Wer in gut 40 Tötungsfällen vor Gericht verteidigt hat, weiß, was Männer dazu bringt, einem anderen Menschen das Leben zu nehmen. In seinem zweiten Buch »Mörder« zeigt Strafverteidiger Veikko Bartel die männliche Seite des Tötens und schildert die sechs spektakulärsten Fälle. Er erzählt mitreißend von den Hintergründen, den seelischen Untiefen und den biographischen Tragödien, die sich hinter den Taten verbergen. Einmal mehr stellt der Autor die Frage nach Gerechtigkeit und beweist mit jeder Geschichte: Kein Krimi ist so spannend wie die Realität.
Was bringt einen konservativen Beamten dazu, zum gnadenlosen Zweifachmörder zu werden? Wie kommt es dazu, dass ein Hochbegabter einen Mann massakriert, der ihm ein Zuhause geboten hat? Tötet ein ehemaliger Elitesoldat auch außerhalb des Kriegseinsatzes mit brutaler Kaltblütigkeit? Mehrere solcher Fälle landen vor Gericht. Der Jurist Veikko Bartel hat die Angeklagten verteidigt. Er erzählt von sechs interessanten Tötungsdelikten.
„Mörder – Fälle aus der Praxis eines Strafverteidigers“ ist das zweite True-Crime-Buch von Veikko Bartel.
Meine Meinung: Das Buch besteht aus einem Vorwort und sechs Kapiteln, die je einen Fall behandeln und mit treffenden Überschriften versehen sind. Erzählt wird vorwiegend in der Ich-Perspektive aus der Sicht des Strafverteidigers. Der Aufbau der einzelnen Kapitel unterscheidet sich allerdings hinsichtlich der Länge und des Schwerpunktes. Mal wird mehr über die Tat an sich ausgeführt, mal mehr über das Erleben des Rechtsanwalts und das Drumherum.
Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, anschaulich, der ernsten Thematik angemessen und dennoch nicht zu trocken. Auch für juristische Laien sind die Erklärungen und Beschreibungen gut nachvollziehbar. Störend sind lediglich die Fehler, die beim Korrekturlesen übersehen wurden und sich in manchen Kapiteln der ersten Auflage häufen.
Die jeweiligen Fälle sind gut ausgewählt und spiegeln ein interessantes Täterspektrum wieder. Die einzelnen Männer werden detailliert charakterisiert, sodass sich die Hintergründe der Taten gut erschließen. Die tragischen Lebensgeschichten konnten mich fesseln. Einige der Fälle haben mich betroffen gemacht.
Gut gefallen hat mir, dass der Autor ausführlich erläutert, was zu den Taten geführt hat, welche Taktik er in der Verteidigung anwendete und wie das Urteil zustande kam. Zwar wird Bartel bisweilen etwas pathetisch und neigt stellenweise zur Selbstbeweihräucherung. Jedoch zeigt sich auch das Herzblut, mit dem er in seiner Zeit als Strafverteidiger für seine Angeklagten eintrat. Zudem ergeben sich für den Leser interessante und lehrreiche Einsichten.
Das reduzierte Cover ist ansprechend gestaltet und passt gut zum Thema. Der Titel ist prägnant und dem Inhalt entsprechend gut geeignet.
Mein Fazit: „Mörder – Fälle aus der Praxis eines Strafverteidigers“ von Veikko Bartel hat meine Erwartungen zwar nicht in allen Punkten komplett erfüllt. Dennoch kann ich die Lektüre allen empfehlen, die sich für echte Mordfälle und deren Hintergründe interessieren.
Das Buch wurde mir vom Bloggerportal als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür.
Das Cover passt gut zum vorhergehenden Buch des Autors mit dem Titel Mörderinnen. Dieses Exemplar beleuchtet die männliche Sicht. Der Schreibstil ist flüssig und leicht verständlich. Es ist fesselnd und authentisch geschildert und man liest dieses Buch in einem Rutsch durch.
Der Autor gibt dem Leser Eindrücke in menschliche Abgrunde und beleuchtet die unterschiedlichsten Ursachen für die beschriebenen Taten.
Zusammenfassend ein spannendes Buch mit sehr abwechslungsreichen Fällen.
