Im Gegensatz zu "Gott der Barbaren" ein grausiges Stück Literatur, um das man besser einen großen Bogen macht. Unfassbar nervige Protagonistin, die alle ihre "Probleme" mit Sex lösen muss, den entweder sie oder der zugehörige Mann nicht will. Eine Seifenoper sondergleichen. Zur Nelkenrevolution erfährt man einfach nichts! Stattdessen Drama, Drama, Drama. Grauenvoll.
Zu Beginn der Handlung sind Maria Antonia Pereira und ihr Ehemann, dessen Namen sie nicht trägt, ein Ehepaar in den besten Jahren. Die einzige Tochter hat gerade zum Studium das Elternhaus verlassen. Philosopieprofessor Hartmut hat sich vergeblich um Professuren und andere Stellen beworben, um seiner Frau zuliebe die westfälische Provinz verlassen zu können. Falls Hartmut seine derzeitige Stelle aufgeben würde, müsste das Paar seine Ansprüche zurückschrauben und Maria müsste zukünftig den Lebensunterhalt verdienen. Maria studierte in den 70ern in Berlin und entkam so ihrem katholischen Elternhaus und der Salazar-Diktatur in Portugal. Das Studium in einer fremden Sprache musste sie sich sehr viel härter erkämpfen als ihre deutschen Altersgenossen und war nie wirklich sicher, ob ihre Leistungen den Ansprüchen genügen. Ihre Altersgenossen in jener Zeit erklärten allein das Lästern über ihr Elternhaus bereits zur politischen Haltung. Berlin war Marias Lebenstraum; in der Gegenwart wird die Stadt erneut ihr Fluchtpunkt. Nach Jahren als Hausfrau und Mutter arbeitet Maria nun an einer kleinen Berliner Bühne und lebt mit Hartmut eine Fernbeziehung. Leiter des Theaters ist ihr Ex-Freund Falk. Maria und Helmut haben die Wahl zwischen zwei Karrieren an zwei Wohnorten oder aber dem Ende ihrer Beziehung.
Rückblenden bieten Einblick in Marias Jugendjahre in Portugal, die Hausbesetzer-Szene der 70er und Marias erste Beziehung zu Falk, der damals Bewunderung suchte, aber keine Partnerschaft. Mit Hartmut lebt Maria anschließend eine klassische Versorgungsehe, in der eine Ehefrau mit eigener Muttersprache höchstens stundenweise als VHS-Dozentin vorstellbar ist. Als Marias Tochter in den 80ern zur Welt kommt, waren Vereinbarkeit von Beruf und Familie noch weitgehend feministische Utopien. Nach der Geburt magert Maria stark ab und schafft kaum noch, das Baby zu versorgen. Hartmut erkennt zunächst nicht, dass seine Frau an postpartaler Depression erkrankt ist. Ohne eigenes Familiennetzwerk in Deutschland und frisch in eine neue Stadt gezogen, gehört Maria zur Hauptrisikogruppe für eine Wochenbettdepression. Hilfe kommt von Hartmuts Schwester, die bereits Kinder hat, und der jungen Familie entschlossen unter die Arme greift. Ängste, ob ihre Tochter Philippa durch die Vernachlässigung geschädigt wurde, lassen Maria fortan nicht mehr los.
Die Handlung umfasst Ereignisse aus rund 30 Jahren auf verschiedenen Zeitebenen und ist zum großen Teil in Dialogen in Szene gesetzt. Besonders Maria schlägt dem Leser so die Widersprüche bundesrepublikanischer Wirklichkeit gnadenlos direkt um die Ohren. Als Einwanderin beobachtet sie den ihr noch immer fremden Planeten Deutschland durch eine besonders scharfgestellte Linse. Die aktuelle Krise des Paars, charakteristisch für die in den 50ern geborene Generation, ist die Summe von Erschöpfung eines langen Berufslebens, nicht Ausgesprochenem, der Sorge um alternde Eltern. Sie wird noch befeuert durch jugendlich-vorschnelle Urteile der Tochter, die bisher wenig über das Leben ihrer Mutter weiß.
„Gegenspiel“ zeichnet äußerst nüchtern Brüche zwischen Schein und Wirklichkeit bundesdeutschen Alltags auf. Die Figur der Maria und ihr kritischer Blick haben mich dabei besonders berührt.
Eigentlich 3,41 Sterne, aber das erste Buch, das ich in meinem neuen, jetzt schon heißgeliebten Lesesessel zuende gelesen habe. das stimmt mich glücklich und erhöht das Ergebnis :-)
Als Kind portugiesischer Gastarbeiter war ich natuerlich schon sehr interessiert, da es hier ja auch um eine Einwanderungserfahrung aus Portugal nach Deutschland geht. Das sind auch die spannendsten Momente, wie Maria sich im seltsamen Berlin der 80er (?) Jahre zurechtfindet. Ihre gesamte Zeit am Theater in Berlin, 25 Jahre spaeter finde ich uninteressant.
Maria ist eine komplizierte Frau, die mehr treibt, als das sie gezielt durch ihr Leben laeuft. Das hat mich zunehmend gestoert. Die Entscheidungen, die sie trifft, sind zwar irgendwann ihre eigenen, aber welcher Motivation sie folgen bleibt mir schwammig. Das ist keine Kritik am Autor, sondern an Maria, also eher ein Lob an den Autor, weil die Figur stringent ist.
An irgendeinem Punkt habe ich das Interesse verloren, Maria weiss nicht was sie will, was sie falsch gemacht hat, sieht verschiedenste Lebensluegen nicht ein. Alles nicht zufriedenstellend.
Ich mag Sex, aber fuer diesen Roman machen die Sexszenen keinen Sinn und fallen negativ auf.
The extent of my theoretical knowledge of literature pretty much consists of one sentence I picked up somewhere, that a novel (as opposed to, say, a short story) is about life itself. Rarely does it feel as true as when reading Thome, who manages to philosophize while describing the mundane details of married life in provincial towns. I felt his themes didn't come together quite as well here as in Grenzgang, but it still was a captivating read and one whose characters, warts and all, I find myself missing now that I finished it.
Wegen Grenzgang habe ich dieses zu Ende gelesen. Ist aber nicht vergleichbar, weder stilistisch noch inhaltlich. Ein ganzes Buch über eine chronisch depressive Frau, deren Handlungen und Beziehungen nicht nachvollziehbar sind ... nicht zu empfehlen.
... und die Fortsetzung hat mir dann überraschenderweise wieder deutlich besser gefallen. Das mag daran liegen, dass Berlin zu Mauerzeiten hier eine große Rolle spielt und auch sehr anschaulich geschildert wurde, aber auch daran, dass die Perspektive der Frau in diesem Fall doch für mich interessanter war als das Universitätsmilieu...
ob ich noch zum bereits angekündigten dritten Band greifen werde, weiß ich allerdings nicht. Für mich ist die Geschichte eigentlich auserzählt...