Nearly four decades ago, Terence Ranger questioned to what extent African history was actually African, and whether methods and concerns derived from Western historiography were really sufficient tools for researching and narrating African history. Despite a blossoming and branching out of Africanist scholarship in the last twenty years, that question is still haunting. The most prestigious locations for production of African studies are outside Africa itself, and scholars still seek a solution to this paradox. They agree that the ideal solution would be a flowering of institutions of higher learning within Africa which would draw not only Africanist scholars, but also financial resources to the continent. While the focus of this volume is on historical knowledge, the effort to make African scholarship "more African" is fundamentally interdisciplinary. The essays in this volume employ several innovative methods in an effort to study Africa on its own terms. The book is divided into four parts. Part 1, "Africanizing African History," offers several diverse methods for bringing distinctly African modes of historical discourse to the foreground in academic historical research. Part 2, "African Creative Expression in Context," presents case studies of African art, literature, music, and poetry. It attempts to strip away the exotic or primitivist aura such topics often accumulate when presented in a foreign setting in order to illuminate the social, historical, and aesthetic contexts in which these works of art were originally produced. Part 3, "Writing about Colonialism," demonstrates that the study of imperialism in Africa remains a springboard for innovative work, which takes familiar ideas about Africa and considers them within new contexts. Part 4, "Scholars and Their Work," critically examines the process of African studies itself, including the roles of scholars in the production of knowledge about Africa. This timely and thoughtful volume will be of interest to African studies scholars and students who are concerned about the ways in which Africanist scholarship might become "more African."
Toyin Omoyeni Falola is a Nigerian historian and professor of African Studies. He is currently the Jacob and Frances Sanger Mossiker Chair in the Humanities at the University of Texas at Austin. Falola earned his B.A. and Ph.D. (1981) in History at the University of Ife, Ile-Ife (now Obafemi Awolowo University), in Nigeria. He is a Fellow of the Historical Society of Nigeria and of the Nigerian Academy of Letters. Falola is author and editor of more than one hundred books, and he is the general editor of the Cambria African Studies Series (Cambria Press), Falola served as the president of the African Studies Association in 2014 and 2015.
Der von Toyin Falola und Christian Jennings herausgegebene Sammelband Africanizing Knowledge: African Studies Across the Disciplines (Routledge 2002) bietet einen umfassenden Überblick über die afrikanische Forschung in verschiedenen Disziplinen und stellt dabei eine zentrale Frage in den Mittelpunkt: Inwieweit ist die Wissensproduktion über Afrika tatsächlich „afrikanisch“ – also wie sehr entsteht sie aus afrikanischen Perspektiven, mit afrikanischen Methoden und Interessen, getragen von afrikanischen Institutionen und Forschenden? Die Beiträge kritisieren die Dominanz westlich geprägter historiographischer Ansätze und die damit verbundenen epistemologischen Hierarchien. Sie fragen, wie wissenschaftliches Arbeiten so gestaltet werden kann, dass afrikanische Werte, Erfahrungen, Sprachräume und kulturelle Logiken mehr Raum erhalten. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei der Auseinandersetzung mit kreativen Ausdrucksformen – Literatur, Kunst und Musik –, die in westlichen Diskursen häufig exotisiert oder entfremdet dargestellt werden. Die Autorinnen und Autoren plädieren stattdessen für eine Anerkennung der jeweiligen kulturellen Kontexte und Eigenlogiken dieser Ausdrucksformen. Ein Schwerpunkt des Bandes liegt auf der kritischen Analyse der Darstellung afrikanischer Frauen in der Literatur, insbesondere im Spannungsfeld von Kolonialismus und indigener Patriarchie. So wird etwa Tsitsi Dangaremgbas Nervous Conditions herangezogen, um weibliche Selbstbehauptung im postkolonialen Raum zu diskutieren. Ein weiterer wichtiger Bereich betrifft die afrikanische Geschichtsschreibung, die die Bedeutung oraler Traditionen als legitime historische Methode hervorhebt und die Notwendigkeit betont, afrikanische Stimmen in der Geschichtserzählung zu privilegieren. Darüber hinaus werden methodologische Fragen der Feldforschung reflektiert – etwa die Auswirkungen zugeschriebener Mande-Patronyme auf die Interaktion mit Informanten oder die kreative Nutzung von Archivmaterial für die Erforschung afrikanischer Frauengeschichte. Schließlich beleuchten mehrere Beiträge postkoloniale Narrative in Kunst, Musik und politischer Erinnerung und untersuchen, wie sich afrikanische Identitäten und Konzepte von Modernität im Spannungsfeld globaler und historischer Einflüsse herausgebildet haben. Insgesamt bietet der Band eine interdisziplinäre und selbstkritische Reflexion über die Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen einer „Afrikanisierung“ des Wissens – und damit einen wichtigen Beitrag zur Dekolonisierung der Geistes- und Sozialwissenschaften. Beim Lesen dieses Bandes drängt sich jedoch ein weiterführender Gedanke auf: Das Projekt der „Afrikanisierung des Wissens“ steht vor einem strukturellen Dilemma, das weit über die Wissenschaft hinausreicht. Zwar existieren mit Institutionen wie der University of Ibadan, der Makerere University, der University of Cape Town oder dem CODESRIA in Dakar bedeutende Zentren afrikanischer Wissensproduktion, doch bleibt ihre internationale Sichtbarkeit begrenzt. Hinzu kommt der Zwang, in westlichen Sprachen und nach westlichen Standards zu publizieren, um akademische Anerkennung zu finden. Damit geht nicht nur ein Verlust sprachlicher und kultureller Eigenständigkeit einher, sondern auch die Entfremdung von einer lokalen Leserschaft – ein Phänomen, das sich ebenso in der afrikanischen Filmkultur zeigt, deren Werke oft im Ausland gefeiert, auf dem Kontinent selbst jedoch kaum gesehen werden. Viele Afrikanerinnen und Afrikaner weisen zu Recht darauf hin, dass diese Filme häufig Elend und Alltagsprobleme thematisieren – Realitäten, die man allzu gut kennt und nicht noch einmal auf der Leinwand erleben möchte. Stattdessen zieht es das Publikum zu indischen oder amerikanischen Produktionen, die Raum zum Träumen bieten. Schon Aristoteles bemerkte, dass Philosophie und Wissenschaft bei den ägyptischen Priestern erst entstanden, als für das Lebensnotwendige gesorgt war; Bertolt Brecht brachte denselben Gedanken in die zugespitzte Formel: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral.“ Das Problem ist dabei weniger ein Mangel an Ressourcen – an diesen hat Afrika keinen Mangel –, sondern der Gebrauch, der von ihnen gemacht wird: die externe Kontrolle, die Ausbeutung, die fehlende Wertschöpfung vor Ort. Solange also diese strukturellen Abhängigkeiten fortbestehen, bleibt die „Afrikanisierung des Wissens“ ein anspruchsvolles, vielleicht notwendigerweise unvollendetes Projekt – eines, das seine Maßstäbe neu definieren müsste, um wirklich von Afrika aus zu denken.