hinzu, um mich an die Seiten zu binden. Er war detailreich, aber nicht zu blumig und zum Glück sehr unkitschig ;) Ich fand mich im Mittelalter wunderbar wieder und vor allen Dingen hat er uns den Klosteralltag und das Zeidlerhandwerk nähergebracht. Wunderbar!
Auch die Spannung kam nicht zu kurz. Die Kapitel waren angemessen lang, und die Überschriften trugen zur Lesegeschwindigkeit bei (ich will nicht zu viel verraten, aber Dorweilers Countdownsystem hat prima funktioniert!). Zum Schluss war es mir vielleicht ein bisschen zu knapp.
Ich lege das Buch jedem ans Herz, der sich für das mittelalterliche Handwerk und die Figur der Hildegard von Bingen begeistern kann. Ich ging bereichert aus der Lektüre hervor. Aufgrund der kleinen Kritikpunkte vergebe ich 4,5 Sterne.
Das Leben der Zeidlerfamilie von Seyfried und Elsbeth mit ihren drei Kindern könnte nicht schöner sein, als aber eines Tages ein Medicus eine schwer verletzte Frau vorbei bringt, ändert sich das Leben der Familie schlagartig. Bei der Frau handelt es sich um die Tochter des Grafen und als seine Soldaten ihrer im Hause des Zeidlers fündig werden, wird Elsbeth kurzerhand des Todes angeklagt und verurteilt. Seyfried erbittet um einen Aufschub für die Verstreckung des Todesurteils, um bei der gerühmten Äbtissen Hildegardvon Bingen vorsprechen zu können inder Hoffnung, dass sie sich für ihn und seine Frau einsetzt...
So ziemlich jede Figur hat ein Geheimnis in dem Buch, das sie mit sich rumschleppen und den Weg, den sie gehen, nicht einfacher machen. Und in diesem Roman wird viel Wegstrecke hinter sich gebracht. Was auf den ersten Blick langweilig klingen mag, hat sich als überraschend kurzweiliger Abenteuerroman entpuppt. Das liegt zum einen an die tollen Berufsbeschreibungen des Zeidlers. Immer wieder dürfen wir Seyfried über die Schulter gucken, wie er den Bienen Honig abnimmt oder sie selbst züchtet. Zum anderen geschehen immer wieder überraschende Dinge und die verschiedenen Perspektivenwechsel sorgen ebenfalls für kurzweilige Unterhaltung. So lernen wir nicht nur den Zeidler näher kennen, sondern auch seine Tochter und die engste Vertraute der Äbtissin Hildegard von Bingen.
Hildegard von Bingen nimmt ebenfalls einiges an Raum ein. Mir gefällt ihre Darstellung in diesem Buch, auch wenn sie nicht durchweg hoch gelobt und positiv wegkommt. So wird sie viel realistischer und somit auch persönlicher dargestellt, als ich es gedacht hätte. Wir erfahren auch einige persönliche Dinge über Hildegard und ihren Lebensweg und werden auch mit den Schwierigkeiten konfrontiert, die sie zu bewältigen hatte, als sie auszog, um ein eigenes Kloster als Frau aufzubauen.
So ist der hauptsächliche Protagonist mit Seyfried zwar ein Mann, aber er ist umringt von großartigen Frauen, so dass der Roman überhaupt nicht einseitig männlich dargestellt ist und dennoch ohne als Mann verkleidete Frauen auskommt. Das hat mir richtig gut gefallen.
Der Zeiderfamilie wird ein Bösewicht gegenüber gestellt: Theobald. Es gibt eigentlich nichts Positives zu berichten, dennoch wird kurz versucht, ihn und seine Handlungen zu erklären. Auch konnte ich mir, einigen Respekt über seine Klugheit und Manipulationsstärke abringen, auch wenn der Mensch an sich keine schönen Seiten zeigt. Ohne diese Kurzerklärung wäre mir der Charakter auf jeden Fall zu einseitig gewesen.
So bekommen wir insgesamt einen spannungsgeladenen und actionreichen Mittelalterroman präsentiert, in dem die interessanten Themen der Bienen und Hildegard von Bingen ins Zentrum gerückt werden!
