"Das Alter ist ein Zwergenstaat, regiert von jungen Riesen." Wer sagt das? Ein lyrisches Ich zwischen Glücksmomenten und Schwärze, Leere, Sturz. Beim Durchkämmen des Hundefells, beim Aufschneiden eines Apfels oder immer dann, wenn die Berge im Blau stehen, der Wind in den Bäumen rauscht, die Blätterschönheit den Atem raubt, kommt sie auf, die Frage, ob das das Glück sei, denn lange währt es nie. Schon fährt etwas dazwischen, Wörter, die wehtun, ausgesprochen von anderen, gegen die nur eines hilft: "Sich in Verse hüllen, als wären es Schutzgewänder, schön, weltabweisend, die Einbildung heißt Aufenthalt." In Martin Walsers neuem Buch finden sich Lebensstenogramme, mal sind sie lyrisch, mal essayistisch, immer aber berührend, tief empfunden, wahr.
Martin Walser was a German writer. He became famous for describing the conflicts his anti-heroes have in his novels and stories. In 1998 he was awarded the Peace Prize of the German Book Trade in Frankfurt. He was also the father of authors Johanna Walser, Theresia Walser and Alissa Walser.
Martin Walsers Buch „Spätdienst“ ist ein ganz besonderes Buch. Nicht nur weil es unglaublich ist, wie produktiv Walser trotz seines hohen Alters noch ist, sondern auch, wie gut das Ergebnis seines Schaffens ist. Um formal-literarische Kategorien kümmert sich Walser schon länger nicht mehr, so auch in diesem Buch nicht. „Spätdienst“ ist eine Buch voller Gedichte, Miniaturen, Reflexionen und Aufzeichnungen.
Auf thematischer Ebene greift das Buch nach ganz oben: Es geht um das Leben und Schreiben, um das Ich und das Wort. Es geht um Bekenntnisse und Stimmungen, Kommentare und Beobachtungen, Möglichkeiten und Klarheit. In „Spätdienst“ wird alles Erdenkliche festgehalten und aufgeschrieben. Alles mit einem Ziel: Die Angst des Vergessens und des Verschwindens unkenntlich zu machen. So entwickelt sich das Buch zunehmend zu einem sehr zarten Text über die Angst des Verschwindens und der Frage was von uns bleibt, wenn wir nicht mehr sind.
Ein weiteres Thema, das sehr stark behandelt wird, sind die „Gegner" von Walser, die Kritiker. Karasek, Löffler, Weidemann und Reich-Ranicki - alle bekommen hier ihr Fett weg. Auf humorvolle oder auch bitterböse Weise.
„Spätdienst“ ist eine Buch, das nur ein schon bekannter Schriftsteller wie Walser schreiben kann. Niemand würde solch ein Buch als Debüt lesen. So ein Buch entfaltet seine wahre Wirkung erst am Ende einer sehr langen Schriftstellerlaufbahn. „Früher oder später wird alles Kunst“, sagt das lyrische Ich gegen Schluss des Buches. Nicht alles, aber dieses Buch schon. Ich glaub für einen Einstieg in den Kosmos von Martin Walser ist dieses Buch nicht geeignet, für all jene, die mit dem Werk vertraut sind, ist „Spätdienst“ genau das Richtige, denn es ist Walser in seiner reinsten und natürlichsten Form.
Eine emotionale sowie poetische Biographie, die mich viel Überwindung beim Lesen gekostet hat. Martin Walser schaffte es mir immer wieder neue Einblicke sowie Gedanken im laufe des Buches zu geben. Dabei war für mich jedoch das Ende (ca. letztes Viertel) der Abschnitt den ich lieben gelernt habe. Verlust und Abschied wurden dort nah und poetisch dargestellt, wie ich es mir bei anderen Themen von Beginn an gewünscht hatte.
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