Fazit
Das Buch erhält 5 Sterne, fesselnd und abwechslungsreich zugleich. Eine klare Leseempfehlung.
„Strafverteidigung ist Pokern mit dem Schicksal eines Menschen. Und du bist als Verteidiger permanent »All In«.“ (Veikko Bartel im Vorwort von Mörder)
Worum geht’s?
Wie bereits das Buch „Mörderinnen“ handelt auch das Buch „Mörder“ von Fällen aus der beruflichen Laufbahn des Autoren Veikko Bartel als Strafverteidiger. In zahlreichen Tötungsdelikten hat er Leute vertreten, die das schlimmste Verbrechen unseres Gesetzbuches begangen haben: Sie haben getötet. Nachdem bei „Mörderinnen“ Frauen auf der Anklagebank saßen, geht es in diesem Buch um sechs Fälle mit männlichen Angeklagten, um einzigartige Einblicke in die Arbeits- und Gedankenwelt eines Strafverteidigers und die ewig währende Frage: Wieso töten Menschen? Denn der Autor erzählt hier die Geschichten der jeweiligen Tat und ihrer Umstände.
„Mörder“ ist unabhängig vom Vorgänger-Buch „Mörderinnen“.
Schreibstil / Gestaltung
Auch das Cover von Mörder besticht wieder durch ein schlichtes, unaufdringliches – wenngleich auch etwas klischeehaftes - Cover mit einem schemenhaften Gestalt in schwarz mit Kapuze und dem üblichen Hinweis „Fälle aus der Praxis eines Strafverteidigers“. Man erkennt auf jeden Fall die Stimmigkeit im Verhältnis zu Mörderinnen und empfindet auch hier ein nüchterne, sachliche Atmosphäre ohne viel Brimborium. Das Buchcover ist erneut ein Schutzumschlag, unter dem sich dieses Mal ein schönes, mattschwarzes Buch mit dem weißen Schriftzug des Titels und Autors am Buchrücken verbirgt. Insgesamt ist die Gestaltung erneut sehr stimmig.
Das Buch umfasst insgesamt sechs Fälle, die in jeweilige Abschnitte gegliedert sind und dem ein äußerst kurzes Vorwort (im Vergleich zu Mörderinnen) vorgestellt ist. Die jeweiligen Fälle haben keine eigene Untergliederung in Unterabschnitte, werden jedoch teilweise mit einem kurzen Epilog abgeschlossen. Jeder Fall ist in sich geschlossen und kann somit eigenständig gelesen werden. Der Umfang der Fälle variiert von etwa 25 bis 60 Seiten.
Sprachlich überzeugt Mörder wie auch bereits Mörderinnen durch einen angenehmen Schreibstil, eine verständliche Erzählweise und der gut ausgeprägten Fähigkeit des Autors, mit Sprache umgehen zu können. Die Gratwanderung zwischen spannendem und einfühlsamem Bericht gepaart juristischen Erklärungen gelingt hervorragend.
Mein Fazit
Wo fängt man an, wo hört man auf, wenn man über dieses Buch reden möchte. Ich habe unzählige Real Crime Bücher gelesen, ich bewege mich beruflich in genau diesem Bereich und dachte, dass Veikko Bartel „Mörderinnen“ kaum toppen kann. Und doch saß ich hier, mit einem Buch, welches mich weit über die Lesezeit hinaus beschäftigt hat und musste feststellen: Er hat sich selbst übertroffen.