Schwarzwald 1152: Der Zeidler Seyfried ist ratlos. Viele seiner Bienenvölker sterben, ohne dass er einen Grund dafür erkennen kann. Dabei braucht er die wilden Bienen, um von deren Wachs und Honig seine kleine Familie ernähren zu können. Als seine Frau einem verwundeten adligen Mädchen helfen möchte, dieses jedoch stirbt, bricht Seyfried zu einer waghalsigen Mission auf. Seiner Frau droht nämlich das Schafott. Innerhalb weniger Tage muss er bei der Äbtissin Hildegard von Bingen vorsprechen und diese zu einer Fürsprache für seine Frau überzeugt haben. Die gelehrte Äbtissin knüpft ihre Hilfe an einige schier unlösbare Aufgaben und Seyfried läuft die Zeit davon. Wird er rechtzeitig zurückkehren können?
Ralf H. Dorweiler lässt den Leser eintauchen in die kleine bescheidene Welt eines Zeidlers. Seyfried, seine Frau Elsbeth und ihre drei Kinder führen ein glückliches Leben, bis die Behandlung eines schwer verletzten Mädchens schief geht und man Elsbeth dafür verantwortlich machen möchte. Da auch noch ein unerklärliches Bienensterben die Runde macht, steht schnell fest, Elsbeth hat sich mit dem Teufel eingelassen und muss sterben. Seyfried kämpft für das Leben seiner Frau und hat nur eine Chance – die Fürsprache Hildegards von Bingen. Doch diese Chance ist mit einem sehr engen Zeitfenster versehen, so dass nicht nur für Seyfried ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Auch der Leser wird in einen Sog reingezogen und hetzt regelrecht durch die Geschichte, immer in der Hoffnung, dass Seyfried es gelingen wird, seine Frau zu retten. Schnell hatte ich die Zeidler Familie liebgewonnen. Ralf H. Dorweiler hat jedem seine eigenen Macken und seine eigene Stimme verliehen, so dass man sie schnell auseinander halten konnte. Alle zusammen sind in tiefer spürbarer Liebe miteinander verbunden und würden sich für den jeweils anderen auch in große Gefahr begeben. Als Leser begleitet man vorwiegend Seyfried auf seiner Odyssee zu Hildegard von Bingen, hilft ihm gedanklich beim Lösen der Aufgaben und treibt ihn immer wieder an, damit er es noch rechtzeitig schafft. Zwischendurch durfte ich aber auch Anna, der ältesten Tochter der Zeidlers über die Schulter schauen. Sie und ihr Bruder wurden in der Küche der Burg untergebracht, müssen sich böse Reden anhören und schwer schuften. Doch Anna gelingt die Flucht und bringt sich und ihren Bruder dabei in tödliche Gefahr. Als weiterer Strang durfte ich Adelheyd kennen lernen. Eine junge Novizin, die schon bald in der Gunst Hildegard von Bingens steht. Neben der eigentlichen Geschichte, die durch das begrenzte Zeitfenster einen unglaublichen Spannungsbogen hat, konnte ich auch noch einiges zum Beruf des Zeidlers, sowie zur Äbtissin Hildegard von Bingen erfahren. Ralf H. Dorweiler nutzt die Chance, beide Hauptthemen geschickt miteinander zu verknüpfen und so in die Handlung einfließen zu lassen, dass man die ganzen Informationen mehr am Rande mitnimmt. Sein fesselnder Schreibstil erzeugt bald einen regelrechten Lesesog, so dass ich am liebsten immer weiter gelesen hätte. Der Personenkreis war für mich übersichtlich, dennoch findet man am Ende des Buches einen kleinen Personenglossar. Für eine bessere Orientierung findet man in den Überschriften neben dem Ort auch noch das jeweilige Datum. Fazit: Das Thema Bienen hat mich bei dem Buch sehr interessiert. Nach und nach gibt der Autor sein Fachwissen preis, so dass man dieses als Leser häppchenweise aufnehmen kann. Mit diesem Buch hat Ralf H. Dorweiler eine spannende, atemberaubende und lehrreiche Geschichte rund um den Gesang der Bienen und die gelehrte Äbtissin Hildegard von Bingen geschaffen.
Das Münstertal im Schwarzwald, 1152: Als ein verwundetes Mädchen bei der Familie des Zeidlers Seyfried abgelegt wird, versucht seine Frau Elsbeth es gesund zu pflegen. Doch Fronika, die Tochter des Burgherrn verstirbt und Elsbeth wird des Pakts mit dem Teufel bezichtigt und soll hingerichtet werden. Seyfried erwirkt einen Aufschub, um binnen 14 Tagen nach Bingen zur Äbtissin Hildegard zu reisen und ihre Fürsprache für Elsbeth zu erwirken.
