Hat die Idee eine Zukunft, dachte ich mir zunächst? Es ist wohl eine offene, rhetorische Frage. Normalerweise sollte die Idee eine große Perspektive für eine bessere Welt eröffnen, auch und besonders angesichts der Erfahrungen aus der Pandemie. (Der Autor hat Soziologie, Philosophie und Psychologie studiert, das verspricht). Gibt es kontroverse Standpunkte oder ist die Sache klar?
Bei der Lektüre dieses in Essay Form verfassten Buches, springt zunächst ins Auge, dass der sehr belesene Autor den Diskurs auf hohem intellektuellen Niveau führt. Das stellt Ansprüche an den Leser, weil denn auch soziologische und andere theoretische Konzepte als bekannt angenommen werden. Das muss aber beim Rezipient Lambda nicht immer der Fall sein. Allerdings kann man nicht bestreiten, dass das Buch durch seine Dichte an Informationen besticht, seine Besprechung des Themas durch Bedienung der Erkenntnisse vieler großer Denker aus der Ideengeschichte aus der Antike bis jetzt nur so bespickt ist. Einige Kapitel sind zugänglicher und in ihrem Inhalt inspirierender als andere. Aber das tut diesem kompakt verfassten Buch dennoch keinen Abbruch. Ob die Idee ‘Solidarität’ eine Zukunft hat, muss der Leser schlussendlich selbst reflektieren; das Utensil diese Überlegung dafür anzustellen liefert dieses Werk allemal. Von der fordernden Leseerfahrung her vier Sterne, vom Mehrwert dieser Abhandlung sicherlich und ohne Abstriche fünf anerkennende Sterne.