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Die untalentierte Lügnerin

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Nachdem ihr Versuch, Schauspielerin zu werden, gescheitert ist, kehrt Maren zurück an den Ort ihrer Kindheit. Mit ihrer bevormundenden Mutter, einer so egozentrischen wie erfolglosen Künstlerin, und ihrem Stiefvater Robert, einem reichen Unternehmer, der für alle und alles aufkommt, lebt sie in dem luxuriösen Haus am See. Als die Spannungen zwischen Maren und ihrer Mutter zunehmen, bietet ihr Robert die Firmenwohnung an. Dort findet sie bald heraus, dass er offenbar ein Doppelleben führt, dass er ihre Mutter nie geliebt hat, dass so vieles anders sein könnte in ihrer kleinen Welt, als es schien. Und dass der Zwang zu lügen stärker wird, je mehr sie weiß.
So wie es hinter der stillen Oberfläche ihrer Sätze rumort, so monströs sind die scheinbar alltäglichen Verhältnisse, von denen Eva Schmidt hier erzählt, so berührend wirkt der kühle Ton, den sie anschlä ein Psychogramm ohne Psychologie, ein gleichermaßen feinsinniger wie aufregender Roman über den Wunsch nach Nähe und die Sehnsucht nach Grenzüberschreitung.

216 pages, Kindle Edition

Published March 1, 2019

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Eva Schmidt

75 books4 followers

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Displaying 1 - 8 of 8 reviews
Profile Image for Meike.
Author 1 book5,032 followers
September 3, 2019
Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2019
Eva Schmidts Roman besticht durch einen sehr zurück genommen, fast sachlichen Ton, dessen Klarheit in einem interessanten Kontrast zum Vexierspiel steht, das die Autorin auf inhaltlicher Ebene betreibt: Hier belügen sich nicht nur die Figuren gegenseitig, sondern vielleicht belügt auch die Protagonistin Maren sich selbst - und die Erzählstimme die Leser. Die Ausgangslage der Handlung ist schnell zusammengefasst: Maren hat die Schauspielschule abgebrochen und kehrt ins Haus ihrer Kindheit zurück. Ernüchtert driftet sie durch ihr Leben, auf der Suche nach einem Ziel, nach etwas, das ihr Halt geben könnte. Sie nimmt einen langweiligen Job an, findet und verliert Freunde und Liebhaber, fühlt sich in sich selbst gefangen. Gleichzeitig spielt sich zwischen ihrer Mutter, einer mäßig gefragten Künstlerin, und ihrem Stiefvater, einem erfolgreichen Unternehmer, ein Ehedrama ab, während ihre beiden Brüder in der Ferne mit ihren eigenen Problemen kämpfen.

Präsentiert wird das Ganze in auktorialer Erzählweise, und die Erzählstimme stößt uns immer wieder mit der Nase darauf, dass die Charaktere sich gegenseitig aus den unterschiedlichsten Gründen belügen oder dem Gegenüber Informationen vorenthalten - das Doppelleben des Stiefvaters ist hier nur die Spitze des Eisbergs. Dabei ist diese Autorin natürlich viel zu schlau, ihre Figuren grundsätzlich zu verurteilen: Vielleicht ist so ein bisschen lügen manchmal mehr als verzeihlich, es kommt nur darauf an, worum es geht. Richtig spannend wird es allerdings erst, als Maren anfängt, innerhalb des Romans eine Geschichte zu schreiben, die die Behauptungen der Erzählstimme in Zweifel zieht: Was ist wirklich passiert? Ist Marens Geschichte reine Fiktion, ein Spiel ihres Unterbewusstseins, oder ist es Maren, die hier die Wahrheit aufschreibt? Für den Booker Preis ist in diesem Jahr übrigens ein Buch mit einer ganz ähnlichen narrativen Idee nominiert, nämlich Salman Rushdies Quichotte.

Besonders gelungen ist in diesem Roman die klaustrophobische Atmosphäre, das Gefühl der Isolation, das fast alle der Charaktere quält: Sie sehnen sich nach einem anderen Leben, wissen aber nicht, wie es aussehen soll oder wie sie die gewünschten Änderungen herbeiführen können. Ihre Beziehungen sind dadurch belastet, dass sie sich nicht oder nicht richtig mitteilen können, und was unter der Oberfläche brodelt, können sie oft auch sich selbst gegenüber kaum eingestehen.

Ein schlaues Buch, dass die berühmten menschlichen Abgründe aufzeigt, ohne dabei laut und aufdringlich zu sein - verdient auf der Longlist des Deutschen Buchpreises.
Profile Image for Wandaviolett.
471 reviews66 followers
November 13, 2019
LETHARGIE hat Ursachen

Eva Schmidt arbeitet mit Lieschen Müller, das heißt mit einer völlig unspektakulären Protagonistin, namens Maren. Das Unspektakuläre macht es der Leserschaft mühsam, für die Protagonistin genügend Interesse aufzubringen. Doch der Roman ist kurz, und so hält man ihren banalen Alltag aus. Trotzdem ist es eine Geduldsprobe. Zum Glück ist die Schreibe der Autorin klar und ansprechend.