Während mich bei „Mörderinnen“ neben dem tollen Schreibstil vor allem überzeugt hat, dass ein Buch über die vergleichsweise seltene Tätergruppe der Frauen geschrieben wurde, war es bei „Mörder“ wahrscheinlich die Vielzahl an Momenten, die sich in mein Gedächtnis gebrannt haben und mich mit jeder Menge „was würde ich tun“-Fragen zurückgelassen hat. Denn der Autor verlangt dem Leser – vielleicht für den Leser teilweise unbewusst – ab, dass er selbst seine Bewertungen und Meinungen fällt. Im Vordergrund des Buches steht größtenteils die Tat und wie es zu dieser Tat kam, nebensächlich ist meist das Urteil, denn der Leser wird permanent vor die Frage gestellt: Ist das Urteil so in dieser Weise verständlich? Veikko Bartel leitet dabei gern mit dem Urteilsspruch ein, um den Leser im Anschluss daran regelrecht an den Kopf zu werfen, dass er sich nicht vorschnell ein eigenes Urteil bilden soll. Zu keiner Zeit bleibt dabei außer Acht, dass es sich um teils juristische Inhalte handelt, die vielen Lesern nicht alltäglich sind, weshalb viele Sachen erklärt werden. In „Mörderinnen“ hatte ich teilweise das Gefühl, dass hier einige Erklärungen auf der Strecke blieben, während hier mit Fußnoten und auch im jeweiligen Epilog zahlreiche Fragen beantwortet werden. Man merkt dem Autor dabei auch an, welche „Standardfragen“ er immer wieder im Rahmen seiner beruflichen Laufbahn beantworten musste und sicher wird sich der ein oder andere Leser ertappt fühlen, wenn Herr Bartel ansetzt zu „jetzt könnte man meinen, dass..“. Die lehrreichen Erklärungen wirken dabei aber nie belehrend. Mörder ist ein interessanter Einblick in eine sehr vorurteilsbehaftete Welt der Strafverteidigung, welche der Autor durch seinen Berufs- und Büroalltag erklären möchte. Es gibt einige Anekdoten, die das Buch ein wenig auflockern (etwa, als der Autor an der Supermarktkasse stehend in einem Telefonat eine Leiche beschrieb und die gesamten Anwesenden mithören konnten oder wie er seinem Bodyguard in Indien entkam, um an Straßenständen zu essen). Aber nie verliert Veikko Bartel sein eigentliches Ziel – den Fall – aus den Augen, wenngleich es hin und wieder aber auch längere Umwege gibt, etwa im Kapitel „Der Scharfschütze der Fremdenlegion“, wo der Autor nach Indien fliegt und sehr eindrucksvoll von seinen Erlebnissen dort berichtet. Er stellt fast immer den Mandanten in den Vordergrund und verfällt auch bei guten Verteidigungszügen nicht in eine ausufernde Selbstbeweihräucherung, wie man es von anderen Autoren des Genres kennt.
Die Auswahl der Fälle ist erneut gut gelungen, insbesondere, dass sie nicht alle in die gleiche Kerbe schlagen und nicht alle den gleichen Verlauf nehmen. Etwas unterschiedlich in der Erzählung ist das Kapitel „Der Scharfschütze der Fremdenlegion“ (der Ausflug nach Indien thematisiert mehr das indische Rechtssystem und die damit verbundenen Erlebnisse) und das letzte Kapitel „Der Serienvergewaltiger, der Tod von Frau Meyer und das Gewissen eines Strafverteidigers“. Eines haben aber alle Fälle gemeinsam: Sie zeigen für mich, dass Recht oftmals nicht schwarz oder weiß ist. Denn der Leser wird mitgenommen auf eine Reise, die zwischen Entsetzen, Emotionen und einem gewissen Grad an Verständnis für einige zu der vielleicht erschreckenden Erkenntnis führen wird, dass auch hinter einem Fall, wo ein Mensch das Leben eines anderen nimmt, nicht immer menschliche Abgründe liegen müssen, sondern manchmal auch menschliche Schicksale stecken können. Fast jeder Fall in diesem Buch hallte dabei in mir nach und ich ertappte mich immer wieder, wie ich auch später über einzelne Punkte nachdachte. Herr Bartel hat mir mit einer Frage jedoch tatsächlich tagelange Alpträume beschert: Haben Sie sich jemals gefragt, wie Sie reagieren würden, wenn jemand Sie anruft und fragt, was er nach der Tötung einer Person tun soll?
