Filozofia przypadku to obszerne dzieło Stanisława Lema, w którym autor podjął się trudu analizy literatury oraz zjawisk towarzyszących jej odbiorowi. Jako narzędzie analizy wykorzystał wiele dziedzin nauki oraz powiązanych z nimi teorii i twierdzeń, wśród których znajdowały się fizyka, socjologia, biologia, cybernetyka, czy matematyka.
Stanisław Lem (staˈɲiswaf lɛm) was a Polish science fiction, philosophical and satirical writer of Jewish descent. His books have been translated into 41 languages and have sold over 27 million copies. He is perhaps best known as the author of Solaris, which has twice been made into a feature film. In 1976, Theodore Sturgeon claimed that Lem was the most widely read science-fiction writer in the world.
His works explore philosophical themes; speculation on technology, the nature of intelligence, the impossibility of mutual communication and understanding, despair about human limitations and humankind's place in the universe. They are sometimes presented as fiction, but others are in the form of essays or philosophical books. Translations of his works are difficult and multiple translated versions of his works exist.
Lem became truly productive after 1956, when the de-Stalinization period led to the "Polish October", when Poland experienced an increase in freedom of speech. Between 1956 and 1968, Lem authored 17 books. His works were widely translated abroad (although mostly in the Eastern Bloc countries). In 1957 he published his first non-fiction, philosophical book, Dialogi (Dialogues), one of his two most famous philosophical texts along with Summa Technologiae (1964). The Summa is notable for being a unique analysis of prospective social, cybernetic, and biological advances. In this work, Lem discusses philosophical implications of technologies that were completely in the realm of science fiction then, but are gaining importance today—like, for instance, virtual reality and nanotechnology. Over the next few decades, he published many books, both science fiction and philosophical/futurological, although from the 1980s onwards he tended to concentrate on philosophical texts and essays.
He gained international fame for The Cyberiad, a series of humorous short stories from a mechanical universe ruled by robots, first published in English in 1974. His best-known novels include Solaris (1961), His Master's Voice (Głos pana, 1968), and the late Fiasco (Fiasko, 1987), expressing most strongly his major theme of the futility of mankind's attempts to comprehend the truly alien. Solaris was made into a film in 1972 by Russian director Andrei Tarkovsky and won a Special Jury Prize at the Cannes Film Festival in 1972; in 2002, Steven Soderbergh directed a Hollywood remake starring George Clooney.
Ob nun der Zeitgeist oder das komplizierte Gehirn eines (beinahe) Universalgenies, das in mehreren Wissenschaften und vielen Sprachen zu Hause und gleichzeitig Autor von Werken unterschiedlicher Genres gewesen ist, dafür verantwortlich war, dass dieses philosophisch- literaturtheoretische Werk mit biologischen, physikalischen, mathematischen, kybernetischen, sprachtheoretischen, literatursoziologischen und allgemein informationstheoretischen Ansätzen deutlich überfrachtet wurde, sei mal dahin gestellt: Fakt ist, dass der Informationsgehalt und Erkenntnisgewinn in vielen Details enorm, das Ganze aber schwer lesbar ist.
