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Gut Mohlenberg #1

Mehr als die Erinnerung

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Gut Mohlenberg, 1920: In der Einrichtung für psychisch kranke Menschen kümmert die junge Medizinerin Friederike von Aalen sich liebevoll um die Patienten. Einer von ihnen ist Friederikes Mann Bernhard, der nach einer Hirnverletzung im Krieg ihre besondere Zuwendung braucht. Der schneidige Leutnant von einst erinnert sich an vieles nicht, aber mit seiner Frau verbindet ihn noch immer eine tiefe Liebe.

Da geschehen in der Gegend kurz hintereinander zwei grausame Morde. Man ist schnell bei der Hand mit den Verdächtigungen: Es muss einer der »Geisteskranken von Mohlenberg« gewesen sein! Doch Friederike würde für ihre Patienten die Hand ins Feuer legen und stellt heimlich eigene Nachforschungen an. Was weiß Walter Pietsch, der Mann mit den schlimmen Verbrennungen, den sie vor Kurzem erst eingestellt haben? Und welche Rolle spielt der hochintelligente, aber kühle Dr. Weiß? Zu spät begreift Friederike, dass sie mit ihren Fragen sich selbst und die Menschen in ihrer Nähe in große Gefahr gebracht hat …

379 pages, Paperback

First published May 14, 2019

3 people are currently reading
51 people want to read

About the author

Melanie Metzenthin

24 books25 followers
Melanie Metzenthin wurde 1969 in Hamburg geboren, wo sie auch heute noch lebt. Als Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie hat sie einen ganz besonderen Einblick in die Psyche ihrer Patienten, zu denen sowohl Traumatisierte als auch Straftäter gehören.

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Displaying 1 - 12 of 12 reviews
Profile Image for Sonja Rosa Lisa ♡  .
5,171 reviews642 followers
April 15, 2025
Eine beeindruckende sowie gleichermaßen erschreckende Geschichte. Sie spielt im Jahr 1920 auf einem alten Gutshof. Dieses ist nun eine Einrichtung für psychisch Kranke. Friederike, die Medizin studiert hat, jedoch bisher ohne Abschluss, kümmert sich um die Erkrankten gemeinsam mit ihrem Vater, der die Einrichtung führt. Auch Bernhard, Friederikes Ehemann, leidet seit einer Kriegsverletzung unter kognitiven Einschränkungen.
Alles läuft gut, bis der erste Mord geschieht und ein Patient der Einrichtung der Schuldige sein soll. Friederike möchte das Gegenteil beweisen.
😊 Ich mag solche Geschichten, die mich mitreißen können, die mich berühren. So eine Geschichte ist auch diese für mich. Von der ersten bis zur letzten Seite hat sie mich gepackt. Ich mochte das Setting, die Zeit, in der sie spielt, und alles Drumherum. Liebenswerte Charaktere, geheimnisvolle Charaktere und böse Charaktere.
Ich bin froh, dass es der erste Band einer Reihe ist und ich somit weiterlesen kann!
Profile Image for Gitti.
1,168 reviews
January 23, 2022
Gut Mohlenberg ist eine Irrenanstalt. So wurden die Psychiatrien in den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts noch genannt. Doch in Mohlenberg werden die Patienten nicht nur verwahrt, sie nehmen dort, soweit es geht, am Leben teil und tragen ihren Teil zum Erhalt des Gutes bei. Geleitet wird es von Friederike und ihrem Vater. Bernhard, Friederickes Mann, der im Krieg schwer am Kopf verletzt wurde und daher schwer eingeschränkt ist lebt auch dort. Eines Tages geschehen in der Nähe des Gutes mehrere Morde und die Insassen werden verdächtigt. Doch Friederike kann nicht daran glauben, dass einer der Patienten damit zu tun hat und stellt Nachforschungen an. Zusammen mit Walter Pietsch kommt sie hinter einen perfiden Plan, der am Ende vieles auf den Kopf stellt.

Melanie Metzenthin liefert mit diesem Roman ein stimmiges Bild der damaligen Zeit. Mir hat besonders gut gefallen, wie sie die unterschiedlichen Ansätze der Behandlung von psychisch Kranken darstellt. Da ist alles dabei, vom mitfühlendem Arzt, der seinen Patienten auf Augenhöhe begegnet bis zum Arzt, der seine Patienten nur als Versuchsobjekte sieht. Man spürt an dieser Stelle die eigene berufliche Erfahrung und Expertise der Autorin.

