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Freiraum

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»Mit großer Zärtlichkeit spürt Svenja Gräfen den Gefühlen ihrer Protagonistinnen nach. In dieser Geschichte nähert sie sich über das Private dem Politischen. ›Wie wollen wir leben?‹ lautet die Frage, die diesen Text vorantreibt.« Julia Wolf.

Eigentlich führen Vela und Maren eine glückliche Beziehung, sie hegen einen gemeinsamen Kinderwunsch. Aber all ihre Träume und Pläne zerbröseln zunehmend an den Anforderungen der Großstadt. Maren will ausbrechen und ein alternatives Leben führen; am Rande der Stadt, in einem Haus mit vielen anderen, ohne Mieterhöhungen und permanente Konkurrenz. Hier ist auch Theo, um den in dieser Gemeinschaft alles kreist. So wie er versuchen Vela und Maren ihren neuen Platz zwischen Hoffnung, Zukunftsangst und der Frage nach dem richtigen Leben zu finden.

Svenja Gräfen zeichnet mit großem Einfühlungsvermögen und einer scharfen Beobachtungsgabe ein neuartiges Bild unserer modernen Welt.

304 pages, Hardcover

First published March 29, 2019

252 people want to read

About the author

Svenja Gräfen

7 books11 followers

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Community Reviews

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20 (9%)
1 star
1 (<1%)
Displaying 1 - 23 of 23 reviews
Profile Image for Isabella.
504 reviews118 followers
November 9, 2019
Reread, 9.11.19
Hatte keine Ahnung, dass ich das Buch noch mehr appreciaten könnte, aber here we are.

März 2019
Im vierten Semester schrieb ich eine Hausarbeit zu dem Verhältnis von Stadt und Land in Erich Kästners Fabian. Es gab kaum romanspezifische Sekundärliteratur zu diesem Thema, generell war die Lage der Sekundärliteratur wenig zufriedenstellend und irgendwann arbeitete ich mich dann lieber durch die Primärliteratur. Ich hatte viel Zeit für die Hausarbeit und recherchierte dementsprechend so viel, dass ich am Ende nicht mehr wusste, wo mir der Kopf stand, dass ich mehr als die geforderten Seiten schrieb und noch mehr hätte schreiben können. Der Stadt-Land-Diskurs hat mich seitdem nicht mehr losgelassen, in Literatur, in Serien, Filmen, irgendwie auch in mir selbst.

Als ich von Freiraum hörte, wusste ich daher sofort: Das muss ich lesen. Nicht nur ein Roman, der eine Beziehung zwischen zwei Frauen in den Mittelpunkt stellt, sondern einer, der diesen Diskurs nimmt und fortsetzt, der ihn auf unsere Zeit anwendet. Wie froh ich war, dass man auf der Buchmesse den Roman schon ein paar Tage vor Erscheinen kaufen, dass ich ihn sofort verschlingen konnte.

Das vorweg: Ich bezweifle, dass es richtige Antworten gibt, wie man die Stadt-Land-Spannung in moderner Literatur fortsetzen kann, aber Svenja Gräfens Antworten sind einfach großartig, so pointiert, so klug. Der Schreibstil ist täuschend leicht, geradezu umgangssprachlich: Anführungszeichen gibt es gar nicht erst, trotzdem weiß man immer, wer wann spricht, Sätze sind mehr Fragmente als alles andere, manchmal schiebt Gräfen einfach ein Komma zwischen zwei Hauptsätze und der Text fließt und fließt und fließt, entwickelt einen Sog, der mich dazu brachte, die letzten sechzig Seiten mit angehaltenem Atem zu lesen.

So einen Schreibstil muss man mögen, das ist klar. Ich selbst störe mich oft an umgangssprachlichen Formulierungen in Dialogen, wenn der restliche Text total steif und förmlich ist, aber da Gräfen das so konsequent durchzieht, ist es mehr, als wäre Vela direkt neben mir, würde mir ihre Geschichte erzählen, ungefiltert, unbeschönt. Einfach authentisch, so, wie es passiert ist, ohne Schnörkel. Obwohl Vela und Maren Anfang dreißig sind und die anderen Mitbewohner_innen sich in ähnlichen Altersregionen befinden, also wesentlich älter sind als ich, schaffte die ganze Atmosphäre des Romans ein immenses Identifikationspotential.

