Voller Begeisterung zieht die bayrische Familie Alexander in den späten 1950er-Jahren vom Chiemsee nach Thüringen, wo der Vater Direktor im Erfurter Zoo wird. Ein Paradies für die Kinder Lotte, Bruno und deren Schwestern. Doch dann wird die Mauer gebaut, und es gibt kein Zurück. Obwohl der musikalisch hochtalentierte Bruno gerade frisch verheiratet und Vater geworden ist, flieht er Hals über Kopf in den Westen. Er ist frei, hinterlässt aber eine geschockte Familie, deren Leben nun vollends aus den Fugen gerät. Besonders als Bruno den Vater anfleht, seiner Frau und dem Baby zur Flucht zu verhelfen ...
Was war das letzte Buch, das euch einfach nur geschockt und traurig zurückgelassen hat? Bei mir war es definitiv der neue Tatsachenroman von Hera Lind.
Was damals alles in der unscheinbaren DDR passiert ist, schockiert mich immer und immer wieder aufs Neue.
Mein vollster Respekt gilt all denjenigen, die genug Mumm und Courage gezeigt hatten, den Achso-Allmächtigen die Stirn zu bieten.
Schon zu Beginn meines turbulenten Leseabenteuers ist mir Hera Linds Talent, einfach großartig mit Worten umgehen zu können, aufgefallen. Ihr Schreibstil vermittelt einem das Gefühl, direkt mit den Protagonisten zu interagieren und ihnen nahe zu sein. Die Gefühle derer selbst im Herzen zu tragen.
Zum Faktor Spannung muss ich keine großen Dinge ansprechen...es war einfach grandios. Keine langatmigen Szenen oder unwichtige Handlungen. Von Kapitel zu Kapitel wurde es spannender und interessanter - qualvoller und trauriger.
Da das Buch auf einer chronologischen Zeitenfolge basiert - abwechselnd Vergangenheit und Gegenwart - wird die Geschichte gleich von mehreren Perspektiven beleuchtet. Demnach konnte ich die Beweggründe der Protagonisten besser nachvollziehen.
Die Schlüsselfiguren Lotte, Paul und Bruno waren mir schon von Anfang an sehr sympathisch. Was alle drei durchmachen mussten - egal ob in der Vergangenheit oder der Gegenwart - ist unglaublich.
Lotte, die Schwester von Bruno, ist ein sehr starker Charakter mit ganz viel Liebe und Lebensfreude im Herzen. Wie sie sich später um ihren kranken Bruder kümmert, ist wunderschön und herzzerreißend.
Alle Charaktere sind sehr tiefgründig und lebensnah vorzufinden, dass mich ihr Schicksal sehr getroffen hat.
f a z i t: Eine klare Leseempfehlung für jeden von euch. Mit diesen Romanen über den Alltag in der DDR und Fluchtversuchen soll unser Leben in Freiheit viel mehr wertgeschätzt werden.
Eine wahre, erschütternde Geschichte von Bewohnern der ehemaligen DDR erzählt, wie sie bespitselt und gemobbt wurden wenn sie eine andere Gesinnung hatten. Sehr gut und spannend erzählt. Eine absolute Leseempfehlung.
Eine bayrische Familie zieht in den 50er Jahren nach Thüringen und bleibt dort, auch als die Mauer geschlossen wird. Wie sie das Leben in der DDR erlebt, erzählt Hera Lind in „Über alle Grenzen“. Der Roman hat zwei Zeitstränge: Die Vergangenheit wartet mit Stasi-Verfolgung, Gefängnis und Folter, Diskriminierung von Kindern und Flucht auf und ist damit der spannende Teil der Geschichte. In der heutigen Zeit erleben wir, wie die Familie die Vergangenheit verarbeitet und erneut zueinanderfindet. In den verschiedenen Zeitebenen verstecken sich auch die Stärken und Schwächen der Erzählung: Während Szenen, wie die Schilderung eines Verhörs aus den Augen einer Betroffenen, nahegehen (insbesondere auch durch die sprecherische Darbietung), geht die Darstellung der Krankheiten und Behandlungen irgendwann nur noch auf die Nerven. Obwohl die Handlung auf einer wahren Geschichte beruht, wurden einige historische Fakten (z.B. der Pioniergruß) falsch dargestellt, was mich andere unbekanntere Sachverhalte in Frage stellen ließ. Hinzu kam die Langatmigkeit, die mein Hörvergnügen trübte.