Was sind nun fast 60 Jahre nach Abfassung des Textes immer noch Erkenntnisgewinne? Zum einen die Einsichten, die sich aus der konsequenten Auflösung strukturimmanenter Betrachtungsweisen in Rezeptionstheorie ergeben: Die Relation Werk- (singulärer) Leser wird aufgehoben in eine diachron zu begreifende Relation Text- soziologisch wie psychosozial und bildungsmäßig ausdifferenzierte und an unterschiedlichen Orten zu unterschiedlichen Zeiten in unterschiedlichen historischen Situationen befindliche Leserschaften (Plural), die Rezeptionsergebnisse im Austausch und auch durch Institutionen vermittelt (Schule, "Kenner", Rezensenten usw.) zu "Werken" verdichten. Während ein Text im Moment seiner Veröffentlichung mit Blick auf seinen Gehalt, den Sinn und seine Qualität unterdeterminiert sei, "füllt" er sich im Laufe der Zeit, wenn der Zufall (!) es will, mit Bedeutungen, die über den Text hinausweisen und seinen Werkcharakter erst konstituieren. Ist das einmal geschehen, lagert das Werk immer neune Bedeutungsschichten an, "verpanzert" es sich, wie es an einer Stelle heißt, weil Rezeptionsweisen immer neu (biografisch, historisch, soziologisch, psychoanalytisch etc.) diskutiert, Lektürestrategien verändert und auf diese Weise Wertbeziehungen stabilisiert werden, die allen künftigen Rezeptionsbemühungen bereits vorausgehen. So sind etwa aus dem "Faust" oder aus Schillers Werken Sentenzen in die Sprache eingegangen, werden die Goldschnittbände vom Großvater dem Enkel als "wertvoll" präsentiert und erfährt der älter werdende Schüler als potentieller Leser des "Faust" in der Schule, dass er dieses Werk als "Meisterwerk" zu lesen habe. Umgekehrt, so eine ebenfalls zwar bekannte, aber in ihrer Bedeutung anderswo kaum literaturwissenschaftlich gewürdigte Einsicht, kann bereits das Label "Kriminalroman" die ganze Rezeptionsrichtung verschieben, weil sich weder "Experten" noch die für die kulturelle Habitualisierung wichtigen Lesergruppen mit einem "Krimi" beschäftigen oder beschäftigt haben. Was wäre aus dem "Namen der Rose" geworden, hätte der Verlag das Buch als historischen Kriminalroman angepriesen und hätte man es in den Buchhandlungen ausschließlich unter "Kriminalliteratur" finden können? Es hätte sich nur durchgesetzt, wenn eine relevante Anzahl von Leser/innen ihrer Begeisterung trotz des anfänglichen Schweigens der Literaturkritik, des Feuilletons und des (literaturpreisgetriebenen) Literaturbetriebs hätte Ausdruck verleihen und durch Nachfrage Gehör verschaffen können. Nach Lem ein Beleg dafür, dass die Etablierung des Werk-Status wesentlich ein nur stochastisch zu begreifender und damit keineswegs ein von vorneherein in seinem Ergebnis durch Qualitäten des Textes festgelegter Prozess sei. Dabei ist mein Beispiel vielleicht etwas unglücklich, aber es zeigt doch, was mit einem potentiellen Meisterwerk zu einer Zeit ohne globale Verflechtung, noch vor der Herausbildung eines Literaturmarkts, oder auch heute angesichts der Überfülle literarischer Texte hätte geschehen können. Wer weiß selbst heute ganz genau, welche Meisterwerke aus Burma oder Indien dem Nobelpreis-Komitee und den nationalen Akademien jedes Jahr verborgen bleiben?
Neben der einfachen, aber bis auf den heutigen Tag schwer zu beantwortenden Frage nach den im Umfeld des Werks zu suchenden Entstehungsbedingungen von Klassizität, die sich also nicht aus der inneren Struktur des Werks oder aus dem Verweischarakter von Sprache auf Realität (welche?) ergeben - das wird u.a. am Beispiel des Scheiterns des 1968 noch aktuellen nouveau roman aufgezeigt -, geht es des weiteren dennoch um die im Text notwendig angelegten Voraussetzungen für literarische Kommunikation. Ohne eine solche wird ja - wie gezeigt - aus einem Text kein "Werk". Insofern die Suche nach textimmanenten Qualitätsmerkmalen in den Eröffnungskapiteln als aussichtslos abgetan wurde, bleibt zur Verdeutlichung des Phänomens im Anschluss daran nur noch das Informationsmodell übrig, das als Sender-Medium-Empfänger-Modell allerdings zu simpel wäre. Deshalb die Exkurse in die Biologie und