Gräfen gelingt es ziemlich gut, dem großen Cast einiges an Individualität trotz der begrenzten Seitenanzahl zu vermitteln. Es gibt Figuren, die blasser bleiben als andere, ja, aber ich hatte nie Probleme, sie auseinanderzuhalten, wusste immer, wer mit wem und wer was macht, wer wie drauf ist. Es gibt welche, die mir sympathischer sind als der Rest – Vela, Darek –, aber keine_r von ihnen ist perfekt, alle sind mehr oder weniger unvollkommen, was sie ja gerade so großartig macht.

Als ich Gräfen auf der Buchmesse lesen hörte, beschrieb sie Vela als Suchende, etwas, auf was der Roman immer wieder zurückkommt: Vela sucht nach einer besseren Wohnung, sie sucht Ruhe, sie sucht Erfüllung, sie sucht Geborgenheit, sie sucht ein Zuhause? In dem Stadt-Land-Diskurs, der sich Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland herauszubilden begann (und, ja, auch später von den Nationalsozialisten angeeignet wurde, siehe „Heimat“ als Kampfbegriff), wurde die Stadt oftmals als Bedrohung wahrgenommen. Als etwas, das krankmacht. Kein Wunder: Mit den Fabriken und bald den ersten Autos wurde die Stadt schmutziger, ungnädiger, die Arbeitslosenzahlen stiegen, nie gab es genug, aber immer zu viele Menschen. Es ist nicht länger die schmutzende, lärmende Großstadt, die im Vordergrund steht; zumindest Freiraum erweckte auf mich fast den Eindruck, als würde die Großstadt aktiv Menschen abstoßen, würde sagen: Hier hast du keinen Platz. Ich will nicht, dass du bleibst. Steigende Wohnpreise sind ein unglaubliches Problem in fast jeder Großstadt heutzutage, und das, obwohl wir die Großstädte brauchen. Dort arbeiten wir, dort geht es voran. Und doch scheinen uns die Städte (und selbstverständlich die Mechanismen, die hinter ihnen stehen) loswerden zu wollen.

Im Umkehrschluss galt das Land als ultimative Rückzugs- und Heilmöglichkeit. Als Gegenpol zur Stadt, als Möglichkeit, die strapazierten Nerven zu entlasten. Als bodenständig, dort, wo die Wurzeln sind. In Fabian ist das Land nicht mehr genug, um den gleichnamigen Protagonisten zu heilen, Fabian ist bereits zu krank. In Freiraum wird das Haus in dem abgelegenen Dorf, in das Vela und Maren ziehen, im wahrsten Sinne des Wortes als Freiraum verkauft – als heilender, wohltuender Ort:

Er sagt: Also, die Idee hier ist, tatsächlich eine Alternative zu schaffen. Freiraum. Einen Ort, an dem es um mehr geht als um so ein Nebeneinander.
(Svenja Gräfen: Freiraum, S. 10)


Wieder wird der Faden des jahrhundertealten Diskurses aufgenommen, aber weitergesponnen, vielmehr die Idee des heilsamen Landes überhaupt in Frage gestellt. Vielleicht, wird im Laufe des Romans aufgeworfen, vielleicht geht es gar nicht nur um Dorf vs. Stadt, vielleicht ist es an der Zeit, zu hinterfragen, welche Menschen diese Orte bewohnen. Hinzu kommt die Mobilität: Wie leicht es heute ist, von der Stadt zum Dorf zu fahren und umgekehrt, wie das mehrmals am Tag möglich ist.

Vela könnte keine geeignetere Protagonistin für diese Geschichte sein: Sie leidet unter der Welt, ist immerzu nervös, kann keine schnellen Entscheidungen treffen, ist stets von Gedanken und Überlegungen geplagt und leicht überfordert. Zwischenmenschliches fällt ihr schwer. Oft ist sie nur leise, ist die Person, die nie lernt, wie man sich in größeren Gruppen ins Gespräch einbringt. Dadurch wird sie automatisch zu einer Figur, an der vieles gespiegelt wird: das Verhalten ihrer Mitbewohner_innen, überhaupt ihr ganzes Umfeld. Neben ihrem eigenen Gedankenwirrwarr verinnerlicht sie die Sorgen und Geheimnisse der anderen, droht, selbst in der Unmenge an Empfindungen, die nicht ihre eigenen sind, unterzugehen. Damit sucht sie letztendlich auch nach ihrer eigenen Stimme, damit wird sie geradezu zum Symbolbild für all die, die noch nicht ihren Platz in der Welt gefunden haben, die, unter deren Füßen der Boden stets zu wanken scheint.

