In Syrien wütet Krieg, Flüchtlinge erreichen Europa, die Gesellschaft gerät in Aufruhr. Lorenz weiß, dass er kämpfen muss. All das streift das Leben von Lorenz. Er trainiert für die Meisterschaft, will siegen, will frei sein. und reist dafür bis nach Westafrika. Sein Freund, der nach Wien geflohene Zain, genannt Z, träumt von einem Schlag, der ihn als Boxer unsterblich macht. Zwischen den beiden steht die Fotografin Elena. Mit ihrer Kamera hält sie die unruhige Gegenwart fest. Und den finalen Kampf.
Der Roman will zu viel und erreicht zu wenig. Die grundsätzlich interessanten Thematiken Migration, Boxen und Selbstfindung werden derart trocken ineinander verschachtelt, dass man der Handlung nicht recht folgen will.
Die Kapitel, die sich mit dem Boxen beschäftigen, sind sehr gelungen. Das Kapitel, das in Ghana spielt, hat sich leider etwas gezogen. Obwohl ich beim Lesen viel Spaß hatte, ist im Nachhinein nicht so viel zurückgeblieben. Bei dem Umgang mit manchen Handlungssträngen hat der Autor leider Potenzial verschenkt (z.B. Fotografin).
Bestimmt ein gutes Buch, gewiss mit einem wichtigen Thema, aber die Handlung bleibt träge, die Figuren sind mir zu flach. Ich habe nicht wirklich reingefunden und ab der Hälfte nur noch quer gelesen. Der Erzählstil ist mir ein bisschen zu monoton, ich fühle mich, wie wenn jemand mir seine Geschichte erzählt, und ich nicht genau weiß, worauf sie hinausläuft, wenn sie denn auf etwas hinausläuft. Keine Höhepunkte, nichts, woran ich mich als Leserin reiben könnte. Boxen, Syrien, Flucht, Fotografin, die übrigens - aber es ist ja auch en Männerbuch - obwohl sie als spannende Person angelegt ich, recht schwach ist: Projektionsfläche für die unerfüllten Liebesträume des Ich-Erzählers, selbst Beziehungsgescheiterte mit Hang zu Dominaspielchen - ach! Wie eingangs gesagt: Wem‘s gefällt, der wird Prossers neuen Roman gewiss lieben.
Mir hat schon der Vorgängerroman Phantome gefallen, und diesen neuen Roman finde ich sogar noch besser. Er liest sich total flüssig und ist toll erzählt. Es ist nahe dran an unserer Gegenwart: Syrienkrieg, Flüchtlingskrise, Backpacker-Lifestyle... um all das dreht sich die Geschichte des Ich-Erzählers. Boxen steht zwar auch im Mittelpunkt, aber dafür interessiere ich mich eigentlich überhaupt nicht (und ich vermute da geht es vielen so), aber die Story reißt mit, da konnte ich diesem Kampfsport echt was abgewinnen. Eigentlich ist‘s ein page-turner, der in die Welt des Boxens einführt und zwischen den Zeilen noch viel Zusätzliches vermittelt. Wirklich lesenswert!
sehr intensiver, mitreißender schreibstil und interessante figuren - leider fällt die story ziemlich flach durch die vielen ortswechsel und ohne merkliche handlung