Das letzte Kapitel des Buches spricht vor allem über das Bild eines Strafverteidigers in der Realität, seine Rolle im Strafverfahren und seine Bedeutung für die rechtsstaatliche Ordnung. Es war ein Kapitel, was für mich fast wie ein therapeutischer Epilog wirkte, denn es geht hierbei um Fragen, denen sich ein Strafverteidiger regelmäßig stellen muss: Hat ein Strafverteidiger ein Gewissen? Der Autor erläutert für mich sehr schön die Diskrepanz zwischen Vorstellung und Wirklichkeit, den Spagat zwischen seiner Rolle im System und seinem eigenen Gewissen anhand eines Falles. Veikko Bartel beherrscht die Kunst, ebendiese Rolle des Strafverteidigers eindrucksvoll zu erläutern, ohne den Strafverteidiger wie ein Monster wirken zu lassen, welches rücksichtslos auf der Seite des vermeintlich Bösen steht. Und er entlässt den Leser mit einer verborgenen Frage, die fast so wirkt, als sei er an ihr zerbrochen.
Und so beende ich dieses Werk, bei dem man die Liebe des Schreibers zu einem Beruf, der ihn sicher öfter zur Verzweiflung und zu Selbstzweifeln gebracht hat, mit der festen Überzeugung, dass ich dem letzten Satz in diesem Buch nicht zustimme und verbleibe mit der Hoffnung, dass dieses Buch nicht das letzte Buch von Veikko Bartel sein wird. Denn er beherrscht die Kunst, den Leser in eine unbekannte Welt zu entführen und ohne sensationslüsterne Schilderungen zu fesseln und zu begeistern, auch wenn ich nicht immer komplett seine Ansichten teile. Von mir aus könnte der Autor auch über Rotlichtverstöße, Hausfriedensbruch oder Ladendiebstahl schreiben – ich bin mir sicher, ich wäre genauso überzeugt. Denn Veikko Bartel zählt für mich – spätestens nach diesem Werk, wenn nicht bereits seit Mörderinnen, welches ich ebenfalls jedem ans Herz legen kann – zu einem der besten True Crime Autoren der Gegenwart.
[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung wurde hierdurch nicht beeinflusst.]
Das erste Buch von Veikko Bartel "Mörderinnen" hat mir unglaublich gut gefallen. Schon lange war ich nicht mehr so gefesselt von einer Lektüre. Deshalb habe ich mich sehr gefreut, als ich erfahren habe, dass Bartel erneut ein Buch über seine Fälle als Strafverteidiger geschrieben hat.
Die Freude hielt nicht lange an, und das sage ich so ungern, weil ich das erste Buch so toll fand. Aber es gibt große Unterschiede in der Aufmachung der beiden Bücher. In "Mörderinnen" standen die Fälle und die Täterinnen ganz klar im Fokus. Es ging um das "Warum?" und die Psyche dahinter. In "Mörder" beginnt jeder Fall mit der Gerichtsverhandlung. Es geht viel mehr um das "Wie?" und die Verurteilung. Und um Bartels Zeit als Strafverteidiger. Er bringt viel von seiner Meinung, seinen Ansichten rein, was an sich schon irgendwie interessant ist, aber nicht für die Spannung aus "Mörderinnen" sorgt.
Fazit Alles in allem ist "Mörder" im Vergleich zum Vorgänger eher enttäuschend. Diese kaum auszuhaltende Spannung aus dem Vorgänger sucht man hier vergeblich. Dafür erfährt man etwas mehr über das deutsche Gesetz und die Arbeit eines Strafverteidigers sowie Bartel selbst. Für Fans von Fakten könnte dieser Band also interessanter sein als "Mörderinnen".
Spannende Fälle die leider stetig vom Ego des Autors überschattet werden. Schon klar, dass sich alle an das Gesetz halten müssen, auch das Gericht. Und einem Verteidiger sollte man seinen Beruf nicht zum Vorwurf machen. Aber wie er sich zum Teil ausdrückt, schon. Besonders im ersten Fall scheint er sich regelrecht dafür zu feiern 'gewonnen' zu haben obwohl es selbst für einen Unbeteiligten klar ist, dass ein Freispruch wohl das Schlimmste war was seinem Mandant hätte passieren können. Nur darüber fällt kein Wort. Und es als "geil" zu bezeichnen wenn man einen Fall 'gewinnt', ein Mann frei kommt und der dann mordet ist halt jetzt auch nicht so cool.
