⭐️⭐️⭐️⭐️⭐️ (wenn es möglich wäre: 6 von 5 Sternen!)
Rezension zu Quendel – Windzeit, Wolfzeit (Band 2) von Caroline Ronnefeldt
Ich kann es gleich vorwegnehmen: Dieses Buch ist für mich ein absolutes Highlight – eines jener seltenen Werke, die einen tief berühren, lange nachhallen und im besten Sinne des Wortes unvergesslich bleiben. Wenn ich könnte, würde ich diesem Band 6 von 5 Sternen geben. Da das leider nicht möglich ist, bleibt es bei der vollen Punktzahl – aber in meinem Herzen steht dieser Band weit darüber.
Band 2 der Quendel-Reihe ist für mich mindestens ebenso stark wie der erste Teil. Caroline Ronnefeldt gelingt hier das Kunststück, ihre ohnehin schon dichte und faszinierende Erzählung noch weiter zu verdichten, zu vertiefen und mit langen, ersehnten Wendungen zu versehen, die der Geschichte einen völlig neuen, packenden und emotionalen Drive verleihen. Diese Entwicklungen wirken weder aufgesetzt noch künstlich, sondern wachsen organisch aus der Welt und den Figuren heraus – was sie umso wirkungsvoller macht.
Ich habe es schon mehrfach in meiner Lesegruppe betont: Die Quendel-Bücher sind für mich Erzählkunst auf höchstem Niveau. Ronnefeldt schreibt mit einer stilistischen Sicherheit, einer sprachlichen Feinheit und einer erzählerischen Tiefe, die man nur sehr selten findet. Ihre Welt, ihre Figuren, ihre Sprache – all das ist einzigartig, eigensinnig und eigenständig. Es gibt nichts Vergleichbares.
Oft wird versucht, Quendel mit Tolkien zu vergleichen – doch dieser Vergleich greift zu kurz. Quendel ist keine Kopie, kein Nachahmerwerk, sondern ein ganz eigenes literarisches Universum. Während Tolkiens Herr der Ringe eine mythologische Heldensaga ist, ist Quendel für mich etwas ganz anderes: weniger Fantasy, mehr existenzieller Horror, durchzogen von leiser Melancholie, Nachdenklichkeit und zutiefst menschlichen Momenten. Es ist kein Kinderbuch, sondern eine Erzählung für reife Leserinnen und Leser, die bereit sind, sich auf eine feinsinnige, dichte und manchmal auch verstörende Welt einzulassen.
Der Erzählstil von Caroline Ronnefeldt ist für mich schlicht meisterhaft. Sie schreibt filigran, poetisch und voller Empathie. Sie nimmt sich Zeit – und genau das macht die Magie dieses Buches aus. Es ist kein hektischer Pageturner, sondern eine Reise, die sanft fesselt, dafür packender. Eine Reise durch eine Welt, die mit jedem Satz lebendiger wird. Ich hatte beim Lesen tatsächlich das Gefühl, in dieser Welt zu wandeln: mit den Protagonisten zu leben, zu fühlen, zu hören, zu schmecken, zu riechen, zu erleben, zu fürchten und zu trauern.
Selten hat mich ein Buch emotional so gepackt. Ich hatte mehrfach Gänsehaut, ich hatte Tränen in den Augen, und immer wieder das Gefühl, etwas ganz Besonderem beizuwohnen. Quendel – Windzeit, Wolfzeit ist kein Buch, das man einfach liest und dann ins Regal stellt – es ist ein Buch, das bleibt. Es hallt nach, es arbeitet in einem weiter, es wird Teil der eigenen Gedankenwelt.
Für mich steht fest: Dieses Buch wird für immer einen festen Platz in meinem Regal haben. Es ruft und schreit geradezu nach einem erneuten Lesen, nach einem Wiedersehen mit dieser Welt, diesen Figuren, dieser Sprache. Und ich weiß jetzt schon: Band 3 wird diese außergewöhnliche Geschichte mit derselben Kraft und Tiefe fortsetzen, mit der Band 2 geendet hat.
Ich bin Caroline Ronnefeldt von Herzen dankbar, dass sie dieses Werk geschaffen hat. Für mich ist die Quendel-Reihe ein schriftstellerisches Ausnahmewerk, ja, ein Jahrhundertwerk. Ich habe in meinem Leben viel fantastische Literatur gelesen – aber nur selten ein Buch, das man mit solcher Überzeugung als phänomenal bezeichnen kann.
Ein Meisterwerk. Punkt.