Der Abschlussband der fesselnden Saga um das dunkle Herz! Drei Wochen sind vergangen, seit Anna und Nick aus dem Gefängnis des dunklen Herzens entkommen konnten. In der wirklichen Welt sind sie sicher - oder nicht? Als die beiden der Hilferuf Elifs aus der Türkei ereilt, machen sie sich auf den Weg nach Istanbul. Dort werden sie Zeugen brutaler Polizeigewalt und müssen zugleich erleben, dass der Alptraum nicht vorbei ist: Das dunkle Herz hat begonnen, ihre Welt zu durchdringen. Aus England, Spanien und Frankreich häufen sich die Meldungen zu Gewalttaten. Niemand außer Anna und ihren Freunden ahnt etwas vom Ausmaß der Gefahr: Wenn sie das dunkle Herz aufhalten wollen, müssen sie sich ihren größten Ängsten stellen. Der Kampf scheint aussichtslos, doch wenn sie ihn verlieren, wer soll das dunkle Herz dann noch stoppen?
Die Handlung von Das weisse Herz knüpft beinahe nahtlos an den ersten Band an. Alles ist anders und doch so vertraut. Aber eins ist sicher: Der Kampf hat gerade erst begonnen, die Welt ist in Gefahr und der Staub, den nur die Geflüchteten von „drüben“ sehen können kündigt große Gefahren an. Das dunkle Herz infiltriert die sowieso schon von Gewalt durchtränkte Gesellschaft und droht alles im Chaos versinken zu lassen. Oberste Priorität ist es, nun alle Überlebenden zu versammeln. Der Alte macht sich auf die Suche während er Anna und Nick sicher in Berlin wähnt. Diese erhalten allerdings einen Hilferuf von Elif aus Istanbul und fliegen überstürzt dort hin. Was sie dort erwartet übersteigt sogar ihre Vorstellungen…
Das Buch braucht ein wenig bis es Fahrt aufgenommen hat, doch dann ist es nicht mehr zu stoppen. Gerade in der ersten Hälfte waren einige Längen und sehr sehr ausführliche Beschreibungen sowohl der Situation als auch der Schauplätze. Doch immer wenn ich dachte, das hätte man auch weglassen können, kam eine wichtige Stelle oder eine sehr treffende Beschreibung mit wichtigen Informationen. Das weisse Herz ging in eine ganz andere Richtung als erwartet. Das ist selten, dass der zweite Band einer Dilogie sich so komplett vom ersten unterscheidet. Allein wenn man sich an einer Einordnung in Genre wagen würde, so müsste Band 1 bei Jugend-Fantasy in der Buchhandlung stehen und Band 2 bei Erwachsenen-Urban-Fantasy… Das dunkle Herz hat damals fast ausschließlich „drüben“ in der Zwischenwelt gespielt. Das weisse Herz hingegen spielt mitten unter uns und flicht unsere aktuellen gesellschaftlichen Probleme geschickt in seine Handlung ein. Ich weiß nicht viel über das dunkle Herz, und selbst von dem, was ich geglaubt habe zu wissen, scheint manches nicht wahr zu sein. Eines aber weiß ich: Wohin es auch vordringt, schlägt es Wurzeln, und auch die kleinste Wurzel kann ausreichen, damit die Saat des Bösen aufgeht, sei es heute oder erst in vielen Jahren. S.186 Themen wie Politik, Unterdrückung und Fremdenhass spielen eine so zentrale Rolle, dass der „Fantasy-Aspekt“ beinahe ganz in den Hintergrund gedrängt wird. Ist das nun gut oder schlecht? Ähnlich wie es im Buch nie eine ganz klare Abgrenzung von GUT und BÖSE gibt, kann auch ich die Frage so nicht eindeutig beantworten. Ich finde es fantastisch überrascht zu werden und mich als Leser immer wieder neuen Herausforderung