Jump to ratings and reviews
Rate this book

Und Gott schuf die Angst: Ein Psychogramm der arabischen Seele

Rate this book
Religiöse Prägung, überkommene Familien- und Frauenbilder und ein unsicherer Umgang mit der Sexualität dominieren die Lebenserzählungen aller muslimischer Patienten, die Burkhard Hofmann aufsuchen. Zweifel sind in ihrer Kultur und Religion nicht vorgesehen. Bei fast allen führt das zu ausgeprägten Symptomen von Angst, bei vielen zu einer aggressiven Ambivalenz gegenüber der westlichen Kultur.
Hofmann zeichnet ein Psychogramm der arabischen Seele, voller Verständnis für die Leiden seiner Patienten, aber mit wachem Blick auf deren kulturelle Wurzeln und einem klaren Bewusstsein für die Freiheiten des einzelnen Menschen in einer aufgeklärten, westlichen Gesellschaft. Ein bedeutsamer Beitrag zur aufgeheizten Debatte um den Kampf der Kulturen.
"Die Spannung zwischen religiösen Überlegenheitswünschen und hilfsbedürftiger Unterlegenheit ist für jeden Flüchtling schwer auszuhalten. Er muss sich aber für Letzteres entscheiden, weil er sich sonst nicht helfen lassen kann. Das Erleben der Defizite ist für die stolzen Menschen am Golf kaum zu ertragen. So wundert es nicht, wie sehr die augenfälligen Mängel im öffentlichen Leben in der Verantwortung der westlichen Großmächte gesehen werden. Der reine Opferstatus, den man sich aber dadurch zuweist, proklamiert letztlich eine unwürdige Ohnmachtshaltung, die der Situation nicht gerecht wird und den Einzelnen in politische Apathie und Bequemlichkeit versetzt."

344 pages, Kindle Edition

First published October 1, 2018

4 people are currently reading
11 people want to read

About the author

Ratings & Reviews

What do you think?
Rate this book

Friends & Following

Create a free account to discover what your friends think of this book!

Community Reviews

5 stars
2 (18%)
4 stars
2 (18%)
3 stars
4 (36%)
2 stars
2 (18%)
1 star
1 (9%)
Displaying 1 - 2 of 2 reviews
Profile Image for Jule.
819 reviews9 followers
October 18, 2018
"Ein Psychogramm der arabischen Seele" - was in ihrer Religion lässt Muslime so werden, wie sie sind, und wie sind sie überhaupt, psychologisch gesehen? Das klang sehr interessant, aber letztlich stimmten meine Erwartungen und das Buch anscheinend nicht überein. Und sicherlich soll es auch polarisierend sein: mir hat es nicht gefallen. Burkhard Hofmann berichtet durchaus über einige interessante Erkenntnisse, die er verständlich erklärt. Ich fand aber, dass das Buch im Großen und Ganzen öfter essayistisch als sachlich war. Es ist zumindest kein klassisches Sachbuch. Doch das ist eine persönliche Meinung, die nicht jeder teilen muss.

Ganz anders hingegen der Schreibstil. Ab und zu hat sich der Autor mächtig im Ton vergriffen und wird spöttisch, umgangssprachlich und schlichtweg intolerant. Das fängt mit Ausdrücken wie "halt irgendeine Schlampe" an, die eventuell Zitate von den Patienten sind, aber nicht deutlich genug als solche gekennzeichnet werden. Es geht weiter mit der mehrmaligen (überhaupt wiederholt sich einiges Wort für Wort) Betonung der "Rückständigkeit" der ganzen Region Saudi Arabien. Ich will hier nicht alles aufzählen, aber während mich zum Beispiel die Bezeichnung "Vermummung" für den Hidschab nur irritiert hat, war ich regelrecht schockiert über die Wortwahl "Schlabberlätzchen" für die Nikab-Verschleierung. Das ist schlichtweg geschmacklos. Auch an anderen Stellen kommt eine verwunderliche Abwertung zu Tage: "Islam bedeutet Unterwerfung" - ja, oder man hätte gutmütiger das Synonym "Hingabe" wählen können, was dann schon ganz anders klingt.

Davon abgesehen wirkt Herr Dr. Hofmann manchmal sehr arrogant, beschreibt sich selbst in den Therapiegesprächen als "gelangweilt", "genervt", "verärgert" und "ungeduldig". Das ist sicherlich keine Art von Therapeut, in dessen Hände ich mich begeben würde. Aber darum geht es nicht - dennoch: das führt dazu, dass das Buch nicht unbedingt sympatisch wirkt und einem die Lust am Weiterlesen vergeht. Außerdem schreibt der Autor, er hätte es nicht nötig, mehrere Patienten für das Buch in eine Person verschmelzen zu lassen, da einer stellvertretend für alle steht, denn sie haben alle dieselben Probleme.

Und das war mein Problem: am Ende fand ich das Ganze zu stereotyp, zu einseitig, zu pessimistisch. Das Fazit ala "Unsere Kulturen sind zu verschieden, wir sollten lieber getrennt bleiben" passt meiner Meinung nach nicht in die heutige Welt. Gerade jetzt brauchen wir eher Bücher, die dazu anregen von einander zu lernen und sich anzunähern, statt einfach im Angesicht der Unterschiede aufzugeben. Ich habe jetzt echt Lust, ein Buch zu lesen über die verbindende Kraft des Glaubens (jeder Richtung), über Religion als Stütze, über erfolgreiche interreligiöse Beziehungen ... Aufrütteln ist ja schön und gut, aber dabei darf man weder abwertend noch vereinfachend werden.

~ Danke an den Verlag Droemer Knaur, der mir ein kostenloses Exemplar zur Verfügung stellte. Diese Rezension wurde freiwillig verfasst und spiegelt lediglich meine Meinung wieder.
Profile Image for Mohammad Tahrani.
34 reviews
December 24, 2025
Als Psychotherapeut, der aus einem arabischen Land kommt, hätte ich die arabsiche Psyche nicht besser beschreiben können, als der Autor in diesem Buch.

Er hat mehrere Fälle in seinem Buch vorgestellt und beschrieb die Schwierigkeiten sowie die große Rolle der Religion und der Tradition in der arabischen Gesellschaft.

Der letzte Kapitel war eine allgemeine Beschreibung der Rolle der Religion in der arabischen Mentalität, verglichen mir der Rolle der Religion im Westen.
Zitat: " Meine arabischen Patienten am Golf haben nicht nur einen Glauben, sie sind dieser Glaube "

Ein sehr wertvolles Buch
This entire review has been hidden because of spoilers.
Displaying 1 - 2 of 2 reviews

Can't find what you're looking for?

Get help and learn more about the design.