Im Gerichtssaal kann dir niemand helfen. Von einem Augenblick auf den nächsten kann sich die Situation ins Gegenteil umkehren. In Sekundenbruchteilen musst du Entscheidungen treffen, die über Wohl und Wehe deines Mandanten entscheiden, und du musst dabei den Eindruck vermitteln, das und genau das hattest du erwartet, obgleich es deiner Verteidigungsstrategie gerade eben den Boden unter den Füßen weggerissen hat. Strafverteidigung ist Pokern mit dem Schicksal eines Menschen. Und du bist als Verteidiger permanent „All In“.
Seine Mandanten haben unstrittig getötet. Sie haben einem oder gleich mehreren Menschen das Leben genommen. Für viele ist es einfach, moralisch darüber zu urteilen. Mörder ist Mörder. Aber ist es wirklich so einfach? Veikko Bartel berichtet in sechs Fällen aus seiner Praxis als Strafverteidiger von völlig unterschiedlichen Menschen, die aus ebenso unterschiedlichen Gründen zu Tätern geworden sind: Angst um das eigene Leben und das seiner Liebsten, zutiefst verwurzelter und verletzter Glaube, Eifersucht, eine Kindheit voller Gewalt, die einen nichts anderes gelehrt hat… Nicht immer war es leicht, aber Bartel hat sie alle verteidigt und beleuchtet nun in seinem zweiten Buch die Hintergründe von Männern begangener Tötungsdelikte.
Nach „Mörderinnen“, seinem ersten Buch, in dem Bartel sich mit den Motiven und Abgründen von Frauen begangener Tötungsdelikte auseinander gesetzt hat, folgt nun logischerweise ein weiterer Band, in dem es um seine männlichen Klienten und ihre Geschichten geht. Warum zum Beispiel ist der überkorrekte Finanzbeamte durchgedreht und hat seiner Frau und deren Freundin die Kehlen durchgeschnitten? Welches Geheimnis war so wichtig, dass zwei Männer ihren autistischen Freund umbrachten, damit er es nicht ausplaudern konnte? Was ist in der Nacht passiert, nach der ein Mandant aus Thailand anruft und angibt, seine Freundin getötet zu haben, sich aber an nichts erinnern zu können? Hat der paranoide, einstige Berufssoldat, der jetzt in Indien festgesetzt wurde, wirklich einen Mann mit einer Armbrust erschossen? Und weshalb hat ein anderer Mandant den Mann auf grausame Weise umgebracht, der ihm seit Monaten Obdach bot und für ihn sorgte? Auch in diesem Buch hat Bartel sich wieder Fälle aus seiner Strafverteidigerkarriere ausgesucht, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Manche machen ehrlich betroffen, zum Beispiel der Fall des Mordes innerhalb einer Drücker-Kolonne oder die Hintergrundgeschichte zu dem sinnlosen Tötungsdelikt an dem Mann, der Bartels Mandant Obdach gewährt hat. Andere wirkten ein bisschen aufgebauscht, obwohl Bartel in seinem Vorwort extra betont hat, dass er die Tatsachen in den meisten Fällen eher noch abgemildert als ausgeschmückt hat. Am meisten Schwierigkeiten hat mir in der Hinsicht der Fall mit dem Scharfschützen in Indien gemacht. Die Dialoge wirkten eher wie das Drehbuch zu einem Film als wie ein Gespräch, das tatsächlich so stattgefunden hat. Nun war ich ja aber nicht dabei und klammert man diese Geschichte aus, kann ich guten Gewissens behaupten, dass mich die übrigen Fälle durchaus zu fesseln wussten. Bartels Schreibstil ließ sie wie schon beim vorigen Buch sehr angenehm runter lesen, sodass ich das Buch in kürzester Zeit verschlungen hatte. Am spannendsten fand ich tatsächlich das letzte Kapitel, indem sich Bartel mit dem Gewissen des Strafverteidigers auseinander setzt. Ein Mandant, den er vor vielen Jahren nach allen Regeln der juristischen Kunst vor der nachträglichen Sicherungsverwahrung bewahrt hat, hat nun eine Frau getötet – fühlt man sich da schuldig? Ist man für andere der Schuldige an diesem Verbrechen, das nie hätte stattfinden können, hätte man seinen Job zu einem früheren Zeitpunkt „schlechter“ gemacht? Zum Abschluss seines Buches gewährt er nochmal einen wirklich interessanten Einblick in den Gewissenskonflikt zwischen persönlichem moralischem Empfinden und der Verpflichtung gegenüber seiner Berufsethik und der Rechtssicherheit im Allgemeinen.