Zur Geschichte: Es wird die Geschichte von Lotti Alexander erzählt, die mit zwölf Jahren vom bayrischen Land nah Erfurt in den Zoo zieht. Denn ihr Vater, ein Tropenmediziner, hat den Posten des Zoodirektors in Erfurt angeboten bekommen. Ein Traumjob, also zieht Familie Alexander um: Mutter, Vater und fünf Kinder. Kurz nach dem Umzug werden die Grenzen dicht gemacht und der Zeitpunkt für einen weiteren Umzug verpasst. Die Alexanders sitzen in der DDR fest, haben immer noch Westkontakt zur restlichen bayrischen Familie und können gar nicht glauben, was mit dem Land passiert. Von nun an heißt es linienkonform und mitmachen, nur nicht auffallen, aber das ist manchmal schwerer, als man denkt und geht auch gegen den menschlichen Verstand.
Sprecher: Da ich kein permanent Hörer bin, ist mir Beate Rysopp als Sprecherin noch nicht begegnet. Mir gefällt ihre ruhige Erzählart, sie hat eine angenehme Stimme. Auch die Benutzung der thüringischen oder bayrischen Mundart klingt nicht albern oder nachgemacht.
Meine Meinung: Ich bin kein wirklicher Fan von Hera Lind. Ihre Romane aus den neunziger Jahren haben mich nicht wirklich angesprochen. Jetzt hat sie angefangen Geschichten nach wahren Begebenheiten aufzuschreiben. Im Internet fand ich den Satz: "Mit Tatsachenromanen erobert sie erneut die Bestsellerlisten". Wie viel Wahres und wie viel Ausschmückung ist, kann ich nicht beurteilen. Die Geschichte der Familie Alexander hat mich tief getroffen. Die Schikanen derer sie ausgesetzt waren, die Hilflosigkeit und Willkür, die ihnen widerfahren ist, lässt mich erschaudern und zeigt das Ausmaß eines Überwachungsstaates. Hera Lind schildert mit einigen Längen das Leben von Lotti Alexander in zwei Erzählsträngen. Einmal in der Gegenwart (2011), in der sie ihren verschollenen Bruder Bruno endlich ausfindig gemacht hat und sich rührend und aufopfernd um ihn kümmert und andererseits das Leben hinter der Mauer, wie es ist, wenn man sich linienkonform verhält und wie es ist, wenn nicht. Wie alles gekommen ist, wie man in Situationen gerät, die man gar nicht verschuldet hat. Familienmensch Lotti wirkt durch die ganze Geschichte ein wenig naiv, aber ihr Mann Paul macht alle Entwicklungsstadien durch: von miteinander über Wut, Verzweiflung, Fassungslosigkeit bis hin zu Freude und Erleichterung. Ich bin jedes Mal geschockt, wenn ich "solche" Geschichten höre (das ist nicht meine erste Ost-Flucht-Erzählung) und ja, natürlich auch wütend und fassungslos, wie Menschen einfach so stoisch Befehle befolgen können und frage mich jedes Mal, wo da der gesunde Menschenverstand und ja vielleicht auch das Grundgerüst der Menschlichkeit geblieben ist (was sich Lotti auch mal zwischen durch fragt "Haben die überhaupt Familien? Haben die Kinder?"). Es frustriert, ärgert und lässt einen verzweifeln, dass Menschen so behandelt worden sind. Gerade deshalb ist es vielleicht nötig, solche Bücher zu schreiben, um aufzurütteln, um die Hoffnung zu haben, dass keine Mauern mehr gebaut werden.
Ich habe das Buch an einem Tag durchgelesen. Der Schreibstil und die Geschichte sind wirklich schön & dass es auch hier um eins wahre Geschichte handelt reizte mich umso mehr. Die Beschreibungen der Familie in der DDR mit den Fluchtversuchen und den entstandenen Schwierigkeiten waren sehr interessant. Besonders gut fand ich den Anhang mit dem Nachwort der Protagonistin bzw beider Protagonistinnen da die Geschichte ja kombiniert und leicht angewandelt wurde. Mehr Details zu allen veränderten Fakten hätte ich schön gefunden, so wurden lediglich einige genannt. Dennoch bekommt man einen tollen Einblick in die damalige Zeit mit all ihren Schwierigkeiten und erlebt durch das Buch 2 Schicksale etwas genauer :)
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has to be one of my favorite books this year so far! Love the setting and especially that it is inspired by a ture story. So heartbreaking and uplifting at the same time!
Spannende Geschichte. Das Buch war leicht zu lesen und hat mich an manchen Stellen mitgenommen und zum Überlegen bewegt. Durch die Aufteilung durch Vergangenheit und Gegenwart taucht man tief in die Familie ein und erfährt Beweggründe für die jeweilige Handlung. Ich bin sehr schockiert das dies eine reale Geschichte ist(ungefähr),da zwei Geschichten von zwei Personen benutzt wurden und in eine umgeformt worden.