Zwei spannende Handlungsstränge machen es dem Leser schwer, das Buch aus der Hand zu legen. Einmal die Geschichte der beiden Morde und was und wer da dahintersteckt, sowie die Geschichte um Juliane, einer Patientin, die unter seltsamen Verhaltensänderungen und Gedächtnislücken leidet. Hier jeweils eine gute Lösung zu finden, ist der Autorin wirklich gut gelungen.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und ich freue mich, dass ich den zweiten Band schon hier habe und es vermutlich auch wieder eine Leserunde mit der Autorin geben wird. Die Leserunde hat das Ganze wirklich noch einmal bereichert.

Ich kann das Buch, wie alle Bücher der Autorin, nur empfehlen. Auf jeden Fall ein großes Lesevergnügen für Fans gut recherchierter historischer Romane.
Profile Image for Kristin.
177 reviews7 followers
May 7, 2021
Ich schwanke hier sehr zwischen vier oder fünf Sterne, weil es mir sehr gut gefallen hat, aber nicht ganz so gut wie “Im Lautlosen“ und “Die Stimmlosen“. Vielleicht auch, weil ich zu Geschichten, die im Zeitraum 1933 - 1945 nochmal eine besondere Affinität habe.
Das hier spielt nach dem “Weltkrieg“ (als man noch nicht ahnte, dass die Einteilung 1. und 2. so bald nötig sein würde. Die Thematik, was macht den Menschen aus und wo verläuft die Grenze zu geistig gesund und nicht gesund, fand ich sehr faszinierend.

Also sagen wir gerundete 4,5 Sterne
Profile Image for Tinstamp.
1,100 reviews
July 23, 2019
Mein erster Roman der Autorin, obwohl ich noch ihre Romane "Die Stimmlosen" und "Im Lautlosen" auf meinem SuB habe. Lange werden sie dort nicht mehr verweilen, denn "Mehr als die Erinnerung" konnte mich von der ersten Seite an begeistern.

1920. Der Große Krieg ist vorüber und hat viel Leid über die Menschen gebracht. Auf Gut Molenberg leitet Doktor Meinhardt eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen. Seine Tochter Friederike von Aaalen unterstützt ihn, wo sie nur kann. Seit ihr Mann Bernhard im Krieg eine schwere Kopfverletzung erlitten hat, ist er selbst Patient und steht laut Dr. Weiß, einem Kollegen aus der Pflegeanstalt, auf dem Level eines etwa fünfjährigen Kindes. Seinetwegen hat Friederike ihr Medizinstudium kurz vor Abschluss abgebrochen, denn Bernhard ist trotz seines Handycaps noch immer ihre große Liebe. Für sie und ihren Vater stehen Menschlichkeit, Achtung und Respekt in ihrer Einrichtung an erster Stelle. Die Patienten versuchen sich nach Möglichkeit selbst zu versorgen und werden als vollständige Menschen anerkannt. Eines Tages steht ein junger Kriegsversehrter mit schlimmen Verbrennungen im Gesicht vor der Tür und bittet um Arbeit auf Gut Molenberg. Seine Papiere sind zweifelhaft, doch Bernhard freundet sich sofort mit dem Mann an. Da geschehen im Umkreis des Gutes zwei Morde und der Verdacht fällt automatisch zuerst auf die Patienten des "Irrenhauses", wie die Bewohner des naheliegendes Ortes die Insassen von Gut Molenberg nennen. Friederike ist fassunglos. Wer könnte von den beiden Morden profitieren? Und wer ist eigentlich Walter Pietsch, den sie erst vor kurzem auf Gut Molenhof eingestellt hat? Welche Rolle spielt Dr. Weiß, der seine eigene Theorie über Menschen mit Beeinträchtigung hat? Friederike ist entschlossen der Sache auf den Grund zu gehen...

Die Aufklärung der Morde werden - wie auch noch heute - durch Vorurteile erschwert. Friederike ist eine toughe junge Frau, die sich für ihre Patienten einsetzt und das Herz auf den rechten Fleck hat. Sie möchte sich von Bernhard nicht scheiden lassen und für ihn da sein, denn die gegenseitige Liebe ist noch immer vorhanden und spürbar. Trotz seiner Beeinträchtigung möchte Bernhard Friedrike seit den Morden beschützen. Doch was versucht er ihr schon die ganze Zeit über zu sagen?