Kurzweilig führt Veikko Bartel durch sechs Fälle seiner Karriere, die voller Grausamkeit, aber auch menschlicher Tragödien stecken. Keiner von ihnen ist leicht zu verdauen und in keinem von ihnen hätte ich persönlich über, wie Bartel es nennt, Wohl und Wehe der Angeklagten entscheiden wollen – aber dieser Einblick trotzdem überaus spannend. Von mir gibt es daher vier verdiente Punkte für Bartels zweites Buch.
Mir wurde freundlicherweise das Buch als Rezensionsexemplar von Randomhouse zur Verfügung gestellt. Wie im Buch "Mörderinnen" vom gleichnamigen Autor sind auch diese Fälle aus der Sicht des Strafverteidigers erzählt wurden. Wieder erfährt man auch einige Dinge, die man lieber nicht erfahren hätte und die auch zeigen, dass das Leben halt nicht schwarz-weiß ist. Veikko Bartel erläutert auch ausführlich was ihn dazu bewegt hat Strafverteidiger zu werden und das er auch auf manche seiner "Siege" vor Gericht nicht stolz ist. Es gehört halt auch für einen Strafverteidiger dazu, dass man sich für seinen Mandanten einsetzt egal was dieser angestellt hat. Ich finde es wirklich bemerkenswert, wie er die Fälle beschreibt und das ohne in irgendeinerweise reißerisch oder groß wertend an die Sache heranzugehen. Das hat man ja leider teilweise bei anderen True-Crime-Büchern, vor allem wenn sie Laien schreiben. Rückblickend ist es schwer einen von den 6 Fällen herauszupicken, da ich jeden spannend und auch erwähnenswert fand. Die Hintergrundgeschichte, die zu dem Fall "Der Drücker" führte, hatte ja eine ganze Zeit lang eine große Medienpräsenz. Es ist erschreckend wie mit den Menschen in diesen Drückerkollonen umgegangen wird. Vor allem der letzte Fall mit dem Serienvergewaltiger hat es in sich und er zeigt einfach auch, dass unserer Rechtssystem alles andere als perfekt ist. Hier geht es speziell um das Thema Sicherheitsverwahrung, was ja kontrovers diskutiert wird. Aber auch die anderen Fälle sind nicht weniger spannend und es ist eigentlich von allem etwas dabei.
So wirklich negativ aufgefallen ist mir nur die Länge es Buches. Mir war es eindeutig zu kurz, denn es werden auf den 256 ganze 6 Fälle(+Vorwort und eine Art Nachwort) behandelt. Da sind halt auch die entsprechenden Kapitel ziemlich kurz, was ich sehr schade finde. Ich hätte gerne etwas mehr zu den einzelnen Fällen gelesen.
Fazit: Alles in allem war das Buch spannend zu lesen und mal solche Fälle aus Sicht eines Strafverteidigers zu lesen. Es ist einfach erschreckend zu was Menschen in der Lage sind und wie skrupellose diese vorgehen. Es werden hier echte Fälle beschrieben und das sollte man sich immer wieder vor Augen führen. Vor allem bei dem Fall des Serienvergewaltigers macht das einfach nur Angst! Was ich auch noch positiv hervor heben möchte ist, dass der Fokus durchgehend auf den Tätern liegt und nicht nur auf den Morden. So erfährt man sehr viel über die Tathintergründe oder wieso Veikko Bartel überhaupt deren Verteidiger wurde. Es zeigt halt einfach auch, dass diese Menschen trotz ihrer schlimmen Taten Mensch geblieben sind. Und deshalb ist es auch so wichtig, dass diese einen gerechten Prozess bekommen. Das Cover passt perfekt zum Buch, da es den nüchternen Schreibstil widerspiegelt und auch zum Buch "Mörderinnen" passt.