stellen zu dürfen. Und ich liebe Literatur, die mich nicht einfach „nur“ bespaßt. Bücher die nachklingen mag ich sehr. Andererseits suche ich mir ja meine Bücher auch je nach Lese-Stimmung aus. Nicht immer habe ich Lust auf bestimmte Themen. Und gerade wenn ich einen ersten Band schon kenne, gehe ich ja davon aus, dass die Fortsetzung sich in einem ähnlichen Rahmen bewegt. Also ist auch die Beurteilung des krassen Wandels der Dilogie stimmungsabhängig. Ich habe das Buch enthusiastisch vor der Buchmesse begonnen. Dann war es mir zu schwer und düster in der Zeit nach der Messe, als mein Kopf noch voll von positiven Eindrücken war und wir auf die Aufführungen im Theater hin gearbeitet hatten. Nun, als ich wieder in der Realität geistig angekommen war, habe ich den Rest vom Buch in Rekordzeit fasziniert verschlungen. Das weisse Herz ist sicher keine leichte Lektüre – aber eine die sich lohnt! Schon beim ersten Teil hatte ich mich für eine Anhebung der Altersempfehlung ausgesprochen, der zweite Teil ist jedoch von sehr viel mehr Brutalität durchzogen, so dass ich ihn nie ab 14 empfehlen würde. (Klar sind die Games der Jugendlichen oft noch viel viel schlimmer, aber das sollte kein Maßstab sein.) Das dunkle Herz war mehr Indiana Jones und Das weisse Herz mehr The last Jedi. Was wie ein großes Abenteuer begann, endet nun höchst philosophisch. Ich bin ein Fan von beidem! Mit der Bewertung in Sternen oder Sesseln habe ich mich dieses mal extrem schwer getan. Es ist kein Buch das ich absolut Jedem ans Herz legen möchte. Es ist stellenweise echt starker Tobak und durch die Längen vor allem in der ersten Hälfte bedarf es Durchhaltevermögen – das allerdings wirklich mit einem großartigen Finale belohnt wird! Da ich ja hier aber nicht um eine Punktebewertung drumherum komme vergebe ich gute 4 von 5 Lieblingslesesessel.
Trotz dass ich von Lukas Hainers Auftaktband "Das dunkle Herz" aufgrund von riesiger Potentialverschwendung nicht wirklich begeistert war, stand es für mich außer Frage, dass ich wissen musste, wie diese Geschichte gelöst wird. Und seit ich "Das weiße Herz" begonnen habe, klopfe ich mir selbst für diese Entscheidung auf die Schulter. Denn dieser Finalband zerrt alles, was Band 1 verpasst und ignoriert hat, ans Licht und komplettiert die Geschichte zu einem mehrdimensionalen, komplexen Epos. Ich bin absolut begeistert!!!
"Ihr könnt es nicht besiegen..."
Doch beginnen wir wie immer mit dem Cover, welches in Anlehnung an Band 1 gestaltet ist und eine Art Negativ dazu ergibt. Wo der Hintergrund zuvor ein verwaschenes Weiß-Grau war, bildet jetzt ein düsteres, unruhiges Blau mit schwarzen Einsprengseln den Kontrast zu dem weißen, dynamischen Fleck im Zentrum des Bildes und den ebenfalls weißen Bäumen und Vögeln. Auch die Farben von Titel und sonstiger Schrift sind gerade vertauscht - so stellen nun der Autorenname, das Verlagszeichen und das Lesebändchen den Bezugspunkt zum blassen Bronzeton der Leselaschen dar. Zusammen mit den verwaschenen Cover-Motiven, die die Innenseiten der Buchdeckel zieren und den schwarzen Flecken, die den Hintergrund für die jeweilige Kapitelüberschrift bilden, ergibt sich so ein geheimnisvolles und stimmiges Gesamtbild.
Erster Satz: "Spasti! Hey, Spasti!"