Melanie Mentzenthin schreibt in diesem aufwühlenden Roman über Menschen mit Beeinträchtigung und den Therapieansätzen der damaligen Zeit. Sie ist selbst Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Der Einblick in die damals üblichen Therapiemethoden lassen einem teilweise sprachlos zurück. Einige Methoden kannte ich schon aus anderen Romanen, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Der Mensch schreckt jedoch vor Nichts zurück und somit gibt es an Grausamkeiten immer wieder Neues zu entdecken....leider! Einer dieser Menschen ist Doktor Weiß. Er möchte in einer Studie aufzeigen, dass jeder Mensch aufgrund von Schlüsselreizen zum Mörder werden kann. Für ihn sind alle Behinderten Subjekte ohne Seelen und Gefühle. Er ist sicherlich einer jener "Menschen", der noch vor der Erstarkung des Nationalsozialismus perfekt in die SS Maschinerie passt.
Ebenso werden zu dieser Zeit auch gerne Frauen der "Hysterie" bezichtigt, die von ihren Familien aus irgendeinem Grund abgeschoben werden sollen, wie auch Juliane Brunner, die der Familie "Schande bereitet hat".

Wer entscheidet was "normal" ist und was nicht? Dieses sensible Thema hat die Autorin in beeindruckender Weise beschrieben. Sehr interessan fand ich auch die Gegenüberstellung der verschiedenen Denkansätze der damaligen Medizin und ihrer Vertreter, als auch ihre Anwendungen.

Die leichte Kriminote liefert dem historischen Roman noch zusätzliche Spannung. In kleinen Rückblenden erfahren wir, wie es zu der schweren Kopfverletzung von Bernhard gekommen ist, die am Ende des Rätsels Lösung zu sein scheint. Packend und berührend.

Schreibstil:
Der Schreibstil der Autorin lässt sich wunderbar lesen und ich war von Beginn an von der Geschichte gefesselt. Die Figuren sind autenthisch und facettenreich. Das Thema Behinderung wird feinfühlig erzählt. Man erkennt, dass melanie Metzenthin vom Fach ist.
Im Nachwort findet man weitere Erklärungen der Autorin über die damaligen Kliniken und Behandlungsmethoden.

Fazit:
Ein fesselnder Roman, der die unterschiedlichen Behandlungsmethoden von Menschen mit Beeinträchtigung nach dem Großen Krieg beschreibt und für einen menschlichen Umgang plädiert. Das fundierte Wissen der Autorin zu diesem Thema, die grandiose Umsetzung und die leichte Kriminote machen diesen Roman für mich zu einem richtigen Highlight und zu einer Leseempfehlung!
Profile Image for Monerl.
482 reviews14 followers
July 25, 2019
Meine Meinung
Ich bin sehr begeistert von diesem Buch! Die Autorin, die selbst Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie ist hat es geschafft, eine berührende, einfühlsame und interessante Geschichte, gespickt mit Krimielementen, zu erzählen, die Leser*innen den Alltag in sog. “Irrenanstalten” Anfang des 20. Jahrhunderts näher bringt.

Dabei erfahren wir auch ein wenig über Soldaten aus dem 1. Weltkrieg, wie sie gekämpft haben und welche Auswirkungen der Krieg auf einige hatte. Viele Soldaten, die mit “Zitteranfällen” aus dem Krieg zurückkamen, wurden in solchen “Irrenanstalten” behandelt. Selten ging man angemessen und feinfühlig mit ihnen um, wie auf Gut Mohlenberg, der Anstalt für Geisteskranke im Buch von Frau Metzenthin.

Auf Gut Mohlenberg finden Geisteskranke und Schwachsinnige ein würdevolles Leben. Sie werden dort nicht nur wie Patienten behandelt, sondern als Menschen und sind Teil einer Gemeinschaft und übernehmen Verantwortung für bestimmte Arbeitsbereiche im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Dem gegenüber zeigt die Autorin auch die andere Seite auf. Denn überwiegend wurden solche Patienten nicht mehr als vollständige Menschen mit Rechten angesehen und mit ihnen wurde geforscht und experimentiert, was oftmals zu ihrem Tod geführt hat. Ich Nachwort geht Melanie Metzenthin noch viel genauer auf diese Sachverhalte ein.

Durch zwei Morde, die auf dem Gut passieren, kommt Spannung in die Geschichte. Friederike, die Tochter des Mannes und Arztes, der Gut Mohlenberg führt, erkennt nach und nach, dass diese Morde mit der Anstalt in Verbindung stehen und versucht die Geheimisse aufzudecken. Gespannt verfolgte ich, wie der*die Täter*in entlarft wurde und welche Motivation dahinter steckte.