die Physik, die zeigen sollen, dass nicht etwa semantische Unbestimmtheit oder beliebig zu füllende Leerstellen in Prosa-Texten das zunächst weite, sich dann erst im Laufe der gesellschaftlichen Rezeptionsprozesse immer weiter verengende Spektrum an Lesarten eröffnen, sondern das der Text selbst Merkmale eines sich selbst organisierenden Informationssystems in sich tragen, also als "Sender" hinreichend komplex und dadurch geeignet sein muss, Wirkungen auf den Rezipienten entfalten zu können. Die Analogie ist hier, vereinfacht ausgedrückt, das Verhältnis von genetischer Struktur, die Möglichkeitsräume der Ausgestaltung eröffnet und gleichzeitig begrenzt, und Epigenetik, also den Umweltfaktoren, die eine Anlage so oder so konkret realisieren. Das erscheint zwar umständlich in der Begründung, leuchtet aber dennoch ein. Freilich, einem Marcel- Reich Ranicki hätte das nicht zugesagt. ;-)
Mag sein, dass man auch auf einem anderen Weg zu diesen Einsichten hätte gelangen oder sie wenigstens in einer weniger ungewöhnlichen theoretischen Sprache hätte formulieren können, mag aber auch sein, dass genau diese Sprache Absicht war. In Polen wurde der Text erst 7 Jahre nach seiner Fertigstellung publiziert und in der DDR erst 20 Jahre später (in der BR 5 Jahre früher). Ich meine, das verweist darauf, dass der Inhalt der Überlegungen aus unterschiedlichen Gründen in Ost und West zunächst nicht opportun war. Im Westen war die werkimmanente Literaturbetrachtung universitär unangefochten verankert, nur irritiert durch den Nouveau Roman und die sich nachfolgend durchsetzenden dekonstruktivistischen bzw. diskursanalytischen Ansätze der Franzosen (die Lem gut begründet ablehnt). Im Osten galt unanfechtbar die "Theorie des (sozialistischen) Realismus", die ihre Qualitätskriterien aus der Übereinstimmung des "Werks" mit den Gesetzmäßigkeiten eines historischen Prozesses meinte ableiten zu können, die Lem schlichtweg ignoriert. So viel immanente Kritik musste gut verpackt werden und kritische Überlegungen in der Sprache der Kybernetik/ Systemtheorie vorzutragen, war so gesehen nicht nur den Interessen des Autors geschuldet, sondern auch klug, da beide Ansätze in den 60-iger und 70-iger Jahren in West wie Ost en vogue waren. In den 80-igern in der DDR schon wieder etwas weniger, aber da dürfte die einer leichten Lesbarkeit entgegenstehende Struktur des Textes die Zensoren beruhigt haben, da sie den potentiellen Leserkreis vorhersehbar einschränkt. (Bei mir stand das Buch denn auch seit seinem Erscheinen im Regal, aber bis vorgestern lag das Lesezeichen bei Seite 36- das politische Umfeld und meine privaten Verstrickungen darin waren 1988/89 in Leipzig der Rezeption eines derart schwierigen literaturtheoretischen Textes nicht eben förderlich und danach hatte ich anderes zu tun und meinen Job als Literaturtheoretiker war ich eh los. Warum die beiden Bände später keine Karriere gemacht haben, ist eine andere Frage, die nur an die im Fach tätigen Kolleg/innen zu stellen wäre.)
Soll man nun den Text heute noch lesen? Wer sich für das Phänomen "Literatur" nicht nur praktisch, sondern auch theoretisch interessiert, kann nichts falsch machen, denn der Text ist nach wie vor anregend, provokativ und lädt zum Weiterdenken ein. (Ich bin gespannt, was Band 2 noch bietet.) Der gute Unterhaltung suchende Leser oder Fan fantastischer Literatur kann das Buch allerdings getrost links liegenlassen. Damit seine Thesen in den Status von Allgemeinbildung aufsteigen, müsste die Rezeptionsgeschichte erst "Speck" ansetzen und Leute vom Fach oder mit Reichweite müssten das Ganze in eine heutige Theorie-Sprache übersetzen und so popularisieren. Ich bezweifle allerdings, dass das im Interesse des genannten Personenkreises liegt, dem Lem ja einen Großteil Kompetenz und Bedeutung abspricht. ;-) Im Rahmen dieser kurzen Besprechung habe ich das jedenfalls schon mal versucht, wohl wissend, dass ich nicht in der Lage bin, den Gehalt des Ganzen auch nur annähernd vollständig zu erfassen. Aber das ist hier ja auch nicht der Ort und nicht der Sinn der Sache.