Wir steigen nach einem kurzen Vorwort des Autors, der mit einer kurzen Zusammenfassung der vorangegangenen Handlung auf hilfreiche Art und Weise die Geschehnisse des erstens Teils rekapituliert, mit einem Prolog über Peter in die Geschichte ein. Dies hilft für ein späteres Verständnis der Geschehnisse und ermöglicht uns einen ersten tieferen Einblick in die Lebenswelt des in Band 1 eher stiefmütterlich behandelten Protagonisten. Auch wenn wir ohne große Umschweife direkt an den vorangegangenen Teil anknüpfen und von Annas und Nicks Rückkehr in die Realität lesen, fand ich den Wiedereinstieg in die Geschichte zunächst sehr schwierig. Die Abenteuer der Wüstenwelt haben mich leicht vergessen lassen, dass die beiden erst 14 Jahre alt und somit noch Kinder sind, doch zurück in der realen Welt von Berlin wurde mir diese Tatsache wieder deutlich ins Bewusstsein gerufen und ich habe mich ein wenig daran gestört, dass sie sich eher wie Erwachsene verhalten. Einige Zusammenhänge und Handlungen erschienen mir deshalb ein wenig fragwürdig. Nick reist allein mit einer fremden, traumatisierten Frau in ein fremdes Land, kurz nachdem er nur knapp die schlimmste Zeit seines Lebens hinter sich gelassen hat? Und als die beiden dann Elifs Hilferuf aus der Türkei erreicht, fliegen sie mit den Kreditkarten ihrer Eltern nach Istanbul? Dort mieten sie sich in ein Hostel ein, fahren mit dem Bus durch die Stadt und keiner fragt misstrauisch nach ihrem Alter? Die Selbstverständlichkeit, mit der die beiden immer wieder von Zuhause abhauen, durch die ganze Welt reisen und sie scheinbar weder mit Behörden noch mit ihren Eltern Probleme bekommen, ist für mich ein Punkt gewesen, der die Glaubwürdigkeit der Geschichte ein wenig untergräbt.
"Du bist das Kind, das neu entdeckt und mit jeder seiner Entdeckungen selbst die Wirklichkeit schafft. (…) Du bist Mutter und Vater, du führst und wirst geführt in allem, was du tust. (…) Du selbst bist der Krieger, der zwischen dir und der Dunkelheit steht. (…) Du bist der Liebende, dem Licht so nah wie dem Verderben, und der Schwindler, Tänzer zwischen den Schatten. (…) Sei stolz, denn mit allem, was du bist, stehst du gegen das dunkle Herz."
Das ist jedoch mein einziger Kritikpunkt an der Handlungskonzeption, denn das Geheimnis um die andere Welt und das dunkle Herz schafft es hier endlich, aus der Ecke herauszukommen in die es in Band 1 gedrängt wurde und eine zentrale Rolle einzunehmen. Während die Handlung sich im ersten Teil auf den Überlebenskampf und die Machtstrukturen innerhalb der Gruppe beschränkte und dadurch trotz des spannenden Settings recht eindimensional blieb, wird hier ein komplexer, mehrdimensionaler Spannungsbogen durch den rasanten Wechsel verschiedener Schauorte, innerer und äußerer Konflikte und spezieller Erzählperspektiven aufgebaut. So bekommen wir hier neben der personalen Erzählung über Anna und Nick auch kurze Einblicke in die Erlebniswelt des Dunklen Herzens, werden durch eingeschobene Passagen aus der Sicht der Stimmen im Abgrund zum Nachdenken angeregt und dürfen auch kurz in die Gedankenwelt von Peter und Maik eintauchen. Die spannenden Variationen gehen mit ständig wechselnden Settings einher. Ankara, Berlin, Dublin, Barcelona, Prag und zwischendurch immer wieder die geheimnisvolle Wüstenwelt mit ihrem gleißenden Sonnenstrahlen, den verschütteten Gebäuden im heißen Sand, den tiefen Abgründen und dunklen Geheimnissen. Wo Band 1 noch vage blieb und sich in oberflächlichem Ankratzen von Fragen verlor, schöpft diese Fortsetzung das magische, düstere Potential der fremden Welt voll aus und überraschte mich damit auf voller Linie.
"Das ist kein Spiel von Licht und Schatten. Das dunkle Herz und wir sind eins. (…) Vielleicht nur Stimmen, die etwas von der Zeit behalten haben, die ihren Körpern geraubt wurde. Vielleicht unsterbliche Seelen, die hier, wo die Schöpfung endet, weder in den Himmel noch in die Hölle gelangen können."
