Pine Ridge Reservation, August 2018 Armut, Drogen, Gewalt, Suizide – Mit dem grausamen Alltag im Indianerreservat will sich Chayton Callahan nicht abfinden. Weniger noch, als er seine Cousine Janice eines Abends auf einem abgelegenen Schrottplatz findet – missbraucht und halb totgeprügelt. Aus bitterer Erfahrung weiß Chayton, dass die hiesige Stammespolizei nichts gegen Janice’ Peiniger wird ausrichten können, sollte es sich wie befürchtet um einen Weißen handeln. Chayton sieht nur eine Er muss einen Agenten des FBI überzeugen, sich des Falles anzunehmen. Doch Special Agent Logan Harris ist nicht freiwillig bei der Indian Country Crimes Unit gelandet. Schuld waren seine große Klappe und seine direkte Art, Missstände offen anzusprechen. Als sich die beiden Männer zum ersten Mal begegnen, ist schnell klar, dass Welten aufeinanderprallen. Hätten Chayton und Logan nicht ein gemeinsames Ziel, würden sie einander aus dem Weg gehen – oder miteinander ins Bett. Eine Zusammenarbeit scheint unmöglich, doch die wenigen Indizien legen nahe, dass der Täter bald sein nächstes Opfer finden wird. Und so versuchen Chayton und Logan gegenseitige Anziehung und Abneigung gleichermaßen beiseitezuschieben, um in der Trostlosigkeit des Reservats eine weitere Tragödie zu verhindern …
„Unter weiten Adlerschwingen“ ist das Gemeinschaftsprojekt von Svea und Màili. Hier erwartet euch ein Mix aus Crime, Romance und so viel mehr …
Special Agent Logan Harris wird aufgrund seines stark ausgeprägten Gerechtigkeitssinns gepaart mit seinem losen Mundwerk zur Indian Country Crimes Unit strafversetzt. Dort trifft er auf den Lakota Indianer Chayton Callahan und dessen Cousine Janice, die einem grausamen Verbrechen zum Opfer gefallen ist. Dieses versuchen die beiden Männer nun gemeinsam aufzuklären und müssen dabei einige Hürden überwinden.
Puh, und was für Hürden auf die beiden warten!! Angefangen bei den sehr schweren und teils hoffnungslosen Lebensumständen in so einem Indianerreservat. Die Menschen dort sind mit Armut, Drogen, Alkohol, Gewalt, Suizid, Rassismus und kaum einer Hilfe konfrontiert. Auch die zuständigen Behörden interessiert es kaum, wenn im Reservat ein Verbrechen geschehen ist, außer es betrifft die „weiße“ Bevölkerung.
Ich habe mich so schrecklich und hilflos gefühlt, als ich über diese Missstände gelesen habe und ich finde es soo schade und traurig, dass es immer noch Menschen gibt, die andere Menschen in dieser Art herabstufen. Umso begeisterter war ich über Logan. Ihm ist egal welche Herkunft, Hautfarbe, … seine Opfer und Täter haben – er will einfach nur für Gerechtigkeit sorgen, dass er dabei seine Vorschriften etwas biegen muss, stört ihn wenig. Auch Chayton will nur das beste für seine Familie und Freunde im Reservat, weiß sich aber oft selbst nicht zu helfen. Als die beiden endlich zusammengefunden haben, bilden sie ein unschlagbares Team und stellen sich gemeinsam den Hürden. ❤️
„Unter weiten Adlerschwingen“ hat mir wunderschöne, lehrreiche, spannende, aufregende, schockierende, traurige, liebevolle, heiße, lustige (Logans Schwester Beth; Keyas Titelideen 😉) Lesemomente bescheren können.
Zum Abschluss habe ich noch eine, wie ich finde, sehr wichtige Botschaft aus dem Buch für euch: „Liebe, Chayton, kennt keine Hautfarbe. Kein Alter. Keine Herkunft. Keine Religion. Keine Vergangenheit. Nur Zukunft. Hab Vertrauen, mein Junge!“ 🦅❤️
So ganz leicht fällt mir die Bewertung in diesem Fall nicht. Ich werde aufrunden, wenn es möglich wäre, würde ich wohl eher 3,5 Sterne vergeben. Zunächst einmal brauchte ich doch einige Zeit um in das Buch zu finden. Ich konnte anfangs einfach auch keinen Zugang zu den beiden Hauptcharakteren finden.
