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233 pages, Kindle Edition
First published September 24, 2015
“Eine Ordnung, die nicht jederzeit gegen Widerstand erzwungen werden kann, könnte nicht lange überleben. Deshalb bleibt die Gewalt als Möglichkeit auch dann im Spiel, wenn Frieden herrscht. Nicht ihre Überwindung sollten wir erhoffen, sondern ihre Beherrschbarkeit.“ (S.43)
“Der Gärtnerstaat war der Resonanzboden der Utopie. Er vollbrachte, was sich Nationalisten, Rassisten und Kommunisten ausgedacht hatten. Alles war denkbar, und alles war möglich: Kriminelle, Außenseiter und Kranke konnten eliminiert, nützliche Menschen gezüchtet, Unkraut, Viren und Abfall aus der Gesellschaft entfernt werden. Man konnte zugleich ein Gegner der Todesstrafe und ein Anwalt der Euthanasie, ein glühender Anhänger sozialer Gerechtigkeit und Freiheit und ein Apologet des Klassenmordes sein. […] So gesehen waren Rassismus und Kommunismus zwei Varianten des gleichen Projekts: die Welt zu ordnen und von ihren Feinden zu erlösen. Nicht unkontrollierte Leidenschaft und die Lust am Töten hätten den organisierten Massenmord ins Werk gesetzt, so Bauman, sondern kühle Berechnung und Planung.“ (S.85)
“Gewalt braucht Täter, um Gewalt zu sein, und Opfer, die wissen, wer ihnen Schmerzen zugefügt hat. Niemand kann eine Struktur als Täter identifizieren, und eine Struktur kann nicht handeln.“ (S.123)
“Auch in Zukunft wird die Gewalt ein Teil unseres Lebens sein. Davon wissen Menschen, die mit der Gewalt leben müssen, mehr als Menschen, die nur den Frieden kennen. Der Glaube an die heilenden Kräfte der Zivilisation ist eine Illusion. Nicht aus Friedfertigkeit, sondern aus Furcht sehnen sich die Menschen nach Sicherheit und Ordnung. Denn der Tod ist das Ende von allem. Der Mensch aber will überleben, und deshalb ist die Gewalt eine Erfahrung, die Ordnung stiftet. […] Deshalb kommt Ordnung aus der Einsicht, dass Gewalt niemals verschwinden wird und dennoch gebannt werden muss. Eine deprimierende Einsicht, zweifellos, aber wenn man begriffen hat, dass Gewalt nicht aus der Welt zu schaffen ist, wird man auch Vorkehrungen treffen können, sie einzuhegen. Für den Träumer, der den ewigen Frieden herbeisehnt, ist diese Erkenntnis enttäuschend, für den Realisten ist sie ein Trost.“ (S.193f.)