Wie bereits auch in "Mörderinnen" behandelt Veikko Bartel 6 Fälle seiner Beruflichen Laufbahn als Strafverteidiger, nur das der Fokus dieses mal auf Mörder gerichtet ist. Das Buch beginnt mit einem kurzen aber aussagekräftigen Vorwort und lässt sich in Abschnitten unabhängig voneinander lesen. Der Schreibstil ist wunderbar angenehm und ergreifend. Der Leser wird sofort ins Buch eingebunden und gelangt einen intimen Einblick der Verbrechen, Täter und der Gedankenwelt des Strafverteidigers. Die unterschiedlichen Fälle öffnen einen den Blick fürs Detail und lassen uns die Taten derer mit anderen Augen sehen. Beim lesen habe ich viele Gefühlswelten kennengelernt. Jedes Kapitel hat mich dazu gebracht diese Fälle aus anderen Blickwinkeln zu betrachten und ich habe mir oft die Fragen gestellt wie: Was treibt uns an? Was sorgt für unser Handeln? In wiefern können Gefühle Menschen zu solchen Taten bringen?
Besonders der letzte Abschnitt und Satz des Buches, hat mich mitgerissen und meine Gedanken im Dreieck springen lassen, in diesem letzten und für mich interessanten Abschnitt erfahren wir noch genauer wie es sich für den Strafverteidiger in der Realität anfühlt diese Rolle für den menschen einzunehmen und mit welche kämpfe er in seinem Job führen muss.
Das Cover überzeugt mit seiner schlichten Optik und reiht sich wunderbar neben seinem Vorgänger "Mörderinnen" ein.
Veikko Bartel hat es mit "Mörder" geschafft sein Meisterwerk "Mörderinnen" zu übertreffen. Für mich bislang eins meiner besten Real Crime Bücher.
Auch hier in seinem zweiten Buch erzählt Veikko Bartel wieder spannende Fälle. Er gewährt Einblick in die Gedankengänge von Tätern und sich selbst in seiner Position als Pflichtverteidiger.
Ich fand es sehr interessant zu sehen, wie er auch im Ausland mit interessanten Tätern zu tun hat. Sehr gut gelungen finde ich wieder, dass er nicht urteilt, sondern beschreibt, was vermutlich in den Gedanken der Täter vorgegangen sein muss. Ohne Zweifel sind diese Taten alle grausam, aber er arbeitet eben nach dem Gesetz und gibt sein bestes, die Mandanten ordnungsgemäß zu verteidigen. Auch wenn er selbst die Tat nicht befürwortet.
Interessant fand ich, dass er hier, im Gegensatz zu "Mörderinnen" (zumindest kam es mir so vor) mehr auf seine Rolle bei den Ermittlungen einging und weniger aus direkter Sicht des Täters schrieb.
Da ich beide Bücher gelesen habe, finde ich den Unterschied zwischen den Taten der Frauen und denen der Männer auch spannend. Männer begehen wohl eher Verzweiflungstaten, Frauen agieren geplant (natürlich nicht pauschal, aber hier zumindest).
Ich kann das Buch wirklich empfehlen und hoffe, es kommt noch mehr.
Gestern Abend habe ich in einem Rutsch das neue Buch von Veikko Bartel gelesen. Mich hat es so gefesselt, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte. . Worum geht's?: Das neue Buch von Veikko Bartel beschäftigt sich, wie der Titel schon verrät, mit Mördern. Veikko Bartel ist Strafverteidiger und beschreibt in "Mörder" insgesamt 6 Fälle, die er betreut hat. Der Leser hat es mal mit dem betrogenen Finanzbeamten oder einem Scharfschützen der Fremdenlegion zu tun, die zu Mördern werden. . Der Autor schildert u.a. die Biographien der Täter, die Umstände der Taten als auch die Strafverteidigung an sich. Der Schreibstil ist durchgehend flüssig. Bartel gelingt es, die Fälle wunderbar juristisch aufzuarbeiten und dem Leser verständlich darzustellen. . Fazit: Mit "Mörder" ist dem Autor ein weiteres True-Crime-Buch gelungen, das den Leser mitnimmt. Mitnimmt in die Welt, die Gedanken und Motive von Mördern, aber auch in die Welt eines Strafverteidigers. . Das Buch hat mir unglaublich gut gefallen und ich hoffe, dass Veikko Bartel auch weiterhin aus seinen Erfahrungen schöpfen kann und den Leser weiter auf eine Reise durch das deutsche Rechtssystem mitnimmt.