Zu guter Letzt ist es toll, wie mühelos Queerness in Freiraum repräsentiert wird, wie erwähnt wird, wie Darek mit einem männlichen Date unterwegs ist, dass ein anderer Mitbewohner sowohl Verhältnisse mit Frauen als auch Männern hat, bei Vela und Maren geht es um die Frage nach Nachwuchs. Zusammen mit der Stadt-Land-Thematik des Romans, mit der Ausführung, dem Schreibstil, den Charakteren – es ist kein Wunder, dass Freiraum mich auf voller Linie begeistert und mitgerissen hat.
Profile Image for hanna.
271 reviews
June 14, 2020
oh mann. das war einfach perfekt. ich wusste, dass ich das buch mögen würde und jetzt habe ich es in weniger als 24 stunden gelesen und geliebt!

svenja gräfens sprache hat mich umgehauen. sie war so besonders und gleichzeitig genau nach meinem geschmack! poetisch und sachlich zugleich, und macht dabei alles intim, als wäre man den figuren ganz nah. you had me at dritte person präsens... davon bin ich ein fan, wenn es gut umgesetzt wird!!

inhaltlich war die geschichte auch absolut spannend. das leben im hausprojekt, wie es beschrieben wird, macht mich neugierig, und ich habe mir vorgestellt, auch so zu wohnen. später schleicht sich etwas dunkles in die geschichte - ich hatte schon so eine ahnung; gerade was eli angeht, hat mich diese wendung nicht so sehr überrascht. das buch ändert sich dadurch aber total, was mir auch sehr gefällt!

außerdem gefällt mir, dass nicht alles am ende gelöst wird. ich muss zugeben, dass ich nach dem letzten satz umgeblättert habe und dann ein bisschen erstaunt war, dass da schon die danksagung steht. aber je mehr ich darüber nachdenke, desto realistischer kommt mir das offene ende vor! ich will wissen, wie es mit vela und maren und auch den anderen personen weiter geht, aber gleichzeitig wird mir so nichts weggenommen. die geschichte lebt sowieso davon, dass vieles zwischen den zeilen passiert.

mein highlight war aber trotzdem irgendwie die liebesgeschichte, die in rückblenden erzählt wird. so echt und authentisch und einfach schön.

insgesamt bin ich so froh, freiraum gelesen zu haben und werde es allen empfehlen und mir bald das debüt der autorin holen!
Profile Image for Williesun.
495 reviews37 followers
November 30, 2020
Ich weiß nicht so recht, ob ich das gleiche Buch wie die anderen Rezensenten gelesen habe. Leider hat mich die Story überhaupt nicht gefesselt, gefühlt ist nichts passiert, außer dass Vela und Maren in ein Hausprojekt einziehen, in dem schon Marens Schwester wohnt mit einer Sammlung weiterer Charaktere.
Im Rückblick erfährt der Leser mehr über Maren und Velas Beziehung und ihren Weg ins Hausprojekt.

Sprachlich fand ich das Buch super, vom Stil her fand ich es interessant und definitv lesenswert, aber die Erfahrungen, die die beiden im Hausprojekt machen, haben mich nicht gefesselt. Halte ich das dargestellte für realistisch? Definitiv, aber es war anscheinend keine Geschichte für mich.
Profile Image for erik.
61 reviews7 followers
January 6, 2023
ein interessanter rahmen den svenja gräfen erschafft, figuren mit potentieller tiefe in einer sehnsucht die jede person aus der stadt kennen mag

leider lässt sie ihre figuren dort, in ihrem rahmen, schafft ihnen keinen "freiraum" um auszubrechen, sich zu entwickeln, ihre tiefe auszubauen und verharrt dadurch in einer möglichkeit die der:die leser:in als etwas zäh zu spüren bekommt

vielleicht auch die erkenntnis, dass ein wirklicher freiraum nie existieren kann?
Profile Image for _Leselust_.
295 reviews38 followers
August 26, 2019
Kurzmeinung:
Konnte meine hohen Erwartungen nicht ganz erfüllen. Die Geschichte behandelt interessante und aktuelle Themen, aber leider haben mir weder der Schreibstil noch die Charaktere so gut gefallen, wie beim Debütroman.

