Dûhirion ist Dunkelelf und Assassine. Eine brisante Kombination, wenn man in Adular lebt, wo ein Dunkelelf nichts wert ist. Trotz der Gilde musste er schnell lernen was es bedeutet, am unteren Ende der Kette zu stehen. Ich mochte ihn. Kalt, emotionslos und doch verbirgt sich mehr hinter diesem harten Kern und dieser brutalen Vergangenheit, was es galt, zu erforschen. Blut, Gewalt und der Hauch von Gefühlen und Empathie sorgen für eine brisante Mischung. Je mehr man liest, umso tiefer gräbt man und doch hat man irgendwie nur an der Oberfläche gekratzt.Als krass empfand ich vor allem die Selbstverständlichkeit, mit der auf andere erniedrigend herabgeblickt wird, ja, man kann durchaus von Rassismus und Sklaverei sprechen, was in Adular mehr oder weniger normal scheint. Auch gegenüber den Foltermethoden wird kein negatives Wort verloren. Es ist selbstverständlich in einer solchen Welt. Als Leser stolpert man vor allem darüber, denn die Wut, dass es so ist wie es ist, dass sich nichts zu verändern scheint und der Hass, ja, der Hass, sind förmlich greifbar. Ich verstehe nun nur zu gut, wieso das nicht für jeden etwas ist. Dark Fantasy ist manchmal wirklich dark und es wird nichts beschönigt. Vielmehr wird der Leser dazu angehalten, sich mit einer solchen Situation auseinander zu setzen, was mich dazu brachte, an so machen Stellen das Buch einfach zur Seite legen zu müssen, aus Angst, den Reader ansonsten gegen die Wand zu pfeffern. Es ist Wahnsinn wozu bloße Worte im Stande sind.Der Schreibstil und die Art zu erzählen machten es mir so leicht. So leicht durch die Seiten zu fliegen, die Emotionen aufzugreifen, den Hass und die Gewalt zu spüren und mit den wechselnden Sichtweisen tiefer zu graben. Ja, richtig gelesen, es gibt wechselnde Sichtweisen und was wäre eine Geschichte ohne in love interest? Dies ist auch mit der einzige Kritikpunkt, den ich habe. Für mich hätte es keinen love interest geben müssen. Die Story an sich ist so wahnsinnig spannend, so vielschichtig und grandios, dass mich die „Liebesgeschichte“, die verbotene Liebe, an so mancher Stelle fast ein wenig gestört hat. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich durch Assassins Creed und Nevernight einfach vorbelastet bin und finde, dass eine solche Story auch gut ohne Liebe auskommt und es folglich nicht unbedingt gebraucht hätte. Vielleicht bin ich bei Assassinen einfach mit der Einstellung von Mia Corvere und den Assassinen aus Assassins Creed rangegangen, es gibt so viele Möglichkeiten meiner "falschen" Erwartung. Trotzdem war es dann doch irgendwie interessant zu lesen und ich kann voll und ganz verstehen, wieso so viele begeistert sind.Immerhin habe ich von Dark Fantasy ja das Bild im Kopf, Liebe muss nicht sein, taffe Protagonisten/innen und es geht meist nur um das Körperliche. Genau dieser Stilbruch kam unerwartet und wird für viele den Einstieg in dieses Genre vermutlich erleichtern, weil es einfach ein Lichtblick in der tristen und düsteren Welt ist, in der ein Fehltritt den Tod bedeuten kann. Dennoch, muss ich sagen, hätte ich auf diesen Teil doch irgendwie verzichten können, auch wenn es durchaus Sinn gemacht hat. Konnten so doch gut die Gegensätze der Gesellschaft dargestellt werden. Die Unterschiede, die Reibungspunkte, ohne die gewiss einiges in der Geschichte an Tiefe gefehlt hätte.Die Figuren, aus deren Sicht das Ganze erzählt wird, haben mir allerdings wahnsinnig gut gefallen. Vielschichtig, nachvollziehbar und vor allem so geschrieben, dass man sich irgendwo immer wiedergefunden hat oder dachte: DAS hätte ich genauso gemacht. Kombiniert mit der Entwicklung der Story habe ich den Eindruck, dass wir gerade ein Mal die Spitze des Eisberges betrachten. Umso gespannter bin ich nun auf Band 2. Wer ist Freund und wer ist Feind? Wem kann man letzten Endes wirklich noch vertrauen? All das werdet ihr wohl alleine herausfinden müssen.