Durch die ständige Vermischung der Konfliktlinien aus Realität und Vorstellung, Wachzustand und Traum, Stillstand und Bewegung, "hier" und "drüben", Tod und Leben, Gut und Böse wird der Leser durchgehend auf Trab gehalten und muss sein Bild der jeweiligen Welt ständig anpassen und verändern. Dadurch werden Szenen, in denen sich die Welten treffen zwar sehr anstrengend zu lesen, da sich die Überlappungen der Wirklichkeiten und Dimensionen schwer vorstellen lassen - wunderbare Beschreibungen, Vergleiche und Gedankenkonstrukte erleichtern hier aber die Imagination. Dass Lukas Hainer hier zum Beispiel auf Stephen Hawkings Theorien zurückgreift und immer wieder verschiedene, greifbare Beispiele anbietet, half mir sehr, einen Überblick zu bewahren und mich nicht zwischen den Welten zu verlieren. Auch abseits dieser Beschreibungen versteht es Lukas Hainer meisterlich, uns seine Geschichte durch atmosphärische Stimmungsbilder erlebbar zu machen. Sein Schreibstil ist plastisch, authentisch und an einigen Stellen fast ein wenig poetisch. Dabei werden unschöne Details -Waffen, Blut, Schmerzen, Kotze, Opfer - keineswegs ausgespart, weshalb diese Geschichte trotz der im Schnitt sehr jungen Protagonisten kein Kinderbuch ist!!! Szenen wie eine Eskalation in einem Drogenhaus, blutrünstige Schlägereien zwischen linken Hausbesetzern und rechten Schlägern, Horror-Alpträume oder kaltblütige Morde an unschuldigen Menschen machen diese Geschichte düsterer als für die Altersgruppe ab 14 Jahren üblich während für jüngere Leser auch der relativ komplizierte Weltenaufbau eine Schwierigkeit darstellen könnte.
"Denk an Eric", flüsterte das Gift ihrem eingetrübten Bewusstsein zu, "du hast es verdient, zu sterben, nachdem, was du getan hast. Denk an Ben: Warum solltest du leben und er nicht? Denk an Kyle: das wimmernde Häuflein Mensch, das du verabscheut hast und das für dich gestorben ist. Denk an das dunkle Herz und lass alle Hoffnung fahren. Denk an das dunkle Herz und stirb."
Auch in Sachen Protagonisten ist diese Fortsetzung eine immense Steigerung zum ersten Versuch. Nach der schieren Masse an Protagonisten in Band 1, die alle kurz angerissen werden aber keinerlei Tiefe besitzen, findet hier eine deutliche Reduktion auf wenige statt, in die wir dann aber einen tieferen Einblick bekommen. Zwar kommen Kyle, Poppin, Lev, Enzo, Jelena, Arthur, Chloé, Kalil, Connor, Ruth und die kleineren Kinder noch am Rande vor, jedoch haben nur Álvaro, Sinan, Maik, Elif und Eric wirklich im weitesten Sinn etwas mit der Handlung zu tun. Für die Innensicht in Gefühle und Gedanken sorgt wieder die personalen Erzählperspektive, die sich deutlich Anna in den Fokus nimmt, aber ab und zu auch zu anderen Protagonisten wechselt. In Band 1 konnte ich leider nur eine recht lose Verbindung zu Anna und Nick aufbauen doch zusammen mit der Handlung werden hier auch die Protagonisten mehrdimensionaler und ich konnte mich immer besser mit den beiden identifizieren. Ihre feste Überzeugung, die Welt vor dem dunklen Herzen zu beschützen, ihr Glaube an das Gute im Menschen, ihre Willensstärke, ihr Durchhaltevermögen und ihr Vertrauen in sich selbst haben mich sehr berührt, sodass ich großzügig darüber hinwegsehen konnte, dass es in der Tat ein wenig unrealistisch ist, dass die beiden Minderjährigen um die Welt fliegen, überall problemlos Englisch sprechen und ihr Leben aufs Spiel setzen. Auch die angedichtete Liebesgeschichte zwischen Anna und Nick empfand ich als ziemlich unnötig. Natürlich wächst das Vertrauen und es entsteht bei all den traumatischen Erfahrungen, die sie gemeinsam machen, eine tiefe Verbindung, aber warum immer romantische Liebe entstehen muss, weiß ich nicht.