Meine Meinung:
Ja, zugegeben, dieses Buch hatte es mit mir nicht leicht. Von Gräfens Debütroman "Das Rauschen in unseren Köpfen" war ich ja absolut begeistert. Deswegen waren meine Erwartungen an dieses neue Buch auch extrem hoch. Und eben diese hohen Erwartungen konnte die Geschichte leider nicht ganz erfüllen.
Aber warum eigentlich nicht? Die Charaktere sind mir irgendwie nicht so richtig nahe gekommen, sind mir zu blass geblieben. Es gab mir zu viel Hin und Her zwischen den verschiedenen Zeitebenen.
Auf der einen Zeitebene erfahren wir, wie Vela und Maren sich kennengelernt und sich ineinander verliebt haben. Wie zunächst alles rosarot war und dann nach und nach die ersten Probleme auftauchten. Die Wohnung zu eng, das Geld zu knapp, der Job eine Notlösung, Unsicherheit bezüglich der Zukunftsperspektiven. Das alles belastet die junge Beziehung. Auf der zweiten Zeitebene erhalten wir Einblicke in das Leben in einer WG etwas außerhalb der Stadt, in die Vela und Maren gezogen sind. Platz ist dort genug, auch im schönen Garten. Aber dort ist auch Theo, der Eigentümer des Hauses und selbsternannter spirituelle Anführer der Gruppe, der Vela von Anfang an suspekt ist.
Leider hat mich die Handlung irgendwie nicht so mitreißen können. Denn dafür waren die Beschreibungen nicht atmosphärisch genug, die Charaktere und Dynamiken nicht interessant genug, als das sie das Fehlen eines spannenden Plots hätten auffangen könnten. Dabei werden viele aktuelle Themen angesprochen. Probleme, von denen sich wohl viele Menschen (meiner Generation) angesprochen fühlen. Konflikte in der Beziehung, geeigneten und bezahlbaren Wohnraum in der Stadt zu finden, Schwierigkeiten beim Berufseinstieg und dem Verwirklichen der eigenen Träume und Vorstellungen, ein (unerfüllter) Kinderwunsch. Eigentlich alles echt spannende und aktuelle Themen. Und auch das Lebensgefühl der nach 1990 Geborenen und in der Stadt Lebenden wurde wirklich gut eingefangen. In vielen der Themen, Situationen und Probleme konnte ich mich sehr gut wiederfinden. Und trotzdem hat mich die Handlung nicht wirklich mitnehmen können. Ich habe das Buch immer wieder weggelegt, war nicht gefesselt, wie es mir bei der fast schon rauschartigen Lektüre des Debütromans ging.
Gut gefallen hat mir, neben der Themenauswahl, die Repräsentation einer gleichgeschlechtlichen Beziehung. Diese wurde ganz natürlich eingeführt und steht vollkommen gleichberechtigt neben den heterosexuellen Beziehungen. Das hat mir richtig gut gefallen.
Und auch die Liebesgeschichte zwischen Vela und Maren fand ich toll dargestellt. Svenja Gräfen versteht es großartig, zwischenmenschliche Gefühle so zu beschreiben, dass es sich natürlich und echt anfühlt. Keine kitschigen Liebesromangefühle, sondern echte, menschliche, alltägliche.


Fazit:
Ihr merkt vielleicht, dass ich bei diesem Roman wirklich etwas hin - und hergerissen bin. Einerseits gab es Vieles, was mir wirklich gut gefallen hat, andererseits blieb die große Begeisterung (wie ich sie bei dem Debütroman verspürt habe) leider aus.
Eine gute Lektüre ist dieses Buch aber allemal und besonders für Leser*innen meiner Generation zu empfehlen. Ganz dringend empfehlen möchte ich euch aber auf jeden Fall die Lektüre des Debütromans "Das Rauschen in unseren Köpfen", das zu meinen Jahreshighlights 2017 gehörte.
Profile Image for Miss Bookiverse.
2,236 reviews87 followers
July 5, 2020
[3.5 Sterne]

Über Svenja Gräfens Schreibstil lässt sich streiten. Es ist ein bisschen konstruiert, wie ständig die Subjekte nachgestellt werden oder ganz fehlen, wie viel im Passiv formuliert wird, aber irgendwie fließt es trotzdem und ich bin nur hin und wieder über Sätze gestolpert, die zu unförmig gebaut waren.

