Hier scheppert der DJ-Rollkoffer unerbittlich über Berliner Kopfsteinpflaster, schweißnasse Schaumstoffmatratzen treiben in ranzigen, beatdurchwummerten Kellern am Leser vorbei; eine von Erektionen umstellte Fitnessradtour im Kreuzberger Zimmer hilft das Speed abzubauen. Die Wände des Darkrooms kleben, Galeristen gieren nach frischem Fleisch und Plastikschwänzen. M. liefert sich aus und reißt die Macht an sich, sie fickt die Kunstszene, während sie für ihre nächste Ausstellung Gelnageldesignerinnen und Massagestühle auftreibt. M. ist das Protokoll einer Ermächtigung des eigenen Körpers, des eigenen Begehrens, und kalter Bericht über das Ausbeutungsgefüge im Kunstbetrieb - in einer Sprache, die schonungslos die Entwicklung der Erzählerin von einer zynischen Beobachterin zur strippenziehenden Regisseurin vollzieht.
Dieses Buch fühlt sich so an, als würde man das Tagebuch der Freundin lesen, die denkt, dass sie soooooo unglaublich tief fühlt und niemand jemals ihr Leid nachvollziehen könnte. Also wirklich absolut peinlich an einigen Stellen, weil so stark versucht wird den Anschein einer immerzu reflektierenden Protagonistin zu erwecken, die gerade deswegen ja sooo leidet. Sie ist eben nicht "normal" und das soll der Grund ihrer schlecht ausgearbeiteten Identitätskrise sein. Letztendlich kommt inhaltlich nichts dabei raus, außer irgendwelche Sexfantasien, die zwar bis aufs Letzte durchexerziert werden, jedoch vollkommen sinnfrei für den Verlauf der Handlung oder des Innenlebens der Protagonistin sind. Neben dem widerlichen und unkommentiert gebliebenen Israelbesuch und der Apathie M's versuchen andere Schockfaktoren den Leser von der Lektüre zu überzeugen. Übrig bleibt letztlich nur der misslungene Versuch das Leid dieser Berliner Künstlerin durch schlechten Schreibstil irgendwie an die Leserschaft zu verkaufen.
Das erste Buch des Jahres. Meines Jahres. Es hat sich lang gezogen, mit immer wiederkehrenden Lesepausen, die oftmals Monate andauernten. Aber nun Anfang Juni ist das erste Buch ausgelesen.
Alles dreht sich um "M", eine junge Künstlerin aus der Berliner Szene, die versucht ihr Leben zu navigieren. Das Grundgerüst, also die Geschichte an sich bietet nichts neues. Es geht um das Setting und die vielen Anspielungen. Zugegebenermaßen habe ich nicht alle verstanden, also die meisten. Ich kannte die Platten nicht die "M" als DJane auflegt und auch die Besonderheiten Berlins wie gewisse Straßen oder Clubs nicht. Aber als jemand der so gern Teil des Ganzen sein wollte, hat mir dieses Buch bewiesen wie jämmerlich diese Szene doch eigentlich ist. Wie wenig die meisten sogenannten Künstler eigentlich zu sagen haben und wie sehr Machtspiele Bedeutung haben. Strap-on-Dildos und Koks. Girlfriend-Experience zur Studiumsfinanzierung. Darum ging es den beiden Co-Autorinnen, aber auch, sie wollten die Kunstszene entlarven und aus eigener Erfahrung kritisieren. Das ist ihnen auf jeden Fall gelungen. Stil und Sprache haben mir auch gut gefallen. Kurze Sätze. Modern. Auch wenn die Geschichte selbst nichts besonderes ist, lese ich solche Coming-of-age Bücher immer wieder gerne. Das verlorene Feiern ohne richtigem Ziel vor Augen scheint mich zu faszinieren. Die Abgründe. Ein Buch, das von vielen Kritikern als Skandalroman abgestempelt wurde oder die Feminismus Flagge draufgesetzt bekommen hat. Gewollt war weder noch. Oder doch. Entscheiden darf jeder für sich.