"Forschung zum Klimawandel war gut, solange sie nicht Aktienkursen und Arbeitsplätzen im Weg stand. Mit christlichen Werten schmückte man sich gerne, bis die Flüchtlinge im eigenen Land ankamen, und der Tierschutz war so lange gut, bis er zu höheren Preisen im Supermarkt führte"
Was mich darüber hinaus noch sehr beeindruckt hat, ist dass der Autor es geschafft hat, seinem Mystery-Abenteuer noch eine sozialkritische, hochaktuelle Dimension zu geben. Er streut Anspielungen auf aktuelle Konfliktherde wie die Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien, die wachsende Diktatur in der Türkei oder die Spannungen zwischen Links und Rechts gekonnt in die Handlung ein und lässt auch aktuelle Debatten um Flüchtlinge, den Klimawandel oder soziale Ungerechtigkeiten mit einfließen. Unsere Welt kommt hier mal wieder nicht besonders gut weg und der Mensch ist sich wieder einmal selbst der größte Feind. Habgier, Machtstreben, Unterdrückung, Gewalt, Hass, Angst, Ignoranz und Gleichgültigkeit bieten einen gelungenen Nährboden für das dunkle Herz und so wird am Ende klar, dass der effektivste Weg um das Böse zu bekämpfen, der Kampf gegen die Ungerechtigkeit dieser Welt ist, welchem sich die Protagonisten am Ende widmen wollen. So wird der Geschichte noch eine anrührende Message hinten angestellt, die mich ebenfalls sehr beeindruckt hat.
"Sie wollte nicht mehr mit Waffen kämpfen und auch nicht mehr um ihr Leben rennen (…). Als Racheengel, Feuer mit Feuer bekämpfend und eine Spur des Todes hinterlassend. Sie litt so sehr darunter, dass sie Peter nicht mehr Zuversicht hatte geben können, weil es in dieser Welt keine für ihn gegeben hatte. Sie wollte das nicht hinnehme. Und auch nicht, dass Not zu Fremdenhass statt Solidarität und Gewalttaten zu Spaltung statt Zusammenhalt führten. Es war möglich, etwas dagegen zu tun."
Der Showdown gegen Ende ist ein wenig chaotisch und ein einziges Durcheinander der zwei Welten aber durch schnelle Sprünge, die Enthüllung bedeutungsschwerer Geheimnissen, die Verantwortung, die Welt zu retten und wundervolle Beschreibungen definitiv ein würdiger Abschluss. Mit einem herzergreifenden, tragischen Epilog wird die Geschichte dann beendet und ich kann nur anerkennend nicken angesichts der Richtung, in die sich die Geschichte weiterentwickelt und mehr Tiefe dazugewonnen hat. Das hätte ich niemals erwartet!
Zum Schluss noch ein (etwas aus dem Zusammenhang gerissenes) Zitat, das ich auf mehrdeutige Art und Weise schön finde:
"Das Kind entscheidet über das Wesen der Welt. Immer das Kind."
Fazit:
Dieser Finalband zerrt alles, was Band 1 verpasst und ignoriert hat, ans Licht und komplettiert die Geschichte zu einem mehrdimensionalen, komplexen Epos, welcher mit einem rasanten Wechsel verschiedener Schauorte, innerer und äußerer Konflikte und spezieller Erzählperspektiven, atmosphärischen Stimmungsbilder und einer sozialkritischen, hochaktuellen Dimension beeindruckt. Intelligent, mitreißend, berührend und erschreckend - definitiv kein Kinderbuch!
Nachdem mir bereits der erste Band "Das dunkle Herz" sehr gut gefallen hat, wollte ich auch unbedingt den zweiten und leider letzten Band "Das weiße Herz" lesen. Hier habe ich mir eine ähnlich spannende und ereignisreiche Geschichte erhofft und wurde nicht enttäuscht, denn "Das weiße Herz" steht seinem Vorgänger in Nichts nach.
Die Geschichte liest sich weiterhin spannend, packend, flüssig und bietet jede Menge unerwartete Momente, die ich so nicht erwartet habe. Einen Pluspunkt gibt es auch dafür, dass die Geschichte fast nahtlos an dem Ende aus "Das dunkle Herz" anknüpft, sodass man direkt wieder mitten im Geschehen ist, ohne dabei Startschwierigkeiten zu haben. Die Figuren entwickeln sich stetig weiter und werden weiterhin sehr authentisch, sympathisch und vielseitig beschrieben.