Maren kommt nicht gut klar mit ihrer Mutter, Vera. Na ja, so was kommt vor. Vera hatte Marens Vater verlassen und sich einen neuen Partner zugelegt, Robert, mit dem Maren im Prinzip ganz gut konnte, als sie ein Kind war. Die Patchworkfamilie war perfekt, als zwei Halbbrüder, Igor und Ruben, dazukamen. Da Robert begütert ist, braucht sich die Familie eigentlich über nichts den Kopf zu zerbrechen. Dennoch baut sich Distanz auf, als die Söhne aus dem Haus sind.

Maren befreundet sich mit Lisa, die in einer Bar arbeitet, weil sie Geld braucht, um sich selbständig zu machen. Genau wie der Leser begreift auch Lisa nicht, warum Maren so initiativlos und gleichgültig durchs Leben wankt. Oder stolpert. Maren hat ein bisschen Kunst studiert, war ein bisschen in der Klappse, mag ihren Hund, und hört mit dem Stiefpaps Musik, ihre Mutter macht auf Kunst, ihre Brüder glänzen durch Abwesenheit, könnten aber jederzeit besucht werden. Warum ist Maren nicht glücklich, obwohl Stiefpaps ihr eine tolle Wohnung bezahlt? Und sich auch sonst nicht lumpen lässt?

Schließlich findet Maren eine Arbeit als Aufsehkraft in einem Museum. Hier kann sie sitzen und schauen. Niemand will etwas von ihr. Was ist los mit Maren, irgendwas kann doch mit ihr nicht in Ordnung sein. Niemand schaut ewig lange stumpf an die Wand.

Abgesehen davon, dass die Autorin Maren vielleicht doch ein wenig zu lethargisch darstellt, so lethargisch, dass auch Sex sie nicht vom Hocker reißt, sie ihn andererseits aber auch nicht verweigert, so lethargisch, dass im ganzen Buch nichts von Belang passiert, macht Eva Schmidt es gut, sie erklärt Maren durch das, was Maren alles nicht tut, nicht denkt und nicht kann. Maren kann keine tiefen Beziehungen führen. Aber warum? Warum interessiert sie sich für niemanden, höchstens noch für Pablo, den Hund.

Als Maren endlich anfängt, selber eine (sehr langweilige) Geschichte zu schreiben, kann sie ihre Lebensgeschichte für sich selber fassbar machen und sich allmählich ins Leben zurücktasten. (Gott sei Dank. Allerdings gibts dann nur noch wenige Zeilen im Buch).

Fazit: Maren ist absolut überzeugend, aber einige Prisen zu langweilig.

Kategorie: Anspruchsvoller Roman
Verlag: Jung und Jung, 2019

Auf der Longlist des Deutschen Buchpreises, 2019
Profile Image for miss.mesmerized mesmerized.
1,405 reviews42 followers
August 30, 2019
Nachdem sie ihr Studium der Schauspielerei an den Nagel hängen musste und einen längeren Klinikaufenthalt hinter sich gebracht hat, kehrt Maren in die Wohnung ihrer Mutter und ihres Stiefvaters in die österreichische Provinz zurück. Planlos lebt sie zunächst in den Tag, bevor sie einen Job in einem Museum als Aufpasserin annimmt. Mit dem Hund geht sie spazieren. Lernt Menschen kennen, die jedoch irgendwie nur an den Rand ihres Lebens drängen und bald auch wieder verschwinden. Die Ehe ihrer Eltern kriselt und sie selbst entwickelt auch nur wenig Zukunftspläne. Es wird Winter und wieder Frühling, aber Maren blickt immer noch verloren auf ihr Leben.

Bereits 2016 war Eva Schmidt mit einem Roman für den Deutschen Buchpreis nominiert. Ebenso wie „Ein langes Jahr“ tat ich mich auch mit dem aktuellen Roman schwer. Die Geschichte liest sich leicht weg, genau darin liegt aber auch für mein Empfinden die große Schwäche: mir fehlt die Entwicklung ebenso wie das Tiefgründige. Ja, die Autorin beschreibt sehr intensiv die Natur, aber die Menschen erfasst sie dabei nicht.

Vermutlich trägt der triste Grundton des Romans zu meinem eher wenig berauschenden Eindruck bei. Die Protagonistin ist unzufrieden, nur leidlich ergreift sie die Initiative, um etwas zu verändern, aber eigentlich wartet sie eher darauf, dass die Veränderung zu ihr kommt und es wundert sie auch nicht, dass Menschen einfach so wieder aus ihrem Leben verschwinden. Die Familienkonstellation bleibt zu diffus, um Stoff für analytische Betrachtungen zu liefern. Ein Bruder in der Ferne mit seiner glücklichen Familie, der andere voller Liebeskummer und gescheitertem Studium zwar in der Nähe, aber ebenfalls abwesend. Die Mutter gescheiterte Künstlerin, die nun eher dem Alkohol zuspricht und scheinbar unter einer nicht behandelten Depression leidet und dann noch der Stiefvater, der sich grenzwertig aufdrängt und dann plötzlich flüchtet. Was soll man daraus machen? Auch das Ende reißt mehr Fragen auf als Antworten zu geben, wird hier etwas angedeutet, dass das Buch in einem anderen Licht erscheinen lässt oder doch nicht?

