" »Bin ich etwa keine Frau*? Sehen Sie mich an! Sehen Sie sich meinen Arm an! Ich habe gepflügt, gepflanzt und die Ernte eingebracht, und kein Mann hat mir gesagt, was zu tun war! Bin ich etwa keine Frau*?« – Sojourner Truth, 1851
Als Sojourner Truth während ihrer Rede auf einem Frauenkongress in Akron, Ohio, die Frage stellte, ob sie denn keine Frau* sei, brachte sie eine Debatte ins Rollen, deren Ausmaß nicht abzusehen war. Sie hatte nämlich gleichermaßen weiße Frauen* für den Rassismus und Schwarze Männer für den Sexismus kritisiert, den sie Schwarzen Frauen* jeweils entgegenbrachten. Erst Ende des 20. Jahrhunderts, also fast 150 Jahre später, erhielt diese spezifische Form der Mehrfachdiskriminierung einen Namen. Es war Kimberlé Crenshaw, die 1989 den Begriff der ›Intersektionalität‹ prägte, der seitdem aus feministischen Diskursen nicht mehr wegzudenken ist.
Doch wie verliefen die Schwarzen feministischen Debatten bis dahin? Vor welchen Herausforderungen standen Schwarze Frauen*im Globalen Norden? Und was können wir heute von ihnen lernen? Der vorliegende Band dokumentiert die Kontinuität dieser feministischen intellektuellen Tradition anhand ausgewählter Texte von Sojourner Truth, Angela Davis, The Combahee River Collective, bell hooks, Audre Lorde, Barbara Smith, Kimberlé Crenshaw und Patricia Hill Collins. Sie erscheinen erstmals in deutscher Sprache und werden so einem breiteren Publikum zugänglich gemacht.!"
Dieses Buch ist unglaublich wertvoll und hat mich so viel gelehrt. Die unterschiedlichen Texte sind chronologisch sortiert und betrachten die Entwicklung des Feminismus und der Anti-Rassismus-Bewegung aus der Perspektive von Schwarzen Frauen, und zeigen, dass die Entwicklung des Schwarzen Feminismus dringend nötig war und ist. Die Texte zeigen so viele Zusammenhänge auf, die mir nicht bewusst waren, und sind auch aus heutiger Perspektive absolut relevant. Ich denke, dass dieses Buch ein sehr gelungener Einstieg in das Thema der Intersektionalität ist und auch viele Möglichkeiten aufzeigt, sich in diesem Bereich weiterzubilden.
Einziger Kritikpunkt ist die Verwendung des Begriffs "Frauen*": Ich hätte mir bei einem Buch, das Intersektionalität groß schreibt, gewünscht, dass eine Auseinandersetzung mit der transmysogynen Herkunft des Begriffs stattgefunden hätte. Darüber hinaus ist es auch absolut nicht inklusiv, trans* Männer, nicht-weibliche inter* und queere Personen, und nicht-binäre Personen mit diesem Begriff mitzumeinen, da ein Großteil von uns diese Bezeichnung als Misgendering empfindet. (Dasselbe gilt übrigens auch für die englischen Begriffe "womyn/womxn"). Außerdem finde ich die Lösung, mit dem Begriff "Mann" nur cis-hetero Männer zu meinen, schwierig, da queere und trans* Männer sich trotzdem angesprochen fühlen, da sie eben Männer sind. Hierbei wäre es sinnvoller gewesen, Begriffe wie "cis Männer", "Personen mit Sexismus-/Misogynieerfahrungen", und wie im Text von Audre Lorde, auch “cis Frauen“ zu verwenden, wenn es direkt um diese geht. (Dieser Artikel fasst es super zusammen: https://missy-magazine.de/blog/2018/0...)
Ich gebe dem Buch 5 Sterne, da ich die Themen essentiell für den Feminismus und die Auswahl der Texte sehr gut gelungen finde. In meinen Augen ein must read für alle Personen, die sich Feminist:innen nennen wollen.
Vielleicht werden sich nun manche Fragen: 'wozu braucht es denn Schwarzen Feminismus? Kann man nicht einfach nur von Feminismus reden?'. Falls ihr euch das gefragt habt, solltet ihr dieses Buch lesen (und falls nicht, auch; alle sollten dieses Buch lesen). Schon seit Jahrzehnten, inzwischen seit Jahrhunderten, prangern Schwarze Frauen an, dass sie beim Feminismus nicht mitgemeint, nicht inkludiert werden. Dass ihre Erfahrungen sich nicht mit denen von weißen Feminist:innen decken, bzw. nicht ausreichend abgedeckt werden.