"Der Gesang der Bienen" beschäftigt sich vor allem mit dem Beruf des Zeidlers, der vergleichbar mit dem Imker heutzutage ist. Zeidler fingen jedoch zusätzlich wilde Bienenschwärme ein, um sie in Bienenstöcke (Beuten) umzusiedeln oder sammelten Honig von wilden Bienen. Autor Ralf H. Dorweiler hat mir diese Tätigkeit sehr anschaulich und lebendig anhand des Charakters Seyfried näher gebracht. Da ich mich seit ein paar Jahren mit Schmetterlingen beschäftige und auch Bienen, Hummeln und Wildbienen mehr in meine Aufmerksamkeit gerückt sind (Thema Insektensterben) habe ich mich sehr über das Kernthema dieses Romans gefreut und konnte mein Wissen erweitern.
Daneben steht Hildegard von Bingen und der Bau des Klosters auf dem Rupertsberg im Fokus. Hildegard, die sagenumwobene und auch schillernde Persönlichkeit der damaligen Zeit wird als direkte, durchsetzungsfähige, manchmal widersprüchliche aber auch als mütterliche Person dargestellt, was mir sehr gut gefiel. Auch Seyfried hat Ecken und Kanten, war mir aber sehr sympathisch.
Immer wieder erfährt man als Leser beiläufig etwas über den Handel und die Bautechniken der damaligen Zeit, über den Tagesablauf der Nonnen, den Rhein oder über die Rechtsprechung im 12. Jahrhundert, während man mit Seyfried bangt, ob er rechtzeitig sein Ziel erreicht.
Auch der Handlungsstrang um Seyfrieds und Elsbeths Kinder Anna und Jasper war spannend, der Bösewicht wurde mir gegen Ende hin jedoch zu einseitig böse dargestellt und auch einige glückliche Zufälle waren dabei.
Dennoch überwiegt das spannende und unterhaltsame Leseerlebnis. Ralf Dorweiler versetzt den Leser sprachlich und inhaltlich hervorragend in das Mittelalter. Auch die Bedeutung des Glaubens im Alltag wurde geschickt eingewoben, ohne aufzutragen.
Ein sehr schöner und spannender historischer Roman, es wird nicht mein letzter von Ralf H. Dorweiler gewesen sein!
Lange Zeit herausragend, aber dann ein unterirdisches Ende
Buchmeinung zu Ralf H. Dorweiler – Der Gesang der Bienen
„Der Gesang der Bienen“ ist ein Historischer Roman von Ralf H. Dorweiler, der 2019 im Bastei Lübbe Verlag erschienen ist.
Zum Autor: Ralf H. Dorweiler, geboren 1973 in der Nähe von Frankfurt am Main, hat in Köln Theater-, Film- und Fernsehwissenschaft studiert. Danach ging er, seinen breitgestreuten Interessen und Talenten entsprechend, verschiedensten Tätigkeiten vom Schauspieler bis hin zum Manager von Callcentern nach. Mittlerweile lebt Ralf H. Dorweiler im Südschwarzwald, wo er als Redakteur bei einer großen regionalen Tageszeitung arbeitet. Außerdem hat er mehrere Regionalkrimis veröffentlicht. Er ist mit einer Opernsängerin verheiratet und Vater eines Sohnes.
Klappentext: A.D. 1152: Als Zeidler streift Seyfried durch den Schwarzwald und erntet Honig und Wachs von wilden Bienenvölkern. Als seine Frau zum Tode verurteilt wird, bricht er auf der Suche nach Beistand zum Kloster Bingen auf. Er findet es in heller Aufregung vor, denn die gelehrte Äbtissin Hildegard hat sich mit ihrer direkten Art Feinde innerhalb und außerhalb der Klostermauern geschaffen. Sie knüpft ihre Hilfe an schier unerfüllbare Bedingungen, die Seyfried bis vor den frisch gekrönten König Friedrich I. führen.
