Alice Weidel formuliert in ihrem Buch den Anspruch, die politische Lage in Deutschland (und Europa) zu erfassen und ein Gegenkonzept zum Status Quo aufzuweisen. Aus folgenden Punkten ist das Frau Weidel nur bedingt gelungen:
- Belege: Die Autorin bezieht sich auf viele Zitate und Konzepte anderer Personen und leitet hier ihre Erkenntnisse her. Allerdings fällt auf, dass keinerlei Fußnoten mit entsprechenden Quellen verwendet werden. An vielen Stellen wäre ein Verweis zwingend notwendig, insbesondere wenn konkrete Zahlen verwendet werden. So bleibt der Beigeschmack, dass die durchaus interessanten Aussagen ihre Nachvollziehbarkeit verlieren und wie eine persönliche Empfindungen der Autorin wirken.
- Kritische Einordnung: Dem Titel entsprechend gibt die Autorin "Widerworte", allerdings deutlich zu einseitig. Insb. die EU-Kritik blendet sämtliche Vorteile der EU für Deutschland aus (zb der Binnenmarkt) und lässt so den Verdacht zu, Frau Weidel könne das Thema nicht tief durchblicken oder sei getrieben von einer politischen Agenda, welche sich nicht durch Fakten korrigieren lassen möchte und nur Kritik der Kritik wegen äußert. Auch hier gilt - die durchaus richtigen und wichtigen Kritikpunkte der Autorin werden durch diese Herangehesweise ziemlich entwertet.
- Lesbarkeit: Von einem politischen Buch kann man nicht unbedingt erwarten, dass es eine angenehme Lesbarkeit hat. Ein Mindestmaß sollte schon gegeben sein - was hier leider nicht der Fall ist. Satzstruktur und Begriffe sind nicht durchgehend ausgefeilt. Wäre der Inhalt von bestechlichem Tiefgang mit komplett neuen Erkenntnissen geprägt, wäre das sicher kein Problem. So bleibt die Lektüre aber ein sprachlich nicht ausgereiftes Werk mit für ein Buch dieses Anspruchs fehelendem tiefen Content.