Das hat sich allerdings gegeben und ich habe mitgefiebert, sowohl in der Krimihandlung, als auch bei der Liebesgeschichte. Die Zustände im Reservat und der Wahrheitsgehalt der dahinter steckt, sorgen hier und da für eine bedrückende und nachdenkliche Stimmung. Definitiv wurden bei mir Emotionen geweckt. Das Ende ist für mich auch gut gelöst und lässt mich das Buch zufrieden zuschlagen. Das ist auch der Grund warum ich auf 4 Sterne aufrunde, denn eine Sache hat mich massiv genervt.
Diese elenden ... drei Punkte ... Ich habe nicht prinzipiell etwas gegen diese Punkte, sofern sie etwas verdeutlichen wollen. Ob Stottern, Unsicherheiten, dramatische Pausen oder sonstwas, alles okay für mich, solange es in einem gewissen Rahmen bleibt. Ich finde, das Verdeutlichen von Dingen geht unter, wenn diese Punkte überstrapaziert werden. Für mein Empfinden, hier definitiv geschehen. Vielleicht fällt mir das besonders auf, da mich diese ... Lücken immerwieder rausreißen. Es war für mich anstrengend und an zu vielen Stellen einfach überflüssig. Ein Stinknormales Satzzeichen hätte mir oftmals wesentlich besser gefallen.
Fazit: Ich mag die Geschichte und die Emotionen. Nach einer Eingewöhnungszeit mochte ich Logan und Chayton sehr und konnte mitfiebern. Alles in allem gebe ich eine Leseempfehlung :-) Ich habe allerdings einen kleinen Hass auf die drei Punkte entwickelt. Mich hat es so gestört, dass ich das Buch kein zweites mal lesen werde.
Story: Das Leben als Native American ist in einem Reservat nicht leicht – Alkohol, Drogen, Gewalt und eine hohe Kriminalität prägen den Alltag. Chayton Callahan gehört den Lakota an, hat den Großteil seines Lebens dort verbracht und will seinen Beitrag leisten, seinem Brüdern und Schwestern zu helfen. Als ausgerechnet seine Cousine missbraucht wird und fast stirbt, schaltet er voller Verzweiflung die ICCU des FBI ein, deren Aufgabe es ist, sich um die Belange der indigenen Völker zu kümmern. Entgegen aller Erwartungen – denn normalerweise interessieren sich weiße Polizisten und Agents nicht für Fälle von Indianern – taucht Special Agent Logan Harris auf, der kurz zuvor strafversetzt wurde. Er nimmt sich das Missbrauchsfalls an und bindet Chayton von Anfang an in seine Ermittlungen ein. Schon bald haben sie eine heiße Spur, müssen jedoch auch mit ihrer Anziehung füreinander klarkommen, die beiden Probleme bringen könnte …
Eigene Meinung: Bei dem Gay Romance „Unter weiten Adlerschwingen“ handelt es sich um die erste gemeinsame Arbeit der Autorinnen Svea Lundberg und Màili Cavanagh und erschien im Traumtänzer Verlag. Beide Autorinnen haben eine Vielzahl von Romanen veröffentlicht und sich in der Szene einen gewissen Ruf erarbeitet – Svea Lundberg im Gay Crime und Gay Drama Bereich, Màili Cavanagh hat mehrere Bücher geschrieben, in denen Cowboys eine zentrale Rolle spielen. Ob es weitere gemeinsame Romane gibt, steht bisher noch nicht fest.