Meine Meinung: Mein erster Eindruck war sehr positiv – eine interessante Handlung und Figuren mit Ecken und Kanten. Ich lernte viel über die Zeidlerei. Wie die Imkerei mit Wildbienen genannt wird. Zeidler Seyfried trägt ein dunkles Geheimnis mit sich und steht mit Gott auf Kriegsfuß. Hildegard von Bingen ist mit dem Aufbau eines neuen Klosters beschäftigt. Sie ist nicht die nette Nonne sondern eine erfahrene Frau, die sich selbstbewußt den Problemen stellt. Sie korrespondiert mit vielen mächtigen Männern, aber nicht aus der Rolle einer Unterstellten heraus. Im Laufe des Buches wird klar, dass auch sie mit persönlichen Problemen zu kämpfen hat. Dann gibt es die Novizin Adelheyd, die Hildegard bei den Schreibarbeiten unterstützt. Eher die klassische Frauenrolle hat Seyfrieds vierzehnjährige Tochter Anne inne, die mühsam versucht, sich und ihren jungen Bruder am Leben zu erhalten. Ihr werden die Sympathien der Leser zufliegen, zumal sie es mit dem Bösewicht des Buches zu tun bekommt. Die Handlung ist in vielen Fällen nachvollziehbar und hat mich überzeugt. Bis hierhin ein Fünfsternewerk. Dann kam für mich die große Ernüchterung – ein Ende, das so gar nicht zum bisherigen Ablauf passt.
Fazit: Über weite Teile ein wunderbares Buch, das mir sehr gefallen hat. Für mich ist das Ende so unpassend, dass ich dem Gesamtwerk nur drei von fünf Sternen (60 von 100 Punkten) gebe. Es lohnt sich aber auf jeden Fall, die Geschichte zu verfolgen. Vielleicht kommen andere Leser mit dem Ende besser klar.
"Die Bienen brauchen die Menschen nicht, aber die Menschen brauchen die Bienen." (Seite 90)
Schon im Mittelalter nutzten die Menschen die Bienen. Seyfried ist einer von ihnen. Mit seiner Familie, die er vom Erlös aus dem Verkauf von Honig und Wachs ernährt, lebt der Zeidler im Münstertal im Schwarzwald. Er hat Grund zur Sorge: Einige seiner Bienenvölker sind ohne ersichtlichen Grund eingegangen, und seine Frau Elsbeth, die als Heilerin versucht, die Schmerzen der Menschen zu lindern, hat ein junges Mädchen in ihrem Haus aufgenommen.
Seine Befürchtungen bewahrheiten sich. Das junge Mädchen ist Fronika, die Tochter des Marschalls der Zähringer, Gottfried von Staufen, und wird gesucht. Als sie stirbt, gerät Elsbeth in den Verdacht, Schuld daran zu sein. Darum und wegen eines (vermeintlichen) Bundes mit dem Teufel wird sie zum Tode auf dem Schafott verurteilt. Nur auf Grund der Erwähnung der berühmten Hildegard von Bingen gewährt Abt Eberhard Aufschub von 16 Tagen, damit Seyfried um einen fürsprechenden Brief bei Hildegard von Bingen nachsuchen kann.
Der Weg ist beschwerlich, und Seyfried nimmt ihn aus Liebe zu seiner Frau gerne auf sich. Tatsächlich erreicht er das Kloster auf dem Rupertsberg. Doch Hildegard hat gerade andere Sorgen. Die Bauarbeiten an ihrer neuen Wirkungsstätte beanspruchen sie enorm, und darum knüpft sie an ein Schreiben aus ihrer Hand einige Bedingungen, so dass sich Seyfried vor scheinbar unlösbaren Hürden befindet...
Ralf H. Dorweiler stellt in seinem historischen Roman „Der Gesang der Bienen“ einen Zeidler in den Mittelpunkt, dessen Abenteuer ihn mit historischen Persönlichkeiten wie Hildegard von Bingen und Friedrich I., seines Zeichens König des Heiligen Römischen Reichs, zusammenführen.
Der Autor hat eine einnehmende und packende Erzählweise, die den Leser in den Bann zu ziehen vermag. Dazu passt der Sprachgebrauch sehr gut in die gewählte Zeit.
Während sich die Geschichte zu Beginn noch ruhig entwickelt, kündigen sich bald schon dramatische und lebhafte Ereignisse an. Es sind nicht nur das Auftauchen eines Bären und die damit verbundenen Gefahren, sondern auch die Vorkommnisse, die Seyfried auf seiner Reise zu schaffen machen. Dem Zeidler bleiben lediglich wenige Tage, das Leben seiner Frau zu retten. Obwohl nicht sicher ist, ob ihm das überhaupt gelingt, lässt er sich nicht entmutigen. Ja, er nimmt sich sogar die Zeit, einen verletzten Reiter zu helfen.