Nick und Anna haben sich im Laufe der Zeit enorm weiterentwickelt, werden mehr zu einer Einheit und haben das selbe Ziel, nämlich das dunkle Herz zu bekämpfen. Wieder in der realen Welt angekommen, scheinen sie zunächst in Sicherheit zu sein, versuchen ein einigermaßes normales Leben zu führen und bleiben vorerst nur via Internet in Kontakt. Dies ändert sich jedoch, als Nick gemeinsam mit Fani zu Anna fliegt und sie einen Hilferuf von Elif aus der Türkei erhalten. Wie man sieht, rückt hierbei die reale Welt deutlich mehr in den Vordergrund, was ich jedoch vollkommen in Ordnung finde, da man so noch mehr Spielraum erhält und nicht mehr allzu eingeschränkt ist, wie noch in der Wüstenstadt.
Auffällig ist hierbei, dass die Geschichte dieses Mal nicht nur noch spannender, sondern auch schonungsloser ist. Dies erkennt man besonders an einigen Szenen, die in der Türkei spielen und die Polizisten dort nicht mit Gewalt geizen. Gleiches gilt auch für andere Länder in Europa, in denen die Gewalt immer gegenwärtiger ist, sodass das Buch nichts für schwache Nerven ist.
Kurz gesagt: "Das weiße Herz" ist ein spannender, schonungsloser und großartig geschriebener Abschluss der "Herz"-Dilogie und konnte mich mit brisanten Themen, interessanten Figuren und einem tollen Setting überzeugen, sodass ich die Dilogie sehr genossen habe. Ich kann die Bücher somit nur wärmstens empfehlen.
Anna, Nick und auch die anderen konnten dem dunklen Herz entkommen. Jetzt sind sie wieder Zuhause in der realen Welt, aber haben immer noch keine Ruhe. Denn sie haben die Gefahr mitgebracht in ihre Welt und müssen jetzt weiter kämpfen. Anna und Nick tuen sich mit ihren Freunde zusammen und versuchen den scheinbar aussichtslosen Kampf zu beschreiten.
Bei diesem Buch handelt es sich um den 2. und letzten Teil der Reihe. Teil 1 habe ich vor einen Jahr gelesen und fand es sehr interessant. Am Anfang gibt es zum Glück eine Zusammenfassung, was mich sehr gefreut hat. So ist man direkt sehr gut in die Handlung gekommen. Ich würde es begrüßen, wenn es bei allen Reihen so eine Zusammenfassung geben würde.
Dieses Mal ist die Geschichte völlig anderes, denn die Handlung spielt in unserer Welt. Die Helden müssen wieder gegen das schwarze Herz kämpfen, aber auch ein völlig andere Art und Weise. Die Welt verändert sich, es gibt mehr Gewalttaten, die auf die Anwesenheit des schwarzen Herzens zurück zu führen sind.
Die Handlung ist dieses Mal sehr brutal und auch sehr düster. Die Hauptfiguren Anna und Nick sind ja gerade mal 14 Jahre und müssen Dinge vollbringen, an denen so mancher Erwachsener scheitern würde. Für mich handeln sie sehr untypisch für ihre Alter, was mich manchmal etwas gestört hat. Man hätte das Alter besser bei 17 Jahren ansetzen sollen. Insgesamt fand ich den 2. Teil manchmal etwas anstrengend, man musste ganz genau lesen, sonst verpasst man noch etwas. Die Geschichte ist politisch, philosophisch, aber auch spannend und voller Aktion. Vor Von mir gibt es 4 von 5 Punkte.
Erster Eindruck zum Buch: Das Cover zu „Das dunkle Herz“ war schon ein Hingucker, doch das zu „Das weisse Herz“ hat mich ein Stück weit mehr gepackt, durch die umgekehrte Farbgebung. Es fällt sofort ins Auge und bleibt in Erinnerung. Der Vorab-Teil, hilft uns nochmal sich an alles zu erinnern. Der Schreibstil war altbekannt, aber auch anders, denn man spürt die Entwicklung dahinter.
Protagonisten: Anna und Nick haben viel durchgemacht und zu sehen, wie sie sich nach all dem schlagen, fand ich faszinierend. Durch all das lernt man sie noch besser kennen und von einem normalen Alltag sind sie noch weit entfernt. Beide durchleben eine Veränderung und reifen an ihren Entscheidungen. Auch wie andere altbekannte Gesichter in der „echten“ Welt sind, war für mich sehr spannend zu entdecken und manchen davon kam man so etwas näher. Egal ob guter oder böser Charakter, man fragt sich immer, wie es den anderen die zurückgekehrt sind, ergeht. Das beim Lesen heraufzubeschwören ist nicht leicht und doch ist es dem Autor auf gute Weise gelungen.