Mich hat der Roman nicht erreicht. Auch der Titel stellt mich immer noch vor ein Rätsel: Maren lügt unentwegt, wobei es sich eher um die keinen Alltagsausflüchten handelt, um sich nicht erklären zu müssen und das Gegenüber nicht zu verletzten – obwohl sie das in ihrer stumpfsinnigen Art bisweilen geradeheraus tut. Es bleibt am Ende große Ratlosigkeit.
Profile Image for Otto.
750 reviews50 followers
August 26, 2019
#lesejahr2019 #deutscherbuchpreis #longlist #jungundjung hat mit #evaschmidt wieder eine Autorin auf der Longlist platziert. Eine nette Geschichte, unaufgeregt, Alltag, wir lügen uns durch, verbergen unsere tiefsten Gefühle und Gedanken, wursteln weiter. Nicht immer entspricht der Schein den Tatsachen und was nach außen glücklich und zufrieden erscheint, ist innen schon zerfressen und hohl. Am Beispiel von Maren, Tochter eines nicht präsenten Musikervaters, einer instabilen Künstlermutter und eines bemühten Unternehmerstiefvaters wird uns eine solche Geschichte erzählt, Maren, die schlussendlich versucht, ein Leben außerhalb der Lüge aufzubauen, wobei offen bleibt, ob das gelingt. Für die Shortlist reicht das aber meiner subjektiven Meinung nach nicht
122 reviews
September 28, 2019
Dieser Roman enthält die ganze Misere der Wohlstandsgesellschaft, Beziehungunfähigkeit, Isolation, Doppelleben und allgemeiner Enui. Untalentiert ist die Protagonisten , weil sie in dieser auf Lügen aufgebauten Welt Zum scheitern prädestiniert ist.
Maren, um die zwanzig, mehrfach gescheitert, nicht ganz psychisch gesund , kehrt zurück in ihr Elternhaus. Die Beziehung zur bestimmenden Mutter ist gestört, doch auch der so freundliche Stiefvater Robert wirkt mehr und mehr bedrückend. Maren ist ziellos, fühlt sich isoliert,sucht dennoch nach Freundschaft. Ihr Versuch den beiden Brüdern näherzukommen scheitert ebenfalls. So treibt Maren im Leben, ohne selbst zu leben. Ihre Geschichte über Ellen sieht wie eine Alternative aus. Erst am Ende des Romans trifft sie auf den Fotografen Thomas und kann sie selbst - fast - ohne Lügen sein. Die Sprache ist minimal, klar und hart, der Leser kann sich viel selbst erarbeiten. Das Buch liest sich flüssig, regt zum Nachdenken an, macht den Leser beklemmt.
Profile Image for Inge H..
445 reviews7 followers
August 31, 2019
Angenehme Lektüre
Eva Schmidts Roman „Die untalentierte Lügnerin“ liest sich leicht und locker.

Die Protagonistin Maren, ist nach einer gescheiterten Schauspielerkarriere zurück nach Hause gekommen. Ihre Familie ist ein wenig verkorkst. Ihre Mutter ist Künstlerin und etwas eigenartig. Der Stiefvater ist mir etwas suspekt, er bezahlt zwar alles, aber ich frage mich oft, ob er etwas damit bezweckt. Marens jüngerer Bruder hat sein Studium geschmissen.

Die Autorin erzählt Marens Gefühlswelt mit feinsinnigem Stil. Mich störte nur der Titel. Wenn auch Maren mal lügt, bemerke ich nicht, das es untalentiert ist. Ich hatte sogar geglaubt, das der Roman nur aus Lügen besteht. Da habe ich Glück gehabt, ich kann mich mit Maren zwar nicht identifizieren, aber ich kann sie teilweise verstehen.
Der Roman ist angenehm zu lesen.
Profile Image for Anne.
120 reviews1 follower
September 11, 2019
Dieses Buch finde ich sehr gelungen, von der ersten Seite an taucht man in dje Geschichte richtig ein. Der Schreibstil ist wie ich finde ausgesprochen angenehm zu lesen. Das Buch ist sehr klar strukturiert wurden und die Handlung ist nachvollziebar und sehr interessant. Die Charaktere sind sehr gut vorstllbar und wirken auf mich sehr authentisch und nachvollziebar. Der Autorin gelingt es somit sehr detailliert auf die Szenerie, Charaktere, Umgebung und Emotionen einzugehen und den Leser zu faszinieren. Aufh Inhaltlich gesehen ist diese Geschichte faszinierend und stimmig zu gleich trotz einer eher ruhigen Erzählung hält die Spannung bis zum Schluss.
Displaying 1 - 8 of 8 reviews

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