Daneben berühren aber ebenso die Begebenheiten, mit denen sich die zurückgebliebenen Familienmitglieder auseinandersetzen müssen. Ob es nun Elsbeth im Kerker oder Anna und Jasper in der Küche der Burg sind.
Dem Autor entfaltet ein realistisches Bild vom Leben in der Mitte des 12. Jahrhunderts. Insbesondere die Schilderung der Hilflosigkeit der Menschen gegen die weltliche und kirchliche Obrigkeit ist bemerkenswert. So wird auch der Druck, dem Seyfried und seine Familie ausgesetzt ist, deutlich und spürbar.
Es ist ein Wechselbad der Gefühle zwischen Bangen und Hoffen, dass das scheinbar Unmögliche von Erfolg gekrönt sein möge, an dem der Leser teilhaben kann. Ralf H. Dorweiler macht es Seyfried nicht leicht. Kaum glaubt dieser sich am Ziel seiner Wünsche, trifft ihn ein Rückschlag.
Für seine Geschichte hat der Autor Figuren mit Vergangenheit gewählt. Elsbeth ist Seyfrieds zweite Frau, der er in aufrichtiger Liebe zugetan ist. Das Familienleben ist einfach und bescheiden, von viel Arbeit geprägt. Jedoch es gibt viele kleine Glücksmomente. Insgesamt beeindrucken die Familienmitglieder durch das ungewöhnliche Bekundung ihrer Gefühle, diese werden offen bekannt, in einer lautlosen Umarmung oder aber auch direkt ausgesprochen.
Hierbei fällt primär die vierzehnjährige Anna mit ihrer außergewöhnlichen Persönlichkeit auf. Sie ist mutig, tritt den Anklägern ihrer Mutter entgegen und weist Behauptungen, diese stehe mit dem Teufel im Bunde oder sei gar Schuld am Tod eines Menschen vehement zurück. Auch im Verlauf der Handlung bewahrt sie sich ihre Kraft, nicht nur für ihren Bruder. Obwohl dies nicht einfach ist. Als Kinder einer Mörderin werden sie drangsaliert, und vor allem Anna sieht sich den Nachstellungen von Theobald, einem Ritter in Diensten Gottfrieds von Staufen, ausgeliefert.
Diese geliebten Menschen zu verlieren, wäre für Seyfried das größte Unglück. Elsbeth und die drei Kinder geben ihm Halt, denn sein innerer Frieden ist gestört. Seyfried betet nicht. Er zweifelt an Gott und seiner Allmacht. Dafür existieren Gründe, die erst im Verlauf der Ereignisse beleuchtet werden.
Seyfrieds Gegenpart ist Hildegard von Bingen, die es mit ihren Schauen bereits zu Lebzeiten zur Berühmtheit gebracht hat. Der Autor versieht die Äbtissin mit einem vielschichtigen Wesen, das zwar von hehren Zielen beseelt ist, sich indes auch mit weltlichen Belangen auseinandersetzen muss, die Charakterstärke verlangen. Dadurch legt sie oft eine harsche Art an den Tag, die die Menschen brüskiert. Wiederum kann sie sehr zugewandt und aufmerksam sein. Ein interessanter Aspekt in der Geschichte.
Durch seine differenzierte, aufschlussreiche Darstellung einer fiktiven Zeidlerfamilie im 12. Jahrhundert und die Einbindung historischer Figuren wird Ralf H. Dorweilers Roman „Der Gesang der Bienen“ zu einer mit Sachverstand erzählten Lektüre.