An der Geschichte selbst hat mich vor allem die Situation, das Einziehen von Vela und Maren in ein Gemeinschaftshaus, und die undurchschaubare Perspektive von Vela gereizt. Ihr ständiges Beteuern darüber, dass alles gut ist, macht misstrauisch und erzeugt das ungute Gefühl eines aufkommenden Übels. Außerdem führt ihre passive Art dazu, dass sie an allen Ecken Puzzleteile aufsammelt und am Ende als Einzige ein klares Bild der Situation vorliegen hat.

Und dann ist da das Ende, was mich unzufrieden zurückgelassen hat. Gar nicht weil es so offen ist, sondern weil es dem Roman jegliche Entwicklung abspricht, denn irgendwie befinden wir uns letztendlich genau da, wo wir auf Seite 1 begonnen haben.
Profile Image for Hannah O‘Neill.
50 reviews6 followers
July 31, 2021
Genau wie die Protagonistinnen im Buch war ich während der ersten 200 Seiten auch auf der Suche: Sie nach einem Lebensmodell, das zu Ihnen passt, ich nach dem Plot. Umso mehr war ich überrascht, wie mich das letzte Drittel komplett in seinen Bann gezogen hat. Da habe ich sogar den Schreibstil vergeben, der sicherlich Geschmackssache ist. Auch habe ich dann im Nachhinein verstanden, wie geschickt die Autorin den Spannungsbogen aufgebaut hat. Die Themen im Buch treffen die aktuellen Sorgen und Sehnsüchte einer Person wie mir - urban, jung, akademisch, weiß - auf den Punkt und werden komplex aufgearbeitet. Für den Sommer ein perfektes Buch, ich habe es gern gelesen.
Profile Image for Gina Carlotta.
102 reviews
May 18, 2022
Ein Buch über die Grenzen eines alternativen Wohnmodells in unserer Gesellschaft und alles dazwischen. Mit so einer besonderen Sprache geschrieben, die nicht gewollt wirkt, sondern wohl einfach so sein muss. Das Ende hat mich leider nicht ganz überzeugt und ich hätte mir ein paar Beziehungsstränge expliziter gewünscht.
Profile Image for Lorenz Adlung.
152 reviews8 followers
June 14, 2019
Nach ihrem Erstling ("Das Rauschen in unseren Köpfen"), den ich sehr gelungen fand, habe ich auch den zweiten Roman von Svenja Gräfen gelesen. Freiraum spielt gekonnt mit den Gedanken meiner Generation, geboren in den Wendejahren. Freiraum befasst sich mit zu hohen Mieten und zu engen Lebensentwürfe. Freiraum für alle bedeutet nämlich auch immer Einschränkungen für jeden. Freiraum ist der Name eines Wohnprojektes. Freunde und Bekannte leben gemeinsam in einem Haus im Dorf am Rande der Stadt. Obwohl alles geteilt wird (Autonutzung, Lebensmittelbeschaffung und -zubereitung, Kindererziehung etc.), scheitert es schon daran, ein gemeinschaftliches Format zum kommunikativen Austausch zu finden. Eine Art Gruppenbesprechung aller Zusammenwohnenden scheitert in ihrer Entstehung.
Im Zentrum der Geschichte steht Vela, die eigentlich Journalistin werden will, jedoch kein Angebot für ein Volontariat erhält. Velas Unsicherheit paart sich mit dem nahezu unerschütterlichen Frohmut ihrer Liebhaberin, Maren, die sich als Tanzlehrerin verdingt.
Der Roman beginnt mit dem Einzug von Vela und Maren in das Freiraum-Haus, wo unter Anderen bereits Marens Schwester Jo mit Freund Karsten und Kleinkind Eli lebt. Von da an wird in kurzen Episoden erzählt; mit Kapitel-weisen Rückblenden auf Vela und Maren bis zum Einzug. Vela führt viele innere Monologe, die ihre wirre Gedankenwelt, ihre Ängste und Unsicherheiten verdeutlichen. Aktiv an Gesprächen nimmt Vela selten teil. Es wirkt, als würden alle Figuren permanent eine lange Aussprache von Vela erwarten, die allerdings nie tatsächlich stattfindet. Stilistisch sind dabei wie schon im ersten Buch elliptische Satzkonstruktionen charakteristisch, die bisweilen inhaltlich und semantisch leider schwach konstruiert sind: "Und mit Aufspielen meint sie vor allem, dass er sich gibt, als würden sie sich schon viel länger kennen. Als wären sie alter Freund und alte Freundin. Es ist nicht so, dass er ihr unsympathisch wäre, dass sie unangenehm fände, wie er sich verhält. Ihr gegenüber. Sie fragt sich bloß, einfach so, trotzdem, Vela fragt sich oft. Darek schnallt sich an und hält ihr mit der freien Hand ein Päckchen Kaugummi hin. Möchtest du?"
Der Vielzahl an Personen im Freiraum-Haus ist es wohl geschuldet, dass deren charakterliche Schraffierung im Einzelnen eher blass bleibt. Lehrer sind naiv, Psychologinnen sind dogmatisch, Landschaftsarchitekten frivol. Das ist schade, denn stimmungstechnisch wird in dem Roman wieder viel transportiert, was hoffentlich im nächsten Buch dann wieder weitreichender zum Ausdruck kommt.
Profile Image for Franziska.
183 reviews19 followers
June 10, 2019
Svenja Gräfens Roman „Freiraum“ nimmt uns mit in die Berliner Realität von Mieterhöhungen, unmöglicher Wohnungssuche und frustrierenden Bewerbungen. Wir erleben Vela und Maren, die plötzlich die Chance bekommen 1h außerhalb der Stadt in einer Art Hausprojekt zu wohnen.
Was beginnt als „der ideale neue Zustand“, wo alle sich um die Kinder kümmern, füreinander da sind, zusammen kochen... entwickelt sich zusehends zu einer Farce, denn unter der Oberfläche brodelt es heftig. Als Darek beschließt auszuziehen, bekommt die schöne heile Welt zunehmend Risse...

