This book identifies three of the exceptionally fruitful periods of the millennia-long history of the mathematical tradition of India: the very beginning of that tradition in the construction of the now-universal system of decimal numeration and of a framework for planar geometry; a classical period inaugurated by Aryabhata’s invention of trigonometry and his enunciation of the principles of discrete calculus as applied to trigonometric functions; and a final phase that produced, in the work of Madhava, a rigorous infinitesimal calculus of such functions. The main highlight of this book is a detailed examination of these critical phases and their interconnectedness, primarily in mathematical terms but also in relation to their intellectual, cultural and historical contexts. Recent decades have seen a renewal of interest in this history, as manifested in the publication of an increasing number of critical editions and translations of texts, as well as in an informed analytic interpretation of their content by the scholarly community. The result has been the emergence of a more accurate and balanced view of the subject, and the book has attempted to take an account of these nascent insights. As part of an endeavour to promote the new awareness, a special attention has been given to the presentation of proofs of all significant propositions in modern terminology and notation, either directly transcribed from the original texts or by collecting together material from several texts.
Im Jahr 2023 machte mein Neffe in Kamerun Abitur – ein bedeutender Moment für ihn, aber auch ein Wendepunkt in der Art und Weise, wie wir über die Möglichkeiten für junge Menschen aus Afrika denken. Wie viele andere wollte er weiter studieren, doch Europa, traditionell als das bevorzugte Ziel für akademische Ambitionen, bleibt zunehmend unzugänglich. Die Mauern der Abschottung und restriktive Visapolitiken machten es mir unmöglich, ihn zu mir nach Europa einzuladen.
Seine Idee, nach Tunesien zu gehen, stieß bei mir zunächst auf Skepsis. Zu häufig hatte ich von den Übergriffen auf Migranten aus Subsahara-Afrika gehört, die das Land durchzogen, und ich sorgte mich um seine Sicherheit. Doch dann nahm die Geschichte eine unerwartete Wendung. Durch Zufall kannte mein Neffe den Sohn einer Cousine, der in Indien als Eventmanager arbeitet. Innerhalb von nur zwei Wochen hatte mein Neffe ein Visum für Indien, um dort zu studieren.
Was sich zunächst als pragmatische Entscheidung in einer schwierigen Situation anfühlte, entpuppte sich schnell als eine der besten, die er treffen konnte. Die Ausbildung, die er in Indien erhält, ist nicht nur von hoher Qualität, sondern übertrifft sogar das, was viele europäische Universitäten bieten. Und das zu einem Bruchteil der Kosten, die in Europa fällig wären.
Diese Erfahrung hat mich nachdenklich gemacht. Sie zeigt deutlich, dass es an der Zeit ist, den Eurozentrismus hinter uns zu lassen und neue Perspektiven zu gewinnen. Europa ist nicht der alleinige Maßstab für Bildung und Erfolg. Der technologische, akademische und kulturelle Reichtum, den wir oft mit dem Westen verbinden, ist nur ein Teil eines viel größeren globalen Bildes. Indien, Afrika und viele andere Teile der Welt bieten heute herausragende Möglichkeiten, die wir in unserer westlichen Sichtweise oft übersehen. Es gibt einen enormen Pool an Wissen und innovativen Lösungen, der nicht nur auf den westlichen Kontext begrenzt ist.
Der Eurozentrismus hat uns jahrhundertelang dazu verleitet, den Rest der Welt durch eine europäische Linse zu betrachten. Doch in einer zunehmend globalisierten Welt, in der Bildung, Kultur und Innovation aus vielen Richtungen strömen, ist es entscheidend, diesen einengenden Blickwinkel zu erweitern. Die Zeit ist gekommen, neue Partnerschaften zu schaffen, neue Horizonte zu entdecken und zu erkennen, dass Wissen und Bildung keine geografischen Grenzen kennen. Diese Perspektive, die den Blick über den Eurozentrismus hinaus fordert, lässt sich nicht nur auf die Bildung übertragen, sondern auch auf die Wissenschaft und das Wissen im Allgemeinen. Ein beeindruckendes Beispiel für das kreative und tiefgehende Denken außerhalb der westlichen Welt liefert The Mathematics of India: Concepts, Methods, Connections von P. P. Divakaran. In diesem Buch wird eindrucksvoll aufgezeigt, wie Indien eine lange Tradition der Mathematik pflegt, die ebenso komplex und innovativ ist wie die westlichen Traditionen.
Divakaran führt uns in die Geschichte und Philosophie der indischen Mathematik ein und zeigt, wie indische Mathematiker bedeutende Konzepte wie die Zahl Null, das dezimale Zahlensystem und die Grundlagen der Algebra weit vor ihrer "Entdeckung" im Westen entwickelten. Dieses Wissen hat die globale Wissenschaft in vielerlei Hinsicht bereichert und erinnert uns daran, wie wertvoll es ist, den Blick auf die Wissensgeschichte zu erweitern und sich von einem engen eurozentrischen Horizont zu befreien.
Ähnlich wie mein Neffe, der in Indien eine erstklassige Ausbildung erhält, sollten wir die vielen außergewöhnlichen Bildungstraditionen rund um den Globus anerkennen und nutzen. Indem wir die Vielfalt der akademischen und wissenschaftlichen Beiträge aus allen Teilen der Welt würdigen, öffnen wir uns nicht nur für neue, wertvolle Perspektiven, sondern fördern auch eine tiefere und gerechtere globale Zusammenarbeit.