Ralf H. Dorweilers historischer Roman „Der Gesang der Bienen“ ist im Februar 2019 bei Bastei Lübbe erschienen und umfasst 480 Seiten. Anno Domini 1152: Der Zeidler Seyfried führt mit seiner kleinen Familie ein einfaches, aber glückliches Leben im Münstertal. Doch wird diese Beschaulichkeit jäh zerstört, als seine als Heilerin tätige Frau, Elsbeth, als mit dem Teufel im Bunde zum Tode verurteilt wird. Für Seyfried gibt es nur eine Möglichkeit, das Leben seiner Frau zu retten: Er macht sich auf den Weg zum Rupertsberg, um bei Hildegard von Bingen ein Leumundszeugnis zu erbitten. Doch diese ist in Sorge um ihre Klosterneugründung und stellt an den Zeidler fast unlösbare Bedingungen. Ich selber lese eher selten historische Romane, jedoch hat das Auftreten der Heiligen Hildegard von Bingen mich zum Griff zu dieser Lektüre veranlasst. Und ich wurde nicht enttäuscht: Von Anfang an liest sich der Roman spannend wie ein Krimi, lässt Leserinnen und Leser tief in die Welt des Mittelalters eintauchen und wartet mit interessanter Sachkenntnis auf. Im Zentrum dieses Romans stehen die 16 Tage, die dem Zeidler verbleiben, seine Frau vor dem Schafott zu bewahren. Diese werden aus verschiedenen Perspektiven erzählt: Neben den Abenteuern des Reisenden gibt es immer wieder Wechsel zum Schicksal seiner Frau im Kerker und seiner Kinder, die er auf der Burg Gottfrieds von Staufen zurücklassen musste. Die Zeit ist für die Familie geprägt von dramatischen Ereignissen, oft zweifelt man beim Lesen an einem guten Ausgang, um dann durch eine unvorhergesehene Wendung wieder Hoffnung zu schöpfen – nur um etwas später doch erneut mit den Charakteren bangen zu müssen. So kommt man beim Lesen kaum zur Ruhe und fliegt förmlich durch die Seiten. Das Ende des Romans ist für meinen Geschmack zwar ein wenig zu „schön“, dieses tat dem Lesegenuss jedoch keinen Abbruch. Trotz aller Spannung sorgt Ralf H. Dorweiler auch für Wissenszuwachs beim Lesen: Sehr detailliert wird über das Zeidlerhandwerk berichtet, und die Szenen auf der Burg lassen das Ritterleben realistischer erscheinen, als man es von verbreiteter Ritterromantik gewohnt ist. Insbesondere die Darstellung der Heiligen Hildegard und des Rupertsbergs sowie des Disibodenbergs haben mich beeindruckt und zeugen von einer guten Recherche des Autors. Die Charaktere sind lebensnah und plastisch gestaltet, was zum Mitleiden und –fühlen einlädt. Immer wieder tritt auch eine Vielschichtigkeit zutage, was insbesondere für Hildegard von Bingen gilt, die auf den ersten Blick zwar als schroff und abweisend, also unchristlich, erscheint, sich dann aber als weitschauende, intelligente, ihren Mitmenschen zugewandte Frau entpuppt. Dorweilers Sprache ist flüssig zu lesen, an manchen Stellen fast schon poetisch und eine gut leserliche und verständliche Mischung aus Alt und Neu. Besonders gut gefallen haben mir die mittelalterlichen Ausdrücke wie z.B. Begine und Refektorium. Auch an der einen oder anderen Stelle eingefügte lateinische Zitate bzw. Wendungen kamen bei mir sehr gut an. Am Ende des Buches befindet sich unter dem Titel „Dramatis personae“ ein Personenglossar, welches die Orientierung beim Lesen erleichtert. Besonders gefällt, dass historisch belegte Persönlichkeiten markiert sind. Dieses regt die Leser/innen dazu an, sich ggf. mit bestimmten Personen weiter zu beschäftigen. Das Buchinnere ist aufwändig gestaltet, fast schon angelehnt an mittelalterliche Buchmalerei, und zu jedem Kapitelbeginn tauchen Abbildungen von Bienen auf. Die Bibel-, Hildegard- und antiken Zitate, die die Kapitel einleiten, sind ein Schatz an Wissen, und die Versalien am Beginn haben fast schon etwas von mittelalterlichen Initialen. Das Buchcover zeigt eine mittelalterliche Szene des Zeidlerhandwerks und passt somit sehr gut zum Buch, bildet mit Gestaltung und Geschichte also eine harmonische Einheit. Insgesamt präsentiert Ralf H. Dorweiler mit „Der Gesang der Bienen“ einen wirklich spannenden und lehrreichen historischen Roman, der das Mittelalter wieder aufblühen lässt und Leserinnen und Leser in seinen Bann zieht. Von mir gibt es deshalb eine uneingeschränkte Leseempfehlung.
Über das Buch: Dieser historische Roman ist im Frühjahr 2019 erschienen und zählt fast 500 Seiten. Der Autor Ralf H. Dorweiler lebt im Südschwarzwald und arbeitet für eine regionale Tageszeitung.
