Anlässlich des 70. Geburtstags von Mirjam Pressler erscheinen ihre beiden berühmten autobiographische Romane erstmals in einem Jubiläumsband, ergänzt um ihre schöne Rede »Eine Orchidee blüht im Continen-Tal«, in der sie von der Leidenschaft des Lesens erzählt.
Presslers Lebenswerk ist von großem Reichtum – sie ist eine vielseitige Schriftstellerin, Übersetzerin und vor allem eine wunderbare Erzählerin. Romane wie »Bitterschokolade« sind erfolgreiche Schullektüre, ihre Kinderromane Klassiker, mit »Malka Mai« feierte sie Triumphe. Berühmt wurde ihre Übersetzung des Tagebuchs der Anne-Frank, über die sie die Biographie »Ich sehne mich« so schrieb. Große Erfolge wurden auch ihre historischen Romane »Shylocks Tochter«, »Golem stiller Bruder« und »Nathan und seine Kinder«. »Poetischer als Mirjam Pressler kann man kaum begründen, warum Geschichten erzählt werden müssen.« Literarische Welt
Der Sammelband vereint Presslers stark autobiographisch geprägte Romane, die von Mädchen - von Ilse und Halinka - mit einer schwierigen Kindheit erzählen und doch voller Optimismus sind.
»Ich weiß nicht, was aus meinem Leben ohne Bücher geworden wäre.« Mirjam Pressler in »Eine Orchidee blüht im Continen-Tal«
»Eine glückliche Kindheit ist mit Sicherheit ein Vorteil fürs Leben, aber ein Verdienst ist sie nicht. Ganz anders, wenn man im Alter glücklich ist, weil man, wie Mirjam Pressler, die an diesem Freitag 70 Jahre alt wird, auf ein großartiges Lebenswerk blicken kann und noch immer vor Ideen und Tatendrang sprüht.« Süddeutsche Zeitung
»Sie ist eine ungeheuer produktive Autorin und Übersetzerin insbesondere von Kinder- und Jugendbüchern geworden.« Junge Welt
German writer Mirjam Pressler is the author of several novels that have won awards in her native Germany and also received high praise from critics after being translated into English. In Malka and Halinka Pressler focuses on young Jewish protagonists who have been forced by fate to endure the Holocaust, while in Shylock's Daughter she returns readers to fifteenth-century Italy as she attempts to answer haunting questions surrounding the motivations of characters in a popular play by William Shakespeare. While receiving notice for her novels, Pressler is most well known for her work revising the diaries of Jewish Holocaust victim Anne Frank, and she is considered an expert on Franks's life and writings. In addition to translating Frank's famous diary from Dutch into German, Pressler has edited The Diary of a Young Girl: The Definitive Edition and has also authored Anne Frank: A Hidden Life for younger readers. Winner of the 1994 German Youth Literature Prize for her work, Pressler divided her time between homes in Bavaria and Israel.
Novemberkatzen - 3 Sterne Sehr traurig, sehr frustrierend, nirgendwo ein Lichtblick! Die Geschichte der kleinen Ilse, die niemand will, die niemand liebt, die von allen gehänselt, verspottet, geschlagen, physisch und psychisch misshandelt wird. Hin- und hergerissen zwischen der Mutter, die von ihrem Mann mit 4 Kindern sitzengelassen wurde und deshalb stets am finanziellen Abgrund steht, und der Großmutter väterlicherseits, die mit ihrem Mann und Ilses älterer Schwester Marga in etwas besseren Verhältnissen am anderen Ende des Dorfes lebt. Beide Frauenfiguren haben wenig Verständnis oder gar Liebe für Ilse übrig, sie dient ihnen vielmehr als Arbeitskraft. Zwar wie immer bei Mirjam Pressler sehr anspruchsvoll und schön geschrieben, aber die Geschichte geht einem sehr nahe und erschüttert zutiefst. Insbesondere, da es auch am Ende des Buches keine Hoffnung auf ein besseres Leben für Ilse gibt. Als Buch für junge LeserInnen deshalb vielleicht nur bedingt geeignet.
Wenn das Glück kommt,... - 5 Sterne Sehr eindrucksvoll erzählte Geschichte des jüdischen Heimkindes Halinka, deren Mutter sich nie um sie gekümmert, sondern sie nur geschlagen hat. Doch dieses Schicksal steht hier im Hintergrund, vielmehr geht es um das Leben der Mädchen im Heim, sehr realistisch wird von ihren Freund- und Feindschaften, von ihren Wünschen und Sehnsüchten erzählt. Und dann ist da noch Tante Lou, die Halinka gerne zu sich nehmen würde, aber das Jugendamt verweigert es ihr, da sie nicht verheiratet ist und als alleinstehende Frau zu viel arbeiten muss, um ein Kind versorgen zu können. Tante Lou hat immer eine schöne, positive Lebensweisheit parat und auch Halinka hat in ihrem Geheimversteck im Kofferspeicher ein Gedankenbuch, in das sie solche selbst erlebten Aphorismen einträgt, als Erinnerung an die besonderen Ereignisse in ihrem Leben, sowohl gute als auch schlechte. In Renate, deren Mutter im Gefängnis ist, findet Halinka schließlich eine Freundin, der sie vertrauen kann und die sie am Ende des Romans sogar übers Wochenende mit zu ihrer Tante nehmen wird. "Ich glaube, ich habe gerade dem Glück einen Stuhl hingestellt." (S. 394)
Erzählerisch einfach großartig! Ein Beispiel gefällig? - Was als besonders eindrucksvolle Szene zurückbleibt, ist Halinkas Ausflug mit ihrer Lehrerin Fräulein Urban in einen Schlosspark und wie sie zum ersten Mal überwältigt ist von der Schönheit (in diesem Fall einer weiblichen Statue). "Früher habe ich nie darüber nachgedacht, dass andere Menschen anders leben. Früher habe ich auch nie darüber nachgedacht, dass es unendlich viele Dinge gibt, die einfach nur nützlich sind, zum Beispiel ein Kochtopf oder eine Schere. Dass es aber außerdem noch andere Dinge gibt, die einen verzaubern können, weil sie nämlich schön sind. Und selten. Plötzlich weiß ich es: Verglichen mit den nützlichen Dingen, ist Schönheit etwas Überflüssiges. Aber etwas, was man trotzdem unbedingt braucht. Ich jedenfalls werde es immer brauchen, das weiß ich in diesem Moment ganz genau. Wieder möchte ich weinen, weil das so ist. Und zugleich bin ich froh, dass ich das hier sehen darf." (S. 379f.)