Frauen wie Sojourner Truth, Angela Davis, bell hooks und Audre Lorde haben dies bereits thematisiert und für die Rechte der Schwarzen Frauen gekämpft - und traurigerweise lesen sich ihre Texte heute teilweise noch sehr aktuell. Natasha A. Kelly hat, gemeinsam mit anderen Übersetzer:innen, einige der wichtigsten Texte des Schwarzen Feminismus neu ins Deutsche übersetzt und chronologisch angeordnet. Neben den oben genannten, tauchen noch Texte vom Combahee River Collective, Barbara Smith, Kimberlé Crenshaw und Patricia Hill Collins auf.
Sehr spannend ist auch das Vorwort von Natasha A. Kelly selbst, in dem u.a. Herausforderungen der rassismus- und sexismuskritischen Übersetzung sehr verständlich thematisiert werden. Vermutlich würden in einer aktuellen Ausgabe (meine ist vom März 2019) wieder andere Formulierungen gewählt werden, da sich die Debatten um Diskriminierungsfreie Sprache so schnell weiterentwickeln.
Ich hab mir für dieses Buch sehr viel Zeit gelassen, da es keine leichte Kost ist. Jeden einzelnen Beitrag fand ich sehr überzeugend und interessant, keiner war zu viel. Auch, wenn es insgesamt ein paar Redundanzen gab - was schlicht daran liegt, dass die Autorinnen sich teilweise auch aufeinander beziehen.
Spannende Anregungen und Gedanken, wie sich Schwarzer Feminismus von anderen Arten unterscheidet. Im Prinzip wusste ich natürlich um die Mehrfachmarginalisierungen, aber ich habe noch ein paar weitere Erfahrungsdimensionen erfassen können.
Unglaublich bereichernd. Ein historischer Abriss des schwarzen Feminismus anhand zentrales, manifestartiger Schriften, die hier erstmal in deutscher Übersetzung vorliegen. Auch ein toller Einstieg für das Thema Intersektionalität.
Wenn man in Deutschland wieder von einem Fall von rassistischer Polizeigewalt in den USA hört, dann heißt es oft "Wirklich schlimm, aber zum Glück ist das bei uns ja nicht so". Das diese Aussage so nicht stimmt und es auch in Deutschland genug Fälle von Rassismus in allen Institutionen gibt, macht es nötig, dass sich die weiße Bevölkerung hierzulande endlich mit ihrem eigenen internalisierten (verinnerlichten) Rassismus auseinandersetzt. Mitglieder linker Strömungen wie Feminismus sind davon nicht ausgenommen. Dieses Buch ist ideal für weiße Feministinnen die keinen weißen, sondern intersektionalen Feminismus voranbringen wollen und natürlich auch für alle die sich aus welchen Gründen auch immer für die wunderbaren Texte interessieren, die der Schwarze Feminismus über die Jahre hervorgebracht hat. Wer sich über Beruf oder Studium mit den angesprochenen Themen beschäftigt hat lernt vielleicht nicht so viel neues, aber gut zu lesen ist es allemal. Grade in Zeiten in denen Identitätspolitik gerne kritisch betrachtet wird, zeigt dieses Buch warum es so unfassbar wichtig ist manchmal eben doch auf die spezifische Identität einer Gruppe einzugehen, damit die Probleme mit denen diese Gruppe zu kämpfen hat gelöst werden können. Einen Text aus dem Buch, den von Kimberly Crenshaw in dem sie den Begriff der Intersektionalität prägt kannte ich schon im englischen Original aus der Uni. Die Übersetzung wird dem Text mMn aber absolut gerecht, ebenso im Rest des Buches. Und das die deutschsprachige Leser*innenschaft nun müheloser Zugriff auf diese Texte aus dem amerikanischen Kontext hat ist nur zu Begrüßen.
Ich fand die Auswahl der Texte sehr gelungen und mochte, dass sie sich teilweise sogar aufeinander bezogen. Insbesondere der historische Aufbau gefällt mir sehr gut! Mit den letzten beiden Texten hatte ich etwas Schwierigkeiten, konnte aber auch daraus etwas mitnehmen. Von der Schreibweise „Frau*“ etc. bin ich gar kein Fan, aber vielleicht würden die Übersetzer*innen es mittlerweile selbst auch anders machen. Insgesamt ein wirklich sehr tolles und erhellendes Einführungswerk in den Schwarzen Feminismus.
Sehr gute, aufschlussreiche Grundlagentexte über den schwarzen Feminismus. Weckt Interesse für mehr! Leider habe ich einige Abschnitte nicht so gut und leicht verstanden, daher nur vier Sterne.