Inhalt und Stil: Das Buch handelt von Seyfried und seiner Familie. Seyfried ist Zeidler, er sammelt also grob gesagt Honig und Wachs von wilden Bienen und hält sich auch selbst Bienen. Er, seine Frau Elsbeth und ihre drei Kinder leben im Wald ein zufriedenes, wenn auch sehr einfaches Leben. Elsbeth kennt sich gut mit Kräuterheilkunde aus - und eines Tages bringt ein Medicus eine schwer verwundete junge Frau bei ihnen vorbei. Schnell überschlagen sich die Ereignisse und es kommt dazu, dass Seyfrieds Frau zum Tode verurteilt wird. Nun muss Seyfried alles daran setzen, das Leben seiner Frau zu retten. Seine Reise führt ihn zur Äbtissin Hildegard von Bingen - und er sieht sich mit zahlreichen schwierigen Hürden konfrontiert. Schließlich steht das Leben seiner gesamten Familie auf dem Spiel.
Die Geschichte um Seyfried den Zeidler ist in einige Kapitel eingeteilt, die jeweils mit einem interessanten / schönen Zitalt (oft von Hildegard von Bingen) beginnen. Die Kapitel haben eine angenehme Länge. Der Schreibstil ist schön und ausgeglichen. Weder zu trocken, noch zu ausschweifend. Während dem Voranschreiten des Plots erfährt man einiges über die Zeidlerei, den Alltag in Klöstern und Ritterburgen.
Meine Meinung:
Für mich war es ja das erste Buch des Autors, und ich werde nun bestimmt noch weitere Bücher von ihm lesen. Der Schreibstil hat mir gut gefallen, und auch die Thematik scheint oft zu meinen Interessen zu passen.
Die Charaktere in dem Buch waren bis auf sehr sehr wenige Ausnahmen (ich hätte gerne noch mehr über das mittlere Kind des Zeidlers, Jasper, erfahren - so kam er mir manchmal als nötiges Anhängsel und 'Comic Relief' vor) allesamt gut abgerundet sowie glaubhaft. Der Antagonist war authentisch und nicht übertrieben oder zu lahm. Die Figuren hatten also meiner Wahrnehmung nach die erwünschte Tiefe.
Das Tempo der Geschichte war passend. Erst war es spannend, dann spannend und interessant und dann spannend und ereignisreich. Also dem Einführen der Figuren, der schwierigen Reise des Zeidlers und dann dem aufregendem Endakt entsprechend.
Also eine gute historische Geschichte die mir einige Stunden Lesevergnügen bereitet hat. Ich hatte viel Freude mit dem Buch und habe mit Seyfried, Elsbeth, Anna, Adelheyd und Hildegard (und Co.) gerne mitgefiebert.
Der Begriff des Zeidlers oder Zeitlers bezeichnet den besonderen Beruf des Honigsammlers, wie er sich in Europa seit dem Fr��hmittelalter gebildet hat. Der Zeidler hielt die Bienen nicht in gezimmerten Bienenstöcken oder Bienenkörben. Man hieb alten Bäumen künstliche Höhlen (Beuten) in etwa sechs Meter Höhe ein und versah den Eingang mit einem Brett, in das ein Flugloch eingebracht war.
Kern der Geschichte ist der verzweifelte Versuch Seyfrieds, seine Frau Elsbeth vor der Hinrichtung zu retten. Sie wollte Gottfried von Stauffens Tochter Fronika retten. Diese verstarb und Elsbeth hat die ganze Familie damit in ein Unglück gestürzt. Seyfried bleiben als 16 Tage um von Hildegard von Bingen eine Fürsprache zu erhalten und seine Frau so vor der Hinrichtung zu retten.. Während Seyfried die mühselige Reise antritt bleiben seine Kinder zurück. Die kleine Lise bei Nachbarn, Tochter Anna und Sohn Jasper auf der Burg von Gottfried von Staufen. Dort sitzt auch Elsbeth im Verlies und wartet auf Rettung. Anna sorgt sich um Mutter und Bruder und muss sich dem widerlichen Theobald von Molsheim, Ritter von Gottfried, erwehren.
Ein sehr kompakter, mittelalterlicher Roman, der das familiäre Unglück mit Wissen um die Imkerei und den Adelsdünkel verbindet. Die Sprache ist der beschriebenen Zeit angepasst, ohne langweilig oder abgehoben zu wirken. Dadurch entsteht ein Buch, das sich sehr flüssig liest. Durch die inhaltliche Gestaltung der einzelnen Kapitel wird zum Ende hin noch einmal Spannung aufgebaut.