Für Großstädter, die vom Landleben träumen, für alle, die offen sind für alternative Konzepte und den Rest, der schon immer wusste, dass sowas nicht funktionieren kann. Lest dieses Buch. trotzdem.
Profile Image for Elsa.
22 reviews
June 12, 2022
Dieses Buch ist unglaublich schön! Die Worte immer beschreibend, kreieren sie direkt ein Bild im Kopf. Und so oder so ähnlich kann es stattfinden, passiert es vielleicht genau jetzt. Svenja Gräfen hat da total ein Auge für: für kleine Momente, für Begegnungen, für Nebel im Kopf und für Gefühle und Situationen, die beschrieben werden wollen. Ich werde dieses Buch definitiv nochmal und nochmal lesen. Danke <3
Profile Image for Anirah Tak.
7 reviews
August 31, 2022
Svenja Gräfen schreibt ganz unkonventionell und detailreich, aber ohne Schnörkel. Fand ich persönlich richtig gut, it’s fresh, it’s new. Zeitweise aber auch anstrengen, bis man sich mal an den Stil gewöhnt hat.
You should be warned - es gibt keine Pointe. Hechtet nicht dem Buch hinterher, denkend, dass hinter der nächsten Passage endlich was heftiges passiert. Wird es nicht.
Wäre da noch etwas mehr geschehen, könnte das Buch auch gut 4/5 sein.
Profile Image for Zita.
15 reviews2 followers
October 2, 2022
Den Schreibstil fand ich je nach meiner Tagesform entweder großartig oder anstrengend. Ich hab es sehr genossen, zu Beginn des Buches einfach ein bisschen mit Vela und Maren durch ihren Alltag zu schlendern, um dann im letzten Drittel angespannt darauf zu warten, wie es ausgeht. Ein sehr gutes Buch, das aus meiner Perspektive wichtige Themen behabdelt, ohne dabei übermäßig urteilend zu sein. Hat mir sehr gefallen!
Profile Image for Sophia.
17 reviews
June 10, 2025
Der Stil hat mir sehr gefallen, normalerweise find ich’s nicht so toll, wenn wörtliche Rede nicht in Anführungszeichen gesetzt wird, hier hat es aber sehr gut in die Geschichte gepasst. Tatsächlich passiert nicht viel Plot, aber darum geht es eigentlich auch gar nicht. Es geht viel mehr darum, wie man sich verortet, wie sehr Identität und Wohlempfinden an die Menschen in unserem Wohnumfeld geknüpft sind. Es hat mich oft abgeholt und ist insgesamt ein toller „Urlaubsread“.
Profile Image for Kesse.
19 reviews2 followers
March 30, 2019
Man verliebt sich schon auf Seite eins in Svenja Gräfens Umgang mit Worten. Sie schreibt so unmittelbar, so nah und zart, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Freiraum thematisiert Wohnungsnot, Sehnsucht und den Versuch, sich selbst zu finden. Dabei spielt sie viel mit dem Unausgesprochenen und lässt den Lesenden den Raum, um die Geschichte selbstständig zu vervollständigen.
2 reviews
August 11, 2020
Ich finde das Buch sehr fesselnd und habe es sehr schnell gelesen. Das Buch enttäuscht jedoch mit dem offenen Ende, es erscheint wie ein fauler Ausweg und wirkt unfertig. Die Hauptcharaktere wirken so unfertig und so werden Leser*innen im Nichts hängen gelassen.
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Profile Image for Daugenstern.
65 reviews
July 7, 2024
Das war erstaunlich gut. Vela und Maren ziehen von der Stadt in ein alternatives Hausprojekt. Und dann entwickeln sich Beziehungen zu den anderen Mitbewohnern. Das war spannend und gut geschrieben.
Hat mich überrascht.
This entire review has been hidden because of spoilers.
Profile Image for yellowdog.
855 reviews
March 29, 2019
Freiraum von Svenja Gräfen ist ein interessantes, sehr zeitgenössisches Buch mit aktuellen Themen.
Es zeigt, wie ein junges Paar heutzutage zurechtkommen muss, zum Beispiel mit ihren Beziehungen oder mit der Wohnsituation.
Vela und Maren sind zusammengezogen, leben jedoch recht beengt mitten in der Stadt. Dann ergibt sich die Chance in eine Wohngemeinschaft in ein großes Haus am Rande der Stadt zu ziehen. Hier leben einige junge Leute zusammen, die eine Gemeinschaft bilden. Vela und Maren fühlen sich zuerst wohl, aber es kommen einige Probleme zusammen. Ein Mangel an Privatsphäre bei so vielen Leuten, mit denen man sich auch noch arrangieren muss.
Die Karriere kommt bei beiden noch nicht richtig in Schwung, ein diffuser Kinderwunsch steht auch im Raum, der nicht so einfach erfüllbar ist. Das belastet die Beziehung.
Die Autorin verzichtet darauf, eine einfache Lösung zu konstruieren. Das ist auch gut so, denn eine allgemeingültige gibt es sicher nicht.
Ich denke, dass es vielen so ähnlich geht wie Vela und Maren und sich vielleicht in ihnen wiedererkennen.
Profile Image for Cosi Ma.
26 reviews
April 28, 2019
Freiraum war mein erster Roman von Svenja Gräfen. Über Social Media verfolge ich jedoch schon länger die Autorin und bewundere sie sehr für ihre Intelligenz, ihre Argumente, ihr Engagement, ihren Mut und noch so vieles mehr. Einfach eine tolle Frau!!!

