"Konfetti im Bier" ist ein Subkultur-Roman. Ein Buch für Fußball-Fans, und zwar nicht nur die der Kiezkicker. Für Leute, die immer schon mal mehr über die Mechanismen von Ultra-Gruppierungen wissen wollten. Für Hamburger. Und für jene, die es immer wieder dort hinzieht.Im Fokus steht das Spannungsfeld zwischen Fußball, Politik, Verein und der eigenen Fan-Gruppe, in dem sich die Mitglieder bewegen.Toni Gottschalk erzählt von Merks, Subbe, Jette und all den anderen. Von denen, für die der FC St.Pauli und die eigene Gruppe viel mehr bedeuten, als nur jedes Wochenende gemeinsam zum Spiel zu gehen. Die Gemeinschaft genießen und gleichzeitig an ihrem Handeln zweifeln. Jenen, die denken, dass sie eigentlich "zu alt für diesen Scheiß" sind und anderen, die doch gar nicht wissen, ob sie da wirklich richtig sind.Choreos vorbereiten, Auswärtsfahrten planen, sich mit den Fans des blau-weiß-schwarzen Nachbarn rumä Toni Gottschalk guckt nicht von außen drauf, sondern steckt seit Jahren mittendrin. "Konfetti im Bier" ist lebendig, humorvoll undschnörkellos.
Hier trifft wohl das klassische "For those involved"-Prinzip mehr als zu: für Leute, die das alles kennen, mehr nachts als morgens auf dem Weg irgendwo ans andere Ende des Landes sind um dort eventuell nicht einmal in das Stadion hineinzukommen, nimmt das Buch auf eine Reise mit, das wohl auch selbst eigene Erinnerungen weckt. Für Leser, die mit alldem aber keine Berührungspunkte haben, kann das, logischerweise völlig anders aussehen - kann ich aber nicht beurteilen. Mir hat es enorm viel Spaß gemacht und das lag nur zum Teil an den extrem tieffliegenden Wortspielereien (aber auch die trugen dazu bei).
Großartig. Was habe ich gelesen? DAS Buch über Ultras. Der beste Roman in deutscher Sprache über diese Subszene? Mag sein, auf jeden Fall sehr unterhaltsam, dabei sehr gut geschrieben und konstruiert. Erst das Heimspiel mit Choreovorbereitung und Naziaufmarsch wechselnd aus der Sicht der einzelnen Protagonisten, dann die Auswärtsfahrt aus einer Warte, dann das Hoppen nach Genua in Ich-Erzählung. Immer mit viel Einblick, Gefühl, Emotion und Pathos. Alle Fans finden hier Anknüpfungspunkte und mich erinnerte viel an die Eishockeyzeit um die Jahrtausendwende mit meinem EC Wilhelmshaven. Mit etwas weniger Drogen, etwas weniger Leuten, etwas weniger Schlägereien, etwas weniger Kiez, aber genauso viel Herzblut und blöden Sprüchen.