Es ist schon beeindruckend wie sehr das Leben und die Gedanken vor 2000 Jahren noch dem heutigen Denken ähneln. Man liest fasziniert Beschreibungen von Landschaftsidyllen und der Landsitze des Autors, verfolgt neugierig seinen Tagesablauf (sehr viel lesen, sehr viel chillen), taucht in abenteuerliche Schilderungen ein wie Schwimmen mit Delphinen im Meer oder den Ausbruch des Vesuvs, und vieles mehr. Sogar Spukhäuser mit kettenrasselnden Gespenstern kommen vor. Immer wieder taucht auch auf, wie gern sich der Autor bei Tisch ein Buch vorlesen lässt. Der vermögende Mann von Welt leistete sich damals gebildete Sklaven anstatt eines Flatscreens mit 2m Bildschirmdiagonale. TV Dinner at its best. Und am Ende schreibt der Schöngeist noch stolz an den Kaiser, wie ihm bekennende Christen keine andere Wahl ließen, als sie zum Tode zu verurteilen und hinzurichten (natürlich nur nachdem er ihnen zuvor dreimal die Chance gegeben hat, ihrem Glauben abzuschwören). Welch wundersame fremd-vertraute Welt!
Wunderbar kurzweilig zu lesen, ich möchte es nur mit dem Satz: “Same, Same but different” beschreiben. Für alle literarisch Interessierten ist auch die Form des Kunstbriefes eine willkommene Gattung.