Den Roman habe ich neben Arbeit und anderen Verpflichtungen in jeder freien Minute durchgesuchtet. Der Roman dreht sich um das Paar Vela und Maren. Die beiden wohnen in der Großstadt und würden sich wohnlich gerne vergrößern. Da es in der Stadt jedoch schwierig ist, bezahlbaren Wohnraum zu finden, ziehen die beiden in eine Kommune auf dem Land. Im ersten Drittel des Buches herrscht an dem Ort und unter den Menschen ein so wunderbares Feeling, dass ich immer wieder Lust hatte mich dazu zu setzen. Ich war einfach fest davon überzeugt, dass es mir dort unendlich gut gefallen würde. Im 2. Drittel spürte ich immer mehr, dass ich sich irgendwas verändert, die Stimmung sozusagen kippt. Aber so ganz genau, kann man sich zunächst die Veränderung der Atmosphäre nicht richtig erklären. Im letzten Drittel dann wird klar, was sich verändert hat und warum. Das Ende hat mich jedoch unbefriedigt zurückgelassen. Es kam mir ein wenig zu plötzlich und ich habe doch noch so viele Fragen und Wünsche. Liebe Frau Gräfen, bitte setzen Sie die Geschichte fort.

Obwohl das Ende nicht ganz meinen Wünschen entsprochen hat, bin ich dennoch sehr von dem Buch begeistert. Die Art und Weise wie über die handelnden Personen geschrieben wurde, hat mir unglaublich gut gefallen. Gerne mehr davon!
Displaying 1 - 23 of 23 reviews

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