Vielleicht werden sich nun manche Fragen: 'wozu braucht es denn Schwarzen Feminismus? Kann man nicht einfach nur von Feminismus reden?'. Falls ihr euch das gefragt habt, solltet ihr dieses Buch lesen (und falls nicht, auch; alle sollten dieses Buch lesen). Schon seit Jahrzehnten, inzwischen seit Jahrhunderten, prangern Schwarze Frauen an, dass sie beim Feminismus nicht mitgemeint, nicht inkludiert werden. Dass ihre Erfahrungen sich nicht mit denen von weißen Feminist:innen decken, bzw. nicht ausreichend abgedeckt werden.
Frauen wie Sojourner Truth, Angela Davis, bell hooks und Audre Lorde haben dies bereits thematisiert und für die Rechte der Schwarzen Frauen gekämpft - und traurigerweise lesen sich ihre Texte heute teilweise noch sehr aktuell. Natasha A. Kelly hat, gemeinsam mit anderen Übersetzer:innen, einige der wichtigsten Texte des Schwarzen Feminismus neu ins Deutsche übersetzt und chronologisch angeordnet. Neben den oben genannten, tauchen noch Texte vom Combahee River Collective, Barbara Smith, Kimberlé Crenshaw und Patricia Hill Collins auf.
Sehr spannend ist auch das Vorwort von Natasha A. Kelly selbst, in dem u.a. Herausforderungen der rassismus- und sexismuskritischen Übersetzung sehr verständlich thematisiert werden. Vermutlich würden in einer aktuellen Ausgabe (meine ist vom März 2019) wieder andere Formulierungen gewählt werden, da sich die Debatten um Diskriminierungsfreie Sprache so schnell weiterentwickeln.
Ich hab mir für dieses Buch sehr viel Zeit gelassen, da es keine leichte Kost ist. Jeden einzelnen Beitrag fand ich sehr überzeugend und interessant, keiner war zu viel. Auch, wenn es insgesamt ein paar Redundanzen gab - was schlicht daran liegt, dass die Autorinnen sich teilweise auch aufeinander beziehen.