Das Buch lässt sich sehr gut lesen. Die Sprache und der Schreibstil der Autorin gefallen mir sehr. Auch das Ende fand ich gelungen. Es ist anders, als man erwartet und deshalb rundet es das Buch sehr gut ab. Ich habe die Geschichte in drei Tagen gelesen. Es war mein erstes Buch der Autorin aber ganz sicher nicht mein letztes.


Fazit
Ein historischer Roman, der sehr informativ ist und mit Spannung und tiefgehender Liebe, trotz widriger Umstände, die Leser*innen für sich einnehmen kann. Absolut empfehlenswert!
Profile Image for Binchen.
334 reviews6 followers
June 2, 2019
Eine tolle Überraschung, dieses Buch, da ich die Stimmlosen auf dem SUB hab, dachte ich schnapp Dir erst einmal ein weniger bekanntes - die Entwicklung /Historie der Psychiatrie auf solch ein Art dargeboten zu bekommen - nach dem 1. Weltkrieg - so hatte ich es mir nicht vorgestellt, es war aber so plausibel und hat schon zu einigen Diskussionen geführt. Danke dafür
Profile Image for Schneehase.
239 reviews11 followers
April 28, 2019
Inhalt: 1920, Gut Mohlenberg ist eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen, in der die Patienten ihren Fähigkeiten und Krankheitsbildern entsprechend, fürsorglich gefördert und unterstützt werden.
Geleitet wird das Gut von Dr. Meinhardt, u.a. unterstützt von seiner Tochter Friederieke von Aalen, die kurz vor dem letzten Semester ihr Medizinstudium abbrechen musste um ihren Mann auf Gut Mohlenberg zu pflegen.
Der junge Lieutenant von Aalen hatte im Krieg schwerste Kopfverletzungen erlitten, von denen er sich nie vollständig erholt hat und die ihn auf den Stand eines Kindes zurückgeworfen haben.
Als im nahen Dorf eine junge Magd mit grässlichen Verstümmelungen tot aufgefunden wird, fällt der Verdacht sofort auf einen Bewohner der „Irrenanstalt“.

Meine Meinung: Dieses war mein erster Roman von Melanie Mezenthin und ich bin beeindruckt von ihrem Erzähltalent und den Einblicken, die sie in die Geschichte der Psychatrie gibt. Hierbei merkt man, dass sie sich mit dieser Thematik gut auskennt und intensiv beschäftigt hat.
Die unterschiedlichen Gefühle von Friederieke, die trotz allem zu ihrem Mann steht, sind für den Leser gut nachvollziehbar.
Die eingebettete Krimihandlung stand, obwohl durchaus spannend, für mich nicht im Vordergrund, sondern diente in erster Linie dazu, die unterschiedlichen Ansatzpunkte der damaligen psychiatrischen Wissenschaft aufzuzeigen.
Die Einrichtung Gut Mohlenberg, in der die Patienten in erster Linie als hilfsbedürftige Menschen gesehen werden und ihrem Krankheitsbild entsprechend auf freundliche Weise therapeutisch unterstützt werden, steht im krassen Gegenteil zu den damals üblichen „Irrenhäusern“ mit ihren sehr drastischen und oft grausamen Methoden, die dem Leser die Haare zu Berge stehen lassen.
Für mich ist die Kernaussage des Romans, dass die Menschlichkeit immer im Vordergrund stehen sollte und jeder das Recht und die Möglichkeit haben sollte (ggf. mit Unterstützung) ein zufriedenes und sinnerfülltes Leben zu führen.

Fazit: Ein sehr berührender Roman, der sich vorbildlich und versiert einem sensiblen Thema widmet.
151 reviews2 followers
February 16, 2020
Das Buch:
Das Buch ist in 41 nicht allzu lange Kapitel eingeteilt. Der Hauptstrang spielt im Jahr 1920, weshalb diese Jahreszahl nur über dem ersten Kapitel zu finden ist. Bei Rückblenden in die Zeit des ersten Weltkriegs wird dies extra kenntlich gemacht, sodass der Leser zu jeder Zeit weiß, wo er sich befindet.
Das Cover des Buches hebt sich erfreulich von den heute beinahe standardisierten für historische Romane ab. Es zeigt ein Foto, welches in die Zeit des Romans passt und schon allein deshalb neugierig macht.