Es ist wirklich nicht schwer, in einem Mittelalterroman Konflikt zu erzeugen. Um die Protagonisten diversen Gefahren auszusetzen und diese bei Bedarf sogar noch zu intensivieren, dafür muss man einfach nur in den tiefen Sack der Gräuel des "Dunklen Zeitalters" greifen. Dorweiler zieht (unter anderem) heraus: - die böse Kirche - wilde Tiere - Räuber - der willkürliche Adel - Gewalt gegen Frauen ... und mixt sie ordentlich zusammen zu einer durchaus spannenden kleinen Geschichte. Leider muss man dabei aufpassen, dass der entstehende Storyteig nicht zu sehr aufgeht, denn dann muss man den "Deus Ex Machina" bemühen, die Handlung noch zu retten. Genau das passiert dem Autoren leider etwa ein halbes Dutzend Mal am Ende. Die Charaktere haben sich so sehr festgefahren, dass die zigste Rettung in allerletzter Sekunde unfreiwillig komisch wirkte. Dass Hauptfigur Seyfried zum Schluss von seinem Atheismus geheilt wird, auf die Knie sinkt und Gott (aus der Kiste) dankt ist dann aber schon wieder verständlich, denn anders wären die Ereignisse in diesem Buch wirklich nicht zu erklären.
An interesting adventure story following several different characters whose fates are connected and even intertwined. There is some true historical background, and therefore I learnt a lot about bees, Hildegard von Bingen and life in the 12th century although it is, of course, just a novel and not a biography.
Great to read this book interesting from the start very informative and representative of the society, adventures and practices of that time highly recommend reading it, if this is a subject you are interested in.
Wenn man mal unbändige Lust hat, einen historischen Roman zu lesen und keine bessere Idee, dann tut es der "Gesang der Bienen" aber muss nicht unbedingt sein
Ich habe lange gebraucht, um mit dem Schreibstil zurechtzukommen. Die plötzlichen Perspektivenwechsel mit Beginn des neuen Kapitels haben mich tatsächlich etwas verwirrt. Eine kurze Information hierzu zu Beginn jeden Kapitels um welche Person es sich jetzt handelt, wäre für mich anfangs hilfreich gewesen.
Die Geschichte an sich war gut recherchiert. Ich mochte, wie der Autor nebenher viele kleine Informationen hat einfließen lassen und wie gut er das ganze zeitgeschichtlich eingeordnet und auch wiedergegeben hat. Für seine Mühen und Details gibt es definitiv ein riesiges Plus.
Die kleinen Sprüche vor den einzelnen Kapiteln waren auch sehr passend gewählt und haben immer wieder Freude gemacht.
Nur leider fand ich die Charaktere und die Handlung nicht ganz so gut gelungen. Die Charaktere waren sehr sachlich. Jede einzelne hat eine gewisse Hintergrundgeschichte, die dennoch nicht so gut herübergekommen ist. Mir haben hier Emotionen gefehlt. Ich hätte gerne mit den einzelnen Protagonisten mehr mitgelitten, sodass ich dem tollen Ende noch besser hätte entgegenfiebern können.
Die Handlungsstränge der einzelnen Protagonisten waren unterschiedlich spannend. Während bei dem Hauptcharakter die Geschichte langsam vor sich her geplätschert ist (mit mehr Emotionen hätte man einfach besser seine Verzweiflung, seinen Zorn und seine Ungeduld gespürt, sodass alles nicht so langatmig gewirkt hätte), hat bei anderen Protagonisten die Handlung so fahrt aufgenommen, dass sie sich fast überschlagen hat und man nur schwierig noch wusste, was da gerade passiert.
Das Ende hat sich auch so plötzlich aufgelöst. Gerade der Epilog hätte gerne noch ein paar mehr Seiten erhalten können.
Ich möchte gerne aufgrund des tollrecherchierten Rahmens und der Idee mehr Sterne vergeben, kann es aufgrund der Umsetzung leider nicht.
Der Gesang der Bienen entführt einen in das Mittelalter. Ihr begleitet einen Zeidler, der mit aller Macht versucht seine Frau vor der Exekution zu retten. Nur die weise Hildegard von Bingen könnte das Urteil kippen und die Familie vor eine Tragödie bewahren. Anschaulich und zum mitfiebern wird die Reise geschildert, die nicht ohne so manche Probleme und neue Hindernisse ist. Das Buch bleibt spannend von der ersten bis zu letzten Seite.