Liebesschwüre in orientalisch, gespickt mit vielen Lebensweisheiten.
"West – östlicher Divan" (Divan - ursprünglich: Ratsversammlung, ist die islamische Bezeichnung für Gedichtsammlung) ist, durch den persischen Dichter Hafis inspiriert, Goethes umfangreichste Gedichtsammlung. Goethe ist 65 Jahre alt, als er 1814 zum ersten Mal die vollständige Übersetzung der Gedichte Hafis´ liest. Dies ist der Beginn seines geistigen Aufbruchs in den Orient, der Beginn seiner imaginären Morgenlandfahrt. Nachdem er Hafis gelesen hatte, sieht er diesen sogar als seinen literarischen Zwilling an.
Die Reinschrift dieses Werks gehört übrigens zum UNESCO- Weltkulturerbe.
Die in 12 Bücher unterteilte Sammlung geht in großen Teilen auf einen Briefwechsel zwischen Goethe und Marianne von Willemer zurück, in die er während der Entstehungszeit sehr verliebt war, sodass er viele der Gedichte an sie richtet. Diese antwortet ihm ebenfalls in dichterischer Weise. Das lyrische ICH, und somit Goethe und Marianne, begegnen der persischen Dichtung.
Für mich ist "West – östlicher Divan" ein Buch, welches man nicht einfach nur hören oder lesen kann. Man sollte es nach dem ersten Eindruck, den ich nun gewonnen habe, unbedingt nochmals zur Hand nehmen und sich dann analytisch damit beschäftigen. Denn all das, was ich dort hörte, rauschte zwangsläufig etwas an mir vorbei, da ich keine Geschichte im eigentlichen Sinn erkennen kann. Nicht umsonst bietet meine Manesseausgabe Unmengen an Anmerkungen, Ergänzungen und Erläuterungen. Nur das Zusammenspiele von Primär – und umfangreicher Sekundärliteratur lässt mich, so meine Meinung, dem Werk nahekommen.
Die Sprache gefiel mir sehr gut, auch und vor allem die Art wie Goethe sprachlich seine Gedanken, Liebesaussagen und Lebensweisheiten in Gedichtform fasste. Dies entlockte mir nicht selten ein Schmunzeln.