"Mörderinnen" hatte mich vor allem in der Art, wie der Autor Frauen beschreibt, gestört und der Schreibstil war auch eher holprig als flüssig. Ich hatte wirklich Hoffnung, dass es mir mit "Mörder" besser ergeht, aber leider finde ich hier nochmal andere Kritikpunkte, die mir das Leseerlebnis verschlechtert haben. In diesem Buch steht im Gegensatz zu Veikko Bartels anderem Buch weniger die Psyche des Menschen, sondern vielmehr die Arbeit des Strafverteidigers selbst im Fokus. Außerdem gab es für meinen Geschmack zu viele unwichtige und uninteressante Details außerhalb der Fälle. Dabei waren die Fälle selbst doch sehr interessant und hätten so spannend und gut erzählt werden können. Für mich leider eine Enttäuschung.
Es ist ein ganz interessantes Buch, aber ich habe mich häufig dabei erwischt, wie ich die Augen verdreht habe. Recht häufig stößt man auf Altherrenwitze und teilweise schimmert ein Frauenbild durch, dass auch für 2019 schon sehr altbacken ist. Da kommt Fremdscham auf.
Nachdem "Mörderinnen", das erste Werk von Veikko Bartel, ohne einen zweiten Gedanken meinerseits in die Jahreshighlights 2018 einziehen durfte, hab ich mich wahnsinnig auf den zweiten Teil "Mörder" gefreut und hab das ganze Buch sofort in einem Rutsch durchgesuchtet. Veikko Bartel, der lange Zeit als Strafverteidiger in Deutschland gearbeitet hat, erzählt in diesen beiden Büchern, von realen Fällen, von realen Menschen die er verteidigt hat und vor allem "Mörderinnen" ging mir wahnsinnig nahe, hat mich tief getroffen und hochgradig fasziniert (die gesamte Rezension zu "Mörderinnen" könnt ihr *hier* nachlesen).
Ich hatte also dementsprechend hohe Erwartungen an "Mörder", die zu einem großen Teil auch erfüllt wurden. Ohne Frage, eine gelungene Fortsetzung. Veikko Bartel erzählt in "Mörder" von sechs (beziehungsweise eigentlich sieben) Mördern, die er verteidigt hat und in deren Fälle er verwickelt war. Ich sags ganz frei heraus - "Mörderinnen" hat mir besser gefallen, allerdings ist "Mörder" immer noch mehr als einfach nur lesenswert.
In "Mörderinnen" lag der Fokus doch sehr auf dem "warum?", auf der Frage, wieso die vorgestellten Mörderinnen mordeten, was mich oft bis ins Mark traf und auf einer menschlichen Ebene sehr berührte. In "Mörder" verschiebt sich der Fokus ein wenig, zwar wird immer noch einigermaßen ausführlich auf die Hintergründe der einzelnen Mordfälle eingegangen, allerdings liegt das Hauptaugenmerk doch deutlich wo anders. Herr Bartels erzählt hier sehr viel ausführlicher von sich selbst, von seiner Arbeit als Strafverteidiger, von Gerichtssälen und auch, obwohl er sich damit wohl zurückgehalten hat und auch versuchte, Sachverhalte vereinfacht darzustellen, viel von den juristischen Gegebenheiten in Deutschland. Hab ich alles sehr interessant gefunden.
Veikko Bartel ist ohne Frage in seinem Beruf aufgegangen, man merkt ihm seine Leidenschaft auf jeder Seite an und ich liebe es, wenn Menschen von etwas mit Passion reden können, da höre ich immer gerne zu und so bin ich ganz leicht an den Seiten kleben geblieben. In mir ist eine neue Ehrfurcht vor dem Justizapparat und vor allem auch vor Rechtsanwälten entfacht und auch neues Verständnis, denn natürlich hab auch ich mir schon die Frage gestellt "Wie kann man so einen schlimmen Menschen auch noch verteidigen? Wie kann man das mit seinem Gewissen vereinbaren?". Danke also dafür Herr Bartel.
Die Episode in Indien fand ich einigermaßen unterhaltsam. kleine Anmerkung am Rande: Die Sprache heißt "Hindi" und nicht "Hindu". ^^'