Eine Frau ist sich sicher, dass Trillionen von mikroskopisch kleinen Wesen in ihrem Körper wohnen, ihr Befehle geben oder ständig kommentieren, was sie tut. Ein Ingenieur glaubt, mit klimatischem Hoch- und Tiefdruck in andere Welten wandern zu können. Ein Dritter hält sich für Gott, nur dass er sich in die Tochter des Teufels verliebt hat. In einer Mutter schließlich wächst bald nach der Geburt ihrer Tochter die Überzeugung heran, dass ihr Mann und ihr Kind von bösen Mächten ausgetauscht wurden. Menschen mit Wahn sind uns fremd und seltsam vertraut Wir sind fasziniert von ihren bizarren, phantastischen Vorstellungen, und zugleich erfüllt uns die Furcht, dass die Grenze zwischen Normalität und Wahnsinn durchlässiger sein könnte als gemeinhin angenommen. Mit Menschlichkeit und Wärme berichtet Achim Haug über die Wahnwelten vier seiner Patienten. Von Geschichte zu Geschichte erfährt der Leser dieses mitreißenden Buches mehr über das Zustandekommen und die schwierige Behandlung von Wahn. Eine bewegende Reise ins Innere.
Ein Buch, das sich mit den Themen Wahn, Wahnvorstellungen, Schizophrenie, bipolarer Störung und Depression auseinandersetzt. Achim Haug tut dies auf verständliche Art und Weise, wohl in der Absicht, den Laien aufzuklären und somit Verständnis für Betroffene zu erwirken - und dies gelingt ihm gut. Für mich bleibt aber das Ganze etwas zu sehr an der Oberfläche und vor allem - und das stört mich - die exemplarischen Schilderungen von Patienten/Betroffenen haben etwas Voyeuristisches an sich, so ein bisschen unter dem Motto: Verrückt, was es alles gibt, das ist doch nicht möglich...etc. Dies ist aber meine persönliche Wahrnehmung und muss für andere Leser nicht gelten. Kurzum: das Buch behandelt ein wichtiges Thema, mir fehlt einfach die Tiefe.
Das Buch enthält sowohl fachliche Grundlagen zur Thematik Wahn und psychische Krankheiten, als auch konkrete Praxisbeispiele. Auch wenn das Wort "Praxisbeispiel" despektierlich klingt, geht es doch um bestimmte Menschen, was der Autor aber auch unmissverständlich zum Ausdruck bringt. Die vier Menschen werden kurz beschrieben und deren Symptome aufgelistet und nachvollziehbar bzw. leicht verständlich erklärt. Mir persönlich fehlte ein wenig die tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Menschen und konkretere Hinweise, wieso ihre Geschichte diesen Lauf genommen hat. Die Schilderungen sind sehr pragmatisch und annährend wissenschaftlich. Wobei diese Annährung nicht abwertend gemeint ist, sondern in der Verständlichkeit für Laien begründet liegt. Der Autor wollte keinen Roman schreiben und hat seine Ausführungen somit meistens darauf beschränkt, was für ihn effektiv als erstellt gilt. Man merkt, dass er rational denkt und Fakten sauber abklärt. Auch die geschichtlichen Entwicklungen in der fachlichen Thematik und fachspezifischen Hintergründe sind gut platziert und verständlich dargelegt. Besonders interessant finde ich, dass auch Hintergrundwissen über andere psychische Krankheiten eingearbeitet wurde. Der Autor merkt selber an, dass er die Menschen sensibilisieren möchte und gewisse Berührungsängste sowohl zu seinem Fachgebiet generell, als auch den verschiedenen psychischen Krankheiten abbauen möchte. Dieses Ziel hat er meiner Meinung nach erreicht. Wie gesagt hätte ich mir einzig etwas mehr Tiefe auf der menschlichen Ebene gewünscht, wobei dies vor dem Hintergrund der Wissenschaftlichkeit und Rationalität wohl schwierig einzubringen wäre.