Worum geht’s?
Friederike von Aalen führt gemeinsam mit ihrem Vater Dr. Meinhardt auf Gut Mohlenberg eine Einrichtung für psychisch kranke Menschen – im Volksmund Irrenkolonien genannt. Sie kümmert sich rührend um ihre Patienten und ist der Überzeugung, dass es wichtig ist, auch und gerade geistig behinderten Menschen Zuwendung und eine Aufgabe zu geben, damit diese ein lebenswertes Leben haben können. Einer ihrer Patienten ist ihr Ehemann Bernhard, mit dem sie – trotz dass er nach einer Verwundung im ersten Weltkrieg geistig behindert ist – eine tiefe Liebe verbindet.
Nach einem Mord in der Nähe von Gut Mohlenberg wird einer ihrer Patienten – Kuno Pechstein – von Mohlenberg nach Langenhagen in die geschlossene Abteilung verlegt, weil jeder glaubt, dass nur er diesen Mord begangen haben kann. Doch dann geschieht ein zweiter Mord und Friederike beginnt auf eigene Faust Fragen zu stellen und Zusammenhänge zu finden.

Charaktere:
Melanie Metzenthin gelingt es in diesem Buch die perfekte Protagonistin und den ebenso perfekten Antagonist zu erschaffen. Während mir Friederike bereits auf den ersten Seiten überaus sympathisch erschien, bewirkte Dr. Weiß mit seiner distanzierten Art genau das Gegenteil. Zwar war meine Antipathie gegen ihn noch nicht besonders stark, jedoch mochte ich ihn einfach nicht. Er ist unglaublich kalt in seinen Äußerungen. Und selbst wenn man ihm zugutehalten möchte, dass er vielleicht ein persönliches Interesse an Friederike gehabt haben könnte, so kommt selbst dieses Interesse kalt und berechnend beim Leser an.

In diesen beiden Charakteren spiegeln sich die beiden Fraktionen der damaligen Psychologie wieder. Eine Seite setzte auf Fürsorge und gute Behandlung der Patienten, die andere auf Experimente und Verschluss der Menschen. Während am Anfang der Eindruck entsteht, dass alle auf Gut Mohlenberg auf die gleichen Behandlungsmethoden setzen, wird im Laufe der Geschichte klar, dass Dr. Weiß andere, eigene Ziele verfolgt. Er erforscht die Möglichkeit der Manipulation von Menschen. Diese Forschungen – insbesondere seine eingesetzten Mittel – habe ich als so abstoßend empfunden, dass sich bis zum Ende der Geschichte in mir eine tiefe Abneigung gegen diesen Charakter entwickelt hatte.

Neben Friederike sind mir Walter Pietsch – der Neue auf Gut Mohlenberg – und Bernhard – Friederikes Mann – sehr ans Herz gewachsen. Walter wirkte anfänglich etwas ambivalent. Ich wusste nicht genau, ob ich ihn mag oder nicht. Er hatte etwas zu verbergen und das passte mir irgendwie nicht, weil ich befürchtete, dass er die heile Welt auf dem Gut durcheinander bringen würde. Dennoch wirkte er in seinen Gesprächen mit Friederike aufrichtig, was ihm wiederum meine Sympathie einbrachte.

Bernhard hingegen muss man einfach von Anfang an mögen. Obwohl sein Geist während eines Unglücks im Krieg bedauerlichen Schaden genommen hatte, blieb er ein liebenswerter Mensch, der seine Frau über alles liebte. Im Laufe der Handlung entwickelt er sich vorteilhaft und der Leser kann sich in etwa einen Eindruck verschaffen, was für ein beeindruckender Mann er einmal gewesen sein musste. Mir fiel es am Anfang sehr schwer während der Dialoge mit ihm einen erwachsenen Mann vor meinem inneren Auge zu sehen, aber je weiter seine Entwicklung positiv voran schritt, desto wahrscheinlicher wurde das für mich. Im Nachhinein habe ich gedacht, der Autorin ist hier ein echter Geniestreich gelungen… denn sie beschreibt Bernhards anfänglichen Geisteszustand wie den eines 5jährigen. Allein durch seine Handlungsweisen und Dialoge hat sie es dann jedoch geschafft, dennoch den erwachsenen Mann zu zeichnen.

Auch alle anderen Charaktere werden ebenso vor dem inneren Auge lebendig. Hier besonders der arme Kuno. Mit ihm habe ich sehr gelitten, wenngleich ich mir das Ausmaß seines Leidens gar nicht wirklich vorstellen kann.

