Die folgenden Anmerkungen und Reflexionen beziehen sich auf die deutsche Übersetzung von Noam Chomskys „Language and Problems of Knowledge“, die unter dem Titel Probleme sprachlichen Wissens in der Übersetzung von Michael Schiffmann erschienen ist. Leider ist gerade diese Ausgabe auf Plattformen wie Goodreads bislang nicht gelistet, was bedauerlich ist – nicht nur wegen der bibliografischen Lücken, sondern auch, weil Übersetzungen (und ihre jeweiligen Entscheidungen) einen erheblichen Einfluss auf die Rezeption philosophischer und linguistischer Werke haben.
Schiffmanns Übersetzung ist kenntnisreich, aber nicht unproblematisch: Sie folgt dem Original in Ton und Struktur zwar meist gewissenhaft, doch es finden sich immer wieder terminologische Unebenheiten und stilistische Glättungen, die die argumentative Schärfe des Originals mitunter abschwächen. Wer Chomskys Werk also aus der Perspektive der deutschen Übersetzung diskutiert, tut gut daran, diese zusätzliche interpretative Ebene mitzudenken.
In den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren war Nicaragua ein symbolisch aufgeladenes Terrain der globalen Systemkonkurrenz zwischen Nord und Süd, Kapitalismus und Sozialismus, Imperialismus und Selbstbestimmung. Das zentralamerikanische Land rückte 1979 schlagartig in das Zentrum der internationalen Aufmerksamkeit, als die Sandinistische Befreiungsfront (FSLN) nach Jahrzehnten des Widerstands den Somoza-Clan, eine brutale, von den USA gestützte Familiendiktatur, stürzte.
Die Somozas hatten das Land seit den 1930er-Jahren beherrscht – mit stillschweigender oder offener Billigung Washingtons. Erst unter Jimmy Carter (1977–1981) kam es zu einem Kurswechsel: Carter setzte erstmals in der US-Außenpolitik auf eine Rhetorik der Menschenrechte und stellte die Waffenlieferungen an das Regime ein – ein innenpolitisch umstrittener, aber außenpolitisch symbolträchtiger Schritt. Diese diplomatische Distanzierung bereitete indirekt den Weg für den revolutionären Machtwechsel im Juli 1979, als die Sandinisten triumphierend in Managua einzogen.
Mit dem Sturz der Somozas verband sich international eine doppelte Hoffnung: einerseits auf eine gerechtere Gesellschaftsordnung im Zeichen sozialistischer Reformen, andererseits auf eine Abkehr von der jahrzehntelangen neokolonialen Bevormundung durch die USA. Nicaragua wurde zum Experimentierfeld für eine neue politische Ökonomie der Peripherie – mit Alphabetisierungskampagnen, Landreformen und einer Betonung kultureller Emanzipation. Diese Phase wurde jedoch rasch durch neue Konfliktlinien überlagert.
Die sandinistische Regierung sah sich schon bald einer aggressiven Gegenoffensive der Reagan-Administration (ab 1981) gegenüber, die die sogenannten Contras – rechtsgerichtete Aufständische, oft ehemalige Somoza-Offiziere – logistisch, finanziell und paramilitärisch unterstützte. Die US-amerikanische Einmischung eskalierte zum offenen Stellvertreterkrieg, der Nicaragua in den 1980er-Jahren schwer erschütterte und internationale Solidarität ebenso mobilisierte wie Kritik an der US-Außenpolitik.
Chomskys Besuch in Managua 1986 – der Ursprung der Vorlesungen, die später als Language and Problems of Knowledge veröffentlicht wurden – war vor diesem Hintergrund mehr als eine akademische Geste. Es war eine politische Bekundung intellektueller Solidarität mit einem Land, das sich inmitten eines ideologisch aufgeladenen Ringens um Selbstbestimmung, Bildung und kulturelle Souveränität befand. Die Entscheidung, gerade dort über Sprache, Wissen und Erkenntnis zu sprechen, lässt sich auch als subtile Antwort auf die epistemische Arroganz des geopolitischen Nordens lesen.
Noam Chomsky diskutiert in seinen Vorlesungen die Spracherwerbsfähigkeit des Menschen, die er als ein angeborenes „Sprachorgan“ im Gehirn betrachtet. Er argumentiert, dass Kinder Sprache nicht durch Nachahmung oder umfassende Erfahrung lernen, sondern durch grundlegende, biologisch determinierte Prinzipien der „Universellen Grammatik“, die es ihnen ermöglichen, aus begrenzten Daten komplexe Sprachsysteme zu entwickeln. Chomsky hinterfragt traditionelle Ansichten, die Sprache als reines Gewohnheitssystem oder als Fähigkeit betrachten, und betont die Strukturabhängigkeit sprachlicher Regeln. Er vergleicht den Spracherwerb mit der körperlichen Entwicklung und schlägt vor, dass die menschliche Erkenntnisfähigkeit über die Sprache hinaus auch angeborene Eigenschaften für Moral, Kunst und sogar Mathematik umfasst. Insgesamt stellt er die menschliche Natur als einen Satz spezifischer, spezialisierter kognitiver Fähigkeiten dar, die durch die Umwelt „ausgelöst“ und geformt werden, aber nicht vollständig von ihr bestimmt sind.
FORTSETZUNG FOLGT!!!!!!!!!