Die Geschichte spielt in der heutigen Zeit, größtenteils in einem Reservat in Amerika. Die Beschreibungen der Lebensumstände der Lakota und den Problemen mit denen Native Americans zu kämpfen haben, sind sehr realistisch dargestellt. Die Autorinnen haben genau recherchiert und ein (für den Leser) erschreckendes Bild des Lebens in Reservaten gezeichnet – wer sich ein wenig mit der Materie beschäftigt, wird mitbekommen, wie schlimm die Zustände für Indianer wirklich sind. Auch der Kriminalfall wird gut in die Handlung eingebaut, ist logisch und wird gut (wenn auch vorhersehbar) aufgelöst – er erinnert ein wenig an den Highway of Tears in Kanada. Man ist von Anfang an in der Geschichte und erlebt die Ereignisse wechselnd aus Logans und Chaytons Sicht. Zum Ende hin häufen sich leider die Ungereimtheiten (nach einer OP an der Lunge spaziert man nicht einen Tag später aus dem Krankenhaus), doch das ist Geschmackssache. Ein wenig schade und unglaubwürdig finde ich es zudem die Zusammenfassung im Epilog – zwischen Chayton und Logan liegen (kulturelle) Welten und trotzdem scheinen sie binnen eines Jahres alles Hürden (auch für das Reservat und die Lakota) aus dem Weg zu räumen – so schön ein solches perfektes Happy End auch ist, so wenig realistisch ist es leider. Einige Passagen, gerade zum Ende hin, hätte ich mir ausführlicher gewünscht – wozu nicht die erotischen Szenen gehören, denn diese sind sehr explizit und vollkommen ausreichend.
Die Figuren sind sehr gut in Szene gesetzt – man kann sowohl Chayton, als auch Logan gut nachvollziehen und erlebt die Geschichte durch ihre Augen. Chayton Callahan ist hierbei besonders gut gelungen – sein Kampf zwischen seinen Traditionen und dem Hochhalten seiner Kultur und dem Kampf mit der modernen Welt, in der er sich zurechtfinden muss. Er ist ein ungemein starker Mann, dem man wünscht aus dem Teufelskreislauf auszubrechen. Logan Harris ist nicht minder interessant und kann durch sein starkes Gerechtigkeitsempfinden und seine Ausdauer punkten – ihm ist es gleich, welche Hautfarbe ein Opfer hat, er will den Täter dingfest machen. Dass er dafür auch mal Vorschriften und Anweisungen in den Wind schreibt, wird ihm zwar zum Verhängnis, macht aber auch seine Stärke aus. Einige Nebenfiguren, zum Beispiel Chaytons Cousine lernt man gut kennen, ebenso einige Lakota und ihre Schicksale. Im Gegenzug dazu bleiben die Kollegen von Logan recht blass, aber das dürfte der Kürze des Buches geschuldet sein.
Stilistisch legen die beiden Autorinnen einen guten Roman vor der jedoch kleinere Schwächen hat. So stolpert man über verhältnismäßig viele Rechtschreibfehler, hin und wieder ist ein Wörtchen zu viel. Störend empfand ich die vielen Perspektivwechsel innerhalb eines Kapitels, so dass ich mehrfach nachschauen musste, welcher Erzähler aktuell am Ball ist. Gerade bei den expliziten Szenen häufen sich Perspektivfehler und verwirren den Leser – hier hätte der Lektor eingreifen und vieles glattziehen müssen. Positiv ist, dass der Text wie aus einem Guss wirkt und man nicht den Eindruck hat, dass sich zwei Autorinnen für „Unter weiten Adlerschwingen“ verantwortlich zeigen.
Fazit: „Unter weiten Adlerschwingen“ ist ein schöner Gay Romance von Svea Lundberg und Màili Cavanagh, der durch eine gut recherchierte und nachdenklich stimmende Hintergrundgeschichte, sympathische Charaktere und einen soliden Kriminalfall entspricht. Stilistisch gibt es zwar einige Schwächen (gerade bei den Perspektiven) und auch zum Ende hin häufen sich die Logikfehler, doch darüber kann man hinwegsehen, insbesondere wenn einem der Romance-Anteil wichtig ist. Denn gerade dieser ist sehr schön ausgearbeitet und lässt den Leser mitfiebern. 3,5 Sterne, aufgerundet auf 4.