Meine Meinung: Man merkt einen Unterschied was den Schreibstil betrifft, von Band 1 zu Band 2 hat sich dieser gesteigert. Auch die Geschichte an sich steigert sich nach und nach. Die Erwartungshaltung das gleich etwas passiert, spürt man überdeutlich. Lukas Hainer bringt die Welt aus „Das dunkle Herz“ in unsere und führt uns dabei an die unterschiedlichsten Schauplätze. Wendungen die mich geschockt auf die Seiten schauen lassen haben, machten es zu es zu einem etwas anderen Abenteuer, das sich Anna und Nick gestellt haben, bei dem die Grenzen des möglichen verschwammen. Als Abschluss der Dilogie ist es dem Autor gelungen, das man die Welt aus dem dunklen Herz nochmal anders betrachtet, nachdem man noch das ein oder andere entdeckt hat. Ein paar Dinge blieben relativ offen, doch das Wichtigste wurde meiner Meinung nach beantwortet. Der politische Aspekt in der Geschichte war überdeutlich und ein wenig hat sich der Autor darin verloren, fand aber schnell den Weg zurück in das eigentliche Thema des Buchs.
Anna, Nick & Co haben es geschafft aus der Welt des Dunklen Herzens zu fliehen. Doch entdecken sie immer wieder eigenartige Dinge in ihrer Welt, die nicht stimmen können und sie sehr an die Welt "drüben" erinnern. Hat das Dunkle Herz nun auch Macht über ihre eigene Welt erlangt? Gemeinsam verstricken Anna & Nick sich in ein weiteres Abenteuer, um zu versuchen das Dunkle Herz aufzuhalten.
Auch in diesem Buch vermittelt der Autor eher ein Gefühl als Wissen, was das Dunkle Herz anbelangt. Es wurde ein Vergleich mit der Turm-Reihe von Stephen King gezogen und den fand ich sehr treffend. Man kommt dem ganzen Mysterium um die Welt drüben und dem Dunklen Herz an sich immer ein Stückchen näher, aber es ist eher ein emotionales als ein rationales Begreifen und verstehen. Das macht es sehr mythisch und rätselhaft und auch nicht immer hundertprozentig greifbar. Mir persönlich hat das schon gefallen, auch wenn ich mich manchmal ein wenig überfordert fühlte. Die Stimmung sollte beim Lesen auf jeden Fall passen und wenn man eher ein Fan davon ist, dass einem ein Feind mit Schwert gegenüber steht, dem man den Kopf abhackt und tot ist er, ist das Buch sicherlich nichts weiter für denjenigen.
Durch diese Art von Gegenüber erhält das Buch aber auch eine schöne Tiefe. Aktuelle weltpolitische Geschehnisse werden mit in die Geschichte eingewoben. So erhält der Roman zum einen Tiefgang und zum anderen holt er Jugendliche auf Augenhöhe ab. In Zeiten, in denen regelmäßige Großdemonstrationen von Schülerinnen und Schülern organisiert werden, eine gute und folgerichtige Richtung!
Auch wird die Reihe dadurch eine Duologie, die man durchaus öfter lesen kann (und vielleicht sollte?), da man mit jedem Mal lesen mehr verstehen und entdecken kann.
Gut gefallen haben mir auch die vielschichtigen Charaktere, die mit einer Vergangenheit ausgestattet waren und viel Entwicklungspotenzial boten. Auch wurde deutlich, dass die Entwicklungen nicht immer vorprogrammiert sein müssen, sondern durchaus auch anders verlaufen könnten. Das gefiel mir besonders gut!
Die ein oder andere Szene in Bezug auf Mobbing und Drogenkonsum werden sehr ausführlich beschrieben. Wer so etwas nicht gut lesen kann, sollte sie entsprechend überspringen.
Ansonsten ein spannender zweiter Teil einer Mysterie-Serie mit Bezug zum aktuellen Tagesgeschehen!
Ich würde das Buch gerne mögen, denn ich finde den Autor sympathisch, doch leider konnte ich mir die ganze Zeit die Handlung nicht richtig vorstellen und das hat es für mich noch schwieriger gemacht in diese Geschichte zu finden. 2,5 Sterne