Es gibt eine Sehnsucht. Eine Sehnsucht nach einem Gefühl, nach der Heimatstadt Damaskus, nach dem Geruch von Jasmin. Jad Turjman ist ein junger Syrer, der sein Leben, bevor der Krieg ausbrach, in vollen Zügen genoss. Als der Einberufungsbefehl kommt, steht die Entscheidung schnell fest: die Flucht nach Europa ist die einzige Möglichkeit, um dem sicheren Tod zu entrinnen. Dieser Weg ist abenteuerlich und mühsam, jedoch begegnen ihm fünf "Schutzengel". Schließlich kommt Turjman an einem Ort an, den er nicht gesucht hat, an dem er jedoch den Jasmin neu pflanzen kann. Jad Turjman hat seine Fluchtgeschichte in einer beispiellosen Intensität beschrieben, mit Humor setzt er uns einem Wechselbad der Gefühle aus. Atemberaubend.
Meine Rezension bezieht sich auf die Ausgabe, die im Juni 2023 erschienen ist und beide Bücher enthält: "Wenn der Jasmin auswandert" und "Wenn der Jasmin Wurzeln schlägt"
Wenn man sich tiefer mit der Flüchtlingsthematik beschäftigt und Bücher von Geflüchteten lesen möchte, wird man schnell feststellen, dass es bisher wenige Bücher gibt, die wirklich von den jeweiligen Geflüchteten geschrieben wurden und noch weniger, bei denen Männer die Autoren sind. Im Vorwort von Jad Turjmans „Wenn der Jasmin auswandert” geht Karim El-Gawhary genau auf dieses Problem ein. Dabei haben viele, die in einer sicheren Umgebung leben, Vorurteile gegenüber Geflüchteten, im Speziellen gegenüber Männern. „Ich würde für mein Land kämpfen” heißt es dann, oder „Wie kann man nur seine Familie zurücklassen, ich würde bei ihr bleiben!”
Jad Turjman geht in seinem Memoir auf diese Vorwürfe ein und erzählt von seiner Flucht aus Syrien. Er flüchtet vor dem Krieg nach Europa und muss sich auf eine gefährliche Reise ins Unbekannte begeben. Dabei beschreibt er bewegend von seinen Erlebnissen, Gedankengängen und Ängsten auf der Flucht und ist dabei sehr selbstreflektierend, auch in Bezug auf die eigene Männlichkeit.
In der Fortsetzung „Wenn der Jasmin Wurzeln schlägt” erzählt Turjman von seiner Ankunft und seinem Einleben in Österreich und von seinen Bemühungen, den österreichischen Dialekt zu lernen. Dabei schreibt er sehr authentisch über seine Identitätsfindung als Geflüchteter und über seinen persönlichen Weg der Traumaverarbeitung. Die Themen der Identität und der Suche nach Zugehörigkeit stehen im Zentrum dieses Buches. Turjman ist gezwungen, seine Wurzeln neu zu definieren und vermittelt die Komplexität dieses Prozesses auf eine einfühlsame und eindringliche Weise. Er zeigt uns, dass die Bedeutung von Heimat nicht nur von einem Ort abhängt, sondern auch von den Menschen, die uns umgeben und den Beziehungen, die wir knüpfen.
Die Liebe des Autors zu Syrien ist in jeder Zeile spürbar. Er beschreibt die Schönheit des Landes und die Essenz seiner Kultur mit leidenschaftlicher Präzision. Gleichzeitig spiegeln beide Bücher seine Verzweiflung angesichts des Leids und die Sehnsucht nach Frieden und seiner Familie wider.
Die mehr als 500 Seiten, die diese beiden Bücher umfassen (in dieser Ausgabe sind beide in einem Band), habe ich innerhalb kürzester Zeit gelesen. Dieser intime Einblick in die Gedanken und Sorgen Turjmans berührten mein Herz. Turjman durchlebt Ängste, Verlust und die ständige Suche nach Sicherheit. Doch trotz der Tragödien auf der Flucht findet Turjman auch Lichtblicke der Menschlichkeit und Solidarität inmitten der Dunkelheit. Sein Schicksal hat mich sehr mitgenommen.
Jad Turjman ist am 29.07.2022 bei einer Bergwanderung in den österreichischen Alpen tödlich verunglückt. Im Nachwort kommen Karim El-Gawhary, Vladimir Vertlib und Doris Brandl zu Wort und beschreiben einfühlsam Turjmans Wirken und Freundschaft.
„Mittlerweile liebe ich es, wandern zu gehen. Ich gehe am liebsten allein, und zwar immer auf denselben Berg. Ich weiß nicht, warum ich immer dieselbe Wanderstrecke nehme und für andere Wege nicht aufgeschlossen bin. [...] Wahrscheinlich ist das der Versuch, dieses eine Gefühl wieder erleben zu können: Heimat.”
Ich kann meine tiefen Empfindungen für beide Bücher kaum in Worte fassen, sondern sie euch nur von Herzen empfehlen. Turjman inspiriert uns, das Leid derjenigen zu erkennen und zu lindern, die durch Konflikte und Vertreibung betroffen sind.
Ich bin erst durch die traurige Nachricht seines Todes auf diesen Autor und bewunderswerten Menschen aufmerksam geworden und bin sehr betroffen von seiner Geschichte und seines viel zu frühen, und - in Anbetracht seiner Vorgeschichte - geradezu banalen Todes.
Das Buch ist sehr spannend und zeigt, dass hinter Flüchtlingszahlen Individuen stehen, Individuen mit ganz eigenen Geschichten, Ängsten und Hoffnungen, von denen keiner freiwillig aus Jux und Tollerei die Heimat, Freunde und Familie verlässt und sich auf diese gefährliche und einsame Reise in eine ungewisse Zukunft begibt.
Sehr spannend zu lesen und es ist sehr traurig, dass der Autor so jung verunglückt ist. Was für ein sinnloser Tod nach allem, was er durchgemacht hat. Dieses Buch wird aber als wichtiger Bericht eines Zeitzeugen überleben.
Das war das erste Buch über eine Flucht die ich gelesen habe und ich bin überwältigt. Es hat mir eine neue Sichtweise eröffnet und mich voller Emotionen mitfiebern lassen.
Dieses Buch mit dem Wissen darüber, dass der Autor inzwischen tragisch verunglückt ist zu lesen, ist unfassbar traurig. Von seinen Gedanken, Wünschen und Plänen zu lesen und zu wissen, dass er diese nie in die Tat umsetzen werden kann.
Diese Buch war einfach unglaublich und ich kann es nur weiterempfehlen!
Jad war ein wunderbare Mensch, ich habe zum ersten Mal in 2015 seine Bekanntschaft machen dürfen. Ich war damals 10 und ich sah nicht nur buchstäblich zu ihm auf. Als ich dieses Buch las stieg meine Bewunderung immer weiter an, weil er war ein so gelassener glücklicher Mensch, jedenfalls in meiner Erinnerung. Er ist ,wie so viele, viel zu früh von uns gegangen.
Ein toller Roman, der wirklich Hautnah über die Flucht Erlebnisse spricht. Von Menschlichkeit, Verzweiflung und Erschöpfung - ein wirklich toller Roman der mitfühlen und verstehen lässt.