Schreibstil:
Nachdem ich von Melanie Metzenthin bereits „Die Hafenschwester“ gelesen hatte und sie mich dort mit ihren gründlichen Recherchen und dem plastischen Schreibstil überzeugt hatte, war ich sehr gespannt auf diesen Roman. Und auch hier gelingt es ihr vortrefflich eine Umgebung zeichnen, die dem Leser authentisch erscheint. Mithilfe von vielen Details – ohne detailverliebt oder ausschweifend zu werden – schafft die Autorin ein Bild jener Zeit, die dem Leser real erscheint. Auch dass zu dieser Zeit der Stand als solcher etwas zählt, bleibt dem Leser nicht verborgen; ein Detail, das ich wichtig finde. Eine von Friederikes Patienten ist nämlich die junge Juliane, die aus einer gut situierten Familie stammt und wegen Hysterie behandelt werden soll. Diese Patienten wurden im Allgemeinen anders behandelt als jene aus dem niederen Stand.

Mit ihrem flüssigen Stil zieht einen die Autorin in ihren Roman hinein. Es gibt Erkenntnisse, Wendungen und Spannungsbögen, die es dem Leser kaum ermöglichen, das Buch zur Seite zu legen. Kurzzeitig habe ich mir die Frage gestellt, ob ich eigentlich einen Krimi oder einen Roman lese. Die Ermittlungen, die Friederike anstellt und die Zusammenhänge, die sich am Ende offenbaren, hätten definitiv das Prädikat Krimi verdient!

Historischer Hintergrund:
Melanie Metzenthin ist selbst Psychologin. Sie erzählt in ihrem Buch über „Behandlungsmethoden“ von vor 100 Jahren, die den Leser in einer Art berühren, die alle Facetten an Emotionen zutage fördern können. Das Schlimme an diesen Behandlungsmethoden ist, dass sie tatsächlich so praktiziert wurden, wie die Autorin in ihrem ausführlichen Nachwort beschreibt. So manches Mal habe ich nur dagesessen und mit dem Kopf geschüttelt über die Grausamkeit der Handlungsweisen und über die emotionslosen Äußerungen der Mediziner jener Zeit. Geistig beeinträchtigte Menschen wurden schlimmer als Vieh behandelt und nur allzu oft bekommt man als Leser den Eindruck, dass deren Leben nicht mehr wert war, als dass es zu Experimenten herhalten konnte.

Auch beschreibt Melanie Metzenthin in ihrem Nachwort ausführlich die Benennung der Krankheiten, die sich im Laufe der Zeit doch sehr verändert haben. Was er davon hält, mag jeder Leser selbst beurteilen. Ich hatte nur einen Gedanken im Kopf: Die Politik von heute sollte andere Probleme haben, als die Benennung von etwas, nur damit es politisch korrekt ausgedrückt ist.

Fazit:
Wer dieses Buch liest, sollte sich emotional warm anziehen. Die Autorin zeigt ein sehr dunkles Kapitel Vergangenheit. Und das auf eine Art und Weise, der sich der Leser, steckt er erst einmal in der Geschichte drin, nicht mehr entziehen kann. Es ist ein Buch, das tief berührt und gleichermaßen erschüttert. Ein klares Must-read für alle Fans historischer Romane! 5 von 5 Sternen.

Profile Image for Dani_liest.
430 reviews29 followers
October 2, 2021
Der Klappentext von „Mehr als die Erinnerung“ hat mich angesprochen, da er nach einer Mischung aus historischem Roman und Krimi klang.
Schauplatz ist Gut Mohlendorf, ein Heim bzw. eine Heilanstalt für psychisch Kranke. Für die 20er Jahre handelt es sich hier um eine sehr fortschrittliche Einrichtung, denn die Patienten werden zu Eigenständigkeit angehalten und leben, so weit es ihnen möglich ist, ein normales Leben und gehen Alltagsbeschäftigungen nach.
Im Zentrum der Geschichte steht Friederike von Aalen, Tochter des Heimleiters. Seit ihr Ehemann mit einem Hirnschaden aus dem Krieg zurückgekehrt ist, kümmert sie sich aufopferungsvoll um ihn und hat sogar ihr Medizinstudium auf Eis gelegt.
Es ist einerseits toll und bewundernswert, wie die junge Frau zu ihrem Mann und ihrer Ehe steht. Obwohl es Ärzte gibt, die ihr eine Scheidung nahelegen, will sie davon nichts wissen. Gleichzeitig haben ich wegen Friederikes Verhalten gegenüber Bernhard überlegt, ob ich den Roman abbrechen soll. Bernhards Intellekt wird als der eines 5-jährigen Kindes beschrieben. Es stellt sich zwar später heraus, dass er mehr versteht, als zunächst angenommen, aber zu einem Zeitpunkt, als sie noch davon ausgeht, dass ihr Mann sich auf dem geistigen Stand eines Kindes befindet, beschließt sie, die ehelichen Aktivitäten mit ihm aufzunehmen, da er immer noch so attraktiv ist und sie sich Nachwuchs wünscht.
Sie muss Bernhard zunächst anleiten und das ganze Szenario hatte für mich etwas grenzwertiges. Ich fand die Vorstellung unangenehm, dass jemand, der die Situation vielleicht nicht verstehen kann, zu sexuellen Handlungen überredet wird.
Nachdem ich eine Weile gehadert und das Buch pausiert habe, nahm ich es doch wieder zu Hand.
Stellenweise konnte mich die Handlung fesseln, aber richtige Begeisterung kam nicht auf.
Die Dialoge orientieren sich am damaligen Sprachgebrauch, wodurch zwar eine authentische 20er Jahre Atmosphäre entsteht, aber aus heutiger Sicht wirken die Gespräche oft hölzern und gestelzt.
Ich hatte erwartet, mehr über das Leben in einer psychiatrischen Einrichtung und die Behandlungen zu erfahren aber darauf wird nicht näher eingegangen. Dafür gab es viele gemeinsame Abendessen von Ärzten, Familienangehörigen, Patienten und Besuchern, so dass man stellenweise völlig vergisst, dass wir uns in einer Klinik befinden.
Eine Patientin erhält einen eigenen Handlungsstrang, der eine zentrale Rolle spielt. Therapie erfährt sie hauptsächlich in Form von Gesprächen mit Friederike (wir erinnern uns, sie hat ihr Studium vorzeitig abgebrochen) und fährt sogar mit ihr in den Urlaub, was ich sehr sonderbar fand.

Die Suche nach dem Mörder hat Aufs und Abs. Manchmal zog die Spannung an, verlor sich dann aber in langatmigen Rückblicken. Wäre ich an Friederikes Stelle, hätte mich sicherlich nicht mit einer über die Tage in die Länge gezogenen Fortsetzungsgeschichte abspeisen lassen.
Das Ende kommt überraschend dramatisch mit einer Wendung, die ich so nicht kommen sah und die ich so mutig fand, dass ich meine Bewertung nach oben korrigiere.

Insgesamt hat mir „Mehr als die Erinnerung“ leider weniger gefallen als „Im Lautlosen“ / „Die Stimmlosen“. Durch den Klappentext hatte ich mir unter der Geschichte einfach etwas anderes vorgestellt.
Profile Image for Kritz.
44 reviews2 followers
July 8, 2019
Inhalt und Stil:

Das Buch erzählt die Geschichte besonderer Vorkommnisse in einer ländlich gelegenen Einrichtung für psychisch kranke und eingeschränkte Menschen im frühen 20. Jahrhundert: Der im Gesicht durch Verbrennungen schlimm entstellte Walter bittet die Einrichtung Gut Mohlenberg darum, ihn als Arbeiter für anfallende Aufgaben aufzunehmen. Die junge Medizinerin Friederike und ihr Vater, der Leiter der Einrichtung, nehmen Walter auf. Beide kümmern sich mit Respekt und Wohlwollen um die dort lebenden Patienten und Patientinnen, zu denen unter anderem Bernhard, Friederikes im Krieg schwer verwundeter Mann, der alte gutmütige Kuno und die junge Juliane gehören.

Plötzlich geschehen zwei Morde im Dorf, und die Patienten von Gut Mohlenberg stehen unter Generalverdacht. Friederike glaubt fest an die Unschuld ihrer Schützlinge und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit. Doch Walter scheint ein Geheimnis zu haben, und der Arzt Dr. Weiß fällt durch erhabenes, abweisendes Verhalten auf. Mehr und mehr Steine werden Friederike und ihren MitstreiterInnen in den Weg gelegt, die es gilt, zu überwinden.

Der Schreibstil des Buches ist flüssig, die Wortwahl der damaligen Zeit entsprechend. Im Nachwort gibt die Autorin in diesem Kontext einen kleinen Exkurs. Die Kapitel sind nicht zu lang und nicht zu kurz.

Hauptfokus des Buches sind die Diskurse rund um die Pschologie und die Menschen, die im Gut Mohlenberg und ähnlichen Einrichtungen leben. Die Frage nach lebenswertem Leben in Bezug auf Menschen mit Behinderung ist mehrmals Thema.

Die Figuren sind vielschichtig und glaubhaft.

Meine Meinung:

Das Buch war mein erstes Buch von der Autorin und es hat mir sehr gut gefallen. Von der ersten bis zur letzten Seite war ich stets unterhalten, gespannt, mitgerissen und gerührt. Alle Figuren waren detailreich beschrieben und haben glaubhaft gehandelt. Der Schreibstil war schön und hat mir sehr gut gefallen.

Obgleich es Krimi-esque Elemente gibt, ist dieser Roman eher ein historisch-anmutendes Porträt mit Fokus auf die Darstellung von Psychiatrie dieser Zeit. Es wurden verschiedene Strömungen subtil dargelegt und in die Geschichte eingewoben, diverse wichtige (reale) Namen erwähnt und der damalige Zeitgeist glaubhaft wiedergegeben. Soweit ich das beurteilen kann war der Roman sehr gut recherchiert und die Kompetenzen der Autorin (ihres Zeichens Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie) kamen gut zum Einsatz. So beschäftigt sich der Roman nicht nur mit der Aufklärung zweier schlimmer Morde sondern setzt sich auch mit dem Begriff der Seele, Behinderungen, lebenswertem Leben und Opfer-Täter-Thematiken und gewissermaßen auch Feminismus auseinander - alles verpackt in eine respektvolle, feinfühlige und gut geschriebene Geschichte

Ich vergebe 5 Sterne und freue mich schon auf die anderen Romane der Autorin!
Profile Image for Lari  Heldenlama.
230 reviews2 followers
August 31, 2019
„Mehr als die Erinnerung“ sprach mich wirklich SOFORT an, obwohl ich von der Autorin bisher noch nichts gelesen habe. Der Klappentext klang so vielversprechend, spielt die Story doch nicht nur im „Hohen Norden“ sondern dazu auch noch in meiner aktuell lesetechnisch bevorzugten Zeit, den 20 Jahren.

Kaum hatte ich das Buch auf meinem Reader, war ich innerhalb von Sekunden in der Geschichte gefangen. Melanie Metzenthin hat es geschafft eine realistische Kulisse um sympathische und liebenswürdige Charaktere zu weben. Ich bin durch die Seiten geflogen und habe mitgefiebert und mit allen mitgezittert.

Gut Mohlenberg ist eine Heilanstalt für psychisch Kranke. Hier kümmert sich die Tochter des Gründers, Friederike, liebevoll um jeden einzelnen Patienten. Sie weiss mit ihren Eigenarten umzugehen und hat für jeden Bewohner ein paar liebe Worte übrig.
Bevor ihr Mann Bernhard im Krieg lebensbedrohlich stark verletzt wurde, hat sie als erste Frau Medizin studiert und war auf dem besten Weg Ärztin zu werden. Als ihr Mann jedoch von der Front zurück kam war er mehr tot als lebendig. Er hatte schwerste Hirnschädigungen davon getragen und es grenzt an ein Wunder, dass er noch lebt. Er konnte sich nicht mehr selbstständig versorgen und ist auf dem geistigen Stand eines kleinen Kindes. Damit sie sich besser um ihn kümmern kann hat sie das Studium aufgegeben und im Gut Mohlenberg zu arbeiten angefangen.
Als ganz plötzlich kurz hintereinander 2 Morde im Umfeld von Gut Mohlenberg passieren wird sofort der neue Mitarbeiter verdächtigt, den Friederike gerade erst gegen den Willen ihres Vaters eingestellt hat. Er hat keine richtigen Papiere und wirkt auch sonst alles andere als vertrauenserweckend.
Friederike begiebt sich auf eine Reise in die Vergangenheit – sie möchte unbedingt mehr über den seltsamen Fremden wissen und erfährt plötzlich viel mehr als ihr lieb ist. Was hat der neue Mitarbeiter mit Bernhard zu tun? Warum hat auch er eine schlimme Gesichtsverletzung?
Zeitweise war es schwer zu ertragen, sich vorstellen wie in der damaligen Zeit mit den kranken Menschen andererorts umgegangen wurde und vorallem wie wenig sie in den Augen der Gesunden wert waren. Umso herzergreifender und schöner war es, dass ich Friederike begleiten durfte!
Dieses Buch hat alles was ich von einem guten Buch erwarte. Authentische Charaktere, packende Athmosphäre, Spannung, einen Kriminalfall und Ermittlungen und eine tolle Kulisse. Es gibt keine großen geschichtlichen Enthüllungen oder Recherchen aber alles fügt sich nahtlos aneinander und ich hatte am Ende das Gefühl ich verlasse gute Freunde als ich den Reader zugeklappt habe.
Deshalb gibt es natürlich von mir eine absolute Leseempfehlung! Ich werde auf jeden Fall die anderen Bücher der Autorin in Kürze nachholen!
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