Robert und Valerie, Halbgeschwister. Er 23, sie 19, er dunkel, sie hell. Als ihre Mutter schwer krank wird, kehrt Robert, der in Marburg eine Ausbildung begonnen hatte, zurück nach Berlin, zurück zu Valerie und zu der im Sterben liegenden Mutter.
Julia Rothenburg gelingt mit "hell/dunkel" etwas ganz besonderes finde ich - sie beschreibt mit ganz wenigen Worten Stimmungen und Personen und zieht einen unfassbar in den Bann ihrer Geschichte, obwohl eigentlich gar nicht so viel passiert. Sie wirft Fragen auf und schreibt ganz scharfsinnig darüber, wie widersprüchlich und intensiv Trauer sein kann, wie unterschiedlich der Umgang damit ist. Dazu kommt dann noch das Verhältnis der beiden Geschwister, anfangs etwas angespannt, weil Valerie weiß, dass Robert immer abhaut, wenn ihm alles zu viel wird. Und Valerie selbst, die kurz vor dem Abi steht, aber keinen Sinn mehr darin sieht, irgendwie in einem seltsamen Zwischenstadium feststeckt, solange die Mutter so krank ist.
Mich hat der Roman unfassbar begeistern und fesseln können, ich konnte das Buch - trotzdem es sehr ruhig erzählt ist - schon nach wenigen Seiten gar nicht mehr weglegen. Und es ist eines der Bücher gewesen, die mich nachhaltig beschäftigt haben, über die ich lange noch nachgedacht habe, weil Julia so nahe am Leben erzählt. Ganz große Leseempfehlung!