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Geißler, der vor seinem Jurastudium bei den Jesuiten Philosophie studierte, ist dabei alles andere als ein religiöser Fundamentalist: Er klammert sich nicht an den Wortlaut der häufig ungenauen Überlieferung. Wenn er die Botschaften der Bibel interpretiert, geht er vom historischen Kontext aus und sucht nach Parallelen zu heute. Die Bergpredigt wird so zum Plädoyer gegen Sozialabbau ("in einem modernen Industriestaat zeigt sich die Nächstenliebe nicht mehr allein in warmen Suppen") und einen ungezügelten Sharholder-Value-Kapitalismus, in dem nur noch die Dividende zählt.
Asylrecht, Drogen, Sexualität und Frauenrechte, Irak-Konflikt und Internationaler Währungsfonds -- es gibt kaum ein Thema, für das Geißler kein passendes Gleichnis in der Bibel findet. Seine Kritik -- oft beißend, aber immer unbestechlich -- spart weder die politischen Parteien, noch die Kirche aus. Was würde Jesus heute sagen? kann man als Grundsatzprogramm für eine christdemokratische Politik im 21. Jahrhundert lesen, die diesen Namen auch verdient. Angela Merkel sollte sich das in erfrischend flottem Ton geschriebene Büchlein ganz oben auf den Schreibtisch legen. --Bernhard